Das Märchen von der "Luxus-Armee"

Das Märchen von der "Luxus-Armee"

Nach den Medienberichten der letzten Tage zur Parlamentsdebatte über die Armee konnte man fast zum Schluss kommen, die Armee sei vergrössert worden. Dabei ist das Gegenteil der Fall.
von Philippe Müller, Nationalratskandidat FDP/BE
Haben Sie gewusst,…

  • dass die Eidgenössischen Räte den Armeebestand soeben praktisch halbiert haben (von 180‘000 auf 100‘000)?
  • dass diese 100‘000 das absolute Maximum ist, das – theoretisch – noch aufgeboten werden kann?
  • dass viele Bestandes-Vergleiche in den Medien unzutreffend sind? Dass es zum Beispiel nicht korrekt ist, zu sagen, die kleine Schweiz verfüge mit 100‘000 Armeeangehörigen nur über ungleich weniger als das grosse Frankreich mit 250‘000? Dass Frankreich nämlich permanent 250‘000 unter den Waffen hat – die Schweiz hingegen maximal 5‘000, die zeitgleich im Dienst sind? Dass der korrekte Vergleich somit 250‘000 : 5‘000 ist?
  • dass in Frankreich ausserdem im Unterschied zur Schweiz noch einige Hunderttausend Reservisten hinzukommen?
  • dass die Armee seit 1995 um 88% kleiner geworden ist?
  • dass das Armeebudget in den letzten 15 Jahren als „Steinbruch“ für alle anderen Bereiche gedient hat – und trotzdem kein einziges Finanzloch in diesen Bereichen gestopft werden konnte?
  • dass ausgerechnet die Schweiz über keine Gebirgstruppen mehr verfügt (nur noch einige Bergführer-Spezialisten) – im Gegensatz zu allen umliegenden Ländern mit ihren ausgebildeten „Gebirgsjägern“, „Chasseurs alpins“, „Alpini“?
  • dass die Schweiz kurzfristig nur noch auf maximal 500 ausgebildete Armeeangehörige greifen kann?
  • dass beispielsweise Deutschland keine Leute findet für ihre kürzlich beschlossene Berufsarmee und dass zum Beispiel Spanien für ihre „Profis“ das Anforderungsprofil auf das Niveau „Achtklässler“ senken musste, in der Hoffnung, so genügend Soldaten zu finden?
  • dass Schweizer Truppen in internationalen Vergleichen immer wieder sehr gut abschneiden – allen (inländischen) Unkenrufen zum Trotz?
  • dass die Schweizer Armee sich heute in erster Linie auf die realen modernen Gefahren wie Terrorismus und Umweltkatastrophen vorbereitet?
  • dass Sicherungs- und Katastrophenhilfe-Einsätze sehr schnell sehr personalintensiv werden und unter Umständen Ablösungen nötig sind? Und dass ausser der Armee niemand sonst in unserem Land da ist, um dies zu leisten?

Die Diskussion muss geführt werden. Aber sie sollte auf Fakten beruhen, statt auf alten Vorurteilen.
Publiziert in “Der Bund” vom 6. Oktober 2011