Vorbereitung auf Konflikte, Krisen und Katastrophen

Der Chef der Armee (CdA) redet Klartext. In einem Artikel in der Schweiz am Sonntag (27.12.2015) weist er auf die sich rasch verschlechternde geopolitische Lage hin. Damit schliesst er sich der Lagebeurteilung der „Ewiggestrigen“ an.

Allerdings forderten diese deswegen seit Jahren eine Landesverteidigung, die ihren verfassungsmässigen Auftrag erfüllen kann, d.h. den Einbezug der Schweiz in einen Krieg zu verhindern, oder im Angriffsfall Land und Leute mit Aussicht auf Erfolg zu verteidigen.

Dagegen wechselt der CdA dann zu „Neusprech“, der Sprache des totalitären Staates aus dem Roman „1984“ (George Orwell). Mit Neusprech wird das Gegenteil der Bedeutung der Worte gemeint. So sagt er, unsere „Armee ist auf dem Weg zur Weiterentwicklung, damit sie für Land und Leute kämpfen, sie schützen oder ihnen helfen kann.“ Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts wurde die Armee bereits um zwei Drittel verkleinert. Mit dem in Neusprech „Weiterentwicklung“ genannten nächsten Schritt soll sie nochmals halbiert werden, wobei von den dann noch vorgesehenen 100’000 Mann nur noch rund 30’000 Mann eigentliche Kampftruppen sind. Der Grossteil ist für die Unterstützung der Kantone vorgesehen, z.B. bei Rüfenen, ein kleinerer für Auslandeinsätze. Aber das Hochgebirgsland Schweiz wird dann über keine Gebirgstruppen mehr verfügen.

Korpskommandant Blattmann weist auf den Armeebericht 2010 hin, dort stünden die Aufgaben der Armee. Er verzichtet aber darauf hinzuweisen, dass man dem Bericht entnehmen kann, in welch katastrophalen Zustand die Armee schon damals war.

In der No.2/2013 der Military Power Revue, der Fachzeitschrift des CdA, erschien die im Armeebericht 2010 angekündigte „Militärdoktrin der Schweizer Armee“. Der Kernsatz aus dieser Militärdoktrin sagt alles:

Die „Verteidigungsfähigkeit wird nur nach einem politischen Entscheid sowie einer längeren Vorbereitungszeit erreicht„. Es soll nur noch „eine kleine Zahl den Erhalt und die Entwicklung des für die Abwehr eines militärischen Angriffes notwendigen Know-hows garantieren„.

Mit anderen Worten, wir haben keine Armee mehr, die „Land und Leute schützen kann„, sondern sie soll nur noch wissen, wie man kämpfen würde, hätte man die Zeit zur Vorbereitung und die personellen und materiellen Mittel dazu.

Der Verfasser des vorliegenden Artikels hat in seinem Artikel „Eine Militärdoktrin der Illusionen“ (Link) Punkt für Punkt nachgewiesen, dass die Armee die dort genannten Aufgaben nicht erfüllen kann, So soll sie „mit allen Mittel verhindern, dass der Gegner seine Ziele rasch erreicht; es sollen ihm schwere Verluste beigebracht werden, die ihn zur Aufgabe seiner Aktionen zwingen“. Sie soll „nach Aufnahme der Kampfhandlungen …Schläge in die Tiefe des gegnerischen Raumes tragen“. Womit?

Geht diese Militärdoktrin von einem Angriff durch Liechtenstein aus? Wie lächerlich kann sich die weltweit einst als friedliebendstes, aber wehrhaftestes Land wahrgenommene Schweiz noch machen? Kein Wunder, begann die indische Zeitung Business Standard ihren langen Artikel vom 21.02.2014 über die Schweizer Armee mit dem Satz: „Es ist so leicht sich über die Schweiz lustig zu machen, dass es fast unsportlich ist„.

Dazu passt der Entwurf des endlos langen Sicherheitsberichtes 2015, der von der Verwaltung im Namen des Bundesrates herausgegeben wurde und gegenwärtig bei den eidgenössischen Parlamentariern liegt. Er wird wahrscheinlich ungelesen zustimmend zur Kenntnis genommen werden. Dort wird ein umfassender Auftrag definiert (Seiten 67 & ff). Dann wird gezeigt, dass die Armee den Auftrag gar nicht erfüllen kann:

„Wenn es nicht möglich ist, gegnerisches Feuer auch auf grössere Distanz zu erwidern und gegnerische Kräfte an ihrer Kampftätigkeit zu hindern, könnten die eigenen Truppen kaum mit Aussicht auf Erfolg eingesetzt werden…. Ohne Schutz des Luftraumes können militärische Aktionen am Boden und in der Luft höchstens in Ausnahmefällen erfolgreich durchgeführt werden“.

Dazu kommen weitere Schwächen: Viel zu wenig Verbände, fehlende Ausrüstung, Konzentration der schweren Mittel in wenigen Zentren, keine schnelle Erstellung der Kampfbereitschaft. Selbst wenn wir diese katastrophalen Schwächen beheben wollten und dafür die Mittel frei geben würden, dauerte die Umsetzung viele Jahre.

Dafür wird immer wieder darauf hingewiesen, dass die Nato im Kriegsfall unser Partner sein werde. Obschon das Schweizer Volk immer noch glaubt, wir seien neutral, führen uns unsere Oberen schleichend in die Nato. Wir sind nicht nur Mitglied der Nato-Partnerschaft für den Frieden (in der chinesischen Presse als strategisches Instrument der USA vorgestellt), sondern nehmen auch an der Interoperabilitätsplattform der Nato teil. Dort üben die teilnehmenden Armeen die gemeinsame Kriegführung.

Es wäre an der Zeit, Bundesrat und Armeeführung schenkten unserem Volk reinen Wein ein und orientierten es darüber, dass wir in den nächsten Jahren – da selbstverschuldet wehrlos – zum ersten mal seit fast 200 Jahren in einen möglichen Konflikt oder grossflächigen, mit Gewalt verbundene Zusammenbruch in Europa mit hineingerissen werden und die ganzen unermesslichen Leiden und Zerstörungen über uns ergehen lassen müssen.

Gotthard Frick, Bottmingen

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Bruno Steinegger

ja dies war vorauszusehen. Was mich stoert an der GANZEN Sache ist, dass die politische ELITE ganz genau weiss was abgeht. Es sind etwas mehr al 9000 IS Schlaechter in Europa….. und was immer wieder im internet geloescht wird ist folgendes
IslamicInvasion W open Gates The Forced Collective Suicide of European Nations.
Genau dies weiss aber unsere Elite in Bern auch. Darum wurden die Grenzen nicht geschlossen. Die USsymantisantin ohne Vereidigung im BR schuert dies noch und alle schauen zu. Super, wie damnals bei der SS Zeit, wo auch sympantisanten im BR hockten

Kuede

Wie heisst es so schön: „Die Geschichte lehrt uns“. Aber die in Bern scheinen nichts gelernt zu haben.

S. Gerber

Der gordische Knoten kann nur durch peesonelle Wechsel gelöst werden. Solange die Urheber der WEA am Ruder sind, wird alles schöngeredet werden.

BR Maurer als Problem Nr. 1 ist jetzt weg. Der Weinbauer hat die Chance für einen Neuanfang, sofern er sich nich von seinen Chefbeamten einlullen lässt.

Generalsekretärin Rindlisbacher wurde danach zügig durch Frau Falcone ausgewechselt. Ein guter Schritt. Damit steht jetzt auch Catrina zum Abschuss frei.

Als nächstes müssen KKdt Blattmann, evtl. auch Schellenberg weg.

Walter Roth

Und was mich besonders stört, das Geld wäre gar kein Problem. Unser Bundeshaushalt wächst und wächst und……. nur eben nicht bei der Armee. Und Entwicklungshilfe wird immer mehr betrieben, obwohl selbst in Afrika mittlerweile viele Experten diese sehr kritisch betrachten, ja sie für Sinnlos erachten. Denn mit den Milliarden werden die afrikanischen Staaten dazu verführt ihre Probleme vor sich herzuschieben, anstatt sie zu lösen. Es erfolgt gerade auch wegen unserer Gelder keine Saatsentwicklung, sondern die Oligarchen werden Reich und Reicher, Korruption und Misswirtschaft blühen. 4 Milliarden Afrikaner bis zum Ende des Jahrhunderts, wo heute gerade mal 1.2 Milliarden leben. Nein,… Weiterlesen »

S. Gerber

Das Geld ist effektiv kein Problem: Egal wie gross das Budget in den letzten Jahren auch war, das VBS hat es bisher noch nie ausgeschöpft.

Zuerst einmal das aufbrauchen, was zur Verfügung steht und erst dann mehr verlangen. So zumindest haben wir das als Kinder gelernt.

Walter Roth

S. Gerber………… Das ist nicht ganz richtig. Man müsste dem VBS erlauben, dass nicht genutzte Budget auf das nächste Jahr zu übertragen. Denn dieses ….von Jahr zu Jahr, ist schwer sauber einzuplanen und zu halten. Es wäre so möglich das das VBS einmal weniger verbraucht, dafür nächstes dann Jahr mehr hat. Wenn ein Unternehmen nicht liefert oder etwas unvorhergesehenes passiert, müsste das VBS das ungenutzte Geld nicht in den Bundeshaushalt zurückschieben, sondern es bliebe reserviert bis der Auftrag soweit ist. Denn, das diese Kredite nicht ausgeschöpft wurden war meist technischer Natur geschuldet, nicht das man es nicht benötigen würde. Die… Weiterlesen »

Hohermuth

Kann dem nicht zustimmen. Es fehlt an derart vielen Orten, dass männiglich von einem viel höheren Budget als 5 Mia. gesprochen wird. 7-10 Mia. wären wahrscheinlich vernünftig um im Vergleich mit den übrigen Budgets der Bundesverwaltung dann eher ebenbürtig. Es fehlt an derart vielen Ecken und Enden und da sind auch viele kleinere Posten drin. Lächerliche 30 Millionen für die Kampferhaltung von Panzern oder 24 h – Flugbetrieb, Uniformen, persönliche Waffen, Minenwerfer, tragbare Flugabwehrraketen, Schützenpanzer etc. etc. etc. Es gibt nicht nur Grossprojekte. Es fehlt überall. Geld an die allgemeine Bundeskasse zurückzugeben ist dumm, unfähig und nicht zielführend. Korrekt wäre… Weiterlesen »

S. Gerber

Dem widerspreche ich vehement. Wenn die Führung von VBS und Armee nicht in der Lage ist, mit dem aktuellen Budget sinnvoll umzugehen (siehe Beschaffung Warnsignale oder Gamellenwaschanlage), so darf man ihr unter keinen Umständen ein noch grösseres Budget anvertrauen.

Ich wiederhole gerne. Das Hauptproblem im VBS sind nicht die Finanzen, sondern die Führungspersonen, welche damit nicht umgehen können.