Armee Volltreffer: 100'000 – 80'000

Armee Volltreffer: 100'000 – 80'000

Der Bundesrat plant – unter klarer Missachtung eines erst kürzlich Tatsache gewordenen Parlamentsentscheids – erneut einen Armee-Abbau: Auf noch 80‘000 Mann.
Mit dieser erneuten Verkleinerung – der 80‘000 Mann-Armee sollen jährlich noch 4,5 Milliarden zur Verfügung stehen – kehrt der Bundesrat zu einer von ihm seit langem verfolgten Idee zu- rück. Das Parlament durchkreuzte diese Idee allerdings vor einem halben Jahr: Es beschloss eine Armee von 100‘000 Mann mit einem Jah- resbudget von 5 Milliarden.
Der Bundesrat zählt offenbar auf das neue Mitte-Links-Parlament: Es werde die Nichtbe- achtung eines verbindlichen Parlamentsent- scheids demütig schlucken. Ob sich das neue Parlament solch herrisches Gehabe bieten lässt?
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Kommentare: 80

  1. E. Haas sagt:

    Der Gesamtbundesrat handelt richtig! Der 29.09.2011 war ein Pyrrhus-Sieg des alten Parlamentes, der rechtskonservativen Retro-Armee-Anhänger und wird nicht umgesetzt. Für die CH-Armee reichen 80’000 AdA, 4.4 Mrd Fr sind sehr üppig um die militärische Sicherheit der Schweiz zu gewährleisten, eine moderne Armee auszubilden und auszurüsten (der DD-Anteil muss dann auch noch von heute 15% auf 50% bzw 100% erhöht werden, plus die freiwillige Miliz).
    Vergessen wir nicht, dass mit jedem 1 Fr der in die Bildung investiert wird, 3 Fr als Wirtschaftsleistung generiert werden, Freiheit, Unabhängigkeit (soweit das in einer globalisierten Welt der Fall sein kann), Macht und Einfluss definieren sich heute nicht nur über militärische Potenz, sondern primär über eine leistungsfähige und produktive Volkswirtschaft, da spielt die Schweiz in den Top 25 – Nationen (OECD-Staaten) mit, mit einem BIP von fast 600 Mrd Fr, damit ist sie eine Wirtschaftsmittelmacht (und das mit nur 8 Mio Einw).
    Das gegenwärtige Materialmengengerüst reicht für eine Armee von ca 40’000 AdA, über 60% der CH-Armee sind nicht ausgerüstet, weil die laufenden Betriebskosten für die überdimensionierte Miliz-Armee seit Jahren aus dem Ruder laufen, die Armee zu gross ist und für ihren Personalumfang (120’000 AdA plus 20’000 Rekr) unterfinanziert ist, somit ist der Entscheid der Regierung (Gesamtbundesrat) mehr als nur richtig, auf die damaligen Beschlüsse des alten Parlamentes vom 29.09.2011 zurückzukommen und mittels Rückkommensanträgen zu korrigieren (im Parlament).
    Die Armee ist mit 80’000 AdA genügend gerüstet um die nationale Souveränitat und Sicherheit zu gewährleisten, andere Staaten können das auch und versinken nicht im Bürgerkrieg, bzw sind nicht von ausländischen Armeen besetzt, schon gar nicht im dreifachen EU/NATO-Gürtel den die Schweiz umgibt.
    Beispiele:
    Wie kommt es, dass Vtg-Minister U. M. und die Schweizer Armeeführung soviel mehr Truppen und Material ableitet als unsere vergleichbaren EU-Nachbarn und damit versucht zu begründen dass die Armee stark aufgerüstet werden muss um unser Land und unsere Infrastruktur schützen zu können?
    Nehmen wir als Beispiel die Eisenbahn-Netze und die Kernkraftwerke:
    Schweiz / 8.0 Mio Einw / ca 41’000 Km2 Fläche:
    3011 Km SBB-Netz / 4 KKW-Anlagen (Blöcke mit 1 oder mehreren Kernkraftreaktoren)
    Frankreich / 63 Mio Einw / ca 551’000 Km2:
    32’000 Km Bahn-Netz / 30 KKW-Anlagen
    Italien / 59 Mio Einw / ca 300’000 Km2:
    20’000 Km Bahn-Netz / 0 KKW-Anlagen
    Spanien / 45 Mio Einw / ca 505’000 Km2:
    32’000 Km Bahn-Netz / 6 KKW-Anlagen
    Portugal / 10.7 Mio Einw / ca 92’000 Km2:
    2900 Km Bahn-Netz / 0 KKW
    Schweden / 9.3 Mio Einw / ca 450’000 Km2:
    13’000 Km Bahn-Netz / 3 KKW-Anlagen
    Finnland / 5.4 Mio Einw / ca 340’000 Km2:
    5800 Km Bahn-Netz / 5 KKW-Anlagen
    Dänemark / 5.5 Mio Einw / ca 43’000 Km2:
    2700 Km Bahn-Netz / 0 KKW-Anlagen
    Norwegen / 4.9 Mio Einw / ca 385’000 Km2:
    4100 Km Bahn-Netz / 0 KKW-Anlagen
    Belgien / 11 Mio Einw / ca 31’000 Km2:
    3500 Km Bahn-Netz / 2 KKW-Anlagen
    Niederlande / 17 Mio Einw / ca 42’000 Km2:
    3000 Km Bahn-Netz / 1 KKW-Anlage
    Luxemburg / 0.5 Mio Einw / ca 2500 Km2:
    275 Km Bahn-Netz / 0 KKW
    Oesterreich / 8.5 Mio Einw / ca 84’000 Km2:
    5700 Km Bahn-Netz / 0 KKW-Anlagen
    BR Deutschland / 81 Mio Einw / ca 357’000 Km2:
    34’000 Km Bahn-Netz / 12 KKW-Anlagen
    Polen / 38 Mio Einw / ca 312’000 Km2:
    23’000 Km Bahn-Netz / 0 KKW
    Litauen / 3.3 Mio Einw / ca 65’000 Km2:
    1800 Km Bahn-Netz / 0 KKW-Anlagen
    Slowenien / 2.1 Mio Einw / ca 20’000 Km2:
    1200 Km Bahn-Netz / 1 KKW-Anlage
    Tschechien / 10.3 Mio Einw / ca 79’000 Km2:
    9500 Km Bahn-Netz / 6 KKW-Anlagen
    United Kingdom of Great Britain / 61 Mio Einw / ca 245’000 Km2:
    16’000 Km Bahn-Netz / 19 KKW-Anlagen
    Irland / 4.4 Mio Einw / ca 83’000 Km2:
    1800 Km Bahn-Netz / 0 KKW-Anlagen
    Wie werden diese Staaten militärisch geschützt (Personalumfang):
    Schweiz:
    4000 Profis, 20’000 Rekruten, 120’000 Miliz-Reserve (regelmässig bzw jährlich beübte Reservisten), 100’000 inaktive Reserve (nicht ausgerüstet, keine Dienstpflicht, Aufwuchs-Reserve)
    Frankreich:
    240’000 Profis, 105’000 Gendarmerie (Militärpolizei / Innenministerium unterstellt), keine Reserve
    Italien:
    190’000 Profis, 110’000 Carabinieri (dito wie in Frankreich), keine Reserve
    Spanien:
    140’000 Profis, ca 80’000 Guardia Civil (dito F/I), keine Reserve
    Portugal:
    33’000 Profis, ca 25’000 Republikanische Nationalgarde (dito F/I/E), ca 200’000 inaktive Reserve
    Schweden:
    10’000 Profis, 10’000 DD-Freiwillige / Grundwehrdiener / Zeitmilitär, 10’000 Miliz-Reserve, ca 40’000 Territorial-Heimwehr/Miliz-Reserve (freiwillig), ca 150’000 inaktive Reserve (nicht ausgerüstet, keine Dienstpflicht)
    Finnland:
    9000 Profis, 26’000 DD-Wehrpflichtige, ca 25’000 Miliz-Reserve (40-100 maximale Diensttage nach der DD-Wehrpflicht), ca 200’000 ausgerüstete Reserve (aber nicht mehr dienstpflichtig, erst bei Be-drohung, bzw KMob einberufen und ausgerüstet), inaktiver Reservestatus bis 60-jährig
    Dänemark:
    13’000 Profis, 5000 DD-Freiwillige (Wehrdienst ist freiwillig), 50’000 Heimwehr/Miliz-Reserve (freiwillig)
    Norwegen:
    8000 Profis, 10’000 DD-Wehrpflichtige, ca 50’000 Heimwehr/Miliz-Reserve (freiwillig), ca 140’000 inak-tive Reserve
    Belgien:
    36’000 Profis, ca 3000 freiwillige Miliz-Reserve, ca 100’000 inaktive Reserve
    Niederlande:
    45’000 Profis, 7000 Gendarmerie (Zoll / Grenzwache / Monarchie / VIP / Antiterror), 4000 freiwillige Miliz-Reserve, ca 30’000 freiwillige inaktive Reserve
    Luxemburg:
    800 Profis, keine Reserve
    Oesterreich:
    25’000 Profis, 10’000 DD-Wehrpflichtige, ca 20’000 Miliz-Reserve (freiwillig), ca 150’000 inaktive Res-erve (nicht ausgerüstet, keine Dienstpflicht)
    BR Deutschland (Sollzahlen / BW-Reform)
    170’000 Profis (Berufs- und Zeitmilitär), 15’000 DD-Wehrpflichtige (freiwillige Wehrdienstleistende), ca 30’000 Miliz-Reserve (freiwillig)
    Polen:
    100’000 Profis, 20’000 Miliz-Reserve (freiwillig), ca 240’000 inaktive Reserve
    Litauen:
    12’000 Profis, 4500 Miliz-Reserve (freiwillig), ca 100’000 inaktive Reserve
    Slowenien:
    8000 Profis, 2000 freiwillige Miliz-Reserve, ca 50’000 inaktive Reserve
    Tschechien:
    25’000 Profis, 4000 freiwillige Miliz-Reserve, ca 100’000 inaktive Reserve
    United Kingdom of Great Britain:
    185’000 Profis, ca 40’000 Miliz-Reserve (freiwillig), ca 200’000 inaktive Reserve (nicht ausgerüstet, keine Dienstpflicht)
    Irland:
    10’000 Profis, 10’000 Miliz-Reserve (freiwillig), keine weiteren Reserven
    Das sind die Zahlen und Fakten über unsere EU-Nachbarn und die Regierungen dieser Länder haben seriös und in Abwägung aller möglichen Gefahren und Bedrohungen auch ihre Sicherheits-Checklisten durchgearbeitet um die nationale und kontinentale (europäische) Sicherheit zu gewährleisten und bereit zu sein, oder etwa nicht?
    1) Was machen diese ausgewählten europäischen Länder anders in ihrer Bedrohungsanalyse als wir hier in der Schweiz, sind diese Staatsregierungen und ihre Militärführungen, die ihre Verantwortung zur Sicherheit ihres Landes auch integral wahrnehmen soviel “schlechter” oder “nachlässiger”, nehmen diese Staaten bewusst hohe Risiken in Kauf, handeln diese Regierungen gar (grob-)fahrlässig? Wohl kaum, sie machen im Unterschied zur politischen und militärischen Armeeführung eine realistischere Einschätzung der möglichen Bedrohungsszenarien.
    2) Warum kommen diese Länder mit soviel weniger Militärpersonal aus um ihre viel grösseren Infrastrukturen und weitverzweigten Netzwerke (Bahnlinien) auf einer viel grösseren Staatsfläche zu schützen?
    Ist die CH-Armee in so vielen Bereichen viel schlechter als vergleichbare Armeen unserer Nachbarn?
    3) Das Militär in diesen ausgewählten Staaten wird immer wieder sporadisch, wenn die Bedrohungslage durch womöglich geplante Terroranschläge höhergestuft wird, kurze Zeit an exponierten Stellen / Infrastrukturen zur Verstärkung der Polizei eingesetzt (Häfen und Flughäfen, bedrohte oder gefährdete Industrieanlagen und Energieversorgungzentren, Bahnstrecken, Autobahnen, Regierungsgebäude, etc), aber nicht auf Dauer (sobald die Nachrichtendienste wieder Entwarnung geben).
    4) Die ausgewählten Länder leisten alle viel umfangreichere militärische Einsätze im Ausland, Friedenseinsätze (PSO) im Rahmen der UNO und des Krieges gegen den Terror (friedenserzwingende Kampfeinsätze oder führen den Kampf gegen den Terror aus eigenen nationalen Interessen oder wegen Bündnisverpflichtungen).
    5) Die Schweiz braucht Streitkräfte die rasch einsetzbar sind, dies kann durch einen erhöhten Profi-Anteil und einen erhöhten DD-Anteil erreicht werden, die bestehende WK-Milizarmee ist für solche kurzfristigen Notfallszenarien und Einsätze nur bedingt einsetzbar (siehe Ueberschwemmungen in Thun 1999 als das vielgerühmte Milizsystem in seiner reinsten Form kläglich versagte). Wir brauchen keine 100’000 AdA-WK-Armee um die Schweiz zu schützen, wir brauchen einen wirkungsvollen Nachrichtendienst / Geheimdienst (der realistischerweise vollständig von befreundeten Staaten abhängig ist), eine personell richtig dotierte und anständig bezahlte Polizei (ca 16’000 Polizisten, das sind zu wenig, der Bedarf wäre ca 20’000 Polizisten in allen Kantonen), Grenzwache (ca 1900 Grenzwächter plus weitere 300 kürzlich bewilligte Stellen) und Botschaftschutz-Hilfspolizisten (ca 150 – 200 in BE / GE / ZH), und nicht zuletzt auch aufmerksame und informierte Bürger (zudem haben private Sicherheitsfirmen in der Schweiz ca 15’000 Angestellte).
    Im allerschlimmsten Notfall – kurzfristig ad hoc organisiert – könnten wir dann auch wieder zum Modell der Ortswehr greifen (es gibt keine Anzeichen für solche dystopischen Apokaylpse-Szenarien, oder hat jemand Lust in einer Post-Nuclearwar-World zu leben, wie in den “Mad Max” – Filmen aus den 1980er Jahren…), sollten dann tatsächlich alle Dämme brechen, die Ortswehr war eine „halbkombattante“ Orts-Bürgerwehr die von Jugendlichen ab 16 Jahren und militärisch ausgemusterten älteren Männern (bis ca 75jährig und sogar noch älter) gestellt wurde und leicht bewaffnet war, während des 2en Weltkrieges und teilweise auch während des Kalten Krieges, Ortswehr-Bestand im WW2 war über 250’000 Ortswehr-Mitglieder, als Ergänzung neben der 450’000 AdA-Armee und das bei einer CH-Bevölkerung von ca 4.200 Mio Einw 1939/40. Das Ortswehr-Modell hat in den Heimwehren der Skandinavier überlebt und wird dort als freiwillige Miliz-Reserve und Lokal-Verteidigung beibehalten.
    Die Schweiz kann sich die teuerste „Armee-Vollkasko-Versicherungsprämie“ (5 Mrd Fr) nicht mehr leisten, um die Sprache der Assekuranz zu benutzen, die Teilkasko-Versicherung reicht (bzw eine abgespeckte Vollkasko ohne Parkschadenversicherung), aber diese muss die gefährlichsten Risiken abdecken, der Selbstbehalt wird erhöht damit Prämien gespart werden können (Wirtschaftslage, Lage/Risikobeurteilung), die Sicherheit wird nicht tangiert. Man kann diese „Versicherungsdeckung“ je nach neuer Risiko- und Lagebeurteilung und Bedarf selbstverständlich auch erneut anpassen. Die Vollkasko-Prämie kostet mindestens über 5.0 Mrd Fr pro Jahr, die optimierte Teilkasko (oder abgespeckte Vollkasko) kommt mit einem Betrag von 4.0 bis 4.4 Mrd Fr aus und ist mit einer Optimierung der Versicherungspolice gut abgedeckt; die Versicherungspolice ist in diesem Fall die Armee-Organisation die den tatsächlichen Risiken nicht (bedarfsgerecht) entspricht.
    Wir brauchen, in der Assekuranz-Sprache formuliert, eine massgeschneiderte, günstige und nachvollziehbare Versicherungslösung für den Kunden Helvetia, denn tatsächlich wird diese Kundin heute ge-nötigt eine falsche Versicherungsdeckung weiterzuzahlen, die sie A) nicht mehr in dieser Form braucht und B) das freiwerdende bzw eingesparte Geld für wichtige Zukunftsinvestitionen brauchen würde (Energiewende). Die bestehende Versicherungspolice ist suboptimal, nur bedingt brauchbar und sollte durch eine günstigere risikogerechte Versicherungslösung ersetzt werden.
    Zum Abschluss noch eine kurze Uebersicht zur CH-Armee im Jahr 1987 (zum Glück hat sich die Welt zum Besseren verändert, die UdSSR seit 1991 Geschichte, die ehemaligen Ostblockstaaten in der EU und in der NATO) / Schweizer Armee 1987 / Bestände / Ausrüstung / Kosten:
    In den 80er Jahren betrug das EMD/VBS-Budget, inflationsbereinigt, über 6 Mrd Fr jährlich, mit der Vollkostenrechnung, volkswirtschaftlich betrachtet, über 12 – 15 Mrd Fr jährlich (inklusive EO / Lohnfortzahlungen bei WK-Diensten, etc), die ca 6 Mrd Fr machten ca 20-25% des Bundesbudgets aus.
    Ca 800’000 eingeteilte Miliz-AdA, 1500 BO / BU (Profis), ca 1500 Festungswächter (Profis), jährlich über 40’000 Rekruten (1960er Jahrgänge), 800 Kampfpanzer (Centurion, Pz 61/68), 1500 Schützenpanzer (M-113), 2500 Artilleriegeschütze (Pz Hb, gezogene Art, Fest Art), 5000 Minenwerfer (81 / 120mm), 1000 Pal-Systeme (Bantam, Dragon), 30’000 Pzaw-Raketenrohre, 1000 Pzaw-Kanonen (Jeep), 2500 Flabkanonen (20/35mm), Flabraketen-Systeme (Rapier / Bloodhound), 350 Kampfflugzeuge (Venom, Hunter, Mirage, Tiger), 100 Helikopter (Alouette II/III, Superpuma), vorbereitete Unterstände, ausgebaute und starke Gebirgsfestungen, unterirdische Flugplätze, vorbereitete Feldflugplätze (Autobahnabschnitte, Hauptstrassen), massivste Geländeverstärkungen und vorbereitete Sprengobjekte, eine Zivilschutzorganisation mit ca 0.500 Mio eingeteilten Zivilschutzpflichtigen und mit einer Mobilmachungsorganisation die innert 48 h die ganze Armee einberufen konnte.
    Ein gewaltiges Arsenal für den totalen Krieg gegen den damaligen möglichen Aggressor aus dem Osten (WAPA-Armeen). Der Eintrittspreis wäre tatsächlich hoch gewesen für einen Angreifer. Die politischen Realitäten haben sich aber seit 1989 nachhaltig und ebenso gewaltig verändert.
    Wer alles schützen will, schützt zuletzt nichts mehr.

    • Simon Küchler sagt:

      Grüezi Herr Haas,
      Eine beeindrucke Zahlenschlacht liefern Sie uns da. Ich möchte Sie einladen, ein paar Schritte zurückzutreten und in längeren/grösseren/grundsätzlicheren Zusammenhängen zu denken:
      Kriege wurden m.E. in der Vergangenheit dann geführt, wenn
      a) der entsprechende Staat/Gemeinschaft über ein ausreichendes militärische Potential (mit Aussicht auf militärischen und “volkswirtschaftlichen” Erfolg) verfügte und
      b) die Entscheidungsträger den Willen dazu hatten.
      Zu a)
      Seit Ende des kalten Krieges haben die weltweiten Rüstungsausgaben um 30% zugenommen. Das von Ihnen erwähnte “gewaltige Arsenal” ist also trotz Ende des Kalten Krieges (oder gerade deswegen?) noch ein schönes Stück “gewaltiger” geworden.
      Zu b)
      Gestern war in der Zeitung zu lesen, dass Asien möglicherweise noch dieses Jahr den Westen bezüglich den Militärausgaben überholt. Vielleicht sind Sie ja ein profunder Kenner der östlichen Mentalitäten, ich bin es nicht. Ich finde es schwierig, mich in die unterschiedlichen – wenigstens in die grossen – Kulturen einzudenken und basierend auf deren heutigen Werte und politischen Entscheidungsprozesse zu verstehen und daraus für die Zukunft zu extrapolieren.
      Gerade heute leben in einer Zeit, wo uns sehr deutlich vor Augen geführt wird, wie bescheiden unsere Prognosefähigkeiten selbst in vergleichsweise überschaubaren Bereichen sind. Denken sie nur an die Finanzindustrie und ihre Einschätzungen bezüglich dem Subprime-Markt. Intelligente, gut bezahlte (und daher auch sehr engagierte) Leute haben weltweit vermutlich zu 10’000 den Subprime-Markt analysiert. Die grosse Mehrheit war nicht in der Lage (ich übrigens auch nicht), die Katastrophe vorherzusehen. Im Nachgang haben wir hingeschaut und uns gesagt: Man hätte es sehen müssen und PENG da war die Bankenkrise. Wir schauen hin und denken: Eigentlich logisch, hätte man vorhersehen müssen und PENG da war die Schuldenkrise. Hoffen wir, dass dies der letzte PENG war.
      Interessant auch, wie ein weltpolitischer Schmetterlingsflügelschlag (hier also der US Subprime-Markt) die Entwicklung der Welt beeinflussen kann (z.B. weil die USA schneller als erwartet als Supermacht abtreten, ein Teilverkauf des Westens an den Osten stattfindet etc. etc.). Wir Menschen könnten relativ zuverlässig Prognosen erstellen in stabilen Umfeldern. Wir sind oft blind was die grossen Veränderung angeht. Falls Sie das Thema interessiert, so kann wärmstens “The black swan” von Taleb empfehlen.
      Interessante Zeiten erleben wir ja auch mit Blick auf Europa (Stichwort: Währungs- ohne Finanzunion). Ja, es gibt ein Irren im Kollektiv. Nur weil andere zu anderen Schlüssen kommen heisst das nicht, dass die eigenen Schlüsse automatisch falsch sind. Es ist wurde mehrfach durch wissenschaftliche Experimente nachgewiesen, dass es Menschen unangenehm ist, eine andere Meinung als die Gruppe zu vertreten, selbst wenn die Gruppe “objektiv” gesehen klar falsch liegt. Die (Subprime-)Lemminge lassen grüssen. Gerne liefere ich Ihnen dazu mehr Informationen / Links.
      Wenn man schon Vergleiche innerhalb von Europa anstellt, dann würde ich es hilfreich finden, wenn auch hier der Betrachtungswinkel etwas erweitert wird. Der reine Vergleich von militärischen Mannschaftsstärken ohne das Berücksichtigen insbesondere der polizeilichen Sicherheitsorgane scheint mir nur bedingt hilfreich, vor allem wenn man wie in Ihrem Fall die Risiken im Rahmen der Existenzsicherung als prioritär betrachtet. Die Schweiz hat meines Wissens in Europa – gemessen an der Bevölkerung – die tiefste Dichte an Polizisten und es war m.E. immer ein Kalkül gut schweizerischer (Spar-)Sicherheitspolitik, dass hier bei Bedarf die Armee wichtige Aufgaben auch in diesem Bereich übernehmen kann und soll.
      Ich beschäftige mich (beruflich und notgedrungen auch privat) mit der Assekuranz. Daher weiss ich, dass die Versicherung von kleinen, häufigen Risiken aus unterschiedlichen Gründen relativ teuer ist. Es ist recht wahrscheinlich, dass im Laufe meines Lebens mal mein Reisegepäck abhanden kommt. Falls es passiert, dann geht mein Leben weiter, die paar 100 / 1000 Franken Verlust sind nicht das Ende. Ich spare mir das Geld für diese Kleinrisiken. Hingegen habe ich eine Privathaftplicht für den unwahrscheinlichen Fall, dass ich mal in irgendetwas “Dummes” hineinlaufe. Ohne diese verliere ich alles.
      Mit freundlichen Grüssen,
      Simon Küchler
      (nicht der KKdt a D, sondern sein Junior)

    • E. Haas sagt:

      Guten Abend Herr Küchler
      Als mögliche Haftpflichtversicherung der Schweiz ist durchaus auch die Armee zu betrachten, für diese gilt im Jahr 2012, weniger ist mehr: Reduce to the max, die Leistungen müssen optimiert werden, die Prämie tiefer, so geht das.
      Bankster-Gier und Bankster-Dummheit stürzten die Finanzmärkte in den Abgrund und mit ihnen fast ganze Volkswirtschaften, mit ihren Ausführungen haben Sie sicher Recht.
      Diese menschlich bedingten Schwächen lassen sich aber wohl kaum auf die sicherheitspolitische Gesamtlage übertragen. Als die Welt in den 1930er Jahren sich in einer ähnlichen Krise befand gab es neben etlichen westlichen Staaten die auf friedlichem Weg versuchten eine wirtschaftliche Erholung zu erreichen (bspw die U.S.A. unter Roosevelt mit seinem “New Deal”), auch drei grosse nationalistische aggressive Staaten (Nazi-Deutschland, Mussolini-Italien, der kaiserliche Militärstaat Japan) welche die Welt neu aufteilen wollten, dies führte bekanntlich zum 2en Weltkrieg mit über 60 Mio Toten und dem gemeinsamen allierten Sieg, zusammen mit dem kommunistischen Sowjetrussland. Insbesondere West-Europa hat daraus seine Lehren gezogen, vernetzte, verbündete und vereinte sich nach dem 2en Weltkrieg gegen die Bedrohung der Sowjetunion, gründete die NATO (Militär) und die EU (Wirtschaft), um gegenüber der UdSSR und ihren osteuropäischen Satellitenstaaten und dem militärischen Bedrohungspotenzial der grotesk überrüsteten Roten Armee und ihren unterstellten WAPA-Armeen zu bestehen. Seit dem Untergang der Sowjetunion hat sich die Lage in Europa weiter entspannt und die ehemaligen WAPA-Staaten sind heute Teil der EU und der NATO, wunderbar, besser und friedlicher hätten wir uns das Mitte der 1980er Jahre nicht erträumen lassen, auf dem Höhepunkt des kalten Krieges, wir hatten Glück und es waren auch vernünftige Staatsmänner und -frauen an der Macht, in West und Ost, welche diesen eindrücklichen Wechsel in der Geschichte friedlich erreichten, damals Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre. Und die Lehre daraus ist, dass in Europa kein Krieg mehr geführt werden darf, der Preis ist zu hoch und die Klein- und Mittelstaaterei ist ein Nachteil gegenüber den grossen globalen Wirtschaftsmächten (China, Indien, U.S.A.), Europa und seine Staaten haben nur Bestand und eine Zukunft wenn es sich in einer Union zusammenfindet und sich darin arrangiert und das garantiert auch die Sicherheit der Schweiz (und die sollte sich stärker einbringen mit ihrem Potenzial).
      Die Finanzkrise zeigt nun eindrücklich wie Krisenmanagement im frühen 21en Jahrhundert funktioniert, friedlich, mit unzähligen bilateralen und internationalen Treffen, und die westlichen Staaten haben auch gar keine andere Wahl als nun den Weg aus der Krise gemeinsam zu finden. Krieg, Bürgerkrieg, Anarchie, Unruhen, millionenfacher Tod sind ein zu hoher Preis den niemand zu zahlen bereit ist und die Menschen, mindestens in unseren Breitengraden, haben aus den sinnlosen millionfachen Toten der beiden Weltkriege ihre Lehren gezogen. Wenn die Deutschen nun aus Aerger gegenüber den Griechen ob der überaus negativen Deutschland-Berichterstattung in den griechischen Medien keine Ferien für den Sommer / Herbst 2012 in Griechenland buchen ist das doch ein viel humanerer Weg der Konfliktlösung oder des “Dampfablassens” als Probleme militärisch “zu lösen” wie das oftmals in der Geschichte der Fall war (auch die klammen Monarchien Europas, es geht zurück bis in die Antike, bedienten sich oft diesem ultimativ letzten Instrument um aus ihrem selbstverschuldeten Dilemma zu finden, mit unsäglichen Folgen für die betroffenen Staatsvölker).
      Asien holt betreffend Rüstungsausgaben auf, liegt aber nach wie vor deutlich hinter den westlichen Staaten zurück, was heisst das schon, in Asien sind Japan (Berufsarmee, 0.250 Mio Mann), Südkorea (Berufs- und Wehrpflichtarmee, 0.550 Mio Mann) und Taiwan (Berufs- und Wehrpflichtarmee, 0.350 Mio Mann) klar westlich orientiert und haben starke, modern ausgerüstete Streitkräfte, China (Berufsarmee von 2.3 Mio Mann) rüstet auf um seinen Weltmacht-Status zu unterstreichen (ca 120 Mrd Fr Vtg-Etat, zum Vergleich die U.S.A. ca 650 Mrd Fr), Indien (Berufsarmee mit 1.1 Mio Mann) spielt auch gerne Grossmacht und investiert ca 50 Mrd Fr jährlich in die Verteidigung, Nordkorea (Berufs- und Wehrpflichtarmee mit 1.2 Mio Mann) ist ein Paria-Staat mit einer enorm grossen Armee, die aber hoffnungslos veraltet ausgerüstet ist und keinen Krieg führen kann, diese Armee stützt und schützt die stalinistische Erbmonarchie Nordkoreas, dieser regelmässig amoklaufende Terrorstaat wird von China und Russland unter Kontrolle gehalten und von den US-Kernwaffen in Südkorea auf Distanz gehalten wird (Nuklearwaffen sind strategische Waffen). Pakistan ist ein mausarmer terroristisch bedrohter Hochrisiko-Staat (Berufsarmee mit 0.750 Mio Mann, Vtg-Ausgaben ca 6 Mrd Fr) der seit 1998 ebenfalls im Besitz von Atomwaffen ist, wie auch Indien.
      Bleibt noch Arabien welches ebenfalls zu Asien gehört, die reichen Golfstaaten rüsten seit Jahrzehnten hoch und sind die besten Kunden der westlichen Rüstungsfirmen (das Personal dieser Armeen wird oftmals von Pakistanern gestellt) und dies liegt klar im Interesse der U.S.A. und auch der EU.
      Trotz allem, dem Rüstungswettlauf in Asien, bleibt festzuhalten:
      Die Aufrüsterei bei den konventionellen Waffenarsenalen in Ostasien und Arabien hat mit der kurz-, mittel-, und langfristigen Sicherheit der Schweiz aber gar nichts zu tun, wir sind im Herzen Europas durch den dreifachen EU/NATO-Gürtel bestens geschützt, profitieren von allen Annehmlichkeiten in dieser Hinsicht, die Nachteile sind eher wirtschaftlicher Art, wenn überhaupt, aber das ist ein selbstgewählter Entscheid der Schweizer Bevölkerung wenn sie es vorzieht EU-Passivmitglied zu sein (ein wesentlicher Teil des wirtschaftlichen Erfolges der Schweiz basieren auf der EU/NATO-Stabilität, 70% der Exporte und Importe werden mit der EU abgewickelt, eines der am stärksten globalisierten Länder der Welt ist die Schweiz).

    • Simon Küchler sagt:

      Guten Abend Herr Haas,
      “Als mögliche Haftpflichtversicherung der Schweiz ist durchaus auch die Armee zu betrachten…”
      Die Analogie zwischen Armee und Versicherung hatten Sie ja in Ihrem ersten Posting bereits eingeführt und ich habe diese Analogie es am Ende meiner ersten Antwort aufgegriffen. Diese Überlegungen waren offenbar zu wenig deutlich formuliert, daher nochmals zwecks Verdeutlichung: Mit dem Beispiel Privathaftpflicht (mit grosser Schadenssumme aber tiefer Eintrittswahrscheinlichkeit) war eine Armee gemeint, welche für Krieg und andere strategische Risiken gerüstet ist; mit dem Beispiel Reisegepäckversicherung eine Armee, welche primär auf die Existenzsicherung ausgerichtet ist.
      Ich persönlich kann damit leben, wenn wegen fehlender Sicherheitskräfte mal ein WEF oder eine EURO nicht in der Schweiz stattfinden kann. Mein Leben geht weiter. Im Falle eines Krieges ohne ausreichenden Schutz verliere ich möglicherweise meine Familie, mein Leben, meine Freiheit, alle Vermögenswerte inklusive AHV/BVG für die ich ein Leben lang gearbeitet habe etc. etc. Bei Risiken diesen Ausmasses mag ich persönlich nicht „russisches Roulette„ spielen, selbst wenn die Eintretenswahrscheinlichkeiten unbestritten sehr, sehr tief sind.
      “Diese menschlich bedingten Schwächen lassen sich aber wohl kaum auf die sicherheitspolitische Gesamtlage übertragen.”
      Warum lassen sich Profitgier, Ignoranz, Unfähigkeit, falscher Stolz etc. Einzelner nicht teilweise auch die Sicherheitspolitik übertragen? In demokratischen Strukturen werden solche und ähnliche Schwächen einzelner Personen in der Regel ausreichend „aufgefangen“. Nur ist z.B. China als zukünftige Supermacht noch nicht sehr demokratisch.
      “…Seit dem Untergang der Sowjetunion hat sich die Lage in Europa weiter entspannt und die ehemaligen WAPA-Staaten sind heute Teil der EU und der NATO, wunderbar, besser und friedlicher hätten wir uns das Mitte der 1980er Jahre nicht erträumen lassen, auf dem Höhepunkt des kalten Krieges, wir hatten Glück und es waren auch vernünftige Staatsmänner und -frauen an der Macht, damals Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre. Und die Lehre daraus ist, dass in Europa kein Krieg mehr geführt werden darf, der Preis ist zu hoch …”
      Danke für den geschichtlichen Kurzüberblick von den 1930er bis in die 1990er. Bei Ihren Ausführungen vergessen Sie z.B. die Kriege in Ex-Jugoslavien. In diesen Konflikten waren die beteiligten Parteien nicht Willens / in der Lage, die Sache friedlich zu lösen – und dies im nach WAPA-Europa.
      Ich stimme Ihnen zu, dass unter anderem wegen der grossen wirtschaftlichen Verflechtung ein Krieg zwischen westeuropäischen Staaten sehr irrational wäre. Die Chancen wären gross, dass man als Angreifer selbst nach einem militärischen Sieg „volkswirtschaftlich“ schlechter da steht als vorher. Dies trifft m.E. nicht auf alle grundsätzlich denkbaren, aussereuropäsischer Aggressoren zu. Im weiteren gilt es zu bedenken, dass dieses Nutzen/Kosten-Denken eine typische westliche Logik ist, welche m.E. nicht ohne weiteres auf alle Kulturen dieser Welt anwendbar ist. So wurden meines Wissens im Rahmen des Ex-Jugoslawien-Konfliktes teilweise auch Motive verfolgt, welche mit der Kosten/Nutzen-Brille betrachtet als nicht rational erscheinen – ich mag mich in diesem Punkt aber auch irren.
      “Die Finanzkrise zeigt nun eindrücklich wie Krisenmanagement im frühen 21en Jahrhundert funktioniert, friedlich, mit unzähligen bilateralen und internationalen Treffen, und die westlichen Staaten haben auch gar keine andere Wahl als nun den Weg aus der Krise gemeinsam zu finden.”
      Bis dato wurde versucht, die Finanzkrise friedlich zu lösen, das stimmt. Wie in einer Pokerpartie wurde die jeweils nächste Karte mit noch höheren Einsätzen erkauft, das Gesamtrisiko nimmt von Runde und Runde zu (statt ein paar Banken stehen nun ein paar Staaten am finanziellen Abgrund und die Krise wird zur Belastungsprobe für Europa, Großbritannien lässt grüssen). Am Ende dieser Poker-Partie steht der ESM, sozusagen das “All-In” der europäischen Staaten. Falls der ESM zu Stande kommt: Die europäischen Staaten verpflichten sich UNWIDERRUFLICH und OHNE Rechtsmittel (ESM und seine Organe geniessen Immunität), bei Bedarf UNBESCHRÄNKT finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen. Auch hier: Sehr wahrscheinlich geht auch das gut über die Bühne, es ist allen Beteiligten – nicht zu Letzt der Schweiz – sehr zu wünschen.
      Falls der ESM nicht hält, so wird diese Krise nicht nur in Griechenland Tote fordern.
      “… ist das doch ein viel humanerer Weg der Konfliktlösung oder des “Dampfablassens” als Probleme militärisch ‘zu lösen’ wie das oftmals in der Geschichte der Fall war (auch die klammen Monarchien Europas, es geht zurück bis in die Antike, bedienten sich oft diesem ultimativ letzten Instrument um aus ihrem selbstverschuldeten Dilemma zu finden, mit unsäglichen Folgen für die betroffenen Staatsvölker)….”
      Sie sagen uns also, dass es besser ist, Konflikte ohne Gewalt zu lösen? Entweder Sie wollen uns da mit Binsenwahrheiten erleuchten oder aber Sie wollen mit ihren Zeilen andeuten, dass wer für Armee im klassischen Sinne einsetzt, sich des Schrecken des Krieges und dessen tiefen seelischen Wunden zu wenig bewusst ist. Falls dies Ihre Message ist: Eigentlich ist es genau umgekehrt. Ich will eine Armee mit vernünftigen Verteidigungsfähigkeiten, gerade weil ich soviel Respekt vor dem habe, was Kriege insbesondere in den Seelen der Menschen anrichtet – oft über Generationen hinweg. Das steht m.E. in keinem Vergleich zum entgangen „Spassfaktor“ wegen einer ausgefallenen Grossveranstaltung oder weil der Flughafen Zürich für ein paar Tage geschlossen werden muss, weil nicht genügend Sicherheitskräfte zur Verfügung stehen.
      Zu Ihren Ausführungen zu den militärischen Potentialen und politischen Willen, diese ggf. einzusetzen. Besten Dank auch dafür. Nur: Wenn wir heute über die Notwendigkeit der Verteidigungsfähigkeit der Schweizer Armee diskutieren, so sind die militärischen Potentiale und politischen Willen in 10 oder 15 Jahren relevant (ein militärischer Aufwuchs der Schweizer Armee dauert mindestens acht Jahre, eher länger. Es gibt eine entsprechende Studie dazu). Zur militärischen und politischen Situation in 10, 15 Jahren lese ich in Ihren Ausführungen wenig.
      Sie haben recht, aktuell ist die Schweiz sehr gut durch den „NATO-Gürtel“ geschützt. Die USA als Senior Partner werden jedoch auch ihr NATO-Engagement weiter reduzieren müssen. Und der europäische Teil „unseres“ NATO-Gürtels hat bis dahin vielleicht weiter unter der Finanzkrise gelitten haben, vielleicht auch mit der Begründung, dass alle anderen europäischen Nachbarn ja auch am Militär sparen und entsprechend die Bedrohung ja nicht mehr so gross ein kann …
      Die Chancen, Opfer eines Gewaltverbrechens (Kriege, Mord, Gewalt in der Familie etc.) zu werden, hat über die letzten Jahrhunderten mehr und mehr abgenommen. Statistisch gesehen haben wir also allen Grund, optimistisch zu sein und uns auf zukünftige Generationen zu freuen, welche im Durchschnitt mit immer weniger Gewalt ihre Probleme lösen. Noch gibt es jedoch zu viel Schmerz auf dieser Welt, als dass wir Kriege und ähnliches vollständig ausschließen können – auch in Europa.
      Mir scheint, dass bei einigen Ihren Überlegungen ab und zu etwas der Wunsch der Vater des Gedanken war.
      Mit freundlichen Grüssen,
      Simon Küchler

    • E. Haas sagt:

      Werter Herr Küchler
      Ja der Jugoslawien-Konflikt 1992 – 1995 war ein extremer Ausbruch tiefster Barbarei in Südosteuropa, die GASP (Gemeinsame Aussen- und Sicherheitspolitik der EU) hat daraus auch ihre Lehren gezogen und handelte dann im Kosovo-Krieg 1999 entsprechend sehr viel schneller (zusammen mit der UNO und der NATO) und auch im Libyen-Konflikt 2011, man muss diesen Schlächtern in der unmittelbaren Nachbarschaft sofort in den Arm fallen, das war die Lehre des Jugoslawien-Bürgerkriegs (und weiteren genozidalen Gewaltausbrüchen zwischen Ethnien oder durch (schwankende) Tyrannen angeheizt).
      In vielen oben geschilderten Bereichen und Erklärungen stimme ich Ihnen zu. Die Frage ist aber welche Armee-Organisation braucht die Schweiz nach 67 Jahren Frieden in Europa (mindestens ein kalter Friede zwischen 1945 – 1991) und 23 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer, dem Anfang vom Ende des Ostblocks, was soll sie können, wie gross soll sie sein und wieviel darf das Ganze kosten? Jede Aufrüstung und Bestandeserhöhung zulasten der Infrastruktur-,
      Landwirtschafts- und Bildungspolitik ist zum Scheitern verurteilt.
      Also definitiv keine hochgerüstete und teure 8 Mrd – Fr – Armee (1.5% des BIP), wie sie heute besteht und weitere üppige künftig vorgesehe Finanzierungen am 29.09.2011 vom alten Parlament noch hastig durchgedrückt wurden, es dreht sich doch um die Frage wie die Milizarmee im 21en Jahrhundert an die reale sicherheitspolitische Lage in Europa angepasst werden kann ohne die nationale Eigenständigkeit in Militärangelegenheiten aufzugeben. Es gab um 1997 – 2002 Pläne eine DD-Armee zu etablieren (und einer zusätzlichen noch zu definierenden verpflichteten oder freiwilligen Reserve-Miliz), man beliess es dann vorerst auf 15% eines Wehrpflicht-Jahrgangs, der rechtskonservative Widerstand war zu gross, die zuständigen politischen Chefs bekamen Angst vor dem eigenen Mut und liessen das Projekt schubladisieren (alternative Dienstleistungsmodelle wurden tabuisiert), weggemobbt wurden sie beide von der eigenen Partei trotzdem, der heutige VBS-Vorsteher wurstelt sich weiter durch und wird – es würde wohl niemanden richtig überraschen – Knall auf Fall das VBS bei der erstbesten Gelegenheit fluchtartig verlassen, weil es ihm ablöscht (seine eigene Gesundheit) und er aus der blockierten Situation zwischen rechtsnationalem, traditionalistischem und progressiven Lager und dem linkem (pazifistischem) Lager keinen Ausweg mehr sehen kann, es wäre dann seine eigene Exit-Strategie, selber mutige Reformen anzupacken ist für ihn ein Tabuthema, da er ja selber weiss, wie es “Parteiabweichlern” ergeht. Das Dogma der reinen Milizarmee-Ausgestaltung à la Suisse ist auch deren Untergang. Erst danach wird Bewegung in diese Frage kommen und Lösungen mehrheitsfähig werden. Bis es soweit ist wird die Agonie der CH-Armee weitergehen.
      Und eine Neuausrichtung der CH-Armee ist längst fällig, weniger ist mehr, Wehrpflicht anpassen, Bestände reduzieren, international kooperieren, mehr Solidarität mit den EU-Nachbarn.
      Im Detail weiss niemand wie die Zukunft aussehen wird, hoffentlich so friedlich wie die vergangenen 67 Jahre mit einem bis heute niemals zuvor erreichten Lebensstandard und Freiheiten für die europäischen Völker, man kann unter Berücksichtigung aller heute zur Kenntnis verfügbaren Fakten davon ausgehen, dass die sicherheitspolitische europäische Ordnung seit 1949 (NATO-Gründung) und 1957 (EWG-Gründung) weiterhin Bestand haben wird weil es schlicht keine andere vernünftige Alternative dazu gibt.
      Die Sicherheit Europas, mittendrin die Schweiz, wird von der NATO und der EU garantiert und ich – und jeder andere auch nicht, der sich gründlich mit Geschichte, Sicherheitspolitik und Militärpotenzialen auseinandersetzt – zweifle nicht daran, dass beide supranationalen Organisationen (Bündnisse) auch in diesem Jahrhundert weiterhin bestehen werden und ihre umfassenden gemeinsamen demokratischen Werte aufrechterhalten und ihre gemeinsamen Sicherheits- und Wirtschaftspolitischen- und Wohlstandsziele, weiterhin erfüllen werden (Herausforderungen aller Art, negative Ueberraschungen müssen und können nur gemeinsam bewältigt werden), mit oder ohne Schweiz, die von beiden Organisationen profitieren kann und zumindest in der Wirtschaftspolitik stark vernetzt und von der EU abhängig – und in der (gemeinsamen) europäischen Sicherheitspolitik Trittbrettfahrer – ist.

  2. Andreas Wäger sagt:

    Ich kann es einfach nicht glauben was da in Bern abgeht. Was ist eigentlich los mit unserem Bundesrat?
    11 Mia.!! Franken für Entwicklungshilfe die durchgewunken werden und irgendwo versickern, aber keine 3 Mia. Franken für neue Kampfjets oder eine längst schon nötige Aufstockung der Armeegelder. Ich kann es einfach längst nicht mehr ernst nehmen wenn ich von Politikern oder Bundesräten höre, das Geld fehle für die Armee. Wenn mann schon 11 Mia. ins Ausland schenken kann und wie kürzlich auch beschlossen, die Ausgaben für die SBB wieder zu heben, dann muss mir niemand mehr kommen dass das Geld fehle.
    Mir scheint es langsam so, als ob man rasch noch irgendwo Geld “reinstecken will”, nur um dann zu sagen, für die Armee hat es leider keines mehr.
    Was ist denen in Bern eigentlich unsere Sicherheit noch wert?? Die Armee kann nicht einmal annähernd unsere Infanterie mit ausreichend geschützten Transportmitteln ausrüsten und gleichzeitig verschrotten wir aufwändig und Millionenteure, voll funktionsfähige Schützenpanzer die mit unseren Steuergeldern finanziert wurden. Solche Panzer sind in anderen Staaten in Kriegs oder Krisengebieten im Einsatz und das noch weit weniger gut ausgerüstet wie unsere! Sorry, wie dumm ist das? Hofft die Armee, wenn sie diese Schützenpanzer “entsorgen”, dass sie neue bekommen? So wie damals, als 2 Tranchen Schützenpanzer 2000 hätten beschafft werden sollen aber wie immer aus finanzieller Sicht die 2. Tranche gestrichen wurde? Dann soll die Armee schön weiterträumen! Wir haben 186 neue Spz. 2000 beschafft und gleichzeitig so ca 800 – 900 verschrottet. Mich nimmt es Wunder wer so etwas plant oder seriös aufzeigen kann, dass diese beschaffte Anzahl genügt um einen grösseren Konflikt durchzustehen und die Schweiz zu verteidigen, für das und nichts anderes haben wir ja schliesslich eine Armee. Da vermisse ich ein sofortiges handeln von BR Maurer und natürlich auch von der Armeespitze!! Bis jetzt muss ich leider sagen, BR Maurer macht vieles gleich wie Samuel Schmid, vorallem was das verschrotten tauglicher Ausrüstung angeht oder die Stilllegung modernster Kampf-Infrastruktur. Das gibt es doch einfach nicht!! Die in Bern sollen mal entlich ihre rosa Brille ausziehen und mal sehen, was eigentlich in der Welt passiert und welche Konflikte in der Zukunft durchaus passieren können.
    Jetzt muss etwas geschehen, am besten mit einer Volks-Initiative für eine starke Armee. Denn wenn schon alles verschrottet und aufgelöst wurde, gibt es in unserer Armee nichts mehr, für was wir uns noch stark machen könnten.
    Packen wirs an, ich bin dabei!!
    Ich wünsche einen schönen Tag
    Andi Wäger

  3. Die Replik von E. Haas schreit zum Himmel. Eine derart geballte Ladung Unsinn, Halbwahrheiten und Verdrehungen sind “Gott sei Dank” nicht allzu häufig. Zudem vergisst der Verfasser, dass faktisch alle erwähnten Staaten im NATO-Bündnis und somit unter dem Schutzschild der USA stehen. Mehr dazu erübrigt sich.

    • Fritz Kälin sagt:

      recte dixisti, Bosshard!
      Wenn man gewissen Leuten zuhört, könnte man meinen, die Schweiz sollte ihre Steuergelder nur noch für die Bildung und Entwicklungshilfe ausgeben…
      Ein gutes Bildungssystem baut nicht nur auf Unmengen von Geld auf. Russlands Kinder und Studenten haben ein gutes Bildungsniveau, obwohl der Staat kaum in ‘die Bildung’ und massiv in Armee und Rüstung investiert. Ich fordere nicht eine ähnliche Prioritätensetzung in der CH. Es sei damit einfach gesagt, dass ‘die Bildung’ keine heilige Kuh ist.
      Selbst wenn die von Haas beschriebenen NATO-Staaten den (für sie) richtigen Weg eingeschlagen haben (woran ich zweifle), muss dies noch lange nicht bedeuten, dass die Schweiz denselben Weg beschreiten muss. Noch immer steht die Neutralität bei unserer Bevölkerung hoch im Kurs – weil das Volk ein besseres historisches Gedächtnis hat, als die Sicherheitsbürokraten in Bern. Die Sicherheitspolitik der CH (Neutralität) besteht darin, erstens sich keine Feinde zu machen – was bedeutet, dass man sich auch keine ‘zu engen Freunde’ macht. Was es bedeutet, wenn man für eine fremde Macht marschieren muss, haben unsere Vorväter in Napoleons ‘Grande Armée’ in Russland erlebt.

    • E. Haas sagt:

      Schweden, Finnland, Oesterreich und Irland sind nicht in der NATO, aber in der EU, Norwegen ist Mitglied der NATO, aber nicht in der EU, soviel zu den Mitgliedschaften in den beiden wichtigsten Organisationen in Europa.
      Napoleons Revolutionsarmeen fegten 1798 das Ancien Régime – Tagsatzungsdiktatur des alten Helvetiens weg, die damaligen entmündigten Einwohner (mit den “Kolonien” im Aargau, Jura, in der Westschweiz, der Ostschweiz), der alten Schweiz fühlten sich diesem aristokratischen Unterdrückungs- und Unrechtsstaat kaum verpflichtet (sonst hätten sie dafür gekämpft), diese damalige Schweiz war ein Konglomerat, ein loser Staatenbund, von 13 souveränen Kleinstaaten mit einer reichen kleinen Oberschicht und einer verarmten Bevölkerung, jeder Kleinstaat / Kanton verfolgte seine eigenen Interessen und jeder trat alleine gegen Frankreichs Revolutionsarmeen an und verlor kläglich, diese kantonalen Armeen waren miserabel geführt und schlecht ausgebildet. Es folgten 50 Jahre lang unruhige Zeiten, Restaurationsversuche das alte Regime wieder zu errichten, die liberale Bewegung kämpfte dagegen an, das Ganze gipfelte in einem kurzen Sonderbundskrieg (Bürgerkrieg) und daraus resultierte unser neuer helvetischer Bundesstaat der am 12.09.1848 gegründet wurde und sich seither, aus tiefster Armut, ohne Rohstoffe, zu einer der wohlhabendsten Nationen entwickelt hat und mit viel Glück vom Elend der beiden Weltkriege verschont wurde (mit den damaligen Hauptgegnern direkt an unserer Landesgrenze, heute sind Frankreich und Deutschland die beiden wichtigsten Staaten der Europäischen Union, neben Grossbritannien, Italien und Spanien). Und seit 1949 (NATO-Gründung) darf die Schweiz von einer stabilen kontinentalen Sicherheitsarchitektur profitieren unter dem Schutz des französischen, britischen und amerikanischen Kernwaffen-Abschreckungspotenzials und der hohen militärischen Präsenz und Kampffähigkeit der NATO-Staaten die ihr professionelles Können zuletzt in Libyen unter Beweis stellten und dort einen irren Diktator zur Strecke brachten und so wohl auch noch nebenbei auch die Rachegelüste vieler SchweizerInnen nach dem Geiseldrama und Demütigungen von 2009/2010 befriedigten… Ohne Freunde bei der EU hätte die Schweiz diese beiden Geiseln kaum frei bekommen, das sind Realitäten, welche die kalten Krieger und Isolationisten gerne vergessen.

    • Fritz Kälin sagt:

      Hübsche Geschichtslektion, Herr Haas. Dass Sie das Schicksal der Schweiz während zweier Weltkriege auf die Formel “viel Glück” reduzieren, zeigt, weil Sie nicht akzeptieren wollen, dass dahinter in Wahrheit durchaus eine Strategie stand, die sich u.a. in unserer Bundesverfassung wiederfindet, die unserem Land eine Milizarmee vorschreibt, entlarvt Sie als politisch motivierten Aktivisten. Ebensowenig ging es mir um eine Romantisierung des Ancien Régime. Aber ich habe mir schon gedacht, dass Sie es nicht lassen können, sich darüber auszulassen.
      Die NATO-Kampfflugzeuge waren in Lybien matchentscheidend, aber ‘zur Strecke’ brachten Gaddafi die einfachen Amateuere und Deserteure, die zu grösseren Opfern bereit waren, als seine schwarzafrikanischen Söldner (und die ach so eindrucksvollen Berufsarmeen der demokratischen Staatenwelt). Und die Gefühle der Schweizer gegenüber Lybien waren wohl weniger von Rache an Gaddafi, als von Scham über die eigene Regierung (BR Merz) geprägt… dass Sie mit archaischen ‘Rachemotiven’ daherkommen, uns aber gleichzeitig die schöne, neue, aufgeklärte Friedensillusion Europas schmackhaft machen wollen, verrät uns ohnehin schon vieles darüber, wes Geistes Kind Sie wirklich sind. Dass Sie als Hptm einer Kompanie von Schweizer Milizsoldaten vorstehen, halte ich, gelinde gesagt, für befremdlich.
      Und welche Internationale Gemeinschaft befreit die beiden Schweizer Geiseln in Pakistan?

    • E. Haas sagt:

      Ja Herr Kälin, die Schweiz hatte sehr viel Glück im Sommer 1940, während des 2en Weltkriegs (und im Kalten Krieg), in der Zeit der grössten Bedrohung und schwersten Gefährdung im Juni / Juli 1940 durch die damals gefährlichste und scheinbar unbesiegbare deutsche Militärmacht war die von Ihnen unkritisch glorifizierte damalige Schweizer-Volks-Armee einfach nicht da und nahm ihren Auftrag nicht wahr, das Land und seine Einwohner war den deutschen Militaristen, einer 4 mio starken Wehrmacht, praktisch schutzlos ausgeliefert und nur andere strategsische Absichten seitens der deutschen Führung verschonten die Schweiz vor dem Krieg, der Besetzung und dem menschlichen Elend des 2en Weltkrieges.
      Für die damalige politische und militärische Führung in der Schweiz war es eine Wahl zwischen Pest oder Cholera, über 75% der Armee zu demobilisieren und für die Ernten abzukommandieren, ansonsten wäre das 4.2 Mio – Schweizer Volk im Winter 1940 / 1941 einfach verhungert (isoliert, abgeschnitten, eingekesselt, belagert).
      Dass die damaligen Schweizer Armee im 2en Weltkrieg keine oder nur eine minimale abhaltende Wirkung hatte betreffend den deutschen Eroberungsplänen und geplanten Welt-Neuordnung ist wohl hinreichend genug belegt worden. Die Schweiz war für die kriegführenden Staaten Deutschland und Italien eine Frage der Zeit und kein Faktor des Miltiärpotenzials oder der Anzahl Truppen welche die Schweiz in diesem kurzen Kampf hätte einsetzen können und den zu erwartenden Verlusten an Menschen und Material für die Achsenmächte (Buchempfehlung: Georg Kreis / 1999, aktualisiert 2011 / Die Schweiz im Zweiten Weltkrieg).

    • Hans Ulrich Suter sagt:

      Wenn man schon Kreis als Referenz angibt erübrigt sich wohl jegliche weitere Diskussion.

    • E. Haas sagt:

      Herr Bosshard
      Sie können auch dieses Kapitel der Schweizer Militärgeschichte als Halbwahrheit darstellen, ein kleiner Rückblick zum Sommer 1940:
      Nach dem Ende des Frankreichfeldzuges am 18.06.1940, war die Schweiz von den beiden Aggressor-Staaten Nazi-Deutschland und dem faschistischen Italien vollständig umzingelt und auf sich allein gestellt. Die zweite Generalmobilmachung am 10.05.1940 brachte erneut – wie bereits am 01.09.1939 – über 450’000 Schweizer Männer in den Militärdienst / Aktivdienst. Da die Heuernte anstand musste diese vollmobilisierte Miliz-Armee gezwungenermassen im Juni / Juli 1940 auf ca 80’000 Aktivdienst-Truppen reduziert werden, die Männer und die Pferde wurden in der Landwirtschaft für die Lebensmittelversorgung dringendst benötigt (Heu- und Getreideernten).
      Auf dem Höhepunkt der deutschen Blitzkriegs-Erfolge in Westeuropa stand die Schweiz im Juli 1940 praktisch schutzlos da, die Grenzen von gerade noch 80’000 Sdt besetzt, Grossdeutschland hatte damals ca 4 Mio Soldaten im Kriegsdienst (das OKW rechnete mit einem Kräfteansatz von ca 250’000 Wehrmachttruppen um die Schweiz militärisch zu besiegen und zu besetzen), und die waren nach dem überraschenden Erfolg, des nur 6-wöchigen Westfeldzuges, beschäftigungslos. Aus welchen Gründen auch immer, vor allem wirtschaftliche Ueberlegungen der deutschen Führung, verzichtete Deutschland darauf, die Schweiz zu besetzen und mit Italien aufzuteilen (diese standen auch mehr oder weniger Gewehr bei Fuss bereit für einen Einmarsch ins Tessin, ins Wallis und nach Graubünden).
      Hypothetisch wäre denkbar, hätte sich die deutsche Führung dazu entschlossen die Schweiz im Sommer 1940 anzugreifen, niederzukämpfen und zu besetzen (das Réduit, die ausgebauten Gebirgsfestungen, war erst in der Planung, existierte noch nicht, war erst 1943/44 einigermassen operativ), wäre die Schweiz 1949 eines der Gründungsmitglieder NATO geworden (Norwegen, die (neutralen) Niederlande, Belgien, Luxemburg, Dänemark, Norwegen hatten im Frühjahr 1940 weniger Glück und zogen daraus ihre Konsequenzen mit der Gründung und dem Beitritt zur NATO).

    • Fritz Kälin sagt:

      In diesem Sommer 1940 hatte Grossbritannien von seinem Heer lediglich die Soldaten, aber nicht die wertvolle Ausrüstung vor der Vernichtung in Nordfrankreich retten können. Aber noch hatte es zwischen sich und Hitlers Panzern einen Kanal, eine Navy und eine im letzten Moment nachgerüstete RAF. Die UdSSR belieferte damals noch im Rahmen des Hitler-Stalin-Paktes das 3. Reich im grossen Stil mit kriegswirtschaftlich wertvollen Gütern.
      Wir waren geographisch und militärisch nicht annähernd so gut vorbereitet wie die Briten. In diesen düsteren Wochen, als die Defätisten und die fünfte Kolonne in unserem Land schon die neuen Fähnchen griffbereit hatten, trat General Guisan vor das versammelte Kader und schwor sie darauf ein, dass man als freier Bürger gegen einen SOLCHEN Feind zum Widerstand verpflichtet ist und bleibt, unabhängig davon, welche militärischen Erfolgsaussichten ein solcher Kampf hat.
      Wir brauchen nicht abzusprechen, dass das 3. Reich (in der Position des Stärkeren) wirtschaftliche Vorteile aus der präkeren Lage der Schweiz ziehen konnte – aber rücksichtslos ausplündern wie die militärisch unterworfenen Länder Europas konnte es uns nicht. Dadurch, dass wir nicht besetzt wurden, fanden die in die Schweiz geflohenen Flüchtlinge bei uns tatsächlich Zuflucht. Ihre Zahl verblasst neben den Millionen Unschuldigen, die einem staatlich propagierten Rassenwahn zum Opfer fielen. Für unser kleines Land, das während des ganzen Krieges das (aus dem letzten Krieg in wacher Erinnerung gebliebene) Gespenst des Hungers vor Augen hatte, erscheint ihre Zahl in einem etwas anderem Licht. Eine nicht neutrale Schweiz, die sich einem eigentlich gerechtfertigtem Krieg gegen Hitlerdeutschland angeschlossen hätte, hätte diese Menschen nicht retten können.
      Heute wissen wir: die gesamte deutsche Strategie basierte darauf, ihre Gegner innert kürzester Zeit zu besiegen und auszuplündern, weil Deutschland kriegswirtschaftlich und innenpolitisch keineswegs für einen längeren Krieg gerüstet war. Nur schon dadurch, dass Briten und Sowjets trotz aller militärischen Niederlagen das Handtuch nicht hinwarfen, durchkreuzten sie Hitlers Pläne. Dass sie das Handtuch nicht hinwarfen, ist der historische Verdienst dieser beiden Nationen.
      Was sandte die Schweiz damals für Signale aus? Unsere Regierung signalisierte wirtschaftlich gezwungene Kooperationsbereitschaft. Die Armee und die Bevölkerung machten hingegen durch Guisan klar, dass man gegen eine Invasion kämpfen würde – und das bis zum Letzten.
      NORWEGEN wurde nicht zuletzt deshalb von der Wehrmacht besetzt, weil sich abzeichnete, dass die Alliierten dort demnächst eine militärische Präsenz aufbauen würden, welche Deutschland die Eisenerzversorgung abgewürgt hätte. Die Verletzung der norwegischen Neutralität war also auch eine Folge davon, dass Norwegen seine Neutralität nicht unparteiisch verteidigte. Auch der Schweiz wären ihre (begrenzten, geheimen) militärischen Absprachen mit Frankreich beinahe zum Verhängnis geworden. Es gibt eben keine ‘halbe’ und auch keine ‘aktive’ Neutralität… wer verschont werden will, darf für andere keine Bedrohung darstellen. Auch deshlalb haben wir die Milizarmee in unserer Verfassung verankert: nur diese Wehrform schliesst eine aggressive Kriegsaktion gegen Aussen im vornherein aus und verhindert, dass unsere Nachbarn gegenüber unserer Armee (unabhängig von ihrer Grösse und Ausrüstung) irgwelchen Argwohn entwickeln könnten.
      Im Prinzip ist es diese Wehrform, die Kant in seinem ‘Ewigen Frieden’ vorschwebte, weil nur sie allen Ländern die Furcht voreinander nahm, weil jeder zur Verteidigung, aber kaum einer zum Angriff fähig wäre. Das ist Frieden, der nicht auf pazifistischer Phantasterei aufbaut, sondern auf sicherheitspolitischer Logik. Leider folt auch das heutige EU-Europa nicht dieser Logik, sondern suggeriert jedem ihrer Mitglieder ‘mehr Wohlstand und Sicherheit bei gleichzeitig vermindeter Eigenleistung’. Dieso Logik geht wirtschaftlich schon jetzt nicht mehr auf und sie wird sicherheitspolitisch endgültig scheitern, sobald der letzte US-G.I. vom europäischen Festland abgezogen sein wird.
      Wir bzw. unsere Kinder werden auch dann selber für die Verteidigung unserer Bürgerrechte und die Unversehrtheit der Bewohner dieses Landes einstehen. Einige Kleingeister vermögen daran kein moralisch gerechtfertigtes Bürgerverhalten zu erkennen, aber diese Kleingeister sind immer genau jene, die immer die neuen Fähnchen griffbereit halten…

  4. Willy Stucky sagt:

    Der Redeschwall von E. Haas ist bundesratstauglich. Die Bestände der BRD können wir z.B. durch zehn teilen. Somit brauchte die Schweizerarmee 17’000 Profis, 1’500 freiwillige Milizsoldaten im ständigen Einsatz und 3’000 Miliz-Reservisten. Leider aber hat dies nur mit Zahlenakrobatik zu tun und keineswegs mit Denken.
    Einstein sagte mal über einen Kollegen, der angeblich eine seiner hochkomplexen Differentialgleichungen gelöst hatte: “Der Herr kann zwar rechnen, aber er kann nicht denken.” Dies gilt auch für mindestens sechs Mitglieder unserer Landesregierung. Wer denken kann und/oder ein richtiger Mann ist, wird abgewählt…

    • E. Haas sagt:

      Bei den EU-Staaten Oesterreich, Schweden, Irland reichen heute reduzierte Armeebestände ohne Wehrpflicht, bzw mit freiwilligem Militärdienst und deren nationale Sicherheit und Souveränitat ist in jeder Hinsicht gewährleistet. Gerade Schweden, welches offensichtlich trotz seiner sozialdemokratischen Vergangenheit vom obersten VBS-Chef überaus bewundert wird (seit 2007 wird Schweden von einer bürgerlichen Regierung geführt, welche die Wehrpflicht 2009 sistierte) auch in den 1980er Jahren mit ca 8.5 Mio Einw eine ähnlich grosse Volksmiliz-Armee unterhielt mit über 1 mio eingeteilten Miliz-Truppen, hat heute bei einer Bevölkerung von 9.3 Mio Einw, auf einer Fläche 11mal grösser als die Schweiz, allianzfrei (kein NATO-Bündnisstaat), seine Streitkräfte auf die tatsächlichen Bedrohungen der heutigen Zeit ausgerichtet hat, dort reichen, nach gründlicher Lagebeurteilung, heute 10’000 Berufsmilitärs, 10’000 Zeitsoldaten und zusätzlichen 5000 freiwilligen Wehrdienstleistenden welche nachher entweder in PSO-Einsätzen Dienst leisten, in aktiven Streitkräfte-Verbänden innerhalb Schwedens oder in der Heimwehr-Lokalverteidigung Verwendung finden, zusätzlich ca 5000 zivile Angestellte in Verwaltung und Logistik, hinzu kommt die freiwillige Heimwehr (freiwillige Miliz) aus ehemaligen Armeeangehörigen die eine Stärke von ca 35’000 Männern und Frauen umfasst (in den 1980er Jahren hatte diese schwedische Heimwehr ebenfalls einen Bestand von ca 1 Mio Angehörigen), total KMob-Stärke ca 60’000 Sdt im Jahr 2012, der Vtg-Etat beziffert sich auf ca 5.0 Mrd Fr für Heer, Marine, Luftwaffe, Saläre, Betriebskosten, Beschaffungen, alles inklusive, alles bezahlt, keine “versteckten” Zusatzkosten wie in der Schweiz. Die Schweiz gibt jährlich über 8 Mrd Fr aus (ca 4.1 Mrd Fr Vtg-Etat plus über 4 Mrd Fr für EO / Lohnfortzahlungen des WK-Betriebes), das entspricht 1.5% des BIP und das ist zuviel Geld für ein derart mageres Rendement, eine schwache Performance der Schweizer Armee, seit Jahren schon. Schweden hat das vorgemacht, was der Schweizer Armee noch bevorsteht: Wehrpflicht sistieren, Bestände reduzieren, international kooperieren. Schweden beteiligte sich unter dem UNO-Mandat 2011 an den Ueberwachung-Luftmissionen und Flugverbotsdurchsetzung-Einsätzen mit 12 JAS 39 – Gripen C/D im Libyen-Konflikt und hat über 1500 Peacekeeper-Truppen in UNO-Einsätzen im Ausland stationiert (Südosteuropa, Arabien, Afrika). Es spricht nichts dagegen, dass sich die Schweiz in dieser Hinsicht auch stärker zugunsten der gesamteuropäischen Sicherheit mit ihren Fähigkeiten und ihrem Potenzial engagiert und sich die anderen allianzfreien Staaten Europas (Schweden, Finnland, Irland, Oesterreich) als Vorbild nimmt. Das sind sicherheitspolitische Investitionen in die Zukunft.

    • Beda Düggelin sagt:

      Ich kann den Zweck all dieser Argumentationen nicht vollziehen. Was soll damit erreicht werden? Es ist doch nicht verboten, aufgrund der geschichtlichen Entwicklung eine eigene unabhängige Meinung zu haben, das Modell hat sich bewährt, auch ohne NATO Mitgliedschaft und EU-Beitritt!
      Die Geschichte des 2. Weltkrieges hat klar gezeigt, dass die italienische Armee nicht fähig gewesen wäre, die Schweiz anzugreifen, erst kürzlich wurde eine TV-Sendung darüber ausgestrahlt.
      Nicht mit den Wölfen zu heulen hat der Schweiz über Jahrhunderte Unabhängigkeit gebracht, die sich schliesslich auch in wirtschaftlicher Stärke niedergeschlagen hat.
      Die Vergleiche mit all unseren Umliegerstaaten hinken und sind an den Haaren herbeigezogen, die Schweiz kann weder mit Oesterreich, Schweden oder Polen verglichen werden, sicher auch nicht mit dem Beispiel Deutschland und seiner Berufsarmee welche eine der grössten Katastrophen bedeutet. Aber Deutschland ist als Aggressor zweier Weltkriege in die NATO eingebunden und heute ein friedliebendes Land.
      Als reichstes westeuropäisches Land ist die ganze Diskussion über den Verteidigungsetat der Schweiz grotesk und lächerlich. Ja wir können uns eine glaubwürdige Armee leisten und die Versicherungsprämie für diese Armee ist noch immer sehr klein, sie darf nicht noch kleiner werden, ansonsten die Versicherung nicht mehr ihre Leistungen erbringen kann!

  5. Beda Düggelin sagt:

    Nomen est omen! Mein Name ist Hase, ich weiss von nichts, ja Herr Haas, so ist es. Herr Bosshard hält zu Recht fest, dass unser Land ja nicht der NATO angehört, darum sind alle europäischen Vergleiche müssig. Viel wichtiger scheint mir aber noch festzuhalten, dass die meisten europäischen Staaten, inklusive Deutschland und Frankreich stark verschuldet sind und sich auch aus diesem Grunde keine stärkere Armee leisten können. Wir Schweizer könnten und sollten uns eine starke Armee leisten! Ueberdies widerspricht sich der gute Herr Haas ja selbst. Er hält fest, dass unser Budget nur für 40’000 Mann vollausgerüstet reiche, er denkt aber selbst dass 80’000 Mann der richtige Bestand sei. – Das bedeutet ja, dass selbst der Herr Haas für eine Verdoppelung des Armeebudgets einstehen müsste…..! Woher er die Zahlen hat, dass CHF 1 für Bildung CHF 3 Wirtschaftsleistung generieren sollen scheint mir schleierhaft. Tatsache ist doch, dass selbst mit hohen Bildungsausgaben weder Vollbeschäftigung noch Wirtschaftswachstum garantiert sind. Es braucht eben nicht nur Fachintelligenz sondern vor allem auch gesunden Menschenverstand und der ist dem Herrn Haas offenbar enteilt, er hat bei ihm die Flucht ergriffen! Gerade die Kleinräumigkeit unseres Landes und die Konzentration wichtiger Infrastrukturanlagen, inklusive AKW’s erfordern deshalb eine weit grössere Armee als im Grössenvergleich mit dem NATO-Ausland. Auch ein Vergleich mit der Berufsarmee in Deutschland ist nicht sinnvoll, denn eine kleine Truppe von 30’000 Mann im Falle der Schweiz könnte niemals die Sicherheit garantieren, abgesehen davon, dass selbst eine Berufsarmee von dieser Grösse weit höhere Kosten verursachen würde.
    Also, wie Herr Stucky treffend festhält: “Der Herr Haas kann zwar vielleicht rechnen, aber nicht denken” oder im militärischen Umgang artikuliert: “Denken, drücken, schlucken, sprechen” in dieser Reihenfolge und nicht umgekehrt, Herr Haas.
    Sonst schicke ich Ihnen mal Reinecke Fuchs vorbei!

    • Hammond sagt:

      “[…] nicht sinnvoll, denn eine kleine Truppe von 30’000 Mann im Falle der Schweiz könnte niemals die Sicherheit garantieren, […]”
      Ein sehr ähnlicher Vorschlag mit 30’000 AdAs (Lang, Lachenmeier, Müller Geri) oder gar 20’000 Mann (Hauptmann & Genfer FDP-Politiker Pierre Maudet) aber noch kleinerem Budget war ja erst vor kurzem von den Grünen gefordert worden.
      Dass eine solche Armee niemals die Sicherheit garantieren aller garantieren könnte (da ja auch die Aufwuchsfähigkeit innerhalb weniger Jahre praktisch inexistent wäre) ist für fast jeden klar, aber für allzuviele elitäre mitte-links Politiker spielt nur ihre eigene Sicherheit, und die des Volkes wird dann eben eingespart…
      (Leider ist dies ein in der westlichen Welt allgemeiner Trend, dass anstelle des innerhalb weniger Jahrzehnte massiv aufgeblähten Sozialwesens endlich mal grundlegend zu reformieren die heutigen ‘Eliten’ dafür lieber bei der Sicherheit sparen bis die Polizei & Armee nur noch auf den Felgen fährt.)

  6. E. Haas sagt:

    @ P. Bosshard:
    @ W. Stucky
    ARMEE ohne Strategie:
    Mit Herzblut verteidigen Sie nur eines: das Milizsystem und damit das Heer, das eine gewisse Grösse haben muss, damit die Wehrpflicht als Prinzip überleben kann. Darüber hinaus ist keine Strategie erkennbar. Sie misstrauem dem Frieden und leben gedanklich in einem Territorialkrieg der schon bald – für die Anhänger einer überdimensionierten Retro-Miliz-Armee lieber schon gestern – ausbrechen wird und Europa in ein blutiges Schlachtfeld verwandeln würde. Wenn wir Realisten (die verstanden haben, dass der kalte Krieg seit 1989 zu Ende ist, die EU/NATO Garanten für Frieden und Stabilität auf dem europäischen Kontinent sind und wir wirtschaftlich vollkommen von den westlichen Demokratien abhängig und verbunden sind) darauf hinzuweisen wagen, dass die moderne Schweiz seit 164 Jahren von Kriegen verschont geblieben ist, wird von den überlebenden kalten Kriegern der Armee 61 abfällig als “Friedenseuphoriker”, als “weltfremd”, “pazifistisch” abqualifiziert, oft noch mit dem Zusatz “Moskau einfach” (dieses “Moskau einfach” ist seit 1991 hinfällig geworden…), es scheint, dass die dem Blut und Boden – Mythos verpflichteten kalten Krieger die Geschichte Europas nach dem Ende des 2en Weltkriegs, die EU/NATO-Stabilität, die Streitkräftereformen, die Entwicklung der Waffentechnologien und die Kriegsgeschichte gar nie mitbekommen haben, es scheint, dass für sie, wie für die fundamentalistischen Kreationisten, die heutige Welt und ihre Herausforderungen sich durch das Lesen der Bibel definieren und beschränken lässt (oder auch vieles wegleugnen lässt…).
    Was wollt ihr, wofür kämpft ihr?
    Für eine Volksarmee, eine Massen-Volks-Armee die in der Gesellschaft verankert ist wie früher. Für dieses Idealbild schöpft ihr aus den Erinnerungen an die eigene Dienstzeit als AdA der Armee 61: Einrücken mit grosser Selbstverständlichkeit und Pflichtbewusstsein und mit einem Weltbild von vorgestern, den Frauen wird geraten nur einen Mann zu heiraten, der Militärdienst geleistet hat, das Land zu verteidigen, das sei eine Pflicht, die jeder Schweizer Mann gerne erfüllen sollte. Damit befinden sich die kalten Krieger konzeptuell auf der Linie einer nationalkonservativen Bewegung / Partei, welche die nationalen NR/SR-Wahlen im Herbst 2011 für ihre Verhältnisse haushoch verloren hat. Doch die Sehnsucht der kalten Krieger der Armee 61 nach dem Massenheer hat einen grossen Haken: die Kosten. Der einzelne Soldat wird aufgrund der technologischen Entwicklung immer teurer. Die Nationalisten (die rechtskonservative Bewegung und ihre Anhänger) sind notfalls klar bereit, lieber so viele Soldaten wie möglich nur mit der Hellebarde auszurüsten, als ein verkleinertes Heer technologisch auf den neuesten Stand zu bringen. Der Vorsteher des VBS, ein Vertreter der nationalkonservativen Bewegung, hat seinen Anfangsbonus, die Missstände im VBS beim Namen zu nennen, aufgebraucht. Es ist an der Zeit, dass der Vtg-Minister sich loslöst von den Wünschen und Sehnsüchten seiner Partei, Lobby-Gruppen und seinen rückwärtsgerichteten Armee 61 – Bildern und und sich stattdessen für eine Armee einsetzt, die den tatsächlichen Erfordernissen und Herausforderungen entspricht. Doch danach sieht es überhaupt nicht aus. Derweil streiten Traditionalisten, Internationalisten und Pazifisten am Beispiel des Kampfjets über Armeekonzepte die kaum kompatibel sein werden. Was muss die Armee heute können? Je länger die Bürgerlichen dieser Frage ausweichen und sich auf blosse Gratis-Schwüre für eine Miliz-Armee für die Galerie beschränken, desto mehr Gewicht erhält der realistische Gegenentwurf: Wehrpflicht abschaffen (sistieren, freiwillig), Armee reduzieren (max 50’000 AdA), international kooperieren.

    • Fritz Kälin sagt:

      “Was wollt ihr, wofür kämpft ihr?
      Für eine Volksarmee, eine Massen-Volks-Armee die in der Gesellschaft verankert ist wie früher”
      Ich denke, mit diesem Vorwurf können wir nicht nur leben, sondern sogar Werbung für die Gruppe Giardino machen! Militärische Kampfkraft ohne politische Legitimität ist in einer gelebten Demokratie fehl am Platz.
      Wofür kämpft Herr Haas? Eine helvetische Reichswehr? Offizieren von Ihrem Schlag überliess man die Planung der A XXI. Was unsere Soldaten wohl noch dringender brauchen als bewährte Schüpas und zeitgemässe Kampfflugzeuge sind nicht-defätistische Kader. Angesichts solcher Offiziere und Politiker ist der souveräne Bürger in Uniform kein ‘Alter Krieger’, sondern eine staatspolitische Notwendigkeit, zuletzt legitimiert durch das Abstimmungsresultat über Die Waffenverbotsinitiative.

  7. Zala Boris sagt:

    100`000-80`000-50`000 Mann und vieviel prozent von diese Leute noch Kampffähig sind?Arme Schweiz!Schulder- Politiker die in Bern sind!

  8. Willy Stucky sagt:

    Sehr geehrter Herr Haas!
    Niemand bestreitet die Richtigkeit Ihrer Analysen der geschichtlichen Ereignisse bis in die Gegenwart. Unser Thema ist aber die Zukunft. Falls Sie die Zukunft kennen, bitten wir Sie, uns mit Ihrem Wissen darüber nicht allein zu lassen, sondern uns mitzuteilen, was in den kommenden zwanzig dreissig Jahren geschehen wird.
    Gespannt warten wir auf Ihre Ausführungen!

    • E. Haas sagt:

      Werter Herr Stucky
      Im Detail weiss das niemand wie die Zukunft aussehen wird, hoffentlich so friedlich wie die vergangenen 67 Jahre mit einem bis heute niemals zuvor erreichten Lebensstandard und Freiheiten für die europäischen Völker, man kann unter Berücksichtigung aller heute zur Kenntnis verfügbaren Fakten davon ausgehen, dass die sicherheitspolitische europäische Ordnung seit 1949 (NATO-Gründung) und 1957 (EWG-Gründung) weiterhin Bestand haben wird weil es schlicht keine andere vernünftige Alternative dazu gibt.
      Die Sicherheit Europas, mittendrin die Schweiz, wird von der NATO und der EU garantiert und ich – und jeder andere auch nicht, der sich gründlich mit Geschichte, Sicherheitspolitik und Militärpotenzialen auseinandersetzt – zweifle nicht daran, dass beide supranationalen Organisationen (Bündnisse) auch in diesem Jahrhundert weiterhin bestehen werden und ihre umfassenden gemeinsamen demokratischen Werte aufrechterhalten und ihre gemeinsamen Sicherheits- und Wirtschaftspolitischen- und Wohlstandsziele, weiterhin erfüllen werden (Herausforderungen aller Art, negative Ueberraschungen müssen und können nur gemeinsam bewältigt werden), mit oder ohne Schweiz, die von beiden Organisationen profitieren kann und zumindest in der Wirtschaftspolitik stark vernetzt und von der EU abhängig – und in der (gemeinsamen) europäischen Sicherheitspolitik Trittbrettfahrer – ist.

  9. Müller sagt:

    Guten Tag Herr Haas
    Vergessen Sie bitte folgendes bei Ihren ausführungen nicht:
    Wir haben eine Milizarmee.
    Deutschland hat über 250’000 Soldaten ganzjährig im Einsatz.
    Wir nutzen unsere Soldaten jeweils für 3-4 Wochen Wiederholungskurs.
    Es leisten immer gem. Kft Heer Dominique Andrey 2 Bataillone gleichzeitig Dienst.
    Wenn Sie unsere Armee mit anderen Länder auf Zahlenebene vergleichen möchten, haben wir eine Armee von 10’000 Mann.
    Bei Katastrophen können wir jedoch plötzlich 100’000 aufbieten.
    Schon alleine diese aufführung sollte Ihnen die gewaltigen Vorteile eines Milizsystems klar machen.
    Freundliche Grüsse

    • E. Haas sagt:

      Herr Müller
      Die BR Deutschland hat 2010 die Wehrpflicht sistiert und ist im vollen Uebergang zur Profi-Armee mit 170’000 Berufs- und Zeitsoldaten (bisher ca 190’000 Profis) und zusätzlichen 15’000 freiwilligen Wehrdienstleistenden welche sich anschliessend als Soldaten auf Zeit (Zeitmilitärs) anstellen lassen können, die Sollstärke der Bundeswehr beträgt damit ca 185’000 Sdt (und einer kleinen Reservistenorganisation mit milizdienstleistenden BW-Angehörigen), in den 1980er Jahren hatte die westdeutsche Bundeswehr ca 220’000 Berufs- und Zeitsoldaten, 270’000 Wehrpflichtige (zuerst 18 Mt, dann 12 Mt, dann 9 Mt Wehrpflichtdienst) plus einer ausgerüsteten Miliz-Reserve von ca 1.5 Mio BW-Reservisten, soviel zur zahlenmässigen Bestandesentwicklung der deutschen Bundeswehr.
      Mit einer Durchdiener-Armee hätte die Schweiz mindestens 15’000 – 20’000 AdA in ständiger Bereitschaft (plus einer freiwilligen Reserve von ca 30’000 AdA), das ergibt zusammen ca 50’000 AdA die auch vollständig ausgerüstet werden könnten mit dem vorhandenen Materialmengengerüst, aber angeblich entspricht diese Form der Miliz nicht der eng ausgelegten und aufgefassten helvetischen Definition einer Miliz-Armee (in der BV 2000 steht, dass die Armee im Grundsatz einer Miliz-Armee entspricht, aber nichts davon, dass diese derart eng interpretiert sein muss), diese DD-Armee könnte somit auch im Bereich der Rettungstruppen personell und materiell verstärkt werden damit sie für die wahrscheinlichsten in der Schweiz eintreffenden Ernstfälle sofort erste Hilfe leisten könnte (Naturkatastrophen, Ueberschwemmungen, etc). Würde der Vtg-Minister die Umstellung auf die DD-Armee beantragen (Anpassung der Milizform an die europäische Sicherheitsarchitektur, bzw an die reale Situation hier in Europa), die Beschaffung weiteren Rettungsmaterials plus weitere 15 Eurocopter-Cougar-Helikopter (ehemals Superpuma, pro Heli ca 10 – 15 Mio Fr je nach Ausrüstung), würde das vom Parlament wohl sofort akzeptiert (gegen den Widerstand der rechtskonservativen Bewegung, er selber – der Vtg-Minister – würde dann von seiner eigenen Partei als “halber Bundesrat”, als “halbe Portion” bezeichnet und gnadenlos fertiggemacht bis zum psychischen Burn-Out, so läuft das in dieser machtbesessenen Nationalisten-Partei, um zu vermeiden wie es seinen beiden Vorgängern aus der selben Partei ging, wurstelt er halt dort weiter wo seine Vorgänger hängenblieben und dann jeweils überraschend, fluchtartig, das Departement verliessen und die ganze Armee-Agonie sich weiter fortsetzte…).
      Das Dogma der reinsten und pursten Form der Miliz-Armee nach Schweizer Verständnis und die Unfähigkeit sich an die veränderte sicherheitspolitische Lage in Europa anzupassen ist auch deren Untergang. Ein ehemaliger Generalstabsschef beschreibt es ja selber in seinem Vortrag, der hier auf der Giardino-Homepage zu lesen ist, nur folgert er gänzlich andere Schlüsse daraus.
      Die bestehende Armeeorganisation ist auf rechtskonservativer als auch auf linker Seite umstritten, wie auch die Friedensförderungs-Auslandseinsätze, die Rechte argumentiert mit der Neutralität der Schweiz und der Notwendigkeit eines stark gerüsteten Massenheers mit allgemeiner Wehrpflicht (wider besseren Wissens), die Linke mit einem grundsätzlichen Pazifismus (ebenfalls wider besseren Wissens) und die politische Departementsführung (VBS) verpasst es eine taugliche und mehrheitsfähige neue Armeeorganisation auf die Beine zu stellen und politisch abzustützen, der Grundsatz lautet: Weniger ist mehr (das heisst: effizienter, wirkungsvoller).

  10. Vonlaufen sagt:

    Meine Versicherung und die meiner Familie ist die Kampfkunst.Immer trainnieren und parat sein, nicht aufgeben auch im Alter nicht,NIE!Vorschlag an die Menschen mit Rosabrillen, mit Idee zu keiner oder kleiner Armee. Nehmt die Zeit und begebt Euch mal an einem Wochenende in eine Stadt,egal welche.Schaut Euch um und studiert die Menschen.Sind Sie friedlicher geworden?Kann Mann/Frau sich in Phase grün bewegen?Wird Mann/Frau in Ruhe gelassen?Ist Mann/Frau im orangen Bereich?Ein wenig gespannt?Misstrauisch?Unsicher?Verspürt Mann/Frau ein wenig Angst?Oder tritt die Phase rot ein? Wird Mann/Frau bedrängt?Angepöbelt?Kommt es bereits zu Tätlichkeiten?Im kleinen fängts an und gross hörts auf!Es ist immer wieder erstaunlich was plötzlich aus heiterem Himmel alles passieren kann.Auch ein Volk wird von Überraschungen nicht verschont.Die Politiker täten gut daran die Armee präzise Instand zu stellen, damit diese sich in PHASE ROT auch verteidigen kann.Wenn die Regierung dazu nicht fähig ist dies zu tun,hätte es hervorragende junge dienende und altgediente hochrangige Meister Ihrer Kampfkünste,diese könnten dann unterrichten und die Schweiz wäre gewappnet und gut trainniert.
    Kameradschaftliche Güsse
    Alfi Voni

  11. Brugger Kurt sagt:

    Grüezi Herr Haas, Sie sind in diesem Blog ein sehr aktiver Schreiber. Irgendwo lese ich in diesem Forum, Sie sind Offizier (der jüngeren Garde) in der seit längerem doch eher angeschlagenen Armee. Dem heutigen Zustand einer einst selbstbewussten Milizarmee, geht eine lange Phase des Niedergangs voran, ähnlich zu beobachten wie eine gut operierende Firma (durch Missmanagement)aus dem Markt gedrängt und in die Bedeutungslosigkeit schlittert.
    Oftmals wenn ich betrunkene AdA’s in der Oeffentlichkeit beobachtete, herumziehend als undisziplinierte Horden, habe ich mich für diese Wehrmänner geschämt. In regelmässigen Treff’s von Militärkameraden, haben wir die Demontage der Truppen, des Materials, der Mobilmachungsorgansiation in zahlreichen Gesprächen diskutiert. Mit allen negativen Feststellungen, die wir machen mussten, überkamen uns starke Zweifel, ob diese Truppe noch fähig ist, den ihr zugeordneten Auftrag (gemäss Bundesverfassung) erfüllen zu können.
    Als verantwortliches Kadermitglied einer solchen Armee, hät-ten Sie allen Grund beschämende Gefühle zu empfinden. Sie ziehen dagegen vor, die faulen Theorien eines Historikers grossmaulig breit zu treten, welcher aus ideologischen Gründen nicht nur zu den Armeeabschaffern auch zu den Schweizabschaffern gehört.
    Meine Wehrpflicht habe ich während dem Kalten Krieg erfüllt (RS 1953, Entlassung als Stabsoffizier 1985, mehr als 2000 DT), in einer selbstbewussten Miliz-Armee, in der ich mit Stolz und Leistungsbereitschaft diente. Welche getragen vom kompromisslosen Willen unseres Volkes, das Land, die Grenzen, die Infrastruktur und die Menschen zu schützen, ihren Auf-trag erfüllt hat.
    Mir ist unverständlich, wie Sie Ihre Haltung auf derart undifferenzierte Informationen stützen. Sie überzeugen mich in keiner Weise, über ein genügend ausgebildetes Verantwort-ungsbewusstsein und psychologisches Sensorium zu verfügen, wenn Sie die “Schweiz im 2. Weltkrieg” zitieren, ohne die politischen, militärischen, diplomatischen realen Fakten den Aussagen dieses Buches gegenüber zu stellen.
    Ich bin Zeitzeuge des 2.Weltkrieges und kenne die Schweiz (1848)deren Nöte bis und mit 1.Weltkrieg und anschliessender Weltwirtschaftskrise, bis zur Machtergreifung der Nationalsoz-ialisten in Deutschland aus der direkten Ueberlieferung von Familienmitgliedern.
    Dass Sie sich eine eigene Meinung bilden, finde ich positiv, dieses Recht steht Ihnen unbestrittener Massen zu. Nur, als verantwortungsbewusster Mensch, und Kadermitglied der Armee, soll man die Fakten, welche dieser Meinungsbildung zugrunde liegen, nicht einfach übernehmen, sondern auf deren Vollständigkeit und Wahrheitsgehalt überprüfen.

    • E. Haas sagt:

      Herr Brugger
      Nun, nicht jeder Schweizer Bürger ist so dumm und unkritisch, dass er den verlogenen Sprüchen und Wahlkämpfen der grössten, reichsten, gekaufter Macht, nach dem “Führerprinzip” organisierten, rechtskonservativen (um nicht zu sagen, rechtsextremen) Bewegung auf den Leim geht, die Analogie dieser Partei zu ähnlichen geschichtlichen Ereignissen liegt auf der Hand (damals in den 1920er und 1930er Jahren) und so ganz nebenbei, auch ich leistete 1200 Diensttage ohne mich von der nationalistischen Gehirnwäsche einseifen zu lassen, es gibt auch so etwas wie Verfassungspatrioten, die sind ausgewogener und sehen das Gesamtbild, im Gegensatz zu den fanatischen Nationalisten mit dem Tunnelblick.
      Es ist das Recht und die Pflicht jedes Bürgers und jeder Bürgerin sich kritisch mit dem eigenen Land und seiner teilweise unwahren, schöngeschriebenen und glorifizierten Geschichte auseinanderzusetzen und meines Wissens ist G. Kreis FDP-Mitglied und ein Liberaler durch und durch, er und viele andere CH-Historiker haben zum Glück auch die dunklen oder “vergessenen” Seiten der CH-Geschichte beleuchtet, sein Buch behandelt sämtliche Aspekte der damaligen Situation für die Schweiz (die Armee ist nur ein Teil davon). Es ist selbstverständlich für alle jene welche die Rolle der CH-Armee im 2en Weltkrieg unkritisch verherrlichen sehr unangenehm und ernüchternd wenn dann die tatsächlichen Fakten zur Sprache kommen, dass das Land in der Zeit der grössten Bedrohung praktisch schutzlos dastand, weil die Landesregierung einen Entschluss fassen musste der in jeder Hinsicht hätte nachteilig sein können, entweder 75% der Armee im Hochsommer 1940 für die Ernten zu demobilisieren oder im nächsten Winter 1940/41 zu verhungern.
      Sie haben die RS 1953 absolviert, Koreakrieg, dann folgt der Ungarn-Aufstand 1956, Ost-West-Konflikt, wirtschaftliche Hochkonjunktur, die Welt rüstete hoch, beide Weltmächte testeten H-Bomben im Megatonnenbereich, die CH-Armeeführung befasste sich mit der Frage ebenfalls Atomwaffen anzuschaffen, die CH-Armeeführung bekam was sie forderte, egal wieviel es kostete, bis zum Mirage-Skandal, der erstmals auch bürgerliche Politiker (Frauen in den Parlamenten gab es ja erst ab 1972, ein Zeichen starker gesellschaftlicher und demokratischer Rückständigkeit, die vielgepriesene “Vorbild-Demokratie” war nicht willens und fähig das allgemeine Wahl- und Stimmrecht für die Frauen früher einzuführen) aufschrecken liess über das verantwortungslose Handeln der damaligen CH-Armeeführung und ihren grotesken Aufrüstungsplänen (französischer Kampfjet mit US-Technologie, das konnte nicht gutgehen, der Mirage-Kampfjet hätte CH-Atombomben nach Moskau fliegen sollen), nichtsdestotrotz wurde dann noch ein eigener Kampfpanzer (Pz 61/68) entwickelt, das Geld war ja üppig vorhanden, der nichts taugte, den Steuerzahler aber Unsummen kostete mit Nachrüstungen (also zweimal bezahlt wurde), statt den damaligen westdeutschen Kampfpanzer Leopard 1 ab Stange zu beschaffen (frühe 1970er Jahre).
      Aber das liegt nun schon lange zurück und die Sicherheit Europas, mittendrin die Schweiz, wird von der NATO und der EU garantiert und ich zweifle nicht daran, dass beide Organisation auch in diesem Jahrhundert weiter bestehen werden und ihre umfassenden Sicherheits- und Wirtschaftsziele weiterhin erfüllen werden, mit oder ohne Schweiz.

  12. Weber sagt:

    @E.Haas
    Es sollte eigentlich jedem klar sein, dass die Armee alleine nicht ausschlaggebend war für den Nicht-Angriff der Schweiz. Nur das Zusammenspiel vom Eintrittspreis bei der mil. Besetzung in Kombination mit den anderen Faktoren haben dazu geführt, dass wir verschont wurden. Ich persönlich bin mir jedoch sicher, dass die Schweiz ohne Armee sicher angegriffen worden wäre. Bei einer Schweiz ohne Widerstand hätten sie nichts zu verlieren gehabt. Ich empfehle Ihnen das Buch September 1939 und 1940 Schicksalsmomente für die Schweiz und Europa von Hans Richard. Der deutsche Angriff auf die Schweiz hätte ohne Luftunterstützung erfolgen müssen. Warum? Sie hatten zu wenig Jäger verfügbar und hätten Geschwader von der Luftschlacht um England verlegen müssen. Das war aufgrund der grossen Verluste unmöglich! Oder sie hätten jene aus Norwegen abziehen müssen und dadurch wäre kein Luftschutz in Skandinavien mehr möglich gewesen.Hier der Vergleich der verfügbaren Kräfte beider Seiten.
    Geplanter Einsatz dt. Armee:
    Me-109E/D ca. 100Flz
    Ju-87 Stuka ca. 100 Flz
    Hs-126 ca. 100 Flz
    Gesamtanzahl: 300 Flz
    Schweizer Fliegertruppe:
    Me-109E, D3800 Morane 158 Flz (77 Me-109/81 Morane)
    C35, ca. 77 Flz
    Me 108 15 Flz
    Gesamtanzahl: 250 Flz
    Die vom 3. Dritten Reich eingesetzten 66 Me-109D waren veraltet und den Schweizer Moranes und Me-109E unterlegen. Die 33 Me-109E waren jedoch technisch gleichwertig und den Moranes nur leicht überlegen, dafür die Piloten sehr erfahren und gut ausgebildet. Die CH-Luftwaffe hatte mit der C-35 ein für das Schweizer Terrain sehr gutes Erdkampfflugzeug und hätte aufgrund des eher schwachen Jägerunterstutzung der Wehrmacht grosse Verluste verursacht. Man darf auch nicht vergessen, dass die Schweizer entschlossen waren, den Feind zu bekämpfen. Fazit: Der Eintrittspreis wäre für die Deutschen sehr hoch gewesen, zumal aufgrund der vorhandenen Jäger ihre Armee in Norwegen schwächen müsste, was die Engländer siche ausgenutzt hätten. Es ist eben nicht immer alles so einfach, wie uns gewisse politisch gefärbten Historiker weis machen wollen.

    • E. Haas sagt:

      Herr Weber
      Das Buch von H.R. kenne ich und habe es im Nov 2011 gekauft.
      Niemand soll sich was vormachen betreffend den damaligen Kräfteverhältnissen zwischen der CH-Armee und der Wehrmacht und wie ein allfälliger Ueberfall Deutschlands auf die Schweiz geendet hätte, eine Frage von wenigen Tagen, ob nun ein paar Kampfflugzeuge der deutschen Luftwaffe mehr oder weniger eingesetzt worden wären, dieser deutsche Angriff hätte eine solche Wucht entwickelt (kombinierte Luft- und Bodenoffensive, Blitzkrieg-Kampftaktik), dass die CH-Luftwaffe schon gar nicht mehr in die Luft gekommen wäre, bzw deren Feldflugplätze innert weniger Tage besetzt geworden wären.
      Nicht “vorgesehen” seitens der deutschen Führung war auch der Ueberfall und die Besetzung von Jugoslawien und Griechenland (und die Einnahme Kretas mit der damals grössten Fallschirmjäger-Offensive) im April/Mai 1941, der dann den Ostfeldzug gegen die Sowjetunion um entscheidende 6 Wochen verschob. Die Schweiz hatte einfach nur ein Riesenglück vom Elend des 2en Weltkrieges verschont zu bleiben, die CH-Armee war für die Entschlussfassung der deutschen Führung kein entscheidender Faktor auf die Besetzung der Schweiz zu verzichten. Für die Wehrmachtführung war entscheidend, dass die Schweiz in der Anfangsphase des Krieges für die Achsenmächte mehr Vorteile bot, wenn sie vorerst in Ruhe gelassen wurde und erst nach dem “Endsieg” gegen die Rote Armee besetzt wird, als Abschluss des deutschen Eroberungsplans für Europa und die folgende Weltneuordnung.

    • Hans Ulrich Suter sagt:

      Ich bin da (natürlich) völlig anderer Ansicht. Im Gegensatz zur deutschen Propaganda war damals die deutsche Luftwaffe schon ziemlich angespannt, und es ist tatsächlich möglich, dass es für sie am Anfang ziemlich desaströs ausgesehen hätte. Man hat auch bis zur Schlacht um England geglaubt, dass die Zerstörergschwader (Me-110) und die Bomber unabhängig operieren können. Ein Grund dafür war, dass zwar viele erfahrene Jagdflieger (Mölders, Galland) mit Spanienerfahrung vorhanden waren, die Luftwaffenführung (v.a. der Kommandant) doch wesentliche intellektuelle und fachliche Mängel auswiesen (im gegensatz zu den anderen Truppenteilen…). Ausserdem bin ich der Ansicht, dass die taktische Luft-Unterstützung, mit den damaligen Mitteln (Ju-87 (!)) in Berggebieten dar nicht möglich gewesen wäre. Oder möchten Sie einen Sturzflug in ein Alpental machen? Langfristig wäre natürlich eine Niederlage unausweichlich gewesen.

    • Hans Ulrich Suter sagt:

      Ich sollte es vielleicht um etwas prinzipielles ergänzen. Die Schweizer Armee um 39 hatte eben gewisse Ausrüstungsgegenstände und Leute, damit kann eine “was-wäre-wenn”-Diskussion stattfinden, das heisst die Armee hatte Optionen, konnte Pläne gegen mögliche Feinde machen. Meiner Meinugn nach waren diese Optionen damals ziemlich schlau gewählt, aber das spielt jetzt keine Rolle mehr. Wie beim Schach, man hat Figuren, diese können Züge machen, der Gegner kann andere Züge machen, usw. (das nennt sich Strategie). Die Armee 21, hat ohne Leute und ohne Ausrüstung (egal ob veraltet oder nicht) eben keine Optionen mehr, und damit kann man auch keine Strategie mehr entwickeln. Es ist wie wenn nur noch (um im Bild zu bleiben) der König auf dem Schlachtfeld steht, dann ist er zwar noch nicht schachmatt, aber in einer (berechenbaren) endlichen Zeit ist er das und man kann aufgeben. Das scheint mir die “erwünschte Stellung” der jetzigen Politik zu sein, wobei von einigen noch gehofft wird, dass die möglichen Gegner das Schachbrett nicht finden.

  13. Müller sagt:

    Herr Haas
    Preis und Effizienz:
    Sie sprechen die Effizienz an welche eine kleine Armee mit Durchdiener haben soll.
    Anbei die Leistungsbeschreibung der verschiedenen Armee Varianten:
    http://www.vbs.admin.ch/internet/vbs/de/home/documentation/bases/verteidigung.parsys.34659.downloadList.62067.DownloadFile.tmp/zusatzberichtzumarmeebericht2010d.pdf
    Sie sehen hier ganz klar, dass eine kleine Armee schlichtweg weniger Leisten kann!
    Haben Sie sich die Frage “wofür brauchen wir eine Armee überhaupt?” einmal gestellt?
    Sie verlangen eine kleine Durchdiener Armee welche wichtige Objekte schützen können muss, welche Katastophenhilfe leisten muss und welche flexibel und schnell eingesetz werden kann.
    Ich nehme an Sie möchten die Kompetenzerhaltung Landesverteidigung komplett streichen aber auch ohne diese reichen ca. 50’000 Soldaten nicht um die wichtigsten Objekte in unserem Land dauerhaft schützen zu können.
    Wer ist die letzte Sicherheitsreserve nach der Polizei?
    Es ist die Armee und NUR die Armee kann zum jetzigen Zeitpunkt durch das Milizprinzip sehr schnell Personal aufbieten! Dies ist Billiger da wir im Stande sind ein breites Leistungsdoktrin zu erfüllen aber nicht ganzjährig eine Masse an Soldaten finanzieren!
    Um den Flughafen Zürich über 6 Wochen hinweg zu schützen brauchte es in der Übung “Aeroporto” rund ca 6000 Soldaten!
    Zu den Durchdiener:
    Ich nehme an Sie leisteten Dienst und kennen die Probleme dir wir bei den jetzigen Durchdiener Bat’s bereits haben:
    -Unterbeschäftigung und dadurch verlorene Motivation
    -Hohe Kosten durch Lohnzahlungen aber kleiner Nutzen durch Einsätze
    -Keine Nutzung von Synergien und Erfahrung da Kader und Soldaten im Durchschnitt sehr jung sind
    Durchdiener können und müssen in geringer Zahl vorhanden sein um innerhalb von wenigen Stunden die Sicherung von der Polizei übernehmen zu können.
    Wie beschäftigen Sie eine derart grosse Zahl an vollzeit Soldaten? Pistenpräparien?
    Das Milizsystem ist für ein kleines Land welches sich eine Voll-Profi Armee gar nicht Leisten kann das einzige richtige!
    Es ist günstig, effizient und ich habe das gefühl Sie verwechseln hier ganz stark zwei Dinge:
    MILIZ IST NICHT GLEICH AMATEUR!
    Bitte gehen Sie doch an div. Besuchstage und inspizieren Sie derren Übungen, vergleichen Sie mit dem Ausland etc. bevor Sie solche unqualifizierte Statements von sich geben!
    Im allgemeinen fällt dan warscheinlich auch anderen Herren in diesem Blog auf, dass mit dem Entwickluingsschritt 08/11 sich die katastrophale Armeereform XI stark verbessert. Sei es in den Bereichen Disziplin, Volltruppenübungen oder Kosteneffizienz.
    Selbstverständlich muss sich noch einiges tun aber es braucht hierfür auch finanzielle Unterstützung.
    Ohne diese funktioniert es nicht,
    Es gibt sehr viele Politiker die mit 10’000 einen Ferrari kaufen möchten.

    • E. Haas sagt:

      Herr Müller, besten Dank für den Armee-Zusatzbericht vom März 2011, die Variante mit 80’000 bzw 60’000 AdA ist mir überaus sympathisch, die lässt sich noch optimieren, vor allem mit dem vom Bundesrat geplanten Vtg-Etat von 4.4 Mrd Fr, wie er nun wieder zur Diskussion steht, um den es hier bei diesen Blogeinträgen geht.

    • E. Haas sagt:

      Herr Müller, besten Dank für den Armee-Zusatzbericht vom März 2011 (ich habe ihn vor einem Jahr auch schon angeschaut), die Varianten mit 60’000 bzw 80’000 AdA sind mir überaus sympathisch, vor allem mit dem 4.4 Mrd-Fr-Etat, welcher vom Gesamtbundesrat wieder zur Diskussion gestellt wird und um den es hier in diesem Blog geht.

    • Fritz Kälin sagt:

      Habe den Bericht auch mal angeschaut. Wenn ich gegen die Schweiz feindliche Absichten hegen würde, würde ich ihr auch die 60’000er Variante wärmstens empfehlen.
      500 Millionen ‘Einsparungen’ pro Jahr sind es natürlich absolut wert, alles aufs Spiel zu setzen, was frühere Generationen für uns erarbeitet, erspart und erduldet haben… man stelle sich vor, wie viele Projekte man mit 500 Millionen in der Dritten Welt finanzieren könnte! ^^

    • E. Haas sagt:

      “Um den Flughafen Zürich über 6 Wochen hinweg zu schützen brauchte es in der Übung “Aeroporto” rund ca 6000 Soldaten!”
      Nicht einmal die britische Armee musste sämtliche internationalen Airports in Grossbritannien (und das sind ca 10 grosse Flughäfen) nach dem 05.07.2005 (konzertierte Bombenanschläge der Al-Kaida in London mit über 50 Toten und mehreren hundert Verwundetetn) über 6 Wochen lang bewachen, auch die spanische Armee wurde nach den Terrormassakern am 11.03.2004 in den Madrider Bahnhöfen nicht über Wochen hinweg für solche Aufträge eingesetzt, solche Terrorzellen festzustellen, zu jagen und zu neutralisieren ist klar die Aufgabe der staatlichen Polizeibehörden / Nachrichtendienste, Armeekräfte wurden während maximal 2 Wochen lang an als besonders gefährdeten Folgezielen (für weitere Terroranschläge) zur Ueberwachung und Sicherung eingesetzt, bis die Polizeibehörden mögliche weitere (verdächtige) Terrorzellen ausheben konnten und die Hauptgefahren abgewendet waren. In der Terrorbekämpfung zählen andere Fähikgeiten: Nachrichtendienst, Informationskoordination, internationale Zusammenarbeit (vor allem mit den europäischen Partnern), Vertrauen und rasches Handeln.

  14. Willy Stucky sagt:

    Werter Herr Haas!
    Sie vertrauen auf eine sehr riskante Weise der Logik der Menschen. Es gibt aber nur Tasachen. Alle Schlüsse daraus sind reine Spekulation. Tatsache: Die Schweiz ist während des Zweiten Weltkrieges nie angegriffen worden. Spekulation: Die Schweizerische Armee spielte dabei eine untergeordnete Rolle; denn sie war den deutschen Truppen nicht gewachsen. Weitere Tatsache: Die WAPA-Truppen haben den Krieg gegen Westeuropa nie gewagt. Spekulation: Auch die Armee 61 war in erster Linie ein Hobby faschistoider Kräfte in der Schweiz; denn die Nato hat den Kalten Krieg gewonnen. Letzte Tatsache: Auf schweizerischem Territorium hat es seit 165 Jahren keinen Krieg mehr gegeben: Boshafte Spekulation: Der Grund hierfür liegt im Umstand, dass die Frauen hierzulande erst vor 40 Jahren das Wahlrecht erhielten.
    Dies ist nur eine Spekulation. Eine Tatsache ist hingegen, dass Hitler von den deutschen Frauen an die Macht gewählt wurde. Finden Sie nicht bei Professor Kreis! Ebenfalls nicht bei Professor Kreis finden Sie die geringste Äusserung des Entsetzens darüber, dass alt Bundesrätin Calmy-Ray den Staat Israel mehrmals in unser aller Namen verurteilt hat. Ihre angeblich friedfertigen linken PolitikerInnen pfuschen, was das Zeug hält, Herr Haas. Und gegen all diesen Pfusch gibt es seit Jahrhunderten für uns nur ein Rezept: Bewaffnete Neutralität!

    • E. Haas sagt:

      Werter Herr Stucky
      So habe ich das nicht gesagt, das ist Ihre Interpretation, damit das klargestellt ist.
      Zur Israel-Kritik von Alt-BR Calmy-Rey (welche nebenbei gesagt auch das fast unendliche Geiseldrama in Libyen löste, welches ihr von anderer Seite eingebrockt wurde), das ist ein sensibles Thema, da sprach sie auch an, was die linksliberalen Israelis in ihrem eigenen Land kritisieren und ihr Ehemann ist selber jüdischen Glaubens (Herr Calmy-Rey), somit konnte und durfte sie deutlicher Klartext sprechen als dies meist andere (westliche, christliche) PolitikerInnen tun dürfen, wenn es darum geht die Methoden Israels um sich im Nahost-Konflikt durchzusetzen, bzw gegen Terrorbedrohungen zu schützen, zu beanstanden (anzuprangern).
      Zufälligerweise las ich das Buch “Die Schweiz im Zweiten Weltkrieg” von Professor, Historiker und FDP-Mitglied G. Kreis während meiner Ferien in Israel im Herbst 2011, wohlbehütet und beschützt 🙂 von der mächtigen, eindrucksvollen Israel Air Force (ca 650 Kampfjets), die im ganzen Land unüberhörbar zu vernehmen und zu sehen ist, bzw der Israel Defence Forces (Zahal). Unbestritten hat Israel mit seiner Verteidigungsorganisation (40’000 Profis, 140’000 Sdt aus drei Jahrgängen als DD-Wehrpflichtige, Miliz-Reserve-Armee von 500’000 Sdt) das Maximum an Mannschaftsstärke herausgeholt (bei einer Bevölkerung von ca 5.9 Mio Juden) und wird solange daran festhalten müssen bis es zu einer definitiven Friedenslösung im Nahen Osten kommt (mit der Palästina-Regierung), dort wird nicht die Armee und die langen Militärdienste in Frage gestellt (höchstens der extrem hohe Vtg-Etat von 16 Mrd Fr), sondern ob der Besatzungsdienst (Checkpoints / Schutz der jüdischen Siedlungen) in der nach wie vor teilweise besetzten Westbank/Westjordanland ein Auftrag für die israelische Miliz-Armee ist oder nicht. Israels Regierung orientierte sich bei der Staatsgründung und Armee-Organisation 1948 an der Schweizer Miliz-Armee und das israelische Massenheer ist angesichts der sicherheitspolitischen Lage im Nahen Osten klar notwendig, im Gegensatz zur Schweiz mit ihrer Lage mitten im befriedeten Europa, in dem die EU/NATO eine unüberwindliche Phalanx militärischer Machtentfaltung präsentiert.

    • Beda Düggelin sagt:

      Ich würde Ihnen empfehlen, Herr Haas, nach Israel auszuwandern, Sie kennen ja das Land schon bestens von den Ferien und die Präsenz der isrealischen Armee hat Sie ja offenbar auch nicht gestört….! Dort können Sie sich einem längst fälligen “Brain-Wash” unterziehen und im fortgeschrittenen Alter geläutert wieder in die Schweiz zurückzukehren. Sie können sich natürlich in Israel einbürgern lassen, sich für einen radikalen Schnitt im Verteidigungsetat Israel einsetzen und den Frieden im Nahen und Mittleren Osten ausrufen!!
      Mit dem nun abtretendenden höchst umstrittenen Historiker G. Kreis würde ich nie und nimmer “Hausieren” gehen, alle sind froh, nicht nur FDP-Mitglieder, dass er endlich abtritt, man muss ihm keine Träne nachweinen, auch Professoren haben nicht immer recht!

    • E. Haas sagt:

      Siehe unten, 13.03.2012 / 2345h

  15. Müller sagt:

    Herr Haas
    Nun gut mir ist mindestens eine Variante mit 100’000 Personal sympatisch da wir so durch “kleinen” finanziellen Aufwand einiges mehr an Leistung gewinnen! Mit weniger Soldaten stelle ich mir die Frage wo der Nutzen liegt. Ich möchte eine Armee die uns im Notfall unterstüzen und schützen kann.
    Das wichtigste ist, dass die Politik die Konsequenzen hinter de, Doktrin kennt:
    Bei Kompetenzerhaltung Landesverteidigung UND Raumsicherung UND Katastrophenhilfe muss das Budget einfach stimmen.
    Das Geld ist vorhanden (siehe Aufstockung Entwicklungshilfe).
    Freundliche Grüsse

  16. Johannes Fischer sagt:

    Habe mir die Mühe genommen, alle Kommentare zu lesen und habe dann rasch gerechnet:
    40 x wurde eine Meinung geäussert.
    16 x hat sich E. Haas gemeldet
    131 x wurde zu den Meinungen von E. Haas eine gegenteilige Meinung gutgeheissen
    3 x hat E. Haas Zustimmung erhalten, und man vergesse nicht, dies auf seine 16 Meinungsäusserungen!
    Das “Abstimmungsergebnis” ist klar, Herr Haas. Sie können die Diskussion beenden. Wäre wegen teils verleumderischen und total falschen Auffassungen an der Zeit.

    • E. Haas sagt:

      Danke für die Info, ich nehm’s gelassen zur Kenntnis und vote nicht für mich selber 🙂

    • E. Haas sagt:

      Und Herr Fischer, betreffend verleumderisch und dergleichen (der Gesamtbundesrat als “Landesverräter” geschmäht wird, wie hier in verschiedenen Beiträgen ab und zu auch zu lesen ist, unter anderem im August 2011), zur Erinnerung der NZZ-Bericht vom 03.09.2011, vor der Herbstsession 2011, als die Armee-Aufrüstung vom ehemals rechtsbürgerlich dominierten Parlament noch hastig durch die beiden Räte gedrückt wurde. Nun, ein paar Monate später sieht die Lage doch gänzlich anders aus, die materiell und personell aufwändigste Wahlkampagne der rechtskonservativen Wahlkampfmaschine (für total ca 25 Mio Fr wurde das ganze Land mit rassistischen Plakaten zugepflastert und international in seinem Ruf geschädigt) blieb in der Herbst/Winterschlamm-Schlacht 2011/12 der “Rasputiza” stecken und der Anfang vom Ende für die “Führer-Bewegung” ist eingeleitet (ein spürbares Aufatmen geht durch das Land).
      Shalom we Leila Tov / Friedliche und Gute Nacht
      NZZ / 03.09.2011
      Von Hanspeter Mettler
      In der bevorstehenden Herbstsession sind wichtige Weichen für die Zukunft der Armee zu stellen. Die bürgerlichen Kräfte sollten sich, bei allen sachlichen Differenzen, endlich zusammenraufen. Sonst droht ein Scherbenhaufen.
      Wir halten es nicht mit der traditionalistisch gesinnten Milizorganisation «Giardino», die den Bundesrat in ihren Communiqués wiederholt – zuletzt im August – wörtlich als «Landesverräter» bezeichnet hat. Das ist starker Tobak, auch wenn die grobschlächtige Rhetorik durch echte Sorge um die Zukunft der Landesverteidigung und die Überzeugung, der Bundesrat gehe bei der Verkleinerung der Armee zu weit, motiviert sein mag. Auf der anderen Seite ist zu konstatieren, dass die Landesregierung im sicherheitspolitischen Bereich in den letzten zwei Jahren tatsächlich erstaunliche Blössen offenbart hat. So wurde es im Rahmen des neuen Sicherheitspolitischen Berichts verpasst, eine ernsthafte Debatte über das Milizprinzip und die allgemeine Wehrpflicht anzustossen. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Spätestens im Hinblick auf die Volksinitiative der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) für die Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht wird dieses Versäumnis aufzuarbeiten sein.

    • Beda Düggelin sagt:

      Herr Haas
      Sie zeigen einmal mehr auf, wie undifferenziert Sie argumentieren in Ihren Blog-Beiträgen. Was haben da die Plakat-kampagnen mit dere Armee zu tun, ich kann mich an keine einzige Pro-Kampagne der SVP erinnern und wenn dem so gewesen wäre, was wäre dagegen einzuwenden? Den Erfolgsfaktor der SVP als Führer zu bezeichnen ist ein Vergleich unter der Gürtellinie, der ihre Gesinnung bestens zum Ausdruck bringt!
      Bezüglich Landesverrat muss ich feststellen, dass ich mich mit meinen 59 Jahren noch nie so schlecht von der Landesexekutive vertreten fühlte, sie soll bürgerlich sein, ist aber in Tat und Wahrheit Mitte-Links! Frau Widmer Schlumpf hat dem Bundesrat nichts Gutes gebracht, Christoph Blocher wäre wichtig gewesen.
      Die gegenwärtige Armeediskussion ist wirklich ein Hohn, die Entscheide sind längst gefallen, da gibt es kein Zurückkommen mehr, andernfalls verlieren diejenigen, die sich gegen die gefassten Entschlüsse sträuben ihr Gesicht völlig! Das wäre vor zwanzig, dreissig Jahren nicht möglich gewesen, eine solches Disaster. Dass dann gewisse Leute von Landesverrat sprechen, ist eigentlich nur begreiflich, es kennzeichnet das gegenwärtige Lavieren des Gesamtbundesrates (BR Maurer muss sich ja unterordnen) in klarer Weise! Mit solchen Leuten im Bundesrat ist wahrlich kein Blumentopf zu gewinnen, Sparen ja, ober bitte nur beim VBS, was soll das?

  17. Fritz Kälin sagt:

    Im Zuge meiner Prüfungsvorbereitungen stosse ich auf folgende Mahnung Zwinglis an die Eidgenossen (1522):
    „Ir wisst sehr gut, dass der edle Bruder Klaus von Unterwalden einst mit Nachdruck gesagt hat, es könnte zwar keiner fremden Staatsgewalt je gelingen, die Eidgenossenschaft zu erobern, sehr wohl aber dem Eigennutz.“
    Gelesen bei Christian Moser, Der lange Schatten Zwinglis, Zürich 2009, S. 38.
    Wessem Eigennutzen entspricht es heutzutage, wenn wir die schwere Last, für uns selber einzustehen, auf möglichst wenigen Schultern (60’000) verteilen? Wem nützen verschrottete Schüpas, vernichtete Kanistergeschosse und zurückgespitzte Betonbunker, für deren Beschaffung das Steuergeld bereits unwiederbringlich ausgegeben wurde?

  18. Brugger Kurt sagt:

    Grüezi Herr Haas,
    Besten Dank für Ihre Stellungnahme zu meinem letzten Eintrag. “Ich lese wohl die Worte allein mir fehlt der Glaube!”
    Zur Zeit befinde ich mich in den schönen Schweizer Bergen (Prätigau)in den Ferien. Wir Schweizer sind privilegiert und verwöhnt in einer derart schönen Landschaft leben zu dürfen. Die Menschen (nicht die Feriengäste) hier, sind bodenständig (keine Nationalisten mit Tunnelblick), verbunden mit ihrer Scholle (auch wenn’s nur ein landwirtschaftlicher Bergbetrieb ist, harte Arbeit wenig Geld), aber auch weltoffen (mit den Gästen,zB als Skiinstruktor), mehrsprachig und kommunikativ. Wegen beidseitiger Huftoperation kann ich in diesen Ferien nicht auf die Piste. Ich studiere die Menschen, suche Gespräche mit Einheimischen und Gästen. Bei den hiesigen habe ich noch keinen Gefunden (auch bei den Nachkriegs-Jahrgängern) der auch nur annähernd Ihre Thesen vertreten würde. Die Gäste aus Europa und Uebersee beneiden uns um unsere Eigenständigkeit, sind angetan von unserem schönen Land, wo alles seine Ordnung hat, die Mitsprache der Bürger (direkte Demokratie) einmalig (sie würden sich diese auch wünschen) und der Wohlstand spürbar und sichtbar sei.
    Ich nehme mir auch (beschränkt) Zeit, Ihre zahlreichen Beiträge mehrmals zu lesen, in der Absicht alles was Sie aussagen, richtig zu interpretieren. Dabei fällt mir unmissverständlich auf, Sie sind nicht nur ein Querdenker. Ihre Message ist über weite Strecken, kompromitie-rend, auf Ihre geistige Haltung zurecht gerückt, gespickt mit Halbwahrheiten (stellenweise mit Behauptungen deren Wahrheitsgehalt bei Null liegt), und was mich speziell nachdenklich werden lässt, kompromisslos, extremistisch, respektlos und defaitistisch. Eines Offiziers unwürdig. Diese Aussage zielt nicht auf den Inhalt, sondern die Art und Weise Ihres Ausdrucks.
    Meine Antworten erhalten Sie “scheibchenweise” und nur teilweise aus den Ferien. Zum Glück, sind Sie mit Ihren Theorien, nicht repräsentativ für das Offizierscorps der Schweizerarmee. Wenn dem nicht so wäre, müsste die Armeeführung einen “2ten Rütli-Rapport anordnen”. Weil Sie ja historisch so gut Bescheid wissen, ist Ihnen auch bekannt, aus welchem Grund dieser von General Guisan einberufen wurde.
    In Ihren Aussagen finde ich vieles, mit dem namhafte Mitglieder der GSOA für die generelle Abschaffung der Armee argumentieren. Teilweise fast wortgenau alles aber sinngemäss übernom-men, auch von deren Grössen der letzten 30 Jahre (aNR Jo Lang,BöFei-Jo, A.Gross) oder deren Nachläufer (Dienstverweigerer) die länger als 8 Schuljahre absolviert haben, es jedoch nie schafften ihre veritablen Gründe für die Dienstverweigerung offen zu legen.
    Beim Lesen Ihrer Aufsätze, bin ich einige Male in den Verdacht gefallen, ein militantes Mitglied der Armeegegner, habe sich im Offizierscorps infiltriert und sei auf dem Marsch durch die Institutionen. Für mich und auch viele andere, wäre aufschlussreich zu erfahren, wieviele “Seelenverwandte” Ihrer Gattung im Sollbestand der Truppen und GstOf auszumachen sind. Dies würde dann auch erklären, warum Ihre Spezies auch in SOG,KOG,UOV anzutreffen ist.
    Von diesen bei der Waffenschutz-Initiative einige an vorderster Front der Befürworter stan-den, und für die Wahlen 2011 zur Wahl empfohlen wurden.
    Die Gruppe Giardino ist der Beweis, es gibt auch noch anders Denkende. Diese kämpfen weiter (mit wachem Auge und ohne nationalistischen Tunnelblick)mit Ueberzeugung, für eine massge-schneiderte Milizarmee, in einer freiheitlichen und eigenständigen Schweiz, mit bewaffneter Neutralität, humanitärer Tradition und intakter Verteidigungsbereitschaft. Sicherheitsgarant für ein selbstbewusstes Volk in seinem Land, das wegen seiner Wehrbereitschaft weltweit respektiert und geachtet wird. Wir tun dies nicht nur für uns, auch für unsere Nachkommen. Ich selber schon für meine Urenkel.
    Einen schönen Feriengruss aus dem Prätigau!

    • E. Haas sagt:

      Na Hauptsache die Fetzen fliegen, Sie geben auch schoen Vollgas 🙂
      Ebenfalls mit besten Feriengruessen… aus Israel
      Koennten die Israelis deutsch lesen und diese teilweise absurde virtuelle Diskussion in unserem – hier in Israel sehr beliebten – Land mitverfolgen gegen wen die Schweiz ein hochpraesentes, aufgeruestetes Massenheer unterhalten soll im befriedeten Europa, mitten im stabilen und starken EU/NATO-Guertel, sie wuerden sich die Baeuche halten vor Lachen… Man kann das hier nicht ernst nehmen.
      Die Armee-Fans in der Schweiz verwechseln ihre eigene politische Ideologie mit dem tatsaechlichen Sinn und Zweck der Schweizer Armee nach 67 Jahren Frieden in Europa und
      23 Jahre nach dem Ende des kalten Krieges, des Ost-West-Konfliktes.

    • Hans Ulrich Suter sagt:

      Es gibt nicht seit 67 Jahren Frieden in Europa, das ist ein völliger Blödsinn. Sogar Sie müssten etwas vom Jugoslawienkonflikt gehört haben, letztes Jahr hätte man als englischer, französischer oder schwedischer Kampfpilot lustige Einsätze über Libyen fliegen dürfen. Unser nördlicher Nachbar alberte bis vor kurzem in Afghanistan herum (übrigens sassen sie meisten in etwas was man als schlechtgebauten Bunker bezeichnen könnte, im NATO-Slang bekannt als “Fort”). Sie wissen was ein Bunker ist, das ist das was angeblich obsolet ist und in der Schweiz abgeschafft werden muss. Es gibt noch andere Problemzonen die der wunderbar starke EU/NATO Gürtel umschlossen hat. Welche das alle sind weiss ich nicht, ich interessiere mich nur für Kriege an denen kolbenmotorgetriebene Flugzeuge beteiligt sind. Aber ganz blind, taub und blöd bin ich jetzt trotz fortgeschrittenem Alter von 47 und über 10 Jahre nach Entlassung aus der Dienstpflicht dann doch noch nicht.

    • Alain Vincent sagt:

      Frieden in Europa?
      Was ist mit den Englang, Nordirland, Irland?
      Was ist mit den baskischen Separatisten in Spanien & Südfrankreich?
      Was ist mit den Unabhängigkeitsbestrebungen des spanischen “Bundeslandes” Katalonien?
      Was ist mit dem Entwicklungsunterschied von 20 Jahren zwischen Süd- + Nord-Italien?
      Was ist mit der 3-Staaten-Republik Bosnien-Herzegowina?
      Was ist mit den regelmässig wiederkehrenden Streitereien zwischen den ehemaligen Sowjetländern?
      Frieden in Europa?
      Auf dem Papier!
      Und im Kopf einzelner “Sesselfurzer”.
      Der Frieden in Europa ist heute ein Dogma wie früher die Teller-flache Erde. (“und sie bewegt sich doch…”)
      Es entspricht nicht der menschlichen Natur.
      Es entspricht nicht der Natur unseres Universums.
      Es entspricht nicht den physikalischen Gesetzen.
      mfg

    • Beda Düggelin sagt:

      Völlig abstrus, bei einem Bestand von 100’000 Mann von einem hochpräsenten aufgerüsteten Massenheer zu sprechen. Die israelische Regierung dürfte ganz anders über die Schweiz und ihre Armee urteilen, selbst wenn die Verhältnis ganz und gar nicht mit Israel zu vergleichen sind. Nethanyahu würde von der Schweiz mit grösstem Respekt sprechen und sie als Vorbild hervorheben. Nein, die Schweiz ist keine Trittbrettfahrerin, die die Armee völlig dezimiert um dann im Ernstfall sich unter den Schutz der NATO zu flüchten. Wenn sich die Verhältnisse im Maghreb und im Iran verschlechtern oder gar wenn gar eskalieren ist jedes Land wieder auf sich alleine angewiesen. Schämen Sie sich Herr Haas, Sie sind offenbar ein Rosinenpicker! Wie stark und stabil der EU/NATO Gürtel in Wahrheit ist, muss hoffentlich nie auf die Probe gestellt werden!

  19. Andreas Wäger sagt:

    Die Schweiz ist neutral und wird es hoffentlich auch bleiben und sich selber anständig verteidigen können. Und Herr Haas meint, wir sind ja durch Nato, Eu super geschützt. Schön wenn man sich einfach auf die anderen verlassen könnte. Ausserdem, es wird immer gesagt oder geschrieben, der Schweiz gehe es ja so gut. Das stimmt ja, warum sollten wir dann mit anderen Bündnisse eingehen die nur Probleme mit sich ziehen? Das gleiche denke ich über Meinungen, die Schweiz solle doch entlich der EU beitreten. Warum? Weil es denen allen besser geht als uns? Nein, wir machen einen super Job, wir arbeiten hart für unser Geld, wir dürfrn stolz und froh sein, über Wohlstand, Sicherheit und Unabhängigkeit zu verfügen. Aber genau die Sicherheit wird grobfahrlässig aufs Spiel gesetzt. Scheinbar ist es nichts mehr wert, genau diesen ständigen hochgelobten Wohlstands und Unabhängigkeits-Zustand zu verteidigen. Nach dem Motto, wir arbeiten hart, schauen auf unsere Land, sind überall freundlich, aber wenn uns jemand zu nahe tritt, dann nehmt alles, wir wehren uns nicht..
    Das Problem vieler Armeegegner oder Abschaffer ist, das sie zum Glück niemals einen Krieg miterleben mussten und sich glücklich schätzen können, in den “sicheren Mauern der Schweiz” leben zu dürfen. Ja dann kommt halt das rosa Brille Gefühl auf, das es doch überall so friedlich ist wie in der Schweiz. Was wirklich in der Welt abgeht, wie schnell etwas passieren kann und wie jeder oder jedes Land in einer Notlage nur zu sich schaut, sehen wir ja genug. In einer schlimmen Krise oder in einem Konflikt, schaut am Schluss jeder für sich selbst, irgendwie ja logisch.
    Ich bin von der Regierung masslos entäuscht wie unsere Armee zu Boden geritten wird. Mann “verschenkt” lieber Milliarden Schweizer Franken ins Ausland, was auch noch ständig erhöht wird, daher muss mir niemand mit fehlendem Geld kommen, vorallem nicht, wenn die Armee Millionenteure, voll funktionsfähige Spz. M113 verschrotten kann. Da müsste man ja fast meinen, die Schweizer Armee hat ein Luxusproblem!! Sollten wir in eine ernsthafte Krise kommen, ja dann müssen wir halt selber schauen wo wir bleiben, oder eben, wir hoffen halt einfach mal, dass sich unsere Nachbarn um uns kümmern..
    Wo um Himmels willen ist eigentlich der Stolz und der Wille geblieben, unsere, immer noch sehr gut funktionierende Schweiz, auch zu schützen und notfalls zu verteidigen???

  20. Brugger Kurt sagt:

    Shalom Herr Haas, am 11.3.12/0841 erster Absatz, spielen Sie mit grosser Sicherheit auf mich persönlich an. Was Sie das zum Besten geben, ist starker “Tuback”! Aber Sie können sich beruhigen ich nehm’s gelassen. Ich gehe davon aus, dass Sie in Ihrer Selbstüberschätzung und in Ihrer ideologischen Verblendung, die grösste Partei der Schweiz als “Führerpartei” mit rechtspopulistischer und faschistischer Struktur bezeichnen. Dazu gibt es einiges zu sagen, bzw richtig zu stellen, emotionslos, sachlich und der Mehrparteien-Demokratie unseres Landes entsprechend.
    Demokratie-Verständnis des Herrn Haas
    Ihre Aussagen zu dieser Partei sind nicht nur falsch, sie zeugen von Ihren schwachen Kennt-nissen, der Polit-Landschaft Schweiz. Es sind frei erfundene Sprüche der linken Politszene, welche undiffernziert den politischen Gegner verunglimpft und bei den “Nachläufern” (mit sehr bescheidener politischer Intelligenz) dankbare Abnehmer und Gratis-Kuriere ihrer Botschaft findet. Um solchen Blödsinn zu verbreiten, muss man entweder vorsätzlich und böswillig handeln, oder man ist ein blauäugiger Politbanause, der sich einspannen lässt, bar jeglichem Verständnis für das Funktionieren einer Partei, diffamierenden Unsinn zu verbreiten. Was auch immer bei Ihnen der Grund sein sollte, solche Aussagen zeugen weder von Demokratie-Verständnis, noch sind sie würdig eines Bürgers und Kaderangehörigen der Armee.
    BGB (Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei) seit 1975 SVP
    Aus dem Zusammenschluss der BGB (nur in einigen grossen D-schweizer Kantonen) und den Bündner-Demokraten, sowie den Glarner-Demokraten ist zwischen 1970 und 1975 unter Federführung der Zürcher und Berner BGB die SVP (Schweizerische Volkspartei) entstanden. Derjenige den Sie als “Führer” bezeichnen (verdeckt) hat damals mit dieser fusionierten Gruppierung gegen den EWR gekämpft und später gegen den EU-Beitritt und für die bilateralen Verträge mit der EU, nachdem beide Vorhaben vom Volk ab gelehnt wurden.
    Auch in dieser Zeit gab es in der SVP mehrere Opignonleader, aber unbestrittener Massen einen prägenden “Geist” (aBR CHB). Durch diesen Zusammenschluss wurde es möglich, in den Regierun-gen und kant und eidg Parlamenten stärker und einheitlicher (mit gemeinsamen grösseren Frakt-ionen) vertreten zu sein. Erstmal wurde ein Nicht-Berner (aBR Leon Schlumpf, Vater von BRP EWS)für diese Partei BR.
    Wenn heute aBR CHB noch immer Einfluss nimmt in dieser Partei, so hat dies nicht mit “Führer-schaft” (in dem von Ihnen suggerierten Sinn) zu tun, sondern ganz einfach weil eine grosse Partei, ihre Regierungsverantwortung wahr nimmt, indem sie sich die immense Erfahrung eines politischen Alfatiers zu Nutzen macht.
    Wenn dies Ihnen selber und all Ihren Gesinnungsgenossen, nicht entgegenkommt, so legalisiert dies noch lange nicht, Ihre despektierlichen Aussagen.
    Mein Bezug zur SVP
    Ich bin stolzes Mitglied dieser Partei seit meinem 20ten Alterjahr. Mein erster Job, nach der RS, Sekretär einer neu gegründeten Sektion (Zürich-Aussersihl). Neben Beruf, Familie und Militär über 30 Jahre in Funktionen an der Basis einer Ortssektion im Kanton Zürich, meine Bürgerpflicht wahr genommen. Dabei mitgeholfen (Mitgliederwerbung) diese Partei zu dem auf zu bauen was sie heute ist. Dabei auch die demokratischen Entscheidungswege in der SVP (Kt ZH, damaliger Präsident aBR CHB) kennen gelernt und einige “Sträusse” ausgefochten. Ich verwahre mich vor Ihrer polemischen Aussage, ich wäre dummköpfig einem “Führer” gefolgt.
    Nein, Herr Haas, so wie Sie es darstellen funktioniert weder die demokratische Schweiz, noch die SVP. Genauso wenig wie Sie mit Ihren abstrusen Behauptungen, schon gar nicht mit allen Ihren nicht verifizierten oder Ihrem Gusto entsprechenden Aussagen, eine Mehrheit der Schweizer überzeugen können, eine “Rumpfarmee” unseres Landes in die NATO zu integrieren.

  21. E. Haas sagt:

    Werter Herr Brugger
    Laut eigenen Aussagen des SVP-Fuehrers, dessen Auftrag angeblich darin besteht die Schweiz, bzw, *das Volk* zu retten, und seiner Entourage und genug oft zitiert in den Medien gibt es in der
    Schweiz noch zwei Parteien:
    Die SVP und die anderen…
    Das sagt alles aus ueber das Demokratieverstaendnis der isolationistisch-rechtskonservativ-nationalen Bewegung.
    Die Geschichte der ehemaligen BGB und SVP ist mir auch bekannt (bis hin zur Abspaltung der BDP), mit dem *unfriendly takeover* Anfang der 1980er Jahre eines vom Ehrgeiz zerfressenen, vom Missionswahn befeuerten und mit luschen Methoden (Insidergeschaeft) gewordener Multi-Milliardaer wurde diese Partei aus der Sicht von 75% der CH-Bevoelkerung zu einer rechtsextremen Kampfmaschine um- und aufgebaut die im Begriff ist das ganze Land zu kapern mit dem Programm der konservativen Revolution und das Land auf den *Fuehrer-Kurs* zu bringen:
    Nationalistisch, Anti-Demokratisch, Anti-Liberal, Anti-Egalitaer, Anti-Sozial, Privatisierung des Service Public, etc, etc, etc.
    Die millionenteuren Investitionen des schwerreichen Milliardaers und seiner ebenfalls schwerreichen Gesinnungsfreunde in die CH-Wahlkaempfe und Sachabstimmungsvorlagen welche erst kuerzlich wieder aufgedeckt wurden (NZZ) sprechen eine klare Sprache (2007 ueber 20 Mio Fr, 2011 wohl noch hoehere Ausgaben fuer extremistische Wahlpropaganda), wer sich als Retter und Fuehrer der helvetischen Alpenrepublik betrachtet, mit dieser Inbrunst und diesem Wahn, seiner einzig geltenden *Wahrheit*, ist ein verblendeter und gefaehrlicher, nationalistischer und selbstsuechtiger Fanatiker (und seiner fanatisierten Anhaenger) und muss von der Macht entfernt werden, was am 12.12.2007 von besonnenen Kraeften in der vereinigten Bundesversammlung eiskalt vollzogen wurde, zum Wohl der Schweiz, und der *Absturz* vom 23.10.2011 ist ein erster Lichtblick, dass der Anfang vom Ende fuer diese extreme unschweizerische Bewegung begonnen hat.
    Und die Politik im VBS, diese sogenannte *Fuehrung*, diese duemmlichen und peinlichen Sprueche von der *besten Armee der Welt* (Zitat), Vorsteher waren ab 1995 bis heute ja alles Mitglieder dieser Partei, ist seit Jahren nun Ausdruck dieser Gesinnung und Bewegung und signalisiert null Fortschritt, null Veraenderungsfaehigkeit, sondern:
    Wagenburg-Mentalitaet, Isolation, Misstrauen, Ueberforderung, Kriegssehnsucht, Trauer ueber das Ende des kalten Krieges,
    unfaehig fuer eine der Zeit (2012 und die Zukunft) entsprechende Sicherheits- und Verteidigungspolitik…
    It takes a change – take action!
    Leila Tov / Gute Nacht

  22. Brugger Kurt sagt:

    Guten Tag Herr Haas, über was debattieren Sie in diesem Blog eigentlich? Ueber eine kampf-starke Milizarmee, welche taktisch und technisch in der Lage ist, den ihr vom Schweizervolk in der BV erteilten Auftrag zu erfüllen, oder über die von Ihnen offensichtlich bestgehasste SVP (stärkste Partei der Schweiz) mit deren Exponenten. Dazu teile ich Ihnen mit was folgt:
    1. Ihre Aussagen über die genannte Partei, sind auf einem Niveau angelangt, welches einer realpolitischen Diskussion nicht mehr entspricht.
    2. Ihre abstrusen Argumente gegen diese Partei und deren Exponenten, sind es mir nicht wert darauf zu replizieren.
    3. Sie sollten sich ernsthaft überlegen, wie Sie Ihre rüpelhaften Aeusserungen, notfalls bezeugen wollen. Weil Sie damit, Personen und eine politische Gruppierung, dermassen in Misskredit bringen, dass Sie sich dadurch einiges Ungemach einhandeln können.
    4. Um dereinst über einen, nur annähernden Leistungsausweis zu verfügen, wie die Exponenten der SVP (welche Sie mit Ihren Aussagen belegen), als Unternehmer und/oder Politiker (auch als Bürger und Soldat), müssten Sie noch “einige Pfähle einschlagen” zugunsten der schweizerischen Politik und Wirtschaft.
    5. Ihre Aussagen zum VBS (als Offizier und als Bürger) sind dermassen disqualifizierend, dass diese nur von einem AdA kommen können, der erstarrt in seiner Selbstüberschätzung, jedes psychologische Augenmass verloren hat und statt eine glaubwürdige Aussage zu plaziern, sich selber diskreditiert.
    Zum Abschluss ein freundschaftlicher Gratistyp: Weniger wäre mehr! Versuchen Sie sich in Ihren Aussagen zu mässigen, Ihr Wort hätte wesentlich mehr Gewicht. Inhaltlich sind Ihre Argumente so unglaubwürdig, Sie werden bestenfalls bemitleidet oder gar belächelt!
    ……und tschüss! Ich bin zur Ueberzeugung gelangt, meine Zeit ist mir mehr wert, als diese für den Wirrkopf “Haas” einzusetzen.

    • E. Haas sagt:

      Ja Herr Brugger, cool down, nach meinen Israel-Ferien und dem Jerusalem-Marathon am 16.03.2012 (49er von 810 LäuferInnen) geben mir Ihre Verbal-Offensiven den Rest 🙂 aber über was regen Sie sich auch auf, wir leben in einem der sichersten und reichsten Länder der Welt (Planet Erde), Sie und ich, der einzig gemeinsame Punkt ist wohl das CH-Bürgerrecht 🙂 Sie stehen mit ihrer Meinung diametral zu meiner, nun, Ihre Zeit des kalten Krieges ist vorbei, das “Anbeten” der geliebten Armee 61 (sie war gut und die richtige Armee der Schweiz im kalten Krieg) hilft nicht weiter in Europa 2012, inmitten des EU/NATO-Gürtels, der kommenden Herauforderungen, egal welcher Art (gewiss aber ist, dass keine militärische Invasion Europas bevorsteht, weder durch Russland, noch Arabien, noch Iran, Indien oder China… absurde Hirngespinste).
      Der Gesamt-Bundesrat (Maurer wohl alleine gegen seine sechs weiteren Regierungsmitglieder) handelt auf jedenfall richtig, wenn er auf die völlig übertriebenen und unangebrachten Beschlüsse des alten Parlamentes vom 29.09.2011 zurückkommt und die Armee anders ausrichten will, gegen das spontane und kurzsichtige Anreissen, bzw des Beschlusses kurz vor den Wahlen (damals ging es auch um die Finanzen, niemand wollte sagen, wie das Ganze bezahlt werden soll), des Hinwiler NR Zuppiger (im gleichen Ort wohnt BR Maurer und der Chef der Armee wuchs dort auf, man kennt sich, ist in der gleichen Partei, etc, Zuppiger ist SVP-Mitglied, zurzeit läuft eine Strafuntersuchung betreffend Unregelmässigkeiten in einer Erbschaftsangelegenheit), initierten Versuch, völlig über das Ziel geschossen, eine Armee mit 120’000 AdA (es waren dann 100’000 gemäss Parlamentsbeschluss im Sept 2011), mit 5.1 Mrd Fr (zusätzlich 800 Mio Fr mehr ab 2014 und zwar jährlich bis auf Widerruf in der fernen Zukunft…) und sofortiger Beschaffung von Kampfjets ab 2014/2015 durchzusetzen, vor den Wahlen am 23.10.2011, Beschlüsse des alten Parlamentes die von der Rüstungslobby, den Armee61-Fans und kalten Kriegern wider besseren Wissens im September 2011 geplant und angesichts der EU/NATO-Lage in Europa völlig quer in der Sipol-Landschaft stehen, nun, da endlich die finanziellen Konsequenzen zur Sprache kommen (heftige Sparprogramme von über 800 Mio Fr), das neue Parlament auf den ursprünglichen Beschluss zurückkommen will und wird: 80’000er Armee, 4.4 Mrd Fr, neue Kampfjets nach 2010 (als Ablösung des F/A-18 Hornet), sieht alles wieder neu aus, eine neue Ausgangslage. Die Absicht und das Ziel des Gesamt-Bundesrates ist vernünftig, sicherheitspolitisch vertretbar und glaubwürdig, es braucht weder 5 Mrd Fr für die Armee, keine 100’000er Armee und auch nicht sofort ein neuer Kampfjet (der in Schweden ab 2010 beschafft werden soll in einer Stückzahl von ca 60 – 80 Maschinen für ein Land das 11mal grösser als die Schweiz ist, Schweden hat 2012 eine Armeestärke von ca 60’000 Truppen bei 9.3 Mio Einw).
      In Israel, als westlich-demokratisches Land alleine im Nahen Osten, (8 Mio Einw, davon knapp 6 Mio Juden) bin ich selbstverständlich für eine grosse Miliz-Armee (ca 600’000 mobilisierte Truppen im Kriegsfall), aber doch nicht mehr in der Schweiz, wir leben hier im befriedeten und wirtschaftlich voll vernetzten Europa, bündnispolitisch seit über 50-60 Jahren gegenseitig verpflichtet, in Westeuropa gibt es in diesem Jahrhundert keine zwischenstaatlichen Kriege mehr, die Lehren aus den beiden Weltkriegen wurden gezogen, es waren zu grosse Blutbäder, mit Hass löst man keine Probleme, etc… Die Israelis würden sich wünschen sie könnten mit dem beschaulichen, friedlichen, ruhigen, satten, reichen Leben in der Schweiz tauschen, der langjährige Miliz-Militärdienst in diesem Land ist eine überlebenswichtige Notwendigkeit, im Gegensatz zur Schweiz, hier würde auch eine kleine professionalisierte Berufsarmee reichen, 23 Jahre nach dem kalten Krieg
      (wie in Irland, ebenfall neutral/allianzfrei, ca 10’000 Profis und 10 – 30’000 freiwillige Reserve): Armeebestand reduzieren, Wehrpflicht sistieren, international kooperieren!

    • E. Haas sagt:

      Schweden will den EF-Gripen (E/F-Gripen, auch als “NG” bekannt, also “Next Generation”, das Modell welches U. Maurer will) ab 2020, also in 8 Jahren beschaffen, die Schweiz darf somit an den Entwicklungskosten dieser “Blaupause” mitzahlen, Schweden will gemäss schwedischen Medienberichten und den Auskünften des schwedischen Armeechefs ca 60 – 80 Maschinen des Modells E/F beschaffen, bzw die bereits in der schwedischen Luftwaffe eingesetzten ca 200 C/D-Gripen auf den E/F-Standard aufrüsten, umbauen, kampfwertsteigern.

    • Hans Ulrich Suter sagt:

      @Haas: Hören Sie auf mit “es gibt keine europäischen Krieg mehr”. Das stimmt nicht! Und auch mit kreativer Geographie, wie Jugoslawien liegt nicht in Europa, oder es handelt sich um einen “innerstaatlichen” Krieg, wie wenn es keine neuen Staaten dort gegeben hätte. Den Opfern eines Krieges ist es übrigens egal ob sie in einem “innerstaatlichen” Krieg (wie Gutmenschen wie Sie anscheinend Bürgerkriege bezeichnen wollen). Bürgerkriege, wie zum Beispiel der 30jährige Krieg oder der Sezessionskrieg, sind v.a. dadurch berühmt dass es sehr viele zivile Opfer gegeben hat, im Gegensatz zu “normalen” Kriegen. – Frankreich, GB und Schweden haben letztes Jahr unter anderem die Flugzeuge gegen Libyen benutzt die Sie und Ihre Gesinnungsgenossen von der GSOA der Schweiz vorenthalten wollen. Mit schwachsinnigen Begründungen wie fehlenden Finanzmitteln und dies im gleichen Abschnitt indem Sie die Schweiz als reichstes Land der Welt bezeichnen. Uebrigens auf welchem Kontinent liegt Tschetschenien? Und wie oft wurde Irland von fremden Mächten besetzt? Kurz gesagt, wenn Ihre Einstellung sich durchsetzt wird es in kurzer Zeit keine Schweiz mehr geben und man ist dann besser in Israel (Ich werde dann schon in einem anderen Land sein, noch weiter weg…..)

  23. Fritz Kälin sagt:

    So wie der ehemalige SP-Präsident weiterhin für einen EU-Beitritt weibelt, geht Marathonläufer Haas nie die Puste aus, wenn er uns mit ‘Internationaler Kooperation’ anstelle von Eigenverantwortung ködern will.
    ‘Internationale Kooperation’ klappt zuweilen, zuweilen eben auch nicht, weshalb sie leider keine verlässliche Grundlage für Sicherheitspolitik darstellt. Internationale Kooperation im sicherheitspolitischen Bereich geht früher oder später mit bewaffneten Einsätzen in fernen Weltgegenden einher – es gibt nichts, was der Tradition unseres Staates (in seiner 1848er Form) stärker widersprechen würde.
    Und Herr Haas, hören Sie auf, die 50 Jährchen Frieden in Westeuropa allein auf plötzlich ach so vernünftige Staatsmänner zurückzuführen. Es gab eine nukleare Abschreckung die garantierte, dass im Kriegsfall jeder nur verlieren konnte.
    Nun könnte man auch die Schweizer Sicherheitsarchitektur ganz bequem 1:1 an die umliegenden Verhältnisse angleichen. Jede Architektur hat aber ihre Schwachstellen und wir wären somit an genau denselben Stellen verwundbar wie unsere Nachbarn. Die Schwachstellen des heutigen ‘Trends’ sind die, dass sie die europäischen Streitkräfte zunehmend auf die Rolle der Auslandeinsätze reduziert werden, dabei wird ‘der Westen’ an Einfluss zwangsläufig verlieren und damit auch an der ‘Berechtigung’, militärisch über seinen eigenen Raum hinauszuwirken. Diese Sicherheitsstruktur ist ausserdem höchst anfällig für Bedrohungen, welche die Sicherheitskräfte vor personalintensive Aufgaben stellen und die (innen-)politisch höchst heikel sind.
    Die CH kann es sich (da bündnisfrei) noch aussuchen, ob sie ihre Sicherheit ohne Not untrennbar an andere Anketten will oder ob sie stattdessen einen eigenen Weg geht, der komplementär zur Sicherheitsarchitektur von Resteuropa wäre. Wie wir wissen, können geopolitische Wetterlagen sich extrem schnell ändern und die Schweiz hat wiederholt erlebt, dass die grösste Bedrohung plötzlich genau von jenen Grossmächten ausging, die bislang indirekt für unsere Sicherheit gesorgt hatten.
    In einem EU-Europa, das an Demokratiedefiziten leidet und seine Sicherheit in die Hände einer verschwindend kleinen Kriegerkaste legt, wäre eine direktdemokratische Schweiz mit einer in der Bevölkerung nach wie vor verankerten Milizarmee nach wie vor eine Ausnahme. Ganz zu schweigen davon, dass Direkte Demokratie und Milizarmee untrennbar miteinander verbunden sind, worauf ich demnächst in einem separaten Eintrag ausführlicher eingehen werde. Nicht zufällig fordern immer diejenigen Kreise die Abkehr vom Milizsystem, welche auch unserer Direkten Demokratie überdrüssig sind…

  24. E. Haas sagt:

    @ F. Kälin und H.U. Suter:
    Können Sie sich einen Bürgerkrieg in der Schweiz vorstellen? Heute, oder in den kommenden Jahren bis 2020, bis 2030? Ich mir bei lebhaftester (kriegerischer) Fantasie effektiv nicht, sowenig wie die Schweiz in den vergangenen 164 Jahren keinen Bürgerkrieg mehr hatte gilt das auch für Europa mit der EU und der NATO, 67 Jahre nach Ende des 2en Weltkriegs, 23 Jahre nach Ende des kalten Krieges. Alle Regierungen, trotz Differenzen und unterschiedlichem Entwicklungsstand in Europa haben null Interesse ihre Jugend-Jahrgänge (die wir für die Renten-Umlangerungszahlungen brauchen) wieder in sinnlosen Schlächtereien à la 1er und 2er Weltkrieg zu verlieren, dieses sinnlose Leid, diese sinnlosen Blutbäder welche die europäische Geschichte so lange prägten, diese Einsicht ist klar vorherrschend, Konflikte werden heute, zum Glück, in Europa anders ausgetragen, auf jeden Fall nicht mehr mit Waffengewalt und wir dürfen unendlich dankbar sein in einem solch’ privilegierten Land wie der Schweiz leben zu dürfen und diese Schweiz darf und soll sich stärker einbringen bei der Linderung der grossen Notlagen in anderen Staaten und Kontinenten und zu weiteren Lösungen der globalen Herausforderungen aller Arten beitragen, ein Land mit 8 Mio Einw und einem BIP von ca 600 Mrd Fr hat dafür die Kapazitäten und das Personal. Und dafür reicht eine kleinere Armee die international kooperieren kann im Verbund mit anderen Staaten unter UNO-Mandaten, eine Armee die nicht mehr für den Grosskrieg auf dem europäischen Kontinent gerüstet sein muss, weil hier in Europa kein Krieg mehr stattfinden wird, wie man ihn sich unter Militär-Nostalgikern vorstellt.
    Und zudem haben Wehrpflicht-Armeen mehr Militärputsche und Staatsstreiche inszeniert als sogenannte Profi-Armeen (mehr darüber in meinem Beitrag zur “Anti-Wehrpflicht-Initiative” welche im Februar 2012 auf der Giardino-HP abgehandelt wurde).
    Und zu Ex-Jugoslawien, bzw dem Bürgerkrieg, nach dem 4-jährigen Gemetzel welches dann endlich 1995 von der NATO, im Verbund mit der UNO und der EU gestoppt werden konnte, 1999 wurde dann viel schneller und konsequenter interveniert seitens des westlichen Bündnisses (unter UNO-Mandat) im Luftkrieg gegen das nationalistische Serbien, ist doch heute interessant festzustellen, dass Slowenien und Kroation NATO-Mitglieder sind, Slowenien in der EU, Kroatien auf der EU-Warteliste, ebenfalls die anderen Staaten Ex-Jugoslawiens, welche ebenfalls die Doppelmitgliedschaft EU und NATO anstreben, ganz nach dem Motto: Sicherheit durch Kooperation und Mitgliedschaft, alle diese neuen Balkan-Staaten haben ihre Armeen nach dem Bürgerkrieg ebenfalls in Profi-Streitkräfte umgebaut, weil die Option Krieg auch in Südosteuropa keine Option mehr ist in der Zukunft und diese Staaten ihre militärischen Kompetenzen und Fähigkeiten klar auf eine NATO-Bündnisverpflichtung ausrichtung und für internationale Peacekeeping-Einsätze.
    Kroatien, Slowenien, Serbien unterhielten nach dem Zerfall Jugoslawiens 1991 grosse umfangreiche personalstarke Miliz-Heere bis ca 2005, seit dem findet ein sukzessiver Umbau in Richtung Berufsarmee mit freiwilligen Reserven statt (Miliz-Reservisten):
    – Slowenien / 2.1 Mio Einw / ca 8000 Berufsarmee plus kleine Reserve
    – Kroatien / 4.5 Mio Einw / ca 16’000 Berufsarmee plus kleine Reserve
    – Bosnien / 4.4 Mio Einw / ca 10’000 Berufsarmee (zusätzlich UNO/EU-Truppen zur Ueberwachung und Kontrolle)
    – Serbien / 7.6 Mio Einw / ca 20’000 Berufsarmee plus kleine Reserve
    – Mazedonien / 2.1 Mio Einw / ca 11’000 Berufsarmee
    – Kosovo / 2.0 Mio Einw / ca 3000 Berufsarmee (im Aufbau, zusätzlich UNO/EU-Truppen zur Ueberwachung und Kontrolle)
    Spannungen und Auseinandersetzungen – sporadisch aufflackerend – mag es zuweilen immer wieder geben, aber die De-Eskalationsfähigkeiten der neuen Generationen (Bevölkerung in diesen Staaten), zusammen mit der Kontroll- und Aufsichtsfunktion der UNO-Truppen in den beiden Staaten Bosnien und Kosovo verhindern den Ausbruch neuer flächendeckender Kriegshandlungen zwischen den Staaten, bzw neuer Bürgerkriege, die südlichen ehemaligen Teilstaaten des untergegangenen Jugoslawiens brauchen nun halt auch etwas mehr Zeit bis sich eine Zivilgesellschaft entwickelt hat (kulturelle und religiöse Gründe, griechisch-orthodox und muslimisch, etc), während der Norden, Slowenien und Kroatien, schon im ehemaligen Jugoslawien besser entwickelt und reicher waren als die südlichen Teilrepubliken), das fragile Verhältnis zwischen Bevölkerungen, Religionen und poltischer Kultur in Jugoslawien wurde ab 1989 mit der Machtübernahme des serbischen Nationalistenführers Milosevic willentlich und absichtlich vom serbischen Nationalismus und seinen Grossmachtfantasie-Plänen zerstört (“Gross-Serbien”).
    Und dieser einstige (serbische) zerstörerische, extreme Nationalismus findet in anderen Formen, aber ideologisch gleich geprägt, auch immer wieder unter anderen europäischen Staaten neue Anhänger, zuweilen bis fast 30% Wähleranteil… Zum Glück wurden diese Nationalisten-Brandstifter dann aber jeweils frühzeitig wieder aus dem Verkehr gezogen, bzw die meisten WählerInnen bemerkten ihren Irrtum und wandten sich von diesen hasserfüllten Nationalistenprogrammen wieder ab und diese Parteien verloren wieder an politischer Macht und ihr destruktiver Einfluss konnte eingedämmt werden.

    • Hans Ulrich Suter sagt:

      @Haas: Wie komme ich blos darauf mir einen Bürgerkrieg vorzustellen. Etwa weil die Schweiz wie das damalige Libanon ein prosperierender Vielvölkerstaat ist? Oder weil wir im Norden und Westen Nachbarländer haben, die es lieben Kriege anzufangen? Könnte es sein, dass die Schweizer ev. merken, dass ihr bisheriger Lebensstandard bei gleichzeitigem Abschalten von KKWs und importieren von ganzen deutschen Kleinstädten, sowie Asylbetrügern in Regimentsstärke nicht haltbar ist? Steigt ev. sogar die Arbeitslosenzahl? Sind eventuell immer grössere Anteile der Wählerschaft nicht mehr im Bundesrat vertreten? Ev. könnten gewisse Leute auch glauben, eine Armee die ihr Material konzentriert aufbewahrt, deren Luftwaffe keine Erdkampffähigkeit, deren Infanterie Panzer nicht abwehren kann und deren Artillerie kaum mehr Munition hat wahrscheinlich ein militärisch lösbares Problem ist? Würde dann Lady X (für Comic-Banausen: googeln unter Buck Danny) angreifen? Nein! Keine Panik! Sie wird schön warten bis die Schweiz die SchüPas verschrottet und die Armee in 80’000 Kindersoldaten verwandelt hat…also 2 Jahre….

    • Fritz Kälin sagt:

      Ich kann mir keinen Bürgerkrieg vorstellen – denn dazu bräuchte es auf beiden Seiten Leute, die für etwas zu kämpfen und sterben bereit sind. Herr Haas ist in seinem Gesinnungslager wohl einer der wenigen, der überhaupt noch Militärdienst leistet. Die meisten von ihnen haben sich ‘zivilisatorisch weiterentwickelt’ und sich um den Dienst foutiert. Sollen doch die Verlierer der Gesellschaft als Berufssoldaten ihren Kopf für eben diese Gesellschaft hinhalten… sie selbst müssen dringend Psychologie u.ä. studieren und können ihre kostbare Zeit auf Erden nicht 300 Tage lang damit aufhalten, sich in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen. Dafür protestieren sie für weniger Studiengebühren/ mehr Stipendien von jener Allgemeinheit, die ihr Studium durch reale Arbeit ermöglicht.
      Die Milizabschaffer selbst stellen für die Bewahrer einer Schweiz in Freiheit und Unabhängigkeit also keine militärische Gefahr dar. Gefährlicher wäre die Berufsarmee, welche sie der Schweiz bescheren wollen. Mit einer solchen wären wir genau falsch aufgestellt, wenn es darum geht, die unausweichlichen gesellschaftlichen Konflikte der kommenden Jahrzehnte friedlich zu meistern. Zu so einer Armee müssten die Undankbaren aber die Allgemeinheit erst einmal an der Urne überreden… dazu braucht es mehr, als nur seine eigenen Blogeinträge zu ‘liken’.

    • Hans Ulrich Suter sagt:

      @Kälin: Es braucht doch nur eine Seite die kämpfen will. Die andere darf sich auch abschlachten lassen, geht auch…Ist nicht schön funktioniert aber zum Beispiel im Sudan. Uebrigens um Infanteristen auszubilden braucht man maximal 7 Wochen, das wurde x-mal 1-1 durchgespielt und nicht 300 Tage, das war ein Unfug der alten Schweizer Armee, das wäre die eine mögliche Verbesserung der Armee61 gewesen, wahrscheinlich die dringendste.

  25. E. Haas sagt:

    Montenegro, hat sich 2006 friedlich von Serbien getrennt, fehlt in der obigen Aufzählung:
    0.750 Mio Einw / Berufsarmee mit ca 3000 Truppen

    • E. Haas sagt:

      Flugzeuge ja, aber die richtigen, ich habe nichts gegen neue Kampfflugzeuge, aber wenn schon, dann die richtigen Jets, ich bin auch gerne Besucher an Flugmeetings 🙂 Schweden hat 12 C/D-Gripen / Saab (die alte Version) in der Luftüberwachung über Libyen eingesetzt, Frankreich den Dassault Rafale, die Briten den Eurofighter Typhoon auch in direkten Kampfeinsätzen, alle Maschinen bewiesen ihre Kampffähigkeiten und sind valable Kandidaten als Nachfolger für den ab 2020 abzulösenden F/A-18 Hornet, aber sicher nicht vorher, im Fall des C/D-Gripens wäre es sogar ein Rückschritt gegenüber dem McDonnell Douglas / Boeing F/A-18-Hornet, dort soll die Schweiz nach schwedischen Berichten und den Beschaffungsplänen von BR Maurer die noch zu entwickelnde Version E/F-Gripen (bzw NG-Gripen, Next Generation) mitzahlen, diese “Blaupause” fliegt frühestens 2020, beschafft sollen sie aber für die Schweiz ab 2015, irgendwie besteht da ein Zielkonflikt… Die Schweiz kauft entweder alte Kisten (C/D-Version) oder zahlt die Entwicklungskosten für das neue E/F-Modell mit, das ist die Wahrheit und die Rechung nach oben ist wohl offen (à la Mirage-Skandal), besser man zieht vorher den Stecker raus, wie auch immer das ganze Gezerre um diesen Saab Gripen ausgeht, als TTE (Tiger-Teilersatz) ist er überflüssig, weil die 33 F/A-18 für die Luftpolizei-Missionen über der Schweiz vollkommen ausreichen bis 2020, besser wäre wohl jetzt einen Fond zu äufnen für die Beschaffung ab 2020 einer neuen Flotte von ca 40 Kampfjets (ca 4 Mrd Fr, allenfalls dann auch den F-35 Lightning / Joint Strike Fighter in Betracht zu ziehen, auch der Eurofighter Typhoon und der Dassault Rafale werden dann kampfwertgesteigert sein), zwischenzeitlich könnte das VBS ein paar neue Eurocopter Cougar Transportheli beschaffen, welche sich für rasche Truppenverlegungen bei Truppenmanövern oder Polizei-Einsätzen (Inland), in Auslandsmissionen (Peace-Keeping) und bei Naturkatastrophen im eigenen Land (aber auch im Ausland) bestens bewährt haben und die bestehende Flotte von 27 Maschinen (Cougar und Superpuma) könnte sinnvollerweise aufgestockt werden.
      Und zu Irland (EU-Mitglied, aber nicht in der NATO):
      Seit 1922 ist die Republik Irland unabhängig, war im 2en Weltkrieg formell neutral (mit mehrheitlicher Unterstützung der allierten, bzw britischen Waffenindustrien), unterhält eine kleine Berufsarmee mit 10’000 Truppen plus ca 10’000 freiwilligen Miliz-Reservisten und hat seit den 1950er Jahren über 40’000 irische Soldaten in UNO-Missionen eingesetzt, die Repbulik Irland wurde seit 1922 nie mehr von fremden Mächten besetzt, ist seit 1973 Mitglied der EU und die 4.4 Mio Einwohner in der irischen Republik fühlen sich offenbar gut genug geschützt durch ihre kleine aber angesehene Armee, die territorialen und politischen Differenzen mit Grossbritannien wurden im “Good-Friday”-Abkommen 1998 bereinigt und abgeschlossen (Grossbritannien, welches Irland über 500 Jahre lang beherrschte und unterdrückte).
      Anzufügen ist, dass die irische Luftwaffe keine Kampfjets fliegt und das Heer keine Panzerflotte unterhält (dafür ca 100 Piranha III – Radschützenpanzer und anderes leichteres Gerät), die Gesamtausgaben der irischen Armee betragen ca 1.2 Mrd Euro jährlich, die irische Lufthoheit wird teilweise durch die britische RAF geschützt und sichergestellt (bei Bedarf), da Irland selber nur Pilatus PC9 – Trainings / Kleinkampfflugzeuge hat, neben Transportmaschinen und Helikoptern und einer kleinen Marine (Schnellboote, Patrouillenboote, Transporter).

    • Y. Blau sagt:

      3 Mrd sind schon der Beitrag den potentielle Käufer von F-35 als Einstand an die Entwicklungskosten zahlen müssen. 4 Mrd würden nicht reichen für das Entprodukt und die USA haben schon im voraus festgehalten, dass der F-35 für die Schweiz nicht in Frage komme, wenn ich mich richtig erinnere. Die Eintypenlösung wäre an sich wünschenswert. Sie ist aber wahrscheinlich teuerer als der Vorschlag vom Bund. Die luftpolizeiliche Aufgabe auch nicht die einzige, welche Mittel benötigt. Es kommt dazu, dass jetzige Lösung auch industriepolitisch sinnmacht. So sehe ich das auf jeden Fall.

    • E. Haas sagt:

      Die Erstabnehmer-Nationen (mehrheitlich NATO-Staaten, aber auch Israel, Japan, Australien, etc) müssen sich an den Entwicklungskosten des JSF/F/A-35 Lightning beteiligen der ab 2015 in die Serienproduktion mit drei Varianten soll (klassische Air Force – Variante, eine Senkrechtstarter-Variante, eine trägergestützte Marine-Variante), der weltweite Bedarf für dieses Kampfflugzeug der 5en Generation wird auf ca 3000(+) Jets beziffert, die Schweiz wäre allenfalls ab 2020 ein weiterer Staat der dieses Flugzeug beschaffen könnte, ich meine das als Alternative zu den anderen zwei Konkurrenztypen welche auch ab 2020 im Angebot sein werden, kampfwertgesteigerte Varianten des Eurofighters Typhoon und des Dassault Rafale, ob der E/F-Gripen (Next Generation) jemals gebaut wird steht in den Sternen, da selbst die schwedische Regierung die hohen Entwicklungskosten scheut um diesen neuesten Typ der Gripen-Version ab 2020 in einer Stückzahl von 60 – 80 Maschinen zu beschaffen, aus diesem Grund auch sucht die schwedische Regierung die Kooperation der Schweiz um die Entwicklungskosten teilen zu können. Die schwedische Luftwaffe beschaffte ab 1988 den damals völlig neuen A/B-Gripen (Saab), welche im Verlauf der 1990er Jahre zur C/D-Version weiterentwickelt wurde, total wurden bis 1999/2000 ca 240 Gripen-Jets beschafft (A/B/C/D) für die schwedische Luftwaffe, zur Zeit sind in der schwedischen Luftwaffe nur noch die C/D-Versionen im Dienst, ca 100 Jets, die A/B-Versionen dienen als Ersatzteillager, soweit das möglich ist. Die Schweiz soll ab 2020 konsequent auf die Einflotten-Politik umsteigen, zwei Jet-Typen in der Luftwaffe zu unterhalten ist für einen Staat wie die Schweiz zu teuer, in jeder Hinsicht. Es geistern auch Pläne im VBS herum vorerst den C/D-Gripen ab 2015 zu mieten, zu leasen, und ab 2020 dann durch den E/F-Gripen zu ersetzen (sofern dieser dann einsatzbereit wäre), ich glaube aber kaum, dass dieser Schachzug Erfolg haben wird (politisch keine Chance), deshalb wäre es auch sinnvoll, die ganze Kampfjetbeschaffung auf 2020 zu verschieben und danach den F/A-18 Hornet (C/D) abzulösen durch die drei dann in Frage kommenden Maschinen: EF Typhoon, Dassault Rafale, F-35 Lightning. Die Schweiz hätte, statt 1977/78 den (untauglichen) F-5 Tiger E/F in einer Kurzschlusshandlung zu kaufen (ein Discountflugzeug, Schönwetterflugzeug, ein Flugzeug das von den USA für arme Drittwelt-Staaten angeboten wurde wo meistens schönes Wetter ist…), ab 1980 den damals neuesten Kampfjet F/A-16 Falcon beschaffen können, von diesem Typ wurden bis heute über 4500 Maschinen gebaut (in allen Varianten und er wird weiterbestellt, die Produktion läuft bis 2015 definitiv aus) und über 80% sind nach wie vor im Einsatz, nun, in solchen Fragen hatte die Schweizer Armeeführung selten eine glückliche Hand, ausgenommen der F/A-18 Hornet C/D, der erwiesenermassen ein vollwertiges und kampftaugliches Flugzeug ist (in allen gebauten Varianten), welches in unzähligen Kampfeinsätzen seine Robustheit und Zuverlässigkeit bewiesen hat (Erstflug 1978, in Serie ab 1982, beschafft von den USA, Kanada, Australien, Spanien, Finnland, Schweiz, Kuwait), die beabsichtigte Beschaffung des C/D-Gripens (als Uebergangslösung im Leasing) oder des E/F-Gripens stellt einen klaren Rückschritt dar und das kann es ja wohl nicht sein, dass die Schweiz ein Kampfflugzeug kauft, das technisch und leistungsmässig schwächer als der F/A-18 Hornet C/D ist…

  26. Alain Vincent sagt:

    Bürgerkrieg in der Schweiz? 1. Warum nicht? 2. Ab wann ist ein grösserer Radau ein Bürgerkrieg?
    Schauen Sie mal wie jedes Wochenende rumgesoffen wird, wie rumgepöbelt wird, wie die letzten Leute mit Zivilcourage verprügelt werden, körperlich behinderte Leute von Armleuchtern ausgeraubt werden, wie sich der Pöbel mit Demonstrationen im Feierabendverkehr lächerliche Denkmäler setzt, usw.
    Ausserdem ist es erschreckend, wie die Bürger vor dem Gesetz nicht mehr gleich sind. (q.e.d.)
    Angesichts dieser Tatsachen, und zumal keine Besserung in Sicht ist, kann davon ausgegangen werden, dass irgendwann vom Rechtsstaat verarschten Bürgern der Kragen platzt, oder auch mehr.

  27. Gotthard Frick, z. Zt. Beijing sagt:

    2. Beitrag aus Beijing (Dieser Artikel, inzwischen puntuell geändert, erschien schon letztes Jahr in ZEIT-FRAGEN)
    Das Problem der Schweiz –
    Minderwertigkeitskomplex und fehlendes strategisches Denken
    Mit der Hälfte der Bevölkerungszahl Pekings, ohne Rohstoffe und ohne direkten Zugang zum Meer gehört die Schweiz zu den weltweit führenden Wirtschafts-
    mächten. Mit den Alpentransversalen sind wir auch noch Besitzer eines Elementes von gesamteuropäischer strategischer Bedeutung und die Alpen sind ein militärisch relativ leicht zu haltendes Bollwerk. Und schliesslich haben wir ein grossartiges demokratisches System.
    Wir hätten also allen Grund, uns als selbstbewusstes, starkes Land zu sehen und unseren Nachbarn und der Welt gegenüber auch entsprechend aufzutreten (ohne gleich in Arroganz und Überheblichkeit zu fallen).
    Aber wir haben ein Doppelproblem, dass unsere gegenwärtigen Schwierigkeiten zu hause und in der Welt, unter anderem mit Deutschland betreffend den Flugplatz Kloten oder mit den USA und verschiedenen anderen Ländern wegen des Dauerbrenners Finanzplatz erklärt. Wir haben einen kollektiven Minderwertigkeitskomplex und sind offensichtlich unfähig, strategisch, d.h. langfristig und in grossen Zusammenhängen, zu denken.
    (Allerdings hielt der Verfasser das Geschäfts“modell“ des Finanzplatzes, dass fremden Staatsbürgern aktiv beim Betrug hilft, noch nie für ethisch vertretbar oder nachhaltig. Auch die aus dieser Branche kommende, zum Schweizer Selbstverständnis nicht passende Masslosigkeit und die teilweise Mutation zu einem für die Wirtschaft in keiner Weise nützlichen Spielcasino lehnte er schon immer ab. Das hat aber mit dem jeweils raschen Einknicken der Schweiz, z.B. mit dem Verzicht zu fordern, dass auch die USA ihre Steuerschlupflöcher schliessen, nichts zu tun).
    Der Minderwertigkeitskomplex drückt sich manchmal auch sichtbar aus. Wer erinnert sich nicht an das peinliche Bild von Bundesrat Merz, der den möchtegern Kavalleriegeneral Peer Steinbrück anhimmelte? Weniger aufgefallen, da nur in einer sehr kurzen Sequenz des Fernsehens sichtbar, aber deswegen nicht weniger sprechend und unannehmbar, war die Verbeugung der damaligen Bundespräsidentin Leuthard vor Präsident Sarkozy anlässlich ihres Besuches in Paris. Staatspräsidenten stehen auf der gleichen Stufe und verbeugen sich nicht. Wenn sich schon jemand hätte verbeugen dürfen, dann der Mann Sarkozy vor der Frau. Er hätte im Gegensatz zu Frau Leuthardt, damit nicht Unterwürfigkeit, sondern galante Manieren ausgedrückt.
    Dazu scheint, dass sämtliche Politiker, vom Bundesrat bis zu den Mitgliedern der eidgenössischen Räten unfähig sind oder keine Zeit haben, in grösseren Zusammenhängen zu denken. Nimmt sich der Bundesrat manchmal die Zeit, über die mögliche langfristige Weiterentwicklung der Welt zu diskutieren, die verschiedenen wahrscheinlichen und möglichen Szenerien und deren Auswirkungen auf unser Land in Betracht zu ziehen und darauf fussend die Gesamtstrategie festzulegen? Glaubt man Aussagen sehr prominenter ParlamentarierInnen, so haben unsere Volksvertreter schon lange keinen Überblick mehr. Jeder befasst sich mit seinen wenigen punktuellen Spezialthemen, ohne jeglichen Bezug zu einem Gesamtbild, und arbeitet darüber hinaus in erster Linie an seiner nächsten Wiederwahl. Weiter befinden sich die meisten Deutschschweizer Politiker ausländischen Gesprächspartnern gegenüber in einer Position der Schwäche, weil sich kaum einer mündlich gut ausdrücken kann (Gottseidank haben wir noch die Romands, die ihre Sprache beherrschen).
    Warum lassen wir uns z.B. von einem Nachbarn die Diskussion um ein punktuelles Thema aufzwingen, wie den Luftverkehr beim Flughafen Kloten, und verbinden es nicht mit dem grossen Thema des Verkehrs im Allgemeinen (Schiffsverkehr, Strassenverkehr, Luftverkehr, Eisenbahnverkehr, einschliesslich Streckenausbau auf deutscher Seite zur Aufnahme des Zusatzverkehrs durch den neuen Gotthardtunnel)? Warum schliessen wir alle diesbezüglichen Fragen nicht in ein allgemeines Verkehrsabkommen oder wenigstens in umfassende Verhandlungen ein, denen eine gesamtstrategische Zielsetzung zu Grund liegt? Im Rahmen von Verhandlungen liessen sich dann die Lärmbelastung und die Begasung der Bevölkerung z. B. in den Kantonen Uri und Tessin durch deutsche Lastwagen und Autos mit der Fluglärmbelastung der Bevölkerung Süddeutschlands aufrechnen. Man kann nämlich nicht nur den Luftverkehr einseitig einschränken.
    Es wird Zeit für eine Grundsatzdiskussion zum eidgenössischen Minderheitskomplex und der Unfähigkeit strategisch zu denken, sonst könnte die Zukunft unseres Landes noch schwieriger werden, als sie es wahrscheinlich ohnehin wird.
    Gotthard Frick, Bottmingen

    • Y. Blau sagt:

      Die Franzosen, die Deutschen und andere haben natürlich auch uns geholfen bei der Befreiung der Geiseln, als wir von dem Kriegsverbrecher Gadaffi erpresst wurden. Das sollten wir schon nicht vergessen. Was die Sprache angeht, wir haben mit dem Arpatin auch einmal eine sehr schöne Provancalvariante hier gesprochen. Wir müssten uns nicht schähmen.

  28. Gotthard Frick, z. Zt. Beijing sagt:

    Grüsse von Gotthard Frick aus Beijing 30.03.2012
    Mit der Schaffung einer Plattform, wo ausführlich über die Zukunft unserer Landesverteidigung debattiert werden kann,hat sich GIARDINO sehr verdient gemacht. Vielen Dank!
    Wir diskutieren Fragen von existenzieller Bedeutung für unser Land:
    Ist ein Krieg in unserer Umgebung in der näheren Zukunft denkbar oder nicht?
    Soll die Neutralität aufrechterhalten werden oder nicht?
    Wie soll die Landesverteidigung der Zukunft aussehen? (Solange die
    Neutralität Richtlinie unserer Aussenpolitik ist, sind wir im Kriegsfall verpflichtet,
    keine Partei zu begünstigen und müssen ihr die Benützung unseres Landes für
    ihre Zwecke verwehren. Das gilt auch für das Flugzeuge der NATO. Das alleine bräuchte schon eine glaubwürdige Armee.)
    Damit entscheiden wir darüber, ob möglicherweise zu einem unbestimmten späteren Zeitpunkt unser Land in einen Krieg gerissen , weitgehend zerstört und besetzt wird, geplündert wird, ob hundertausende von SchweizerInnen als Zwangsarbeiter oder Soldaten in fremden Diensten und Tausende hübscher junger Schweizerinnen als „Komfort“frauen für fremde Soldaten zwangsrekrutiert werden, ob für jeden von Schweizer Freiheitskämpfern erschossenen oder Verwundeten Besatzungsoldaten 100 bzw. 50 Schweizer Zivilisten als Geiseln erschossen werden. (Der von mir unter einem Kommentar zum „Geschichtlichen“ auf der gegenwärtigen GIARDINO-Webpage genannte Wehrmachts-General Böhme liess während der zweieinhalb Monate, während derer er Befehlshaber in Serbien war, aus diesem Grund 30‘000 zivile Geiseln erschiessen. In keinem, auch militärisch besiegten Land, kann man verhindern, dass sich freie BürgerInnen nicht als Sklaven unterwerfen, sondern weiterkämpfen.)
    Angesichts der existentiellen Bedeutung der Frage ist es verständlich, dass die Emotionen sehr hoch gehen. Wir dürfen auch deutlich sein. Aber wir sollten aufpassen, dass wir uns
    nicht hinreissenlassen, und diejenigen, die anderer Meinung sind, beleidigen. Gerade hier in China, wo es keine Diskussionskultur, sondern nur eine vertikale Einbahnstrasse nach unter zur Erteilung von Befehlen gibt, sehe ich, wie sehr wir unsere Diskussionskultur
    würdigen sollten (und sie auch mit einer starken Armee schützen sollten). Also: Warum soll Herr Haas eine schlechter Kompaniekommandant sein oder einge andere beleidigende Attribute haben, die ihm einzelne Diskussionsteilnehmer vorwerfen? Ich kenne ihn nicht und weiss nicht, ob er ein guter oder schlechter Kommandant ist, aber das hat mit seiner Stellungnahme zum Thema nichts zu tun, auch wenn wir anderer Meinung sind als er.
    • Nun zu den Thesen von Herrn Haas, der anscheinend auch an die „erdrückende deutsche Übermacht“ in der ersten Jahren des 2. Weltkrieges glaubt. Dazu nur ein Punkt: Frankreich hatte beim deutschem Angriffsbeginn wesentlich mehr und viel bessere Panzer, gegen die die deutschen Panzer im Gefecht keine Chance hatten : (Ich stütze mich im folgenden zum grossen Teil auf mein Buch: „Hitlers Krieg und die Selbstbehauptung der Schweiz 1933-1945“).
    Die Hauptschuld für den Ausbruch des 2. Weltkrieges tragen die Westmächte, vor allem Frankreich, die völlig defätistisch und demoralisiert, Hitler in allem nachgaben und ihn über-
    zeugten, dass sie auf keinen Fall militärisch antworten würden. Der deutsche Aussenminister, der eine Zeit lang Botschafter in England gewesen sein, versicherte Hitler, bevor dieser den Befehl zum Angriff auf Polen erteilte, England werde deswegen auf gar keinen Fall Deutschland den Krieg erklären.
    So nebenbei : Die Vorkriegszeit ist ein gutes Beispiel für den Wert von Allianzen für kleine Länder. Frankreich hatte sich vertraglich verpflichtet, sowohl der Tschechoslovakei beizustehen wie auch Deutschland anzugreifen, falls Deutschland Polen angreife. Trotzdem sagte es schon vor dem Krieg „Ja“ zur Zerschlagung der Tschechoslovakei durc h Hitler und unternahm während des ganzen Polenfeldzuges nichts.
    Es stimmt, die Zeit unmittelbar nach der schmählichen Kapitulation Frankreichs war die einzige wirklich gefährliche Schwächeperiode der Schweiz. Wegen des Dispositifs der Armee, das sich an Frankreich angelehnt hatte und jetzt von den Deutschen aus dem Raum Genf, also von hinten angegriffen werden konnte. Aber die Wehrmacht war gar nicht in der Lage uns anzugreifen. Sie hatte soeben sechs Wochen eines unaufhörlichen Kampfeinsatzes hinter sich, musste sich auffrischen, neu organsieren und umgruppieren. Sie musste die Millionen französischer Soldaten entwaffnen, in Kriegsgefangenlager bringen, die miliärischen Anlagen der Franzosen übernehmen etc.
    Kesselring, der spätere Generalfeldmarschall, der Kommandant der deutschen 2. Luftflotte (Deutschland hatte 2 Luftflotten und eine allgemeine Reserve), der später den meisterhaften Rückzugskampf der Wehrmacht in Italien im gleichen Stil wie der von General Guisan für die Schweizer Armee vorgesehene Abwehrkampf führte, schrieb nach der französischen Niederlage in sein Tagebuch: „Die Luftwaffe ist ausgepumpt. Sie hat nur noch 50%, zum Teil nur noch 30% ihrer Sollbestände“. Kein Wunder, hatte doch alleine seine Luftflotte schon nach Düngkirchen von ursprünglich ingesamt um die 1000 Flugzeugen deren 450 verloren. Die Luftwaffe – zwischen 1935 und 1939 von null an hastig aufgebaut, was sich bei der Pilotenausbildung und der Qualität der Flugzeuge rächte – verlor nicht nur in den Luftkämpfen mit der Schweiz fast 4 mal mehr Flugzeuge als die Schweiz selber verlor (11 deutsche gegen 3 Schweizer), auch die französischen Kampfpiloten schossen 3 mal mehr Deutsche ab, als sie selber verloren.
    Weiss Herr Haas, dass die Wehrmacht in Frankreich, in einem Gebiet von der Grösse und Topographie mit den Schweizer Alpen vergleichbar, eine empfindliche Niederlage erlitt? Die Deutsche Propaganda hat diese Niederlage natürlich nicht in ihre alles übertönende Siegesgetöse einbezogen, sondern einen Deckel darüber getan, sodass dieser Teil des Frankreichfeldzuges nicht ins allgemeine Bewusstsein eingedrungen ist.
    Ungefähr 2 Wochen vor der französischen Kapitulation hatte Italien auf der anderen Seite der Alpen Frankreich mit einer grossen Armee angegriffen. Sie blieb gleich an der französischen Verteidigung stecken. Nachdem die Deutschen schon im Süden Frankreichs waren, befahl Hitler der dortigen deutschen Armee, aus dem Raum Lyon die im Gebirge kämpfenden Franzosen in deren Rücken anzugreifen, dort durchzustossen und sich dann mit den italienischen Truppen auf der anderen Seite der Alpen zu vereinigen. Die Wehrmacht scheiterte kläglich schon an der Isère, die sie nicht überschreiten konnten. Die Franzosen hatten sämtliche Brücken, Tunnel und Engnisse auf beiden Seiten der Südalpen gesprengt und die französischen Gebirgstruppen wehrten tapfer kämpfend alle Angriffe der grossen Übermacht auf beiden Seiten der Alpen ab. Das Szenarion entsprach übrigens dem Szenario der meisten deutschen Angriffsplanungen gegen die Schweiz, laut denen die Deutschen aus Deutschland und Frankreich, und Italien gleichzeitig aus dem Süden angreifen sollte.
    Dazu kam noch ein anderes Problem der Deutschen: DieTruppen, die sie angesichts der Stärke der Schweizer Armee jeweils für einen erfolgereichen Angriff für nötig hielten, waren auch immer für andere Aufgaben vorgesehen oder bereits im Einsatz. In der gefährlichen Phase im Sommer 1940 musste die Wehrmacht einen Angriff auf die Schweiz planen (bekannt unter dem Decknamen TANNENBAUM). Der grösste Teil der dafür vorgesehen Divisionen war aber auch für den Angriff auf England eingeplant und einige hatten sich dafür schon in den Raum Calais veschoben. Übrigens riet der Autor von einem Angriff vom Bodensee das Rheintal hinauf auf ab, oschon ein solcher sehr erwünscht wäre, da dort die Schweizer Festungen und das Gelände zu stark seien.
    Herr Haas scheint der Meinung zu sein, die Schweiz hätte ohnehin keine Chance gehabt und wäre leicht zu besiegen gewesen. Die deutsche Offiziere, die die zahlreichen Angriffsstudien ausarbeiteten, aber auch die Generalstäbe der anderen Armee, auch die der Allierten, waren da anderer Meinung, obschon sie auch unsere Schwächen sahen. Die Schwächen waren das Resultat der bis zu Hitlers Machtergreifung in Europa praktisch unwidersprochene Meinung, ein neuer Krieg in Europa sei unmöglich und eine starke Armee unnötig (die Geschichte wiederholt sich). Eine glaubwürdige Armee kann nur über viele Jahre aufgebaut werden.
    Schon Anfang 1940 schrieb der damals weltberühmte amerikanische Journalist Shrier aus Berlin, die Armee der Holländer sei miserable und sie werde wohl eine leichte Beute Hitlers (was sie innert weniger Tage wurde). Aber in der Schweiz seien 10% der Bevölkerung unter den Waffen und das Schweizer seien bereit für ihr Land zu kämpfen. Er bezweifle deshalb, ob es Hitler wagen werde.
    Schon unmittelbar vor dem zweiten Weltkrieg hatte der französische Generalstab untersucht, ob sich ein Durchmarsch durch die Schweiz zur Umgehung der deutschen Front lohne. Er kam zum Schluss, es sei angesichts der Stärke und in Modernisierung befindlichen Schweizer Armee militärisch nicht vertretbar. Er meinte aus dem gleichen Grund, auch für Deutschland lohne sich ein Durchbruch durch die Schweiz zur Umgehung der französischen Front nicht.
    Auch der deutsche Generalstabschef untersuchte diese Frage. Er schrieb Anfang 1940 in sein Kriegstagebuch, ein Durchmarsch durch eine „unverteidigte Schweiz wäre eine verlockende Möglichkeit“, aber da sie verteidigt sei und auch das Gelände für Angreifer sehr schwierig sei, schloss er eine Umgehung aus, nicht nur für Deutschland, sondern umgekehrt auch für den französischen Feind.
    Die britische Joint Chiefs of Staff untersuchten zu Kriegsbeginn die Frage eines Durchmarsches durch die Schweiz durch eine der beiden Parteien ebenfalls und kamen angesichts des schwierigen Geländes und der bereits aufmarschierten Schweier Armee ebenfalls zu einem negativen Schluss.
    Hitler wollte kurz Kriege, weil er wusste, dass sich Deutschland lange nicht leisten kann. (Beim Angriff auf die Sowjetunion rechnete er mit höchstens 22 Wochen). Das drückte sich in allen deutschen Angriffsstudien auf die Schweiz so aus, dass gesagt wurde, die Schweizer Armee müsse so rasch als möglich im Mittelland geschlagen werden, damit sie nicht in die Alpen ausweichen und dort monatelang Widerstand leisten könne. Das hat General Guisan mit dem Réduit durchkreuzt, wo sich ab Sommer 1940 schon die Hälfte, im folgenden Jahr schon die ganze Armee, mit Ausnahme der Grenztruppen und der leichten Brigaden befand.
    Interessanterweise haben während des Krieges fast alle deutschen Angriffsstudien, Berichte von Botschaften aller Kriegsparteien und die Medien immer wieder an erster Stelle die immaterielle Werte als Stärken hervorgehoben, und immer wieder auf die Kampfbereitschaft des Schweizer Volkes hingewiesen. In der Angriffsstudie von General Böhme steht :, „Die Vaterlandsliebe der Schweizer ist auf denkbar höchster Stufe“ , unser Wehrsystem habe eine lange Tradition, unsere Schiessausbildung sei trotz des Milizsystems besser als die in den österreichischen Truppen, die 18 Monate ununterbrochen Dienst leisteten. Alle, auch die Alliierten schrieben immer wieder an vorderster Stelle, dass die Schweizer, falls angegriffen, kämpfen würden. Ist die Mehrheit der heutigen Schweizer, bei aller Weltoffenheit, noch solchen Werten verpflichtet?
    In einem allgemeinen Orientierungsheft der Wehrmacht zu Handen der deutschen Truppen aus dem zweiten Teil des Krieges steht, „Das Réduit ist eine schwer zu bezwingende Festung“ und in einem andern Informationsheft der Wehrmacht für die Truppen hies es Anfangs 1940: Noch nie sei die Schweizer Armee so stark gewesen.
    In einem Artikel unter dem Titel „Die Schweiz: Klein und zäh“ schrieb das US Magazin Time, während des Krieges, die Schweiz habe die zweitbeste Armee Europas (die beste war wohl die Wehrmacht).
    1943 schrieb General Böhme in seiner unfassenden Angriffsstudie, nur die „uneingeschränkte Inbesitznahme der wichtigen Nord-Südverbinungen…samt ihrer Stromanlieferung, beddeutet einen klaren militärischen Sieg über die Schweiz.“ Damit zeigte er, dass Guisans Réduit-Entscheid richtig war.
    Im Gegensatz zur Meinung von Herrn Haas schloss er seine Beurteilun der militärischen Stärke der Schweiz mit den Worten ab: „Die Bezwingung der sich erbittert verteidigenden Truppen im Hochalpenréduit wird eine schwer zu lösende Aufgabe darstellen.“ Mit Aufgaben, die nur schwer zu lösen sind, kann man bekanntlich auch scheitern.
    1944 blieben die Allierten 2 Monate lang an der deutschen Front in Frankreich stecken. An einer Konferenz in Moskau forderte Stalin die Westalliierten ultimativ auf, die deutsche Front durch die Schweiz zu umgehen. Beide lehnten sofort ab. Die US Joint Chief of Staffs untersuchten diese Option trotzdem, kamen aber aus militärischen Gründen zu einem negativen Schluss: „Angesichts der kleinen, aber anerkannt effizienten Schweizer Streitkräfte, die im eigenen Land kämpfen würden, wäre der Erfolg eines solchen Unternehmens zweifelhaft (im Origanltext: „doubtful“.)
    Nun zur Zukunft. Kann es in unserer Umgebung in der vorhersehbaren Zukunft einen Krieg geben?
    Von 1918 bis 1933 antwortete ganz Europa auf diese Frage mit „Unmöglich“. 1935 militarisierte Hitler, trotz internationaler Verträge, die ihm das verboten, das Rheinland. Die demoralisierten, defätistischen Westmächte, vor allem Frankreich, unternahmen nichts. Kurz darauf unterstützte er Franco im spanischen Bürgerkrieg mit Truppen und der Luftwaffe, wo die letztere den ersten Luftangriff der Geschichte gegen eine ganze Stadt flog. 1938 annektierte er Österreich und zerschlug er, wieder mit Zustimmung der Westmächte, die Tschechoslowakei und annektierte das Sudetenland. 1939 begann er mit dem Angriff auf Polen den 2. Weltkrieg. D.h. nur 6 Jahre, nachdem noch alle geglaubt hatten, ein Krieg sei in Europa unmöglich, brach er aus. So schnell kann es gehen.
    Herr Haas, wissen Sie, warum die Deutschen verzweifelt waren und dann für Hitler stimmten, der versprach, die Probleme zu lösen? 1923 hatten sie eine Hyperinflation durchgemacht, da die Druckerpresse der Notenbank, wie heute die der EU, soviel Geld druckte, dass sich die Mark so rasend schnell entwertete, dass die Läden täglich nur noch den Faktor an die Fensterscheiben klebten, mit denen man die Preise im Schaufenster multiplizieren musste. Ein Kilo Brot kostete z.B 100‘000 Mark (jawohl, hundertausend), am Tag darauf aber schon 250‘000. Die Deutschen verloren alle ihre Ersparnisse. Rentner konnten die Banknoten, in den die Rente bezahlt wurde, nur noch als Toilettenpapier benutzen. Kaufen konnte man damit nichts mehr. Kaum war das vorüber, kam die Weltwirtschaftskrise mit ihren Millionenheeren von Arbeitslosen.
    Um nur ein Beispiel eines grossen Problems unter vielen zu nennen, das zu sehr bedrohlichen Entwicklungen führen kann. Ich nehme an, das Schuldenproblem der westlichen Welt sei Ihnen bekannt (Die USA sind mit Schulden von 15‘000 Milliarden $ an der Spitze). Sehen Sie nicht, dass es gut möglich ist, dass das zu einem wirtschaftlichen Zusammenbruch ohnegleichen führt? Wie reagieren dann die verwöhnten Menschen in unseren Ländern, die seit 50 Jahren nur immer bessere Lebensumstände kennen, wenn sie alles verlieren sollten, ihre Ersparnisse und Pensionen nichts mehr wert sind, kaum mehr Stellen angeboten werden? Und brechen dann nicht alte, untergründig immer noch verhandenen Spannungen zwischen und innerhalb der europäischen Länder auf? Kann das nicht zu einer Radikalisierung führen, die wieder alles möglich macht, d.h. das ganze zerstörerische Potenzial frei macht, das der Mensch leider auch mit sich herumträgt? Haben wir dann noch Zeit, eine Armee aufzubauen?
    Sie werden sagen, als kleines Land können wir uns sowieso nicht verteidigen. Nach meiner Meinung kann kein Volk besiegt werden, dass bereit ist, sich ernsthaft zu verteidigen und das bereit ist, dafür die nötigen unglaublichen Opfer zu bringen (wie z.B. die Bevölkerung Leningrads, heute St. Petersburg, das im 2. Weltkrieg von der Wehrmacht drei Jahre lang erfolglos belagert wurde). Aber wir wollen gar nicht in einen Krieg gezogen werden, sondern wollen, dass unsere Armee so stark ist, dass sich ein Angriff auf unser Land wie im 2. Weltkrieg nicht lohnt. Das können wir erreichen.
    Dass das möglich ist, zeigen uns neben anderen die bitterarmen Afghanen, die seit Jahrhunderte nie Sklaven fremder Mächte waren und und die – was immer wir auch sonst von ihnen denken – seit vielen Jahren für ihre Lebensart kämpfen, ohne zu fragen, ob es nicht zu teuer sei, oder zu sagen, sie seien ohnehin ohne Chance gegen die mächtigste Militärmaschine der Weltgeschichte. Und jetzt hofft diese mächtigste Militärmaschine, auf dem Verhandlungsweg mit dem „Feind“, der keine Bereitschaft zur Kapitulation zeigt, einen einigermassen gesichtswahrenden Frieden zu erreichen.
    China hat mit allen auf der Meerseite gelegenen Nachbarn (Von Japan bis zu Indonesien) grosse territoriale Spannungen. In den letzten Monaten hat es in seiner Presse immer wieder mit an Deutlichkeit nicht zu übertreffenden Worten mit Krieg gedroht. Z.B „Die Länder (gemeint waren die im Südchinesischen Meer) müssten sich an den Lärm von Kanonen gewöhnen“, falls sie China nicht nachgeben, (konkret wurden als erste Ziele Vietnam und die Philippinen namentlich genannt). Oder. Obschon weder China noch die USA einen Krieg anfangen wollten, sei „ein militärischer Konflikt unausweichlich, falls…….“, dann werden die Gründe genannt , die dazu führen können, darunter die soeben besprochene territoriale Integrität Chinas. Da das beanspruchte Gebiete auch solche umfasst, die andere Länder als ihr nationales Territorium sehen und einige diese Länder mit den USA militärisch zusammenarbeiten, kann ein militärischer Konflikt zwischen China und den USA, vielleicht regional beschränkt, durchaus Realität werden.
    Darum findet gegenwärtig in der hiesigen Region ein Wettrüsten statt (ich zitiere damit eine englischsprachige chinesische kommunistische Parteizeitung, die das sagte und das auch mit konkreten Beispielen, z.B. mit Singapore, den Philippinen etc. untermauerte.).
    Angesichts der gewaltigen Lohn- und Preisunterschiede zwischen den USA und China dürfte dessen neues, erhöhtes Militärbudget kaufkraftmässig in etwa dem der USA entsprechen, obschon es in Dollars ausgedrückt nur etwa einem Sechstel des amerikanischen entspricht und damit massvoll aussieht. Herr Haas scheint diesem Irrtum unterlegen zu sein. (Das Zimmermädchen in meinem Hotel verdient rund 285 Franken im Monat, bei 6 Arbeitstagen und 2 Wochen jährlicher Ferien. Die Arbeiter, die die im Westen, d.h. die bei uns „abgebauten“ und nach hier verschobenen Arbeitsplätze besetzen, dürften so um die 250 Franken pro Monat verdienen. Aber die grosse Masse der Chinese verdient viel weniger. Gemäss einer soeben hier veröffentlichten Studie beträgt des monatliche Durchschnittseinkommen auf dem Land, wo immer noch die Mehrheit der Chinesen lebt, 85 Franken. Dagegen dürften die Soldaten der USA Monatsgehälter, Vorteile und Sozialleistungen genissen, die insgesamt wahrscheinlich mehr als 10-20 mal höher liegen, als die der fast 3 Millionen Chinesischer Soldaten. Auch die von China in Staatsbetrieben selber hergestellt Ausrüstung, vom Panzer bis hin zu Atombomben, Interkontinentalraketen etc. dürften ganz wesentlich billiger sein als die Kosten der Rüstungs- und anderen für die Streitkräfte produzierten Güter der USA ).
    Putin hat ja ohnehin schon eine massive Aufrüstung angekündigt und der russische Generalstabschef hat Ende letztes Jahr ganz offen über mögliche Kriegsszenarien geredet darunter auch in Europa (z.B. um die Rohstoffe der Arktis).
    Auf das Konfliktpotenzial im Mittleren Osten, und besonders um Iran, und die möglichen Weiterungen daraus, brauche ich hoffentlich auch alle vom ewigen Frieden überzeugte Leute nicht hinzuweisen.
    Ich sage nicht, es wird Krieg geben. Die von Herrn Haas genannten positiven Entwicklungen gibt es auch. Aber noch lange wird nichts endgültig sein. Wir alle hoffen, der Friede bleibe erhalten, wenigstens in Europa. Aber die andere Entwicklungsmöglichkeit kann leider nicht ausgeschlossen werden. Auf diesen nicht unwahrscheinlichen schlimmsten Fall müssen wir uns vorbereiten, um ihn – falls er trotz der Überzeugung von Herrn Haas eintreten sollte – von unserem einmaligen Land fernzuhalten.
    Ich hoffe, wir Schweizer wachen noch rechtzeitig auf!
    Jetzt will ich mich wieder dem Erlernen der chinesische Sprache zuwenden.
    Freundliche Grüsse aus Beijing!
    Gotthard Frick

  29. E. Haas sagt:

    Werter Herr Frick
    Ihre Analyse betreffend der Lagebeurteilung durch die deutsche Wehrmacht (im Sommer 1940 ca 4 Mio Truppen, im Sommer 1941 waren es 6 Mio, im Herbst 1944 waren es dann 9 Mio) während des 2en Weltkriegs trifft sicher zu. Fakt ist aber auch, dass die Schweiz im Juni/Juli/August 1940 am stärksten durch “Grossdeutschland” (ca 70 Mio Deutsche, ca 7 Mio Oesterreicher, ca 3 Mio Sudeten-Deutsche, ca 2-3 Mio “Volksdeutsche”, total ca 82 Mio “Grossdeutsche”, hinzu kamen noch ca 10 Mio Tschechen und 20 Mio Polen welche brutal unterdrückt und vollständig ins “grossdeutsche” Reichsgebiet eingegliedert wurden ab 1939) bedroht war und es damals noch kein Réduit gab – dieses wurde im Sommer 1940 als neue Vtg-Doktrin definiert – die Armee mehrheitlich im Mittelland aufgestellt war und anschliessend zu 70% demobilisiert werden musste für die überlebenswichtige Erntezeit (Männer und Pferde), diese von den Historikern als “Juni-Krise” (1940) bezeichnete schwierige Lage war die Zeit der grössten Gefahr und die Schweiz hatte in vielerlei Hinsicht Glück diese Phase des Krieges schadlos zu überstehen und es ist auch klar, dass die CH-Armee damals einen gewissen Einfluss auf die deutsche Lagebeurteilung betreffend eines Angriffs auf die Schweiz hatte, aber nicht matchentscheidend war auf eine Invasion der Schweiz zu verzichten. Auch Schweden (6 Mio Einw) war vom Nazi-Reich bedroht und hatte seine Miliz-Armee (ca 700’000) aufgeboten, interessanterweise führte dies in Schweden nicht zur nachfolgenden Blockade-Gesinnung nach dem Krieg (wir genügen uns selbst und wir sind die Allerbesten, der “Sonderfall” Schweiz nachher quasi zur staatstragenden Doktrin erklärt wurde, was dann auch bis 1989 recht gut funktionierte bis zum Ende des Sowjet-Imperiums, des “Evil Empires”, welches die Bedrohung durch Deutschland nach 1945 für die nächsten 44 Jahre bzw 46 Jahre ersetzte, 1989/1991). Die Ausrüstung der CH-Armee im Sommer 1940 war für die Wehrmacht keine Herausforderung und wenn von 450’000 AdA dann nur noch ca 100’000 im Dienst sind, die anderen für die Ernten abkommandiert, dann wäre dieser mögliche Krieg zwischen der Schweiz und Deutschland im Sommer 1940 eine kurze Angelegenheit gewesen, machen wir uns in dieser Hinsicht nichts vor, wenn selbst Frankreich (41 Mio Einw) mit mehr Truppen (4.5 Mio Sdt), Panzern, Artillerie (aber mit der statischen/unbeweglichen Kampfführung des 1en Weltkriegs), aber weniger Flugzeugen im Mai / Juni 1940 innert 6 Wochen von der Wehrmacht besiegt worden ist (verstärkt durch das britische Expeditionskorps in Nordfrankreich, ca 350’000 Truppen, UKGB ca 47 Mio Einw), nebenbei noch Belgien (8 Mio Einw), Luxemburg (0.3 Mio Einw), die Niederlande (8 Mio Einw) besetzt worden sind im gleichen Zeitraum, im Monat zuvor Dänemark (3 Mio Einw) und Norwegen (3 Mio Einw) angegriffen und besetzt wurden.
    Jugoslawien (16 Mio Einw), ca 9mal grösser als die Schweiz, wurde im April / Mai 1941 innert 2 Wochen niedergeworfen und die deutsche Kriegsmaschine setzte ihren Eroberungsfeldzug bis nach Griechenland fort. Wie stark die strategische Ueberdehung der Wehrmacht damit wurde kam dann im Ostfeldzug zum Ausdruck (UdSSR 1941 ca 196 Mio Einw), als diese vor Moskau im Dez 1941 eine erste schwere Niederlage erlitt und sich danach nicht wieder erholen konnte, gleichzeitig noch den U.S.A. (ca 135 Mio Einw) den Krieg erklärten, obwohl das Jahr 1942 die grösste geographische Ausdehnung des deutschen Machtbereichs bedeutete (Europa, UdSSR bis zur Wolga, Nordafrika), war der Dezember 1941 ein erstes Anzeichen, dass der Krieg mit der Niederlage Grossdeutschlands enden könnte. Aber zurück zur CH-Armee im 2en Weltkrieg, nach dem Rütli-Rapport begann der rasche Aufbau des Réduits (Alpenfestungen), ab 1943 war dann auch für die deutsche Führung endgültig klar, dass eine Invasion der Schweiz zu viele Wehrmacht-Kräfte binden würde um die helvetische Alpenrepublik zu besetzen.
    Seitens der Kreise, welche die Rolle der CH-Armee während des 2en Weltkriegs als einzigen Faktor für das schadlose Ueberstehen des Krieges überbetonen, verwechslen eine glückliche Fügung mit “strategischem Können”.
    Etwas mehr Demut, mehr Anerkennung von Fakten, weniger Glorifizierung und Verherrlichung einer “unbesiegten” CH-Armee, welche die Schweiz vom Elend des 2en Weltkriegs verschont haben soll, würde uns Schweizern schon anstehen, es waren nicht militärische Gründe, warum “Grossdeutschland” auf die Invasion der Schweiz verzichtete (diese Untersuchungen fanden im Nachgang der Ereignisse um die “nachrichtenlosen Vermögen” statt, dort wurde die Lage der Schweiz, ihre Ueberlebensstrategie, in einer umfassenden und offenen Auslegeordnung neu angeschaut und beurteilt), sondern primär wirtschaftliche Interessen und es besteht auch kein Zweifel, dass nach einem Sieg Nazi-Deutschlands im Osten (Niederwerfung der Sowjetunion, Genozid an Juden, Slawen, etc, der “Generalplan Ost” des Nazi-Regimes plante die Ermordung von ca 50 Mio Menschen (Verhungern, systematische Tötung), die Umsiedlung (meistens zum Verhungern vorgesehen) und oder Versklavung von weiteren ca 100 Mio vor…), auch die Schweiz (exklusive Tessin und Südbünden welches von Italien (43 Mio Einw) beansprucht wurde) annektiert worden wäre. Da diese Genozid-Pläne auch bei den Allierten teilweise bekannt waren wurde alles gegeben, totale Mobilisierung, totaler Kriegseinsatz, um das Nazi-Regime militärisch zu besiegen und Deutschland restlos niederzukämpfen und zu besetzen, whatever it takes! Zum Glück für unsere Vorfahren, bzw die 4.2 Mio Einw der damaligen Schweiz (und die ca 200’000 Internierten, die Flüchtlinge, die helvetische jüdische Bevölkerung von 15’000 Menschen in der Schweiz, etc), wurden sie vom Krieg verschont, obwohl das alltägliche Leben sonst schon schwer genug und hart war, aber doch nicht zu vergleichen mit den härteren, unmenschlicheren Bedingungen unter der deutschen Besatzung in den meisten besetzten europäische Staaten, in denen in allen Formen passiver und aktiver Widerstand gegen das Nazi-Regime und seine Vasallen geleistet wurde (unter teils extrem hohen Opfern).

  30. Gotthard Frick, z. Zt. Beijing sagt:

    Beijing, 31.03.2012 sehr geehrter Herr Haas,
    danke für Ihre ausführliche Antwort. In einer schriftlichen Debatte kann man nicht alle Argumente einbringen, sonst muss jeder ein Buch schreiben.
    Ich bin auch schon alt genugt um zu wissen, dass es in der Welt kaum nur Schwarz-Weiss Situationen gibt. Das Überleber der Schweiz im 2. Weltkrieg war sicher nicht nur der Armee zu verdanken, ober ohne sie, wären wir mit Sicherhiet angegriffen worden. All die Vorkommnisse, die Sie erwähnen, finden sie auch in meinen, in meinem Beitrag erwähnten Buch. Der erste Hauptteil ist dort dem wirtschaftlichen Überlebenskampf gewidmet. Aber da wir hier über die militärsische Landesverteidigung reden, habe ich die wirtschaftlichen Argumente nicht erwähnt.
    Deutschland, aber ebenso die Allierten, waren sehr an Rüstungs- und anderen kriegswichtige Gütern der Schweiz interessiert. Die Schweizer Lieferungen waren für Deutschland ein sehr wichtiger Faktor im Entscheid, ob die Schweiz angegriffen werden soll oder nicht. Aber das die kampfbereite Armee auch ein entscheidender Faktor war, steht ausser Frage.
    Was die entlassenen Wehrmänner und die daraus abgeleitete Schwäche der Armee betrifft: In einer der Angriffsstudien, im Auftrag der in Frankreich stationierten deutschen Armee ausgearbeitet, warnte deren Autor ausdrücklich davor, nur von der Zahl der jeweils unter Waffen stehenden Schweizer Soldaten auszugehen, sondern fordert, mit dem Gesamtbestand der Armee zu rechnen, da die entlassenen Wehrmänner sofort wieder kampfbereit seien.
    Zu Griechenland: Es reicht nicht darauf hinzuweisen, dass Griechenland von Deutschland rasch bezwungen wurde. Das gibt ein völlig falsches Bild. Als Deutschland aus Bulgarien Griechenland angriff, war es schon seit fast einem halben Jahr im Krieg mit Italien. Es hatte die angreifende italienische Armee bis weit nach Albanien hinein zurückgetrieben und dort blieb Italien stecken, bis Deutschland auf der anderen Seite des Landes, über Thessalonik, angriff. Das Gros der griechischen Armee war deshalb gar nicht dort. Churchill sagte, nachdem Griechenland nach SECHS Monaten kapitulieren musste: “Von jetzt an werden wir nicht mehr sagen, dass die Griechen wie Helden kämpften, sondern das Helden wie Griechen kämpfen”.
    Und die Finnen? Deren sozialdemokartischer Premiminister sagte noch kurz vor dem sowjetischen Angriff stolz, er habe kein Geld für Waffen “verschwendet”. Am Tag des sowjetischen Angriffs, trat er zurück und 200’000 Finnische Soldaten, nur mit Infanteriewaffen ausgerüstet, hielten der grossen Roten Armee vier Monate lang Stand.
    War das möglicherweise der Grund, warum Finnland als einziges der von der UdSSR besiegten Länder seine Regierung und sein demokratisches System behalten konnte? Stalin hatte, wie für alle anderen Länder, die er in den Ostblock eingliedern wollte, bereits eine kommunistische finnische Exilregierung bereit gestellt, diese aber nach dem Waffenstillstand mit Finnland aufgelöst.
    Ich glaube, wir müssen hier abbrechen.
    Vieleicht können wir uns nach meiner Rückkehr in die Schweiz mal treffen und ausführlich diskutieren. Falls Sie interessiert sind, können Sie mir auf meine chinesische Handynummer ein SMS schicken. Hier die Nummer: 0086 134 3978 3732.
    Mit freundlichen Grüssen Gotthard Frick

  31. Hans Ulrich Suter sagt:

    Lieber Herr Frick, vielleicht sollten Sie noch nachtragen, dass besagter Franz Böhme in Serbien eingesetzt wurde (1941), also durchaus “hands-on experience” gehabt hat mit sich verteidigenden Bergvölkern. Seine Methoden das Problem zu lösen (Erschiessungen von Zivilisten) haben dann auch zu seiner Verurteilung geführt, mit anschliessendem Selbstmord. Er ist sicherlich kein Mann der mangelnden Enthusiasmus zeigen würde, wenn er einen positiven Verlauf eines Angriffes auf die Schweiz auch nur vermutet hätte.

  32. H. R. Meyer sagt:

    Verkommt Giardino zum historischen Seminar mit den Kontributoren Suter/Kälin/Frick/Haas?
    Gibt es nichts bessers als sich gegenseitig zu belehren?
    Ich würde lieber wissen, wie das mit der Strafanzeige bezgl. Vernichtung der Spz weiterläuft oder war das alles nur warme Luft?

  33. Gotthard Frick, z. Zt. Beijing sagt:

    Beijing, 2.04.2012 Sehr geehrter Herr Hans Ulrich Suter. In meiner Stellungnahme vom 30.03.2012, 14.15 Uhr, hier oben habe ich den Einsatz Böhmes und seine Geiselerschiessungen schon erwähnt. Zum Deutschen Angriff auf Jugoslawien: Jugoslawvien hatte eine grosse Armee, aber war aus innenpolitischen Gründen nicht zum Kampf entschlossen. Es hatte ja noch kurz vorher mit Deutschland einen Pakt abgeschlossen. Linke Massenorganisationen stürzten die Regierung und schlossen eine Pakt mit der Sowjetunion ab. Das war der Grund für Hitlers Angriff. Im ganzen Feldzug in diesem grossen Land und dem schwierigen Gelände, das einen entschlossenen Verteidiger begünstigt hätte, verlor die Wehrmacht nur etwas mehr als 100 Soldaten. Dagegen hat später Marschall Tito mit seiner Partisanenarmee das Land aus eigener Kraft befreit.(Ich kann hier nicht mein ganzes Buch “Hitlers Krieg und die Selbstbehautpung der Schweiz 1933-1945” zitieren, wo all das drin steht).

  34. Hans-Ulrich.Suter sagt:

    Dann entschuldige ich mich das überlesen zu haben. Ich werde mir aber als Entschuldigung ihr Buch beschaffen und nochmals mich etwas mit der Wehrmacht in Griechenland beschäftigen, bis jetzt habe ich nur eine schwache Erinnerung daran, dass die Luftlandung in Kreta anscheinend sehr verlustreich war (Es ist wahrscheinlich eine dumme Idee eine Luftlandung auf einer gebirgigen Insel zu machen, aber keine auf dem Flachland (England))

  35. Gotthard Frick, z. Zt. Beijing sagt:

    H.R.Meyer hat Recht. Es hat gar keinen Sinn, hier diese Debatte über die Vergangenheit zu führen. Die Frage ist ganz einfach. Sie geht viel tiefer und hat an sich mit der Ausrüstung und Grösse der Armee nichts zu tun:
    Sind wir noch ein freies Volk oder nicht, bereit – ohne zu fragen, was es bringt – für unser einmaliges Land, falls angegriffen, mit allem was es bedeutet, zu kämpfen?
    D.h. Tod, Verstümmelung, riesige Zerstörungen in Kauf zu nehmen und schon vorher grössere finanzielle Opfer für den Aufbau einer glaubwürdigen Kampfbereitschat zu bringen?
    Alles weitere ergibt sich dann aus der Antwort auf diese Frage.
    Wie die Chancen der Schweiz gegen Hitler gesehen werden,ist auch direkt mit der Antwort verbunden, die sich jeder selber auf die obige Grundfrage gibt.
    Kurz zusammengefasst: Wer ist ein freier Mensch und wer hat sich bereits schon unterworfen, und sucht nur noch nach Begründungen für die vorausschauende Kapitulation (oder die sofortige Niederlage im 2. Weltkrieg).
    Freundliche Grüsse von Gotthard Frick, immer noch aus Beijing.

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