Einrücken aus den Ferien

Gross waren die Erwartungen, als im Dezember 2003 in der Berner Eishalle der Übergang von der Armee 95 zur Armee XXI gefeiert wurde – und noch grösser die Probleme, die bald eintraten: ein Chaos beim Versand der Marschbefehle, Unklarheiten bei der Einteilung in die Verbände oder die unzureichende Harmonisierung von RS und Studium. Das Prestigeprojekt als Planungspanne. Der damalige Chef der Armee, Christophe Keckeis, musste angesichts nicht enden wollender Negativschlagzeilen einräumen, dass «nicht immer alles optimal» kommuniziert worden sei. Solches soll nun beim nächsten Reformschritt namens «Weiterentwicklung der Armee» (WEA) nicht mehr passieren. […]

Mit einem Schreiben, das der NZZ vorliegt, orientiert der Chef der Armee, Philippe Rebord, dieser Tage die betroffenen Soldaten über ihren neuen Status: «Sie sind im Falle eines Aufgebots verpflichtet, in jedem Fall und unverzüglich einzurücken. Es besteht kein Anspruch auf Urlaub oder Dispensationen.» Auch wer sich etwa ferienhalber im Ausland befinde, müsse so schnell wie möglich einrücken. Und wer wegen Krankheit nicht reisefähig sei, müsse dies umgehend mit einem Arztzeugnis belegen. Alarmiert wird «in der Regel elektronisch über SMS oder E-Mail», weshalb Änderungen der Erreichbarkeit innerhalb von 14 Tagen gemeldet werden müssen. Zur Ausrüstung beim Einrücken gehört neu «Verpflegung für 1 bis 2 Tage, die ohne Kühlung haltbar ist und nicht zubereitet werden muss».
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Mobilmachung auf Knopfdruck

Die schlechte Nachricht vorab: Bei einem unerwarteten Ernstfall wäre die Schweizer Armee nicht einsatzfähig. Zu lange dauerte es heute, bis genügend Truppen bereitstünden. Noch im Kalten Krieg drohte der Feind beständig aus dem Osten, entsprechend ging die Armeeführung von einer Vorwarnzeit von 0 bis 76 Stunden aus und konnte rasch einen beträchtlichen Teil der fast 800 000 Mann starken Truppe mobilisieren. Besammelt wurde auf rund 50 Mobilmachungsplätzen, verteilt über das ganze Land. Jahr für Jahr wurde das Prozedere in den Verbänden eingeübt. Doch nach dem Fall des Eisernen Vorhangs verkleinerten sich nicht nur die Truppenbestände massiv, auch die Gefahrenanalyse änderte sich: Mit der Armee XXI wurde die Vorwarnzeit auf 10 Jahre geschätzt – und so verzichtete man kurzerhand auf das hochkomplexe und geheime Mobilmachungssystem und löste alle bestehenden Strukturen auf. Ein Fehler, wie sich heute zeigt.
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CdA: «Junge Kompaniekommandanten haben keine Ahnung von Mobilmachung»

An einer Konferenz der europäischen Armeechefs sagten mir kürzlich alle Kollegen, dass sie derzeit nicht 35’000 Mann innert zehn Tagen aufbieten könnten. Wir sind eine Armee, die sehr rasch und flexibel zum Einsatz kommen kann. Die abgestufte Bereitschaft existiert bereits: Erst werden die Profis eingesetzt, dann die Durchdiener und dann die WK-Formationen. Dazu sollen künftig innert drei Tagen 8000 Milizsoldaten einsetzbar sein.
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Dichtung und Wahrheit

Der Sitzung des Ständerates vom 19. März 2015 habe ich aufmerksam zugehört und dem Wortprotokoll des Ständerats – Frühjahrssession 2015 – Zwölfte Sitzung – 19.03.15 Geschäft Nr. 14.069, Weiterentwicklung der Armee. Änderung der Rechtsgrundlagen, entnehme ich (Hervorhebung durch den Verfasser):

Maurer Ueli, Bundesrat: (…)
„Immerhin müssen diejenigen, die glauben, diese 100 000 AdA seien zu wenig, daran erinnert werden, dass diese 100 000 Mann wieder in nützlicher Frist aufgeboten werden können, 35 000 Mann in zehn Tagen und die ganze Armee mit 100 000 Mann in etwa 20 Tagen. Damit erreichen wir ähnliche Werte, wie es die Armee 61 hatte mit ihrem Mobilmachungssystem.
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Frage zur erhöhten Bereitschaft für die Einsatzverbände

  • Werden mit dem Begriff „Erhöhte Bereitschaft für Einsatzverbände“ nur jene Truppen gemeint, welche für subsidiäre Einsätze bereitgehalten werden?
  • Bedeutet dies, dass für die restlichen Truppen (z. B. robuste mechanisierte Verbände) von einer „Erhöhten Bereitschaft“ abgesehen wird?
  • Kann die Armee als Ganzes kurzfristig mobilisiert werden?

Antwort des Bundesrates vom 22.09.2014
Mit der Weiterentwicklung der Armee soll die Bereitschaft der Armee gegenüber heute wesentlich verbessert werden. Dazu werden unter anderem Milizformationen mit hoher Bereitschaft bezeichnet, die innerhalb von 24 bis 96 Stunden einrücken können. Als solche Milizformationen sind rund zwanzig Verbände bezeichnet, unter anderem Militärpolizei, Infanterie, Genie, Rettung, ABC-Abwehr und Sanität. Ein rascher Einsatz dieser Verbände vor allem zugunsten der zivilen Behörden in nicht vorhersehbaren und wahrscheinlichen Fällen, zum Beispiel Naturkatastrophen oder akuter Terrorbedrohung, ist zweckmässig.

Die Milizformationen mit hoher Bereitschaft schliessen die Lücken in der Bereitschaft zwischen den aus dem Stand verfügbaren Berufs- und Bereitschaftsformationen und den bei Bedarf zusätzlich aufgebotenen Milizformationen. Letztere können innert zehn Tagen einrücken, weshalb für die gesamte Armee wieder ein Aufgebotssystem eingeführt wird. Mit diesem neuen Aufgebotssystem kann folglich auch die ganze Armee mobilisiert werden.
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SVP führt ihr sicherheitspolitisches Positionspapier nach

Die internationale Lage wird auch in den nächsten Jahren äusserst unsicher bleiben. Eine glaubwürdige Milizarmee bleibt deshalb von grösster Bedeutung für die Sicherheit von Land und Leuten. Die Weichen für die künftige Sicherheitspolitik müssen nun in die richtige Richtung gestellt werden. So ist in Zukunft insbesondere auf die bisherige Ausrichtung der Armee in Richtung internationale Kooperation, wie sie in den letzten 20 Jahren schrittweise erfolgte, zu verzichten. Damit kann die neutrale Rolle der Schweiz gestärkt werden. Der Volksentscheid gegen den Gripen vom 18. Mai 2014 erfordert zudem eine Stärkung der Bodentruppen sowie eine optimale Nutzung der verfügbaren Mittel in der Luft. Daraus leiten sich folgende Forderungen ab:

  1. Der Bestand der Armee darf 120‘000 Angehörige der Armee nicht unterschreiten.
  2. Die Armee muss innert 3 Tagen, Teile davon innert Stunden mobilisiert werden können.
  3. Für die Auftragserfüllung der Armee sind 5 Mia. Franken pro Jahr zu Verfügung zu stellen.
  4. Die durch den Wegfall des Gripen-Fonds-Gesetzes frei werdenden finanziellen Mittel benötigt die Armee zwingend. Sie sind prioritär für die vollständige (persönliche und kollektive) Ausrüstung der Bodentruppen (Heer) zu verwenden.
  5. Die Bereitschaft der Luftwaffe (insbesondere für den Luftpolizeidienst) ist bis zur Ablösung des FA-18 weiterhin auch durch die dazu nötige Anzahl Tiger F-5 sicherzustellen.


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„Mobilmachung“ – Bericht von den Front

Aus einer uns zugestellten E-Mail:

„So, nun ist die Mobilisierungs-Übung vorbei. Viele Lehrläufe hat es gegeben. Mein Kadi aber meint, vor allem aus dem Mat-Rückschiebungen lerne man, was eine Inf Kp wirklich braucht. Nun wird das ganze noch an 2 Bat durchgetestet.

Das Mobilisierungs- und 2-Wochen-WK-Prinzip sei viel versprechend. Ab 2017 beginne jeder WK mit einer Mobilisierung. Bei unserem Bat warscheinlich schon ab 2015! Na dann, prost.
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Sonderausstellung Mobilmachung

Im Jahr 2014 jähren sich die Mobilmachungen von 1914 (Erster Weltkrieg) und 1939 (Zweiter Weltkrieg). Zeitzeugen zum Ersten Weltkrieg gibt es heute keine mehr, und auch die überlieferten Erinnerungen an diese Zeit sind in der breiten Öffentlichkeit weitgehend verblasst. Der heutigen Generation von jungen Schweizerinnen und Schweizern fehlt aber auch meist ein persönlicher Bezug zum Zweiten Weltkrieg und somit auch die Vorstellung, welche Auswirkungen jene unsichere Zeit auf Einstellung und Verhalten der damaligen Bevölkerung in der Schweiz hatte.
Aus diesem Anlass gestaltet das Museum im Zeughaus Schaffhausen eine neue, umfangreiche Sonderausstellung.
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Russlands Kriegstechnik versagt bei überraschendem Übungsalarm

Der Übungsalarm, den der russische Generalstab am Dienstag erstmals seit 20 Jahren ausgelöst hat, hat eine Reihe von Problemen aufgezeigt. Vor allem die Technik hat sich weitgehend als ungeeignet erwiesen.

So hat der Übungsalarm gezeigt, dass zwei Drittel der Flugzeuge nicht intakt sind, wie Generalstabschef Waleri Gerassimow am Freitag mitteilte.
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Erinnerungen an die Armee 61

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