Strategischen Führungsübung 2017: Auswertung verabschiedet

„Die Krisenorganisationen gingen die Problemerfassung und die Lagebeurteilung sehr unterschiedlich an. Einige Stäbe fokussierten ausschliesslich auf die regelmässigen Lageberichte des NDB, ohne sich ein eigenes Bild der Lage zu machen. Andere beachteten die Lageberichte des NDB oder der Taskforce TETRA offenbar zu wenig und verbrachten viel Zeit damit, ein eigenes Lagebild zu erstellen. Sie waren stark mit Abklärungen und mit Einschätzungen zum Wahrheitsgehalt der Informationen beschäftigt, statt nach einer kurzen Lagebesprechung aufgrund der gelieferten Fakten über Konsequenzen von Entwicklungen oder über konkrete Aufträge zu diskutieren. Wieder andere zählten schlicht Ereignisse auf, ohne sie zu einem gesamtheitlichen Lagebild zu verdichten oder die Lage zu beurteilen. Bereits bei der Problemerfassung sollten jedoch die verschiedenen Teilprobleme und deren gegenseitige Abhängigkeiten identifiziert werden. Dies fand nur beschränkt statt. Einige Stäbe nahmen zwar nach einer eher rudimentären Problemerfassung eine Lagebeurteilung in Angriff, gingen aber nicht in die Tiefe und erkannten folglich keine Querverbindungen zwischen den Ereignissen oder konnten keine Auswirkungen auf andere Themenfelder ausmachen. So waren die Problemerfassungen der Situationen in Mühleberg und in Genf zwar meist einzeln vorhanden, wurden aber nicht verknüpft. Kurzum, es fehlte ein gemeinsames Lageverständnis als Grundlage für koordiniertes Handeln zwischen den Departementen wie auch eine einheitliche, klare Lagebeschreibung als Entscheidungsgrundlage für den Bundesrat.

„Weiter gingen ohne Wissen des VBS Anträge ein, von welchen es betroffen gewesen war, z.B. der Antrag auf subsidiäre Unterstützung durch die Armee. So hörte das GS VBS in der ersten Sitzung des Ad-hoc-KS zum ersten Mal vom Präsidialbeschluss, dem Chef VBS die Kompetenz zum Aufgebot von 2000 Armeeangehörigen zu übertragen.

„Das fehlende gemeinsame Lagebild ist ein fundamentaler Schwachpunkt der nationalen Krisenbewältigung. Die verschiedenen Akteure (Bund, Kantone etc.) nutzten unterschiedlichste Lage- und Führungsinformationssysteme, was den Daten- und Informationsaustausch erschwerte. Ein einheitliches Lagebild, das seit vielen Jahren immer wieder gefordert wird, gab es auch in der SFU 17 nicht.“

Schlussbericht (PDF)

Kommentar:
Wir alle hoffen, dass es nie eine solche Krise in der Schweiz geben wird – auf die staatlichen Stellen möchten wir uns nach einem solchen Bericht nicht verlassen müssen.

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Im Zeitalter der sog.Globalisierung grosse Kriesen? Eine grosse Kriese halten schlicht fast ALLE für so gut wie sehr Unwahrscheinlich. Tja und wenn doch? Fürchte längst,wenn doch, dann ist Pustekuchen. Noch funktioniert diese Welt erstaunlich gut ein Glück für uns Alle. Der Umstand das selbst ,,kleinere,, Verwerfungen, Lokale Kriesen wie leicht jeder, anhand der täglichen Nachrichten entnehmen kann nur noch bedingt unter Kontrolle sind, lässt verheerendes befürchten. Die Welt ist ohne Bespiel in der Geschichte extrem vernetz und gegenseitig abhängig.Tja eben,noch funktioniert das NOCH. Ein weiteres noch nie dagewesenes Faktum sind die Dimensionen. Die Weltbevölkerung ist auf deutlich über 7,5 Milliarden… Weiterlesen »

Die komplizierte Bürokratie der Bundesverwaltung ist ganz offensichtlich nicht in der Lage, aus dem Stand heraus eine straff organisierte Führungs-Struktur einzusetzen, welche den Anforderungen an eine Krisenbewältigung gerecht wird. Zum grossen Glück ist es aber nicht der Bund, sondern es liegt in der Zuständigkeit der Kantone, ausserordentliche Lagen zu bewältigen. Im Gegensatz zum Bund haben die Kantone überschaubare Krisen-Führungs-Strukturen, und die Leute sind zudem mit den regionalen Gegebenheiten bestens vertraut (dies ebenfalls im Gegensatz zum Bund). An der kürzlichen LUGA in Luzern hatte die Armee eine grundsätzlich sehr zu begrüssende Publikums-Präsenz. Am Stand der Ter Div 2 befragte ich an… Weiterlesen »

Peter Bosshard

Willi Vollenweider ist zuzustimmen. Es wird einem Angst und Bange wenn man den Bericht liest. Nun, die Ausrede wird lauten, Übungen seien da, Schwachstellen aufzudecken. OK, aber die Zielsetzung müsste lauten, dass mind. 80% erfüllt sein müsste, was hier bei weitem nicht erreicht wurde. Und wenn solche Übungen nur alle paar Jahre stattfinden wird sich das Debakel wiederholen weil dann wieder neue Leute an den Schaltstellen sitzen werden!