Die Armee war gleichsam heilig

Die Armee war gleichsam heilig

Gespräch mit Nikolai Prawdzic. Über den Versuch, die Schweizer Streitkräfte abzuschaffen, den Einfluß der Waffenlobby und die Einbindung des Landes in geheime NATO-Netzwerke
Lesenswertes Interview aus Deutschland auf jungewelt.de

 

Kommentare: 1

  1. peter panter sagt:

    …in der Tat ein lesenswertes Interview und in sich interessant widersprüchlich.
    Wie Nikolai Prawdic unkritisch die “Partnership for Peace” mit der seit dem Niedergang der UDSSR und damit des Warschauerpakts obsoleten NATO erwähnen kann, ist mir ein Rätsel. Vielleicht fällt er auf den semantischen Trick mit dem Frieden in der Bezeichnung dieser quasi Junior-Mitgliedschaft bei einer Organisation hinein?
    Vielleicht hat er, der zu meinem noch grösseren Erstaunen unterschwellig Verständnis zeigt für die Bereitschaft gewisser linker Kreise, die unsäglichen, auf Lügen aufgebauten NATO-Interventionen in Ex-Jugoslawien zu unterstützen, noch nicht gelesen, dass eben die Lügen, mit denen ein Krieg gegen Serbien vom Zaun gebrochen wurden, längst ans Tageslicht gekommen sind. (Ich weiss, ich weiss, in den qualitätsfreien, deutschsprachigen Medien, die vor gut 20 Jahren sogar mal freie Qualitätsmedien waren, wird dies geflissentlich unterschlagen).
    Stört den Volksinitiativen lancierenden Demokraten nicht, dass ein Vertragswerk wie die Partnership for Peace nicht dem Volk vorgelegt wurde? (Würde mich mal dafür interessieren, wieviele Schweizer Bürger überhaupt wissen, dass “man” seit 1996 Juniormitglied einer Organisation ist, die sich, angefangen mit EX-Jugoslawien, jüngst Libyen und nun Syrien, einen feuchten Kehrricht um das Völkerrecht kümmert?
    Ist Prawdzic sich dessen bewusst, dass mit einer Abschaffung der Wehrpflicht ein Abweichen von einer Neutralitätspolitik nur umso leichter wird? Was zum Teufel machen sich Grüne und (vermeintliche!!!) Linke für Gedanken, die selber natürlich ebensowenig wie ich FREIWILLIG in der Armee dienen würden, wenn sie den Standpunkt vertreten, die Schweizer Armee müsse vermehrt an “humanitären” Einsätzen teilnehmen (dabei gehe ich von einem Gutheissen der “responsibility to protect”-Doktrin der NATO aus)?
    Wer will denn allen Ernstes in Zeiten, in denen wir nicht weit davon entfernt sind, dass alle unsere Nachbarn in N, S, W und E plötzlich KRIEGSparteien sind, die Wehrpflicht abschaffen, vom Fernziel, die Armee abzuschaffen mal ganz zu schweigen? (Dann nämlich, wenn die von den USA, Frankreich, dem UK, der Türkei sowie Katar und Saudi-Arabien, diesen wahrhaftigen Leuchtfeuern von Demokratie und Menschenrechten, von aussen finanzierte und gesteuerte Aggression gegen Syrien eskaliert, die von den Medien hierzulande fast ausschliesslich als “Bürgerkrieg” verkauft wird)
    Man muss sich die “Responsibility to protect”-Doktrin der NATO mal ohne Scheuklappen vor Augen führen, vielleicht am Beispiel Libyen: Da werden vom UK aus Organisationen wie jene des berüchtigten Abdel-Hakim Belhadj, die zuvor sowohl vom britische Home Office wie von amerikanischen Behörden als terroristische organisationen gelistet wurden (“maghrebinischer Arm der Al-Kaida”) plötzlich zu willkommenen Freiheitskämpfern, denen man alle Untersützung, von Finanzierung über Bewaffnung bis Nachrichtendienst angedeihen lässt. Und flugs, im wahrsten Sinne des Wortes wird die libysche Zivilbevölkerung in 10’000en Einsätzen zu mehr als 140’000 Opfern von humanitären Bomben. Ghadafi wurde ermordet, mit hoher Wahrscheinlichkeit im Auftrag der DGSE und Frau Clinton erblödete sich zu einem degoûtanten “we came, we saw, he died”. Als Folge dieses “humanitären” Eingreifens ist Libyen ein stetig wachsendes, blutiges Chaos – aber das wird von den hiesigen Medien weitgehend übersehen und wenn nicht, dann werden die eigentlichen Verantwortlichkeiten dezent ausgeblendet. Wer nun glaubt, ich sei ein Freund Ghadafis, ist schlicht ein Crétin!
    Ist es das, an dem sich die Schweizer Armee beteiligen soll? Stöhn….
    Da erscheint mir eine (zu?) grosse Milizarmee, die in Friedenszeiten wie ein versoffener Laueribetrieb daherkommt viel zweckgerechter! (ich entschuldige mich bei jenen, die ihre mindestens 300 Diensttage (ich hab’306;-)) anders erlebt haben – im Verteidigungsfall gäbe es wohl kaum mehr so viel Leerlauf)
    Und ja, ich bin froh, dass diese Milizarmee nicht freiwillig ist, auch wenn eine Freiwilligkeit mir persönlich meinen Militärdienst erspart hätte. Und hoffe nicht nur, sondern werde mich auf dafür einsetzen, dass das Milizprinzip erhalten bleibt.
    Wer ohne Scheuklappen und Ideologie die Möglichkeiten erwägt, die sich aus einer Abschaffung der Wehrpflicht in der Schweiz in Sachen – sagen wir mal vorsichtig – internationaler, militärischer Vernetzung ergeben, muss sich fragen, ob sich Pazifisten wie Prawdzic der Möglichkeit bewusst sind, dass sie nur nützliche Idioten einer ganz anderen als neutralen und pazifistischen Agenda sein könnten.
    Die GSoA-Leute sollten sich mal ebenso wie ihre Gegenseite Gedanken machen, was für eine Agenda dahinterstecken könnte, wenn plötzlich Berufsoffiziere unter dem Beifall ihrer Vorgesetzten sich in Unterstützer der Abschaffung der Wehrpflicht wandeln…
    Meiner bescheidenen Meinung nach müsste ein wahrer Pazifist die militaristische Pille des Milizsystems schlucken, dafür aber eine Volksabstimmung über den Rückzug aus fragwürdigen Vertragswerken wie eben der PfP fordern und sich UNBEDINGT auf die Seite des Völkerrechts stellen.

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