Wie weiter mit der Milizarmee?

Der Milizgedanke prägt das schweizerische Organisationsprinzip und beruht auf der republikanischen Vorstellung, dass jeder dazu befähigte Bürger auch öffentliche Aufgaben zu übernehmen hat. Wie kompatibel ist diese Idee mit dem 21. Jahrhundert?

Es ist eine Tatsache, dass die Armeereformen seit 1995 vorwiegend aus drei Gründen realisiert wurden: erstens, weil das vorhandene Rüstungsbudget zu einer Verkleinerung der Armee zwang, zweitens, weil die Stäbe und Verbände personell nicht mehr alimentiert werden konnten. Und erst drittens, weil sich die strategische Lage geändert hatte.

Beitrag auf schweizermonat.ch

Kommentar:
Dass das Rüstungsbudget nicht mehr ausgereicht hat, lag doch nicht primär an der Grösse des Mannschaftsbestands, sondern am Wunsch mehr in Bern zu professionalisieren und auf Qualität statt Quantität zu setzen. Man rückte bewusst vom Milizprinzip ab und richtete sich in Richtung einer NATO-Armee aus. Ursprünglich wollte man mehr Geld für die Rüstung bereithalten. Doch die Betriebskosten konnten trotz kleinerem Mannschaftsbestand NICHT reduziert werden.

Mit der Reduktion der Anzahl Diensttage bzw. der Herabsetzung des maximalen Dienstalters hat die Armee selbst die Rekrutierungsbasis für die Stäbe und Verbände verkleinert. Selbst mit der letzten Armeereform wurde abermals die Anzahl Diensttage reduziert – ohne dass dazu von der Politik ein konkreter Bedarf ausgewiesen wurde. Dass die Armee heute zu wenig Personal hat, ist damit auf ihr eigenes Verschulden zurück zu führen! Umso mehr fragt man sich, was die Diskussionen bezüglich Dienstpflicht, Frauen und differenzierter Tauglichkeit soll?!

Es ging dem Bund auch nicht darum zu sparen; Sonst wären die in Franken ausgedrückten „Einsparungen“ nicht von anderen Departementen aufgefressen worden. „Gespart“ wurde höchstens relativ zum sich aufblähenden Bundesbudget.

Zuletzt: Wenn Daniel Lätsch schreibt: „Milizsoldaten und Milizoffiziere sind bis zu einem gewissen Grad Amateure.“, dann leistet er der Abwanderung in den Zivildienst weiter Vorschub. Was wäre denn ein Profi-Soldat und was kann er besser als ein Milizsoldat, der dank seinem Wissen aus dem privaten (Geschäfts-)Umfeld unschätzbares Wissen in die Truppe bringt? Ist die militärische Ausbildung in den RS, UOS, OS etc. wirklich nichts wert, dass höchstens Amateure geschaffen werden? Wie erklärt sich Herr Lätsch dann die guten Leistungen unserer Verbände im Vergleich zu Berufsarmeen? Wieso sind ausländische Militärs auf unsere Milizsoldaten so neidisch? Weil sie „Amateure“ sind? Diese Verachtung gegenüber der Miliz ist mitunter ein Grund für das „Ja, aber ohne mich!“

Schliesslich fehlt auch der Gedanke, dass man aus dem Militärdienst ein Netzwerk für das private und geschäftliche Umfeld mitnehmen könnte. Nur mit „Profis“ ist dieses Netzwerk für Milizsoldaten nicht interessant. Ein weiterer Grund sich abzumelden.

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Beda Düggelin

Der Beitrag von Daniel Lätsch hinterlässt Ratlosigkeit im VBS! Es ist der Armee und auch der SOG bisher nicht gelungen, die Bevölkerung umfassend zu informieren und auf die Defizite eine glaubwürdigen Armee aufmerksam zu machen. Ratlosigkeit auch bezüglich den Fähigkeiten eines einsatzbereiten Infanteristen. Um diese Fähigkeit glaubwürdig aufzeigen zu können, reichen eine RS und 6 WK’s, absolviert in sehr jungen Jahren nicht aus. Das Milizsystem hat sich bewährt, doch man muss es auch mit Konsequenz vertreten, doch der Zivildienst bedeutet einen tiefgreifenden Einschnitt bezüglich Rekrutierung einer glaubwürdigen Armee. Der Zivildienst müsste von der ganzen Bevölkerung als Dienst an der Allgemeinheit… Weiterlesen »