Coronavirus: die Stunde der Zivis

Coronavirus: die Stunde der Zivis

Der Bundesrat beginnt nun, Teile der Armee für die Bewältigung der Corona-Epidemie einzusetzen.

Aber Vorsicht! Mit Ausnahme von wenigen Armee-Sanitätern und -Sanitäterinnen ist die Armee für solche Einsätze denkbar ungeeignet. Die Armee hat bekanntlich primär einen Kampf-Auftrag. Die Armee ist somit von ihrer Ausbildung und Doktrin her höchstens dann einzusetzen, wenn es etwa um die Abriegelung von Grenzabschnitten oder Regionen geht. Soweit sind wir noch nicht.

Zum Glück gibt es den Zivildienst. Jeden Tag stehen zurzeit durchschnittlich 4‘500 Zivildienstleistende (Zivis) im Einsatz. Über 70% davon leisten Einsätze im Gesundheits- und Sozialwesen. Die Zivis unterstehen dem neu geschaffenen Bundesamt für Zivildienst (ZIVI), also dem Bundesrat direkt.

Anstatt fachlich nicht qualifizierte Angehörige der Armee für die Bewältigung der medizinischen Corona-Krisenlage aufzubieten, wäre es viel sinnvoller, dafür die Zivis zu mobilisieren. Auch wenn sie in ihren jetzigen und früheren Arbeits-Einsätzen «nur» Hilfs-Funktionen ausüben, sind sie doch ungleich besser mit dem Gesundheits-Wesen vertraut.

Ähnlich wie im Militär Durchdiener auch nach abgeleisteter Dienstpflicht im Krisenfall wieder aufgeboten werden können, könnten auch Zivis wieder reaktiviert werden, welche ihre Dienst-Dauer bereits hinter sich haben. Damit erweitern sich die personellen Möglichkeiten um weit über 10‘000 mögliche Hilfspersonen.

Aktualisierung (26.3.2020): auch hier zeigt Oesterreich mit seinem “ausserordentlichen Zivildienst”, wie es gemacht werden kann! Dort werden jetzige Zivildienstleistende zwangsweise verlängert, und ehemalige Zivildienstleistende können sich freiwillig melden. Oesterreichische Zivildienstler werden jetzt ausschliesslich den Einsatzbereichen Rettungswesen, Krankenanstalten, Sozial- und Behindertenhilfe, Altenbetreuung, Krankenbetreuung und Gesundheitsvorsorge zugewiesen, alle anderen Tätigkeiten werden sofort umgeteilt!

Es erstaunt doch sehr, dass der Bundesrat noch immer auf der längst überholten Vorstellung fixiert ist, nur Armee und Zivilschutz seien gleichsam die «Mädchen für alles», wenn es irgendwo brennt. Derweil die gesetzlichen Grundlagen für den Einsatz von Zivis in Notlagen durch den Bund im Zivildienstgesetz (ZDG) und der Verordnung (Art 8c) seit Jahren vorhanden sind.

In Italien musste man mangels medizinischem Personal bereits zur «Triage» übergehen. Das bedeutet, dass man nur mehr diejenigen intensiv behandelt, denen man noch eine Überlebenschance gibt. Alte oder schwache Patienten werden nicht mehr mit maximalem Umfang versorgt, was ihre Überlebenschance noch einmal stark schmälert. Die Triage ist eigentlich ein Verfahren, das nur in Kriegszeiten oder in extremen Katastrophenlagen vorgesehen ist.

Das Gesundheitswesen wird auch bei uns rasch an seine Kapazitäts-Grenzen stossen. Zur Überlastung von Spitälern, Kliniken und Arztpraxen hinzu kommt, dass mit fortschreitender Epidemie das darin beschäftigte Personal selber behandelt werden muss oder in Quarantäne geht. Diese Ausfälle müssen dann zusätzlich kompensiert werden, um ein Zusammenbrechen des Gesundheitswesens mit brutalen Folgen zu verhindern.
Im weiteren schreibt das Epidemiegesetz im Art.41 dem Bundesrat vor, Einreisende an den Grenzen medizinisch zu kontrollieren, um die ungehinderte grenzüberschreitende Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Bisher foutierte der Bundesrat sich um diese Rechtsnorm, aus welchen Gründen auch immer. Selbstverständlich erfordert deren konsequente Umsetzung erhebliche, weitere personelle Kapazitäten. Es ist höchste Zeit!

Die Stunde der Zivis ist gekommen!
Die Zivis können der Bevölkerung nun beweisen, dass die Institution des Zivildienstes tatsächlich einen Sinn hat und nicht bloss eine Art Arbeitstherapie an der Grenze zur Zwangsarbeit darstellt.

Willi Vollenweider
(dieser Beitrag gibt die persönliche Meinung des Autors wieder)