Vertrauliches VBS-Papier: Projekt Bodluv wird noch viel teurer

Gemäss dem Pflichtenheft des VBS kann mit der einen Milliarde Franken, die das Raketenprojekt Bodluv 2020 voraussichtlich kostet, nur ein Raum von 600 Quadratkilometern geschützt werden. Im Endausbau soll das Projekt gemäss Pflichtenheft eine sechs Mal so grosse Fläche abdecken.

Diese neuen Fakten lassen Schweizer Sicherheitspolitiker weiter am Raketenprojekt der Armee zweifeln. «Das heisst, dass man einen grossen Teil der Schweiz schutzlos lassen würde», sagt FDP-Nationalrat Walter Müller. GLP-Nationalrat Beat Flach sagt, es wäre «ein Fehler», Geld auszugeben, um 600 Quadratkilometer zu schützen, «um dann ein Sechsfaches beschaffen zu müssen».

Für SP-Nationalrätin Chantal Galladé stellt das Verhältnis zwischen dem Beschaffungsumfang und der daraus resultierender Sicherheit «neue Fragezeichen», wie sie gegenüber der «Rundschau» erklärt. «Alle Bereiche müssen sparen und da ist man offenbar bereit, Milliarden in Etwas mit relativ wenig Wirkung zu investieren.»

Beitrag der Rundschau

Kommentar:
Die Gruppe Giardino ist erschüttert über die Unwissenheit der Sicherheitspolitiker über die im Pflichtenheft geforderte schwache Leistung des Systems BODLUV. Wir sind davon ausgegangen, dass bei solchen strategischen Grossprojekten die Pflichtenhefte (inkl. gefordertem Leistungsprofil) vor Projektbeginn der Sicherheitspolitischen Kommission vorgelegt und dort verabschiedet werden. Sollte dies nicht der Fall sein, muss dies umgehend geändert werden.

Keine Zweiklassen-Sicherheit
Giardino ist zudem überrascht, wie fahrlässig die Armeeführung mit der Sicherheit der Schweiz umgeht. Wir verurteilen den Ansatz der Zweiklassen-Sicherheit, bei der nur Bewohner in sechs Zentren (wieso sechs?) von einem ausreichenden Luftschirm profitieren. Die Bundesverfassung fordert klar eine Leistung, welche der ganzen Bevölkerung zugute kommt – so wie dies bis zur Armee XXI erfüllt wurde. Es ist für uns unverständlich, dass 
ein Pflichtenheft erstellt wird, welches diesem Auftrag nicht nachkommen kann.

Unverhältnismässiges Kosten/Nutzen-Verhältnis
Die für BODLUV aufzuwendenden finanziellen Mittel stehen in keinem Verhältnis zur punktuellen und nicht gesicherten Leistung von BODLUV. Die Bevölkerung erwartet zurecht von der Luftwaffe/Armee eine umfassende und durchhaltefähige Leistung. Die von BR Parmelin in Auftrag gegebene Gesamtschau muss hier zwingend Antworten liefern.

Vorschnelle Ausserdienststellung
Einmal mehr rächt sich die vorschnelle Ausserdienstsetzung; Hier der BL-64 Bloodhound. Mit der Bloodhound konnte die ganze Schweiz bis ins Jahr 2001 geschützt werden. Aktuell und auf absehbare Zeit verfügt die Schweiz über keinen ausreichenden Schutz. Allein dieser Zustand wirft ein schlechtes Licht auf die Schweizer Sicherheitspolitik. Giardino hat mehrmals davor gewarnt, überhastet Rüstungsgüter zu verschrotten oder zu verkaufen. Natürlich sind leistungsfähige Systeme besser als ältere Waffenträger. Aber ältere Systeme sind auch besser als gar keine Systeme.

Löcher im Luftschirm
Vom einst dichtesten Flab-Schirm in Europa ist kaum noch etwas übrig geblieben. Die Bezeichnung „Emmentaler Käse“ wäre übertrieben.Vor der Armee XXI verfügte die Armee über 20 Leichter Flab Lenkwaffen Abteilungen („Stinger“). Heute sind von den 4 Abteilungen nur zwei vollständig ausgerüstet – Ein Leistungsabbau von 90%. Von den drei M Flab Abteilungen könnten immerhin alle ausgerüstet werden, sofern die Mittel der Rekruten- und Kaderschulen zur Verfügung stehen.

Anschauungsunterricht zum „Aufwuchs“
Dieser Abbau bei der Flab ist an der Politik und am Volk nahezu geräuschlos vorbeigezogen. Hier zeigt sich, dass ein Aufwuchs nach einem radikalen Abbau eine Illusion bleibt, mit grossen Risiken behaftet ist, mehrere Jahre dauert und grosse Finanzmittel verschlingt. Dieses Konzept, welches der WEA zugrunde liegt, erweist sich heute im Praxistest als unbrauchbar.

Ungenügende Leistung der WEA
Aufgrund der Reaktionen der Un-Sicherheitspolitiker geht Giardino davon aus, dass die mangelhafte Leistung der WEA in diesen Kreisen ebenso unbekannt ist. Umso mehr muss die Bevölkerung das Heft selbst in die Hand nehmen und diese fahrlässige Zerstörung unserer Milizarmee stoppen. Das Referendum gegen die Halbierung der Armee ist dazu das geeignete Mittel, um diesen Raubbau an unserer Sicherheit zu stoppen.

 

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Felix Lambrigger

Vorsicht, Leute! Jetzt wird mit Blendgranaten um sich geschossen. Selbst wenn eine Rakete nur eine Reichweite von 30 Km hätte, ergäbe dies eine x-fach grössere Fläche, als diese „bireweichen“ 600 Km2. 30x30xPi ergibt eine Fläche von über 2800 Km2. Ich selber gehe bei meinen Schätzungen von einem Halbkreis aus, den eine Rakete abdecken müsste. Bei einer Reichweite von 40 Km ergäbe das dann eine Fläche von rund 2500 Km2. In früheren Beiträgen nannte ich einen Finanzbedarf von 4 – 5 Mrd. um dereinst das ganze Mittelland und einige zusätzliche Gegenden ab zu decken. Da man nicht abwarten kann, bis eine… Weiterlesen »

Felix Lambrigger

Ich bekräftige hier nochmals, dass ich die herumgereichten Zahlen, welche angeblich in einem Pflichtenheft stehen sollen stark bezweifle. Hat irgend jemand von Euch dieses Pflichtenheft gesehen? Wie ich oben schon vorgerechnet habe, wäre selbst bei nur 2/3 der geforderten Reichweite einer Rakete ein mehrfaches der 600 Km2 abgedeckt. Und das nur 6 Ballungszentren geschützt werden sollen, glaube ich auch nicht. Denn die Abwehrsysteme sind ja hochmobil. Also nicht fest installiert wie seinerzeit die Bloodhound. Ich halte das ganze für eine Desavouierungs-Kampagne der Armeegegner (Gallade und Co.) um das Projekt zu Fall zu bringen. Etwas anderes ist die Nicht-Allwettertauglichkeit. Ebenso unklar… Weiterlesen »

Kuede

Zum Thema „Vorschnelle Ausserdienststellung“ gibt es nur einen Ausdruck: Catrina!
Wie lange will sich das VBS noch solche Leute leisten?
Zum anderen widerspiegelt sich im Projekt BODLUV die Armeeführung, d.h. sehr ungenügend. Sofort zu ersetzen, wenn nötig halt mit „alt gedienten Generälen“.

Beda Düggelin

„Endlich kommt Zug in den Kamin!“ Nun erwachen die selbsternannten Sicherheitspolitiker im Bundeshaus aus einem tiefen ungesunden Schlaf! Leider gibt es in unserem Land keine glaubwürdigen Sicherheitspolitiker mehr, sonst hätten sie längst realisiert, dass sie die Armee längst zu Tode gespart haben. Nun kriegt natürlich die SP wieder Auftrieb, denn nun wird der Beweis geliefert, dass die Schweiz nicht mehr in der Lage ist, eine glaubwürdige Sicherheitspolitik zu verfolgen, sie ist schlicht zu teuer. Die Armee hat sich längst selbst abgeschafft. Wer soll das bezahlen, wer hat soviel Geld? Der Finanbedarf beträgt rund CHF 20 Milliarden für die Armee (Kmapfflugzeug,… Weiterlesen »

Karl Grau

Ich bin erschüttert über die Diskussionen die hier geführt werden von Leuten, die sich mit der Materie kaum befassen. BL 64 hat wohl den ganzen Schweizer Luftraum abgedeckt, aber nicht in allen Flughöhen. Auch der „dichteste Flab-Schirm Europas“ den wir hatten, hat nie die ganze Schweiz abgedeckt, aber viele strategisch wichtige Objekte konnten wirksam geschützt werden. Dabei wurden die schutzwürdigen Objekte je nach Lage ausgewählt. Ein Gegner musste also zuerst sorgfältig Aufklären, bevor er einen Fliegerangriff riskieren konnte. Überlassen wir doch die Flab-Taktik den Fachleuten. Aber, dass die Armee heute nicht mehr in der Lage ist, mit den eigenen verantwortlichen… Weiterlesen »

Felix Lambrigger

Bin mit Ihnen von A bis Z einverstanden, Herr Grau. Ich bin ja auch kein Flab-Fachmann. Kann es mir aber nicht verkneifen, einige Vergleiche an zu stellen. Die Bloodhound war ein schwereres Kaliber, als das, was man nun beschaffen will.Die BL-64 hätte ja auch deutlich jenseits unserer Grenzen gewirkt. In den Sechzigern und bis Anfang 80ern gab man dafür wohl an die 600 Mio aus (inkl. Übernahme von Schweden). Dies entspricht heute etwa 2,4 Mrd. Franken. Die BL-64 erreichte etwa 1,5 fache Schallgeschwindigkeit. (Wäre heute nicht mehr ausreichend). Für die 700 Mio, resp. 1 Mrd. kann man höchstens eine erste… Weiterlesen »

Schaub Rudolf P.

Es ist schon erstaunlich, welche Ignoranten in Bern für mehr als CHF 125’000.00 tätig sind. Im Sicherheitsbericht 2010 wurde festgehalten, dass unsere kaputt gesparte Arme nur noch in der Lage sein wird, ein gewisses Verteidigungs-Know-how zu erhalten. Weiter kann man im Sicherheitsbericht nachlesen, dass teure Systeme infolge der Unterfinanzierung der Armee nur noch in beschränkter Anzahl zur Know-how-Erhaltung bzw. zu Ausbildungszwecken gekauft werden können. Das gilt auch für Luftabwehrsysteme, was jedem Mitglied der Sicherheitskommissionen von NR und SR klar sein muss. Frau NR Galladé ist es aber einmal mehr nicht klar. Entweder will sie gemäss dem Programm ihrer Partei (SP)… Weiterlesen »

Konrad Alder

Der politische Eiertanz und die medialen Skandalisierungsversuche um die Beschaffung bzw. Sistierung von Bodluv sind beschämend und wenig hilfreich. Wenn unser Schweizerischer Sicherheitsverbund für Schutz, Rettung und Verteidigung im Lichte der aktuellen militär- und geopolitischen Lage mit all ihren Unwägbarkeiten (1) in der Lage und befähigt sein soll, den ihm aktuell von Bundesrat und Parlament zugewiesenen Auftrag glaubhaft und wirkungsvoll zu erfüllen, so ist das Budget des VBS realistisch gesehen in den kommenden Jahren zwingend bis in den Bereich von 7 Mrd. anzuheben. Andernfalls ist weder die Erneuerung unserer Luftwaffe noch Bodluv zu finanzieren und der Auftrag an Armee und… Weiterlesen »

Hohermuth

Bei fast allen Projekten des Bundes (oft auch der Kommunen) ist ja bekannt, dass mit falschen Zahlen operiert wird und dass man im Endeffekt mit x 2 rechnen muss. Erstaunt mich immer wieder wie leichtgläubig man ist. Man wird halt eben überall und immer angelogen.