Einrücken aus den Ferien

Gross waren die Erwartungen, als im Dezember 2003 in der Berner Eishalle der Übergang von der Armee 95 zur Armee XXI gefeiert wurde – und noch grösser die Probleme, die bald eintraten: ein Chaos beim Versand der Marschbefehle, Unklarheiten bei der Einteilung in die Verbände oder die unzureichende Harmonisierung von RS und Studium. Das Prestigeprojekt als Planungspanne. Der damalige Chef der Armee, Christophe Keckeis, musste angesichts nicht enden wollender Negativschlagzeilen einräumen, dass «nicht immer alles optimal» kommuniziert worden sei. Solches soll nun beim nächsten Reformschritt namens «Weiterentwicklung der Armee» (WEA) nicht mehr passieren. […]

Mit einem Schreiben, das der NZZ vorliegt, orientiert der Chef der Armee, Philippe Rebord, dieser Tage die betroffenen Soldaten über ihren neuen Status: «Sie sind im Falle eines Aufgebots verpflichtet, in jedem Fall und unverzüglich einzurücken. Es besteht kein Anspruch auf Urlaub oder Dispensationen.» Auch wer sich etwa ferienhalber im Ausland befinde, müsse so schnell wie möglich einrücken. Und wer wegen Krankheit nicht reisefähig sei, müsse dies umgehend mit einem Arztzeugnis belegen. Alarmiert wird «in der Regel elektronisch über SMS oder E-Mail», weshalb Änderungen der Erreichbarkeit innerhalb von 14 Tagen gemeldet werden müssen. Zur Ausrüstung beim Einrücken gehört neu «Verpflegung für 1 bis 2 Tage, die ohne Kühlung haltbar ist und nicht zubereitet werden muss».
→ Weiterlesen: Einrücken aus den Ferien

Dritte Mechanisierte Brigade – Quo Vadis?

Bereits im August 2015 wurde im SCHWEIZER SOLDAT eine Studie zu einer echten dritten Mechanisierten Brigade veröffentlicht. In der Zwischenzeit wurden die WEA-Planungen weiter vorangetrieben und die WEA politisch abgesegnet. Zwar plant die Armee (momentan) nicht mehr die Panzerbrigaden 1 und 11 auszudünnen um eine dritte Mechanisierte Brigade aufzustellen, jedoch wird noch immer mit einer Scheinbrigade geplant. Die Autoren erlauben sich daher nochmals, einen revidierten Vorschlag für die zukünftige Mechanisierte Brigade 4 aufzuzeigen.
→ Weiterlesen: Dritte Mechanisierte Brigade – Quo Vadis?

Rechenspiele der Armee haben politische Folgen

Die Schweizer Armee ist nach der Armeereform WEA grösser, als bisher bekannt war. Neben einem Effektivbestand von 140’000 Mann gibt es rund 15’000 weitere voll ausgerüstete und einsatzpflichtige Soldaten, die in den offiziellen Zahlen der Armee nicht erscheinen. Unter anderem handelt es sich um Durchdiener, die ihre Diensttage absolviert haben, aber noch vier Jahre lang der Armee angehören und für Einsätze aufgeboten werden können. Diese Recherche hat die ohnehin schon heftige Kontroverse um den Zivildienst zusätzlich angefacht.

Sicherheitspolitikerin Priska Seiler Graf (SP, ZH) fühlt sich von der Armee «an der Nase herumgeführt». Es heisse aus Armeekreisen oft, der Bestand würde mit der laufenden WEA-Reform auf einen Sollbestand 100’000 Mann halbiert. «Faktisch sind wir davon aber weit entfernt», so Seiler Graf. Sie habe den Eindruck, der Bestand würde primär mit rechnerischen Tricks reduziert. «Welche Armeeangehörigen zum Effektivbestand gezählt werden und welche nicht, ist jedenfalls ziemlich rätselhaft.»
→ Weiterlesen: Rechenspiele der Armee haben politische Folgen

Armee verschleiert ihre wahre Grösse

Es ist ein Kampf um jeden einzelnen Mann. Seit Jahren drängen bürgerliche Sicherheitspolitiker darauf, den Zivildienst unattraktiver zu machen, damit wieder mehr Junge ihren Dienst an der Waffe tun. Ihr wichtigstes Argument: Wenn weiterhin so viele Stellungspflichtige und ausgebildete Soldaten dem ­Militär den Rücken kehren, dann könne die Armee die Sicherheit des Landes nicht mehr garantieren. So dünn sei die Personaldecke bereits.
→ Weiterlesen: Armee verschleiert ihre wahre Grösse

Schweizer Armee – quo vadis?

Ich bin kein besonderer Kenner der Schweizer Armee. Aber bezüglich des allgemeinen Zustands der Schweizer Armee beschleicht mich langsam, aber sicher ein Gefühl der Ungläubigkeit und des besorgten Staunens. Einerseits scheint es in Bern bei jeder grösseren Beschaffung ein Gezänk um die Notwendigkeit zu geben. Andererseits entnehme ich der Presse, dass offenbar im Parlament über Munitionsvorräte gemutmasst wird.

Ich kann mich des Eindrucks der einziehenden Ziellosigkeit und Liederlichkeit nicht erwehren. Wenn man die Entwicklungen in der Welt genau beobachtet, kommt man zum Schluss, dass es sich die Schweiz nicht leisten kann, eine liederliche Armee zu haben. Bezeichnend ist: Dass das Volk über die Be­schaffung von Kampfflugzeugen abstimmen muss, ist zwar aus institutioneller Betrachtungsweise schön und gut.
→ Weiterlesen: Schweizer Armee – quo vadis?

Wie lange reichen die Munitionsvorräte wirklich?

Einen Kredit von rund 380 Millionen Franken hat das Verteidigungsdepartement (VBS) in der diesjährigen Armeebotschaft allein für Munition vorgesehen. 225 Millionen davon sollen dazu dienen, die gegenwärtigen Vorräte aufzustocken. Kaum hat der Nationalrat am Donnerstag diesen ausserordentlichen Munitionskäufen – gegen den Willen der Linken und der Grünliberalen – zugestimmt, tauchen jedoch neue Fragen auf. Grund dafür ist eine Aussage, die der Zuger CVP-Ständerat Peter Hegglin vor knapp zwei Wochen in der kleinen Kammer gemacht hatte.
→ Weiterlesen: Wie lange reichen die Munitionsvorräte wirklich?

SOG: Wir können uns keine neue Reformruine leisten

Armeen müssen sich fortwährend verändern. Der technologische Fortschritt, neue Bedrohungsformen und geopolitische Umbrüche bestimmen auch das Reformtempo in der Schweiz. Nach der Armee 95, der Armee XXI und dem Entwicklungsschritt 08/11, die im Ergebnis alle nicht von Erfolg gekrönt waren, steht mit dem Projekt Weiterentwicklung der Armee (WEA) die Umsetzung einer neuen Armeestruktur unmittelbar bevor. […]

Wo verbergen sich die grössten Fallstricke? Aus Sicht der Schweizerischen Offiziersgesellschaft (SOG), welche die WEA in der Planung und Vorbereitung aktiv unterstützt, mitgestaltet und zum grössten Teil mitgetragen hat, sind – nebst einer aktiven und sinnvermittelnden Kommunikation der WEA gegenüber der Öffentlichkeit – insbesondere zwei kritische Erfolgsfaktoren zu nennen.
→ Weiterlesen: SOG: Wir können uns keine neue Reformruine leisten

Mobilmachung auf Knopfdruck

Die schlechte Nachricht vorab: Bei einem unerwarteten Ernstfall wäre die Schweizer Armee nicht einsatzfähig. Zu lange dauerte es heute, bis genügend Truppen bereitstünden. Noch im Kalten Krieg drohte der Feind beständig aus dem Osten, entsprechend ging die Armeeführung von einer Vorwarnzeit von 0 bis 76 Stunden aus und konnte rasch einen beträchtlichen Teil der fast 800 000 Mann starken Truppe mobilisieren. Besammelt wurde auf rund 50 Mobilmachungsplätzen, verteilt über das ganze Land. Jahr für Jahr wurde das Prozedere in den Verbänden eingeübt. Doch nach dem Fall des Eisernen Vorhangs verkleinerten sich nicht nur die Truppenbestände massiv, auch die Gefahrenanalyse änderte sich: Mit der Armee XXI wurde die Vorwarnzeit auf 10 Jahre geschätzt – und so verzichtete man kurzerhand auf das hochkomplexe und geheime Mobilmachungssystem und löste alle bestehenden Strukturen auf. Ein Fehler, wie sich heute zeigt.
→ Weiterlesen: Mobilmachung auf Knopfdruck

Firma sucht Bewerber ohne militärische Verpflichtungen

Das türkische Erdölunternehmen KTM sucht in Genf per Inserat nach einem Ölhändler – und zwar nach einem ohne Wehrdienstpflilcht. Am Ende der Ausschreibung auf dem Online-Netzwerk Linkedin steht: «Keine militärische Verpflichtungen für männliche Bewerber.»
→ Weiterlesen: Firma sucht Bewerber ohne militärische Verpflichtungen

Schweizer Offiziere wehren sich gegen «Jekami»-Armee und fordern «Parmelin muss die Anliegen der Miliz ernster nehmen»

„Die Schweizerische Offiziersgesellschaft, die SOG, trägt die Reform mit. Sie sieht auf dem Papier gut aus, aber wir machen uns grosse Sorgen. Die total verunglückten Reformen 95 und 21 tönten in der Theorie auch plausibel, doch die Umsetzung war ein Debakel, weil die Politik die nötigen Ressourcen gekürzt hatte. Wir von der Miliz waren in den letzten 25 Jahren viel zu anständig und hielten uns zurück. Bei der Umsetzung der WEA wollen wir deshalb von Anfang an dabei sein. Konkret: Die SOG beziehungsweise die Milizoffiziere müssen zwingend in den entscheidenden Gremien vertreten sein und Einfluss nehmen. […] Es darf auf keinen Fall passieren, dass die Armee plötzlich weniger Geld als die zugesicherten fünf Milliarden Franken pro Jahr zur Verfügung hat. Mittelfristig, nach Umsetzung der WEA, reichen die fünf Milliarden nicht mehr für den Ersatz der neuen Systeme. […] Durch die Verkleinerung der Armee ist sie nicht mehr so stark in der Gesellschaft verankert wie früher. Wir müssen der Milizarmee Sorge tragen. Deshalb müssen alle Schweizerinnen und Schweizer sensibilisiert werden, wofür es eine Armee und warum es teure Beschaffungen braucht. “ – SOG Präsident Holenstein
→ Weiterlesen: Schweizer Offiziere wehren sich gegen «Jekami»-Armee und fordern «Parmelin muss die Anliegen der Miliz ernster nehmen»

Erinnerungen an die Armee 61

Unterstützen Sie uns!

Spin Doctors im Bundeshaus