Die finnischen Streitkräfte als Benchmark für die CH Armee

Die finnischen Streitkräfte als Benchmark für die CH Armee

Vergleiche mit der Schweiz
Leider  sind für die Schweiz nicht alle sinnvollen Grössen sofort verfügbar. Insbesondere für die Schweiz ist noch zu vieles im Fluss und schwer zu ermitteln. Für ein neues Armeemodell könnte sich Giardino vorstellen, dass zunächst im Sinne einer Top-down Betrachtung vergleichbare ausländische Armeemodelle herangezogen werden und da drängt sich Finnland auf. Dessen Bedrohungsanalyse müsste höchstens leicht angepasst übernommen werden können. Finnland hat Kriegserfahrung, eine lange Wehrtradition und ein hohes sicherheitspolitisches Selbstvertrauen. Finnland ist zwar EU – Mitglied, nicht jedoch Mitglied irgendeiner Verteidigungsallianz (NATO). Es ist überzeugt, seine Verteidigung selber darstellen zu müssen. In diesem Sinne drängt sich Finnland als eine Benchmark auf. Wichtig ist, dass die finnischen Streitkräfte vom eigenen Bürger und vom Ausland respektiert werden.

Element Finnland Schweiz
Bevölkerung 5,3 Mio E (2009) 7,6 Mio E
Fläche 338’145’000 km2 42’000 km2
BIP (USD pro Kopf) 44’492 67’560
Vtg.-Ausgaben 3 Mia CHF (2010?) 4,5 Mia (gem. AB, 2009)
Bestände erfasst 2010 430’000 Mann 174’000 Mann
Militärdienstage ca. 8 Mio. ca. 6,5 Mio.
Mil. Berufspersonal 9000 ?
Ziviles Personal 4000 (+?) 9000 (VBS, V-Bereich)
Mobilisierbar, ausger. 350’000 80’000 *)
Davon Army/Heer 285’000 *)
Davon Navy 30’000 keine
Davon Airforce/LW 35’000 *)
Heer Kpz 230 (T-55, T-72. Leo2) 134 Leo2 (2011)
LW Jäger 64 F/A-18 C,D 33 F/A-18 C,D, 54 F-5 E/F
LW Erdkämpfer 57 Hawk** keine

*) Weiss niemand genau
**) davon 20 Stück geliefert durch die Schweiz 2003 mit gehörigem ET-Paket und 1 Simulator (ex. Stao Emmen).
Finnlands Army kennt auch ortsfeste Truppen (Territorial Forces) die einfache Kampfaufträge ausführen können. Frei verfügbare Truppen (Operational Forces).
Die Allgemeine Wehrpflicht  wird in Finnland aus staatspolitischen Gründen nicht diskutiert! Geübt wir nur Verteidigung (wer das kann, kann auch alles andere!).
Das “Finish White Paper” beinhaltet zusammenfassend das, was bei uns Sipol Bericht und Armeebericht heisst und ist ein Papier der gesamten Regierung, nicht nur des Verteidigungsministeriums.
Zusammenfassung
Verglichen mit Finnland macht sich die Schweiz ihre Verteidigungsanstrengungen zu leicht. Finnland betreibt mindestens so komplexe wehrtechnische Systeme wie die Schweiz. Man ist sich nicht zu schade, auch älteres Material (z.B. T-55) noch einsatzbereit zu halten. Die Verteidigung von Finnland scheint jedenfalls effizienter und kostengünstiger zu sein. Wichtig ist ebenfalls, dass in diesem nördlichen Land Europas die Regierung die Sicherheitspolitik vertritt und sie nicht einfach dem Parlament zuschiebt. Es muss konsterniert festgestellt werden, dass in der Schweiz sowohl der Bundesrat wie auch das Parlament offensichtlich mit dieser Materie überfordert sind. Das finnische White Paper macht einen sehr runden und professionellen Eindruck und wird in der Öffentlichkeit nicht in Frage gestellt.
Quellen

 

Kommentare: 3

  1. Fritz Kälin sagt:

    Besten Dank für die Aufstellung, Herr Betschon!
    Ein guter Beitrag, der sicher zu fruchtbarer Diskussion Anregung liefern wird.
    Nur 3 Mia CHF?!? Allein mit den vielleicht(nicht wesentlich) tieferen Lohnkosten lässt sich für mich auf den ersten Blick kaum erklären, wie die Finnen bei vergleichbaren Technologiestand mit mehr Leuten ein zigfach grösseres Land mit tieferen Kosten für die Verteidigung vorbereiten können. Der Kostenunterschied schreit nach einer näheren Aufschlüsselung. Eine mögliche Erklärung wären die Territorial Forces. Das Verhältnis von Territorialkräften gegenüber Operational Forces beträgt gemäss Vehkaoja ungefähr 4:1. Ausrüstung und Ausbildung der ersteren liegen gewiss tiefer als bei den Verbänden, die bei uns auf einen ‘Aufwuchskern’ zusammengeschmolzen werden. Für die Akkzeptanz, Legitimation und den Rückhalt der Armee in der Bevölkerung ist ihre Konzeption als ‘Massenheer’ nur förderlich, was auch die Wehrgerechtigkeit sicherstellt.

  2. Franz Betschon sagt:

    Es ist ohne Zweifel so, dass die Zahlen insgesamt noch detaillierter überprüft werden sollten. Leider fehlen aber gerade für die Schweiz konsistente Zahlen, zum Beispiel über das wirklich noch verfügbare Material und dessen Zustand. Für Finnland müssten, wie Herr Kälin richtig schreibt, die offiziellen Verteidigungskosten nochmals genauer auf Vergleichbarkeit untersucht werden. Aber selbst, wenn sie wesentlich höher wären, so ergabe sich immer noch ein Bild, das uns zu denken geben muss. Dies wäre ein Job, den der schweizerische VA vor Ort erledigen könnte.

  3. M. E. sagt:

    Ich danke ihnen meine Herren! ENDLICH wird Klartext geredet, das estaunliche daran ist: es wird nur bei GIARDINO Klartext geredet…! Wo sind unsere politischen Organe, allen voran unsere Behörden? haben die sich alle aus der Wirklichkeit verabschiedet oder was? Bei uns ist es fünf nach zwölf, und niemand bewegt sich, niemand tut etwas. Charakterlosigkeit, ist eben leider hierzulande schon seit einigen Jahrzehnten eine weitverbreitete Volkskrankheit. Ja nichts sagen oder tun, was mir oder meiner Karriere schaden könnte, so lautet doch seit langem das Credo, oder etwa nicht?! Die richtige Partei, die richtigen Beziehungen, der richtige Posten, und alles war (ist) perfekt…! Nur seinem eigentlichen Auftrag, konnte man auf diese Art und Weise nur ziemlich schwer gerecht werden. Aber was Sage ich da, Ihnen meine Herren sind solche Leute zur Genüge über den Weg gelaufen, ja ihr seid wohl von ihnen umgeben. Zum Glück scheint es da in Finnland, mindestens ein Volk zu geben das sich nicht um Seine Verteidigung foutiert eines, dem der elemetare Selbsterhaltungstrieb (noch) nicht abhanden gekommen ist. Denn wie man hört, sind die Finnen auch politisch eher wache Leute wenn es um das Wesen ihres Landes geht. Der Ausgang der Parlamentswahlen vom letzten Wochenende, legt in ausdrücklicher Art und Weise Zeugnis davon ab. Auf jeden Fall bin ich gespannt, wie es dort oben in den nächsten Jahren laufen wird.

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