Aus der Geschichte nichts gelernt?

Aus der Geschichte nichts gelernt?

Rudolf P. Schaub

Geschätzte Freunde einer glaubwürdigen, verfassungsgemässen Armee

Herr Süssli ist ein würdiger Nachfolger der Herren Blattmann und Rebord, die ebenfalls nie den Mut hatten, darauf hinzuweisen, dass die Armee kaputtgespart worden ist. Süssli hätte allen Grund anzuprangern, dass das Kaputtsparen der Armee fröhlich weitergehen soll. Wahrscheinlich hat er den Grundlagenbericht über die Zukunft der Bodentruppen nicht (aufmerksam) gelesen oder nicht verstanden.

Mir kann man nicht vorwerfen, ich hätte mich nicht für die Armee exponiert. Nach gründlichstem Studium des Grundlagenberichts der Bodentruppen habe ich aber Verständnis für intelligente Schweizer, die sich aus der Schweizer Armee verabschieden oder gar nicht in sie eintreten. Man muss blöd sein, als junger Mann seine Zeit für eine «virtuelle Verteidigungsarmee» bzw. «savoir faire-Armee» gemäss Bundesratsbeschluss vom 21. November 2008 zu opfern. Mittlerweile hat sogar die Armeeführung erkannt und ausgesprochen, dass der «Aufwuchs», welcher die wichtigste Voraussetzung für die «savoir faire Armee» gewesen ist, überhaupt nicht funktioniert. Niemand wagt es aber auszusprechen, dass unser untaugliches Armeekonzept zu entsorgen ist. Die Mehrheit von Parlament und Bundesrat betreiben keine Sicherheitspolitik, sondern eine nicht zu verantwortende «Unsicherheitspolitk». Junge, intelligente Schweizer haben das längst (intuitiv) bemerkt. Solange die Mehrheit der Classe politique keine Vaterlandsliebe und Opferbereitschaft für die Armee erkennen lässt, müssen sich die jungen Schweizer auch nicht durch Vaterlandsliebe und Opferbereitschaft für die Armee auszeichnen. Kann von ihnen erwartet werden, dass sich in einer chancenlosen Luftschloss-Armee engagieren und aufopfern? Nein!

In den letzten Monaten habe ich meine historischen Kenntnisse über die Zeit zwischen 1750 und 1815 aus der Schulzeit aufgefrischt und vertieft. Bundesrat und Parlament haben nicht die geringsten Kenntnisse, wie es dem Schweizervolk zwischen 1798 und 1815 ergangen ist. Sie müssten immer wieder daran erinnert werden. Diese Zeit ist wichtiger als 1291 und seine Mythen. Drei Zitate sind im Zusammenhang mit der betriebenen «Unsicherheitspolitik» angebracht:

  • Lehmann, Peter, Die Umdeutung der Neutralität (eine hervorragende Dissertation), S. 85: «Die Eidgenossen wollten sich nicht bewaffnen, um neutral sein zu können, sondern sie wollten neutral sein, um sich nicht zu sehr bewaffnen zu müssen.» Die Rechnung für ihre Haltung zahlten sie ab 1798. Es war eine schreckliche Rechnung.

  • Kasser, Paul, Der Durchmarsch der Alliierten durch die Schweiz, in: Schweizer Kriegsgeschichte, Bd. 4, S. 49: «Aber die Erfahrungstatsache, dass derjenige, dem die Einsicht in die Notwendigkeit guter Kriegsbereitschaft fehlt, auch zu spät kommt, wenn das Versäumte nachgeholt werden soll, traf auch jetzt wieder zu.»

  • General Hans Herzog, Bericht über die Truppenaufstellung im Juli und August 1870, in: BBl 1870, S. 843: «Man darf nicht nur von dem einzelnen dienstpflichtigen Bürger oft sehr erhebliche Opfer fordern, es ist zuerst Pflicht des Staates, seinerseits nichts zu versäumen, dessen die Armee bedarf, um schlagfertig zu sein.»

Hoffentlich haben Sie in den kommenden Tagen Zeit, um über die schweizerische «Unsicherheitspolitik» nur kurz nachzudenken. Sie, Ihre Kinder und Ihre Enkel könnten alles verlieren, wenn die Schweiz zum Operationsgebiet fremder Armeen würde.

Mit kameradschaftlichen Grüssen
Rudolf P. Schaub

Hinweis: Dr. Rudolf P. Schaub, Oberstlt aD, ist Verfasser mehrerer sicherheitspolitischer Broschüren, welche Sie über unseren Shop auf dieser Website bestellen können.