Corona-Krise: wie lange noch?

Corona-Krise: wie lange noch?

geschätzte Giardino-Mitglieder (dies ist vor allem eine Mitteilung an unsere Mitglieder, um die Lage besser einschätzen zu können)

Leider ist die öffentliche Information lückenhaft, insbesondere was Umfang und die voraussichtliche Dauer dieses Ausnahmezustandes betrifft.
Dabei hätte nicht nur die Bevölkerung, sondern insbesondere die Wirtschaft einen geradezu existentiellen Anspruch auf die Ergebnisse der von Fachleuten erstellten und laufend aktualisierten mathematischen Modelle.
Die mathematischen Vorhersage-Modelle basieren darauf, dass in den nächsten Monaten kein Impfstoff und keine Medikamente erhältlich sind. Nur Impfstoffe oder Medikamente können eine grössere humanitäre Katastrophe vermeiden respektive lindern!
Wir bitten alle Älteren und alle Personen mit erhöhtem Risiko eindringlich, sich strikt zuhause aufzuhalten und die Wohnung nicht zu verlassen, auch nicht zum Einkaufen!
Spaziergänge nur im Freien und unter Vermeidung von Personen-Annäherungen! Keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzen!

Die Schweiz ist das am stärksten betroffene Land weltweit! (Bevölkerungs-proportional)

Welt.de online am 24.3.2020: «Die Schweiz, das zweite Italien: Alle reden über Italien. Dabei ist die Schweiz fast genauso schwer betroffen vom Coronavirus wie das Bel Paese. Das fällt wegen der geringen Größe des Landes und den damit geringeren absoluten Zahlen nur nicht so stark auf. Tatsächlich liegt die Zahl der Erkrankten (7724) pro Kopf der Bevölkerung gerechnet nur knapp hinter Italien und dreimal höher als in Deutschland. Besonders auffällig ist die hohe Todesrate. »

Das beste uns bis jetzt bekannte mathematische Modell für diese Pandemie ist hier zu finden (siehe auch Ergänzung ganz unten):

Es wurde aufgebaut und wird laufend aktualisiert vom Team rund um Prof. Dr. Richard Neher, Biozentrum der Uni Basel.
Die Parameter dieses Modells können unverändert übernommen werden. Es ist im Initial-Zustand für den Kanton Basel-Stadt eingestellt (oben links). Dies kann mit dem Parameter leicht auf «Switzerland» umgestellt werden.
Wichtig ist der unterste Parameter zur «Mitigation» (Linderungs-Massnahmen). Die Schweiz begann mit «weak mitigation», zurzeit sind wir ein wenig besser als «moderate mitigation». Werden stringentere Massnahmen eingeführt wie damals in Wuhan oder mittlerweile in der Lombardei, werden wir bei «strong mitigation» sein. Es ist zwingend notwendig dass dies rasch passiert – zusammen mit stark intensiviertem Testing.
Zum Starten der Berechnung ist “Run” anzuclicken (blau oben mitte).

Die vom Modell vorhergesagten Pandemie-Verläufe sehen bei den zwei Szenarien wie folgt aus:

Szenario «moderate mitigation» ganze Schweiz

Szenario «moderate mitigation» (Schweiz Stand 22. März 2020):
max 310’000 Infizierte (infectious) gleichzeitig, gleichzeitig in kritischem Zustand (critical) max 17‘600 *), bis im September total 66’000 Tote. Kumulativ 514‘000 Infizierte werden sich dann erholt haben (recovered).
Stabilisierung ab August.
*) die Kapazitäten der Intensiv-Stationen werden damit um mehr als das zehnfache überschritten!!! Es wird somit sehr viele Tote geben, weil sie durch die Triage fallen.

Szenario «strong mitigation» ganze Schweiz

Szenario «strong mitigation» (Lombardei/China): max 31’500 Infizierte (infectious) gleichzeitig, gleichzeitig in kritischem Zustand (critical) max 2‘413, bis im September total 10‘037 Tote. Kumulativ 905’000 Infizierte werden sich dann erholt haben (recovered). Die heutige Zahl der Intensiv-Betten müsste bis Mitte April verdoppelt werden, um die Triage zu vermeiden. Dazu reicht aber das Personal nicht, siehe weiter unten.
Stabilisierung ab Ende September (die Kurven sind verflacht und die Pandemie dauert dadurch länger).

Die kritischen Ressourcen sind:

  1. Spital-Personal
    Die Intensiv-Stationen können nur mit speziell dafür ausgebildetem Fachpersonal betrieben werden. Dieses kann nicht aufgestockt werden sondern wird längere Arbeitszeiten absolvieren müssen. Zudem wird es hier durch Ansteckung zahlreiche Ausfälle geben.
  2. Anzahl Intensiv-Pflege-Betten (mit Beatmungsmöglichkeit)
    Gesamtschweizerisch stehen rund 1’000 Intensiv-Betten zur Verfügung (viele davon bereits belegt!). Das Modell rechnet mit einer raschen Aufstockung auf 1‘400. Das scheint realistisch.
    Bald werden viele «critical ill»-Patienten nicht mehr adäquat versorgt werden. Sie werden ersticken. Wie im Krieg muss sehr bald auf das Triage-System übergegangen werden. Weder Zivilschutz, noch Zivildienst, noch Armee (nach mehreren verantwortungslosen Spar-Runden ist hier nur noch gerade ein Militärspital betriebsbereit!!!) haben die für diesen Krisenfall zusätzlich erforderlichen personellen und materiellen Ressourcen!

Wer geschäftlich exponiert ist, ist gut beraten, die Sofortmassnahmen zur Schadensminimierung unverzüglich einzuleiten. Auch private Dispositive sind zu überdenken und anzupassen.

Ich wünsche allen Lesern und Leserinnen Mut, Zuversicht und gute Gesundheit!

Willi Vollenweider, alt-Kantonsrat, Präsident Gruppe Giardino, Zug
(dieser Beitrag gibt die persönliche Meinung des Autors wieder)

Ergänzung (23.März 2020, 1700 Uhr)
an der heutigen Medienkonferenz des BAG hat Herr D. Koch mitgeteilt, dass das BAG mit dem Modell von Professor Neil Ferguson arbeitet. Ein Bericht darüber ist hier zu finden.
Der vollständige Bericht ist hier (Report 10: Public Response to UK Government Recommendations on COVID-19: Population Survey, 17-18 March 2020).
Das Imperial College rechnet sogar mit einer zweiten Welle zwischen Herbst 2020 und Frühling 2021. Details siehe vorstehende Berichte.
Vorsicht: diese Prognosen gehen davon aus dass es keine Medikamente geben wird!