Mörser 16: Mangelhafter Ersatz

Mit dem Rüstungsprogramm 2016 beschaffte das VBS den 12-Zentimeter- Mörser 16. Dabei handelt es sich um den bewährten Radpanzer Piranha IV, auf dem der Ruag-Mörser Cobra montiert wird. Die Evaluation des Panzers erfolgte, als noch Bundesrat Ueli Maurer dem VBS vorstand. Zum Zeitpunkt der Gutheissung des Beschaffungskredits durch das Parlament (2016) für 32 Mörser 16 war Bundesrat Guy Parmelin VBS-Chef. Der Beschaffungsantrag zugunsten des Mörser 16 widersprach dem ursprünglichen Evaluationsergebnis. Der Lehrverband Panzer und Artillerie sowie die Armasuisse hatten sich zunächst klar für den 12-Zentimeter-Mörser Nemo des finnischen Herstellers Patria ausgesprochen. Nemo ist dem Mörser 16 allein konzeptionell weit überlegen. Er verfügt über einen geschlossenen Geschützraum (Turm), während beim Mörser 16 nur aus einem offenen Geschützraum mit ausgefahrenem Mörser geschossen werden kann. Im Falle von gegnerischem Artilleriefeuer oder AC-Verseuchung ist der Mörser 16 nicht einsatzfähig, weil der Geschützraum nicht geöffnet werden kann, ohne dass die Besatzung gefährdet wird. In dieser Hinsicht entspricht der neue Mörser 16 dem 2009 angeblich altersbedingt liquidierten M-113 Minen-werferpanzer 64/91.

Der Mörser 16 ist ein Vorderlader, in dessen Rohr von zwei Meter Länge die Granaten mit einem Ladeautomaten von oben eingebracht werden. Dieser fällt durch seine komplizierte und filigrane Konstruktion auf. Seine Tauglichkeit im harten Gefechtseinsatz dürfte mehr als fraglich sein. Im Unterschied zum Mörser 16 ist der Mörser Nemo ein Hinterlader mit einem Verschluss. Die Granaten können im Geschützraum bei offenem Verschluss unten in das Rohr gestellt werden und müssen nicht mit einem komplizierten Ladeapparat von oben ins Rohr eingeführt werden. Der Mörser Nemo ist deshalb viel weniger anfällig für Ladestörungen als der Mörser 16. Wenn solche beim Nemo eintreten, müssen sie nicht ungeschützt im Freien behoben werden.

Nemo hat noch einen grossen, gefechtstechnischen Vorteil. Er ist zum Direktschuss fähig und kann gegnerische Panzer bekämpfen oder Infanteristen im Häuserkampf mit Direktfeuer unterstützen. Diese Fähigkeit wurde im ursprünglichen Pflichtenheft vom VBS verlangt. Dann aber als optional erklärt, als plötzlich der Ruag-Mörser Cobra aus merkwürdigen Gründen beschafft werden musste.

Im Rüstungsprogramm 2016 wurde erklärt, mit dem Mörser 16 könne die zielsuchende Strix-Munition verschossen werden. Gemäss verlässlichen Informationen soll darauf nun verzichtet werden. Dies ist paradox und dürfte darauf zurückzuführen sein, dass sich die Strix-Munition mit dem Mörser 16 nicht verschiessen lässt. Dies wäre ein Rückschritt zum Minenwerferpanzer 64/91. Mit dem Mörser 16 hat das VBS einmal mehr ein nicht ausgereiftes Produkt beschafft, an dem die Ruag aufgrund ungelöster Probleme noch werkelt, möglicherweise mit sehr ernüchterndem Ausgang. Die 32 Mörser 16 sind überhaupt kein tauglicher Ersatz für die gut 100 funktionierenden 12-cm-Festungsminenwerfer mit ihren Zwillingsrohren Diese dürfen nicht liquidiert werden.

Anwalt Rudolf P. Schaub ist Oberstleutnant a. D. und ehemaliger zugeteilter Stabsoffizier Infanterie Regiment 24. – publiziert in Basler Zeitung, Samstag 8. September 2018, Seite 4

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