Lehren für die Schweiz aus Einsatzstudien des US Militärs

Lehren für die Schweiz aus Einsatzstudien des US Militärs

Dank GIARDINO wissen wir, dass die Schweiz zehntausende von starken Kampfständen in schwierigem Gelände und zahlreiches einsatzfähiges Kriegsmaterial, wie z.B. den Schützenpanzer M113, aufgegeben und sogar verschrottet hat, Material, das in zahlreichen Ländern noch im Einsatz steht oder modernisiert wird. 
Gotthard Frick, Bottmingen
In dieser Hinsicht sind die verschiedenen Optionen interessant, die das US Militär im Hinblick auf eine mögliche Einmischung in Syrien ausgearbeitet hat. Die NZZ vom 24. 07. 2013 hat darüber ausführlich berichtet.
Eine der geprüften Optionen sieht vor, die militärischen Einrichtungen der Regierung von Präsident Asad mit “einem Hagel aus allen Rohren lahmzulegen”. Dies würde laut  General Dempsey, dem Chef der Stabschefs aller US Teilstreitkräfte bedingen, dass Hunderte von Flugzeugen, Schiffen, Unterseebooten und anderes Kriegsgerät eingesetzt würde. Und jetzt kommt der für die Schweiz wichtige Schluss Dempseys: Da das Arsenal von Präsident  Asad weitgehend an den Boden gebunden sei, könnten die Auswirkungen der US Luftüberlegenheit auf Asads Arsenal trotz des gewaltigen Einsatzes beschränkt bleiben. Im Klartext heisst das, bei einem derart massiven Angriff könnte es möglich sein, dass die Armee Syriens nicht kampfunfähig wird. Wir erleben ja in diesen Jahren, wie die Supermacht USA militärisch, wirtschaftlich und politisch an ihre Grenzen stösst.
Der Hauptzweck der Schweizer Landesverteidigung ist es, dadurch auf einen potenziellen Angreifer abschreckend zu wirken, dass er seine “Kosten” als zu hoch einschätzt, um einen Angriff auszulösen. Diese für uns günstige, bis gegen das Jahr 2000 bestehende Kostenrechnung haben wir mit der Entwaffnung der Schweiz vertan. Natürlich kann man Festungsminenwerfer, Festungen, Bunker mit den heute zur Verfügung stehend, sehr präzisen und wirkungsvollen Waffen zerstören. Aber diese Mittel sind extrem teuer und angesichts der seinerzeit in unserem Land vorhandenen enormen Anzahl von Ziele, die ja alle auch schiessen konnten, hätte allein der nötige Aufwand abschreckend können. Und darüber hinaus wäre noch ein grosser Aufwand dazugekommen, die Armee zu schlagen, ohne das Land, und besonders die Alpentransversalen, dadurch für den Angreifer unbrauchbar zu machen. Diese Kosten-Nutzen Rechnung wurde sehr deutlich im
2. Weltkrieg von General Böhme in seiner Angriffsplanung auf die Schweiz verwendet. Er schrieb: “Nur eine halbwegs intakte Schweizer Industrie, eine arbeitswillige und arbeitsfähige Bevölkerung, ferner unzerstörte Kraftwerke und Eisenbahnen bilden einen angemessen Preis für eine bewaffnete Intervention in der Schweiz.”
Zum Schluss eine Frage: Welches Gremium, was für Leute sind für die militärische Strategie der Schweiz verantwortlich? Wer entscheidet darüber? Wie sieht diese Strategie aus? Krieg am Bildschirm oder ein reeller Krieg? Warum wird eine so einfache Regel vergessen, dass alleine die schiere Grösse einer kampfbereiten und mit wirkungsvollen Mittel ausgerüsteten Armee für eine potenziellen Angreifer die Kosten in für ihn nicht mehr annehmbare Höhen treiben kann?