WK-Soldaten arbeiten gratis für Stromfirma

«Das ist doch unerhört», sagt ein aufgebrachter Berner Oberländer zu 20 Minuten. Der Mann möchte anonym bleiben – hier, wo die Welt noch in Ordnung ist, kennt jeder jeden. Mit einem der grössten Arbeitgeber der Region möchte es sich niemand verscherzen. Doch manche Leute in und um Innertkirchen sind der Ansicht, ihre Welt sei nicht mehr ganz in Ordnung.

Stein des Anstosses: Am Fuss des Urbachtals roden WK-Soldaten seit dem 8. Januar ein Waldstück. Die Soldaten arbeiten für die Kraftwerke Oberhasli AG (KWO) und die Gemeinde Innertkirchen. Das will bei der Gemeinde zwar erst niemand bestätigen, aber im Dorf sagt man deutlich: «Die roden den Wald für das neue Kraftwerk.» Was niemand verstehen kann: «Warum arbeiten dort Soldaten und nicht das lokale Gewerbe? Den Auftrag würden hier viele gern übernehmen.»

Beitrag auf 20min.ch – bernerzeitung.ch – Update vom 23.01.15

Kommentar:
Solche Einsätze sind völkerrechtswidrig. Sie haben nichts mit einer „Dienstleistung militärischer Art“ zu tun, welche die EMRK zulässt. Deshalb setzt sich Giardino für eine Fokussierung der Armeeeinsätze auf rein militärische Bedürfnisse ein. Die Revision des Militärgesetz‘ (WEA) geht hier genau in die falsche Richtung.

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Danke für den Hinweis. Die Frage bleibt: Sind solche Einsätze überhaupt völkerrechtskonform?

Robert Hänggi

Ob nun aber solche Einsätze überhaupt völkerrechtskonform sind oder nicht ist hier von zweitrangiger Bedeutung. Der Bundesrat macht ohnehin was ihm passt und somit erübrigen sich alle weiteren Fragen. Unsere Bundesverfassung wird somit zur Makulatur und kann ebenso gut der Altpapiersammlung mitgegeben werden.

Yves Jauslin

Dass der Baumaschinenfahrer sein Handwerk versteht ist ein militärisches Bedürfnis.
Sowie ein Sappeur den Umgang mit einer Benzinkettensäge beherrschen muss.
Die Gebäudesprengung letztes Jahr auf dem Bettlachstock war auch ein VUM Auftrag.
Da wurde der Umgang mit Sprengmitteln scharf trainiert.
All diese VUM Aufträge müssen durch den Baumeisterverband abgesegnet werden.
Wenn das Gesuch ordentlich eingereicht und geprüft wurde, sehe ich kein Problem in diesem Auftrag.

Hans Ulrich Suter

Ich halte das für Ablenkungsmanöver. Natürlich geht in der Regel etwas Ausbildungszeit verloren, das ist aber in Anbetracht der Grösse der Probleme der „Swiss Army“ nicht wesentlich. Dass Aufträge in der Pampa nicht korrekt abgewickelt werden, liegt daran, dass einige Gemeinden in der Schweiz, sich sozusagen noch im Gotthelf-Zeitalter befinden und als solche „korrupt bis auf die Knochen“ sind. Aber das alles ist nicht unsere Baustelle….

Martin Frei

Da wird – auch von Giardino – ein unnötiger Wirbel gemacht. Völkerrechtskonformer Einsatz – diese Frage ist doch daneben. Denn wo sollen Sappeure ihre möglichen Einsätze – und da gehört holzen dazu – trainieren? Wir waren in den 80er- und 90er-Jahren froh um solche Einsatzmöglichkeiten. Man kann je keinen Lothar-Sturm bestellen oder im Theorie-Saal Bäume fällen.

Ueli Gruber

Wozu müssen Forstarbeiter, welche den Job im Zivilen jeden Tag machen, im Militärdienst an der Kettensäge ausgebildet werden?

Wäre das nicht gerade der Vorteil unseres Milizwesens, dass hier die Fähigkeiten aus dem Zivilen eingebracht werden können? Dafür haben die eingesetzten Soldaten wahrscheinlich ihr Stgw während des ganzen WK nie in die Hand genimmen.

Aber bei solchen Aktionen geht es in der Regel weniger um Ausbildung als vielmehr um Gratisarbeit zu Lasten der Steuerzahler und zu Lasten echter militärischer Ausbildung.