Anforderungen an neue Kampfflugzeuge und neue bodengestützte Luftverteidigung festgelegt

Das VBS hat festgelegt, welche Anforderungen die neuen Mittel zum Schutz der Bevölkerung vor Gefahren aus der Luft erfüllen müssen. Zudem hat es die Kriterien für die Evaluation sowie weitere rüstungspolitische Vorgaben festgelegt, unter anderem zu den Kompensationsgeschäften.

Mitteilung des VBSAnforderungen (PDF) – Berichte auf 20min.chluzernerzeitung.chblick.chbazonline.ch – SRF.ch

Kommentar/Beurteilung:
Wir begrüssen es sehr, dass das VBS klare Vorgaben über das Leistungsniveau der Luftwaffe definiert hat. Bei den spezifischen Anforderungen kommen aber Zweifel auf, ob damit der verfassungsmässige Auftrag der Armee genügend Rechnung getragen wird.

So steht etwa:

Die Gesamtflotte ist befähigt, […] in der Verteidigung zusammen mit der bodengestützten Luftverteidigung einem Gegner während einer beschränkten Zeit die Erlangung der Luftüberlegenheit zu verunmöglichen und gleichzeitig die Armee mit operativem Feuer ausserhalb der Reichweite der eigenen Artillerie und mit Luftaufklärung zu unterstützen.

Luftüberlegenheit wird definiert als: „Grad an Überlegenheit in der Luft, der das Durchführen der eigenen Land- und Luftoperationen zu einem bestimmten Zeitpunkt und an einem bestimmten Ort ohne verhindernde Einwirkung des Gegners zulässt.“

Luftüberlegenheit ist eine geringere Ausprägung der Lufthoheit, welche ihrerseits definiert ist als: „Überlegenheit in der Luft, bei dem die gegnerischen Luftstreitkräfte unfähig sind, auf die eigenen Operationen wirksam Einfluss zu nehmen“).

Wenn die Gesamtflotte also „nur“ an Luftüberlegenheit, aber nicht an Luftherrschaft gemessen wird, sind also gegnerische Aktionen grundsätzlich zu erwarten.

Nun ist es aber noch etwas komplizierter, da die Erlangung der Luftüberlegenheit des Gegners „während einer beschränkten Zeit“ verunmöglicht werden soll. Wieso schreibt das VBS dann nicht einfach, die Gesamtflotte soll die Luftüberlegenheit sicherstellen? Vielleicht weil da noch steht „während einer beschränkten Zeit“? Wie ist dies genau definiert?

Das VBS geht also davon aus, dass die Luftherrschaft nur „während einer beschränkten Zeit“ sichergestellt werden kann – z.B. während ein paar Tagen. Anschliessend sind die eigenen Kräfte entweder vernichtet oder müssen gewartet werden. Ohne Lufthoheit oder zumindest einer Luftherrschaft z.G. der wenigen Bodentruppen ist unsere Armee aber dem gegnerischen Feuer aus der Luft schutzlos ausgesetzt und erreicht schnell den Kampfwert „0“.

BODLUV
„Die abzudeckende Fläche soll mindestens 15’000 km2 betragen“ – damit bleibt über die Hälfte der Landesfläche ungeschützt bzw. muss mit luftgestützten Mitteln geschützt werden.

Bei den „in die Evaluation einzubeziehende Regierungen und Hersteller“ sowie bei den Anforderungen bezüglich „Interoperabilität“ (inkl. PfP) fällt einmal mehr auf, dass man sich nur auf westliche Länder und Technologien fokussiert und damit sehr gute (und wohl auch günstigere) Systeme ausschliesst. Mit dem „Einladungsverfahren“ sagt man anderen Anbietern deutlich, dass man diese nicht einmal prüfen möchte. Dies ist für ein angeblich neutrales Land inakzeptabel.

Als Begründung wird geliefert: „Die Systeme seien sehr unterschiedlich, eine Integration von russischen Systemen sei sehr teuer, das Geld würde an anderer Stelle fehlen. Catrina ergänzt: «Es wäre politisch gesehen ein eigentümlicher Zeitpunkt, gerade jetzt, nach Jahrzehnten von Beschaffungen aus westlichen Ländern, von Russland Dinge zu importieren.»“ (20min.ch)

Hat man eine Integration geprüft? Wieso ist der Zeitpunkt „eigentümlich“?

Print Friendly, PDF & Email

5
Hinterlasse einen Kommentar

4 Kommentar Themen
1 Themen Antworten
0 Follower
 
Kommentar, auf das am meisten reagiert wurde
Beliebtestes Kommentar Thema
5 Kommentatoren

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  Abonnieren  
neueste älteste meiste Bewertungen
Benachrichtige mich bei
Pavlao Kitanovic

Die obigen Ausführungen über Luftüberlegenheit und Luftherrschaft zeugen von wenig Verständnis von Luftkriegführung. Luftüberlegenheit ist nicht eine geringere Ausprägung von Lufthoheit (dies wäre das Recht eines Staates, die Regeln im Luftraum über seinem Territorium festzulegen und bei Bedarf durchzusetzen), sondern – wenn schon – von Luftherrschaft. Luftherrschaft ist genau nicht zeitlich und räumlich beschränkt, sondern absolut. Wenn die Kontrolle des Luftraums zeitlich und räumlich beschränkt ist, spricht man von Luftüberlegenheit oder vorteilhafter Luftsituation. Die Luftherrschaft können realistischerweise nur Luftstreitkräfte einer Grossmacht erlangen – am Ende des Zweiten Weltkriegs hatten beispielsweise die Alliierten über dem Dritten Reich die Luftherrschaft, d.h. die… Weiterlesen »

Luftpirat

Zur Erinnerung: Die Infrastruktur der Luftwaffe ist mehrheitlich im Alpenraum, wo gemäss Ihren Relativierungen keine BODLUV zum Einsatz käme, weil man damit schon einen Teil der Bevölkerung im Mittelland schützt.

Felix Lambrigger

In einem Punkt sind wir uns wohl alle einig. Im Falle eines Falles (grösserer Krieg) sind unsere Mittel sowohl Material- wie auch Personalmässig völlig unzureichend. Und natürlich auch bei der Finanzierung. Aber die Aussagen gemäss PDF-Akte „Anforderungen“ sind nicht falsch. Sie basieren aber auf den eingangs erwähnten Gegebenheiten. Je nachdem wie massiv unser Land angegriffen würde, wären wohl auch 70 Flugzeuge zu wenig. Wie ich schon vor einiger Zeit schrieb, halte ich die jetzt erkennbare Beschaffungs-Strategie und das taktische Vorgehen für sehr gut. (Die div. Gegner grösstenteils im Ungewissen lassen). Bodluv: Das erwähnte Israelische Produkt genügt den Anforderungen in Punkto… Weiterlesen »

Offen wird das Logo nicht komuniziert. Die Schweiz ist Teil der NATO, nicht Vormel jedoch de Fakto. Die Indizien sind erdrückend. Je nach Lage so die ,,Vorstellung,,wird dann entschieden was und wieviel an Zusammengehen.In Sache Partnerschaft für den ,,Frieden,, wurde nie etwas konkretes herausgerückt. Ein Staatsrechtlicher Vertrag existiert nicht jedoch sehr wahrscheinlich verbindliche Absprachen. Dazu muss man einfach die entsprechend Vormulierten Art. in unserer Verfassung genau lesen. Zb. Die Armee schützt die Bevölkerung der Schweiz, klingt ja sehr schön und gut, nur eben eine ,,Breitbandvormulierung,,. Ein Fall X Zerfall der EU und oder NATO wird als NULL Möglichkeit eingestuft. Völlig… Weiterlesen »

Andreas Wäger

Sehen wir es doch einfach ein: Die Idee, die Schweiz autonom, und länger als einen Monat im Kriegsfall zu verteidigen ist schon länger vom Tisch. Für mich wird hier nur noch eine Minimaltruppe unterhalten um der Nato unter die Arme zu greifen. Man muss nun wirklich kein Prophet sein um zu merken, dass man mit 30 Kampfflugzeugen, 134 Panzern, noch 3 M-Flab Abt. usw. wirklich die Schweiz verteidigen kann. Wir bauen dazu noch ganze intakte Infrastrukturen und Anlagen ab um uns gänzlich jeglichen Spielraum von Anfang an zu nehmen. Ich frage mich einfach, was ist der Plan dahinter?? Mich nervt,… Weiterlesen »