Fakten zur Verschrottung der BISON-Geschütze

Die ersten Festungskanonen (Fest Kan 93) wurden in den 90er-Jahren gebaut. Die letzten entstanden um die Jahrtausendwende und sind somit immer noch topmodern. Insbesondere das ROHR des BISON ist das modernste seiner Zeit und ist heute wohl noch eines der besten Rohre. Dieses wurde dann in gekürzter Version auch für die Kampfwertsteigerung der M-109 (Panzerhaubitzen – welche inzwischen in grosser Zahl durch das VBS ebenfalls verschrottet wurden!) übernommen.

20150302 Bison

BISON-Monoblock mit zwei Geschützen irgendwo in der Schweiz

 

 

„Die Festungsartillerie Ausbildung in den Rekruten- und Kaderschulen wurde bereits 2008/2009 eingestellt.Die BISON-Stäbe wurden in Gebirgsinfanterie Bataillone umgeteilt. Heute ist bei der Miliz (mit wenigen Ausnahmen unter den Kadern) kein entsprechendes Know-How mehr vorhanden. Wir haben aber noch immer Instruktoren und LBA-Mitarbeiter, welche diese Systeme ausbilden könnten, nur sind diese Ausbilder heute über die verschiedensten Lehrverbände etc. verteilt. Es wäre durchaus möglich, das entsprechende Know-How mit entsprechendem Aufwand wieder zu vermitteln, wobei es bei der Dauer auf den Ausbildungsstand der Soldaten ankommt (eine Umschulung von Artilleristen dauert pro Waffensystem 3-4 Wochen, dazu würden noch 2-3 Wochen für die Bunkersicherung kommen, falls diese ebenfalls durch die Artilleristen übernommen werden muss). Die Auflösung der Festungsartillerie ist schade…“ – Kommentar eines Offiziers, der während Jahren mit dem BISON arbeitete

 

Fakten zur 15.5cm Festungskanone BISON

  • Rohrlänge: 8060 mm
  • Schusskadenz: 5 Schuss in 25 Sekunden (1 Batterie 20 Schuss in 25 Sekunden)
  • Mündungsgeschwindigkeit: 845 m/s (mit Ladung 9 für Stahlgranaten)
  • Praktische Reichweite: 40 km. Zu einer Batterie gehören 4 Geschütze in zwei Monoblocks zusammengefasst sind.

Entwicklungsgeschichte des BISON

  • 1984 Die KML (Kommission für militärische Landesverteidigung) beschliesst die Aufnahme der Entwicklung für den BISON. Kredit 20 Millionen CHF
  • 1985 Durchführbarkeitsstudie und Begehren für Zusatzkredit von 40 Millionen CHF
  • 1986 – 1989 Entwicklung und Fabrikation 1. Geschütz in Thun
  • 1988 – 1990 Werkerprobung k+w Thun
  • 1990 – 1992 Aussenballistische Versuche im Raume Andermatt
  • 1991 – 1992 Gesamterprobung des Prototyps im Raum Andermatt
  • 1992 – 1992 Truppenerprobung des Prototyps im Raum Andermatt
  • ab 1993 Aufnahme in das Rüstungsprogramm (RP) 1993 mit 249 Millionen CHF
  • 1996 – 2000 Bau der 4 BISON Batterien
  • 2011: 21./22. Juni letztes Schiessen der BISON
  • Februar 2015: CdA erteilt den Befehl zur Verschrottung der BISON-Geschütze. Die Verschrottung ist seit Mitte Februar 2015 im Gang.

Gesamtaufwand ab 1984 bis zur Stillegung 2011 ca 1 Milliarde CHF !


Kommentar GIARDINO:

Natürlich bleibt die Waffenentwicklung nie stehen und natürlich werden noch modernere und noch leistungsfähigere Geschütze und auch intelligente Munition entwickelt und am Tage X für unsere Milizarmee angeschafft werden können. Allerdings weiss Niemand, wann das soweit sein wird. Deshalb ist es vonseiten der Armeeleitung äusserst kurzsichtig, die topmodernen BISON-Geschütze zu verschrotten, bevor ein tauglicher Ersatz erworben und einsatzbereit ist. Keine Feuerwehr der Welt wirft die alten Schläuche weg, bevor die neuen Schläuche einsatzbereit sind. Das sieht die heutige Armeeleitung offensichtlich anders. Hier werden Milliarden von Steuergeldern regelrecht „verschossen“. Und was machen die Mitglieder der Bundesversammlung angesichts dieser Vorgänge? Sie schweigen!

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Jonas Borer

Also zum Zitat:
Die Bunkersicherung wird ja eigentlich durch Werks oder Infrastrukturformationen übernommen.
Welche ja immer noch ausgebildet werden.

Karl Rieder

Der CdA befolgt doch nur einen Befehl von Giardino: „Wir wollen keine Reduit-Armee“ (WEA-Präsentation SiK-N). Nun werden die Geschütze verschrottet und das Reduit demontiert.

Man beachte, dass der CdA 2015 nicht der Mirage-Zerstörer Keckeis oder Teflon-Rolli ist, sondern der aktuelle CdA. Da stellt sich doch die Frage warum der seinen Lohn von uns bezieht und nicht vom BöFei. Kleine Frage zur Militärgeschichte: Wie alt war die Kanone, die im 2. WK das Schlachtschiff Blücher versenkt hat (1940)? Antwort: 47 Jahre

Stefan von Känel

Ein solches Vorprellen und Verschrotten der Bison-Geschütze ist unangebracht und verursacht lediglich unnötige Kosten. Man könnte dieses System noch eine Weile in Reserve behalten. So oder so sollten die Geschütze aus den Bunkern nicht demontiert werden. Sie gehören zur Militärgeschichte. Wohl gibt es viele Festungsmuseen aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges, jedoch kein Museum, welches eine Anlage aus der Zeit des Kalten Krieges zur Schau stellt. Gleiches gilt auch für die Festungsminenwerfer. Diese würden noch einige Jahre als Reserve gute Dienste leisten. Die noch verbleibenden Panzerhaubitzen sind nicht mehr als ein Tropfen auf einen heissen Stein. Ich kann mir nämlich… Read more »

Tobias Gemperle

Blanker Wahnsinn was da wider am laufen ist, da wird im grossen Stihl rumgewurstelt auf allen Ebenen in der Schweizer Armee aber iergendwie ist es nicht möglich das ganze auf einfachem Weg zu stoppen. Jeder hält dem anderen die Stange. Ich kenne das ganze aus meiner Zeit in einem ALC. Es befinden sich in diesem Konstrukt sehr viele Personen in einer Führungsfunktion die entweder keine Ahnung haben von dem was sie tun sollten oder einfach machen was ihnen gesagt wird und nichts hinterfragen oder sich dagegen wehren. Das ganze ist sehr traurig mit anzusehen. Wenn doch nur die ganze Schweizer… Read more »

Ueli Gruber

Das Problem bei den vier bestehenden BISON Werfer Kompanien ist, dass sie am falschen Ort stehen. Sie müssten so platziert sein, dass sie ins Vorgelände im Ausland schiessen könnten (bspw. Enge bei Bregenz oder Monte Olimpico bei Chiasso).

An den heutigen Standorten, die meines Wissens immer noch vertraulich klassiert sind, nützen sie definitiv nichts mehr.

Franz Betschon

Wenn der Standort falsch ist, dann kann er ja verlegt werden. Ein so hervorragendes Geschütz wird nicht einfach verschrottet. Abgesehen davon, als die Diskussion aufkam, da war die Sprachregelung noch: „Veraltet“.

Ueli Gruber

Das Rohr ist leider das billigste am Ganzen und der Beton lässt sich nicht verschieben…

Beton ist sicher billiger als Stahl. Auserdem kann „Bunkerli bauen“ eine gute Strukturfödermassnahme für Randgebiete sein. Ich habe übrigens an anderer Stelle ausgeführt, dass wenn man die Bunker knacken wollte (mit NATO Ausrüstung gerechnet) man pro Bunker einen 7stelligen Franken-Betrag ansetzen muss (die gelenkte Bomben: Hellfire’s und Maverick): Das heisst gerade heutzutage lohnt sich das bauen möglichst vieler Bunker, v.a. wenn man sie automatisieren kann, so dass keine „soft targets“ (NATO speak) drin sind.

Thomi Horath

Wer die Armee schwächt, ist als Feind zu betrachten. Die einen merken das früher, die andren später.

Stefan von Känel

Die Standorte der Bison-Batterien sind nicht grundsätzlich falsch. Sie wurden so gebaut, dass sie an den klassischen Alpentransversalen wirken können.
Gebaut wurde nur eine Tranche von diesen Bunkern. Es waren jedoch meines Wissens weitere Bison-Batterien geplant, welche auch in mögliche Aufmarschräume im grenznahen Ausland hätten wirken können.
Da sich die Lage in der Zwischenzeit in Mitteleuropa verändert hatte, wurde darauf verzichtet.
Eigentlich schade, da ja für diese wenigen Geschütze ein beträchtlicher Entwicklungsaufwand geleistet werden musste.

Walter Häcki

Ich gebe Herrn von Känel recht: Ich glaube mich zu erinnern, dass 18 Batterien geplant waren in allen auch Gz/Brigadeaudmarschräumen. Das allererst Versuchswerk wurde noch mit 2 10.5 cm Werken gebaut welche in den Raum oberer Zürichsee wirkten aus dem Raum der R Br 24, verschiedene Elemente der späteren Bison wurden dort im Truppen-Versuch ausprobiert und getestet. Man hat am Gotthard mit Bisonbau begonnen, weil dort die alten Werke 10.5 cm wirklich veraltet waren und man die Alpentransversale als als grösste Gefährdung betrachtete, mit der NEAT vermutlich wieder mehr im Fokus kommt. Im Wirkbereich waren aber auch hier einige Anmarschräume… Read more »

17 Batterien geplant waren, das Versuchswerk ist hier: http://www.dufour-museum.ch Dann wurde der Prototyp in Gütsch gebaut.

Panzerfreund

Wo sind die stillgelegten Standorte genau?

Sascha

Ich war selber Festungs Pionier und habe diese Aufgabe mit Stolz erfüllt aber leider gibt es diese Einheit nicht mehr. Ich finde es sehr schade dass man diese gute Ausbildung zur Sicherheit von unserem Land aufgelöst hat.

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