Die Wehrpflicht und ihre Geschichte

Die Wehrpflicht und ihre Geschichte

Eigenartig: Dass der in der Schweiz geltenden Allgemeinen Wehrpflicht eine historische Entwicklung zugrunde liegt, wird im laufenden Abstimmungskampf weitgehend ausgeblendet.
Staaten sind entstanden aus dem Sicherheitsbedürfnis von Menschen. Auch im liberalen Staat war dieses Sicherheitsbedürfnis auschlaggebend für den demokratisch getroffenen Entscheid, die Wehrpflicht in der Verfassung zu verankern.
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Kommentare: 6

  1. E. Haas sagt:

    Wenn schon über die Geschichte der Wehrpflicht geschrieben wird, dann aber vollständig und korrekt. Die Wehrpflicht in der Schweiz wird ab 1874 durchgesetzt. Die Heere der alten Eidgenossenschaft basierten bis nach dem Wiener Kongress 1815 unter der Hoheit der einzelnen Tagsatzungs-Kantone (eidgenössischer Staatenbund).
    1817 (nach dem Wiener Kongress):
    Die eidgenössische Tagsatzung beschloss 1817 die Schaffung eines Bundesheeres mit einem gemeinsamen Militärreglement. Dabei wurde das Milizprinzip festgelegt, nur die Instruktoren waren Berufssoldaten. Der Bestand der eidgenössischen Armee war auf 32’886 Mann festgelegt. Die Armeeteile wurden in den Kantonen rekrutiert, deren Kontingente im Bundesvertrag im §2 festgeschrieben waren. Im Prinzip war vorgesehen, dass zwei Männer auf 100 Einwohner gestellt werden sollten. Die Rekruten wurden auf unterschiedliche Weise, meist durch ein Losverfahren bestimmt, wobei die Männer sich freikaufen oder einen Ersatzmann stellen konnten. Ein General als Oberkommandant wurde durch die Tagsatzung erst im Falle einer Mobilmachung der Bundesarmee gewählt.
    1848 (nach dem 12.09.1848, Gründung des eidgenössischen Bundesstaats):
    Die Bundesverfassung von 1848 bzw die Militärorganisation von 1850 setzte neu die allgemeine Wehrpflicht fest und legte eine gewisse Zentralisierung des Wehrwesens fest. Die Rekrutierung erfolgte auch nach 1848 im Widerspruch zur Bundesverfassung durch eine Stellungsquote, die gegenüber 1815 jedoch leicht erhöht wurde, so dass der Gesamtbestand der Bundestruppen nun rund 100’000 Mann ergab. Weiter blieb die Rekrutierung in den Kantonen unterschiedlich geregelt.
    Aktivdienst 1870 – 1871:
    Während des Deutsch-Französischen Krieges 1870-71 schützten 37’000 Mann unter General Hans Herzog im Juli und August 1870 die Landesgrenze von Schaffhausen bis zur Ajoie mit Schwergewicht in der Region Basel vor fremden Durchmarschversuchen. Im Januar 1871 wurde die französische Bourbaki-Armee durch deutsche Truppen gegen die Schweizer Grenze abgedrängt. General Herzog warf die vom Bundesrat aufgebotenen beiden Divisionen (21’000 Mann) in Eilmärschen an die Übertrittsstellen im westlichen Jura, 87’000 Franzosen wurden interniert.
    1874:
    Die Revision der Bundesverfassung von 1874 brachte trotzdem eine weitere Zentralisierung des Wehrwesens unter Beibehaltung des Milizsystems. Der Bund hatte nun die alleinige Kompetenz, Gesetze im Militärwesen zu erlassen, der Vollzug lag jedoch weiter bei den Kantonen. Die neue Militärorganisation setzte die allgemeine Wehrpflicht durch und beendete die Praxis der Stellungsquoten. Alleine die Tauglichkeit entschied nun über die Rekrutierung der Männer in den regionalen Divisionskreisen. Der Armeebestand stieg dadurch auf rund 215’000 Mann. Das Militärwesen blieb jedoch eine Arbeits- und Ausgabenteilung des Bundes und der Kantone. Während der Militärunterricht zentralisiert wurde und Bewaffnung und Ausrüstung der Armee Bundessache wurden, besorgten die Kantone Kleider und persönliche Ausrüstung ihrer Soldaten und bewahrten das Korpsmaterial der kantonalen Truppenkörper auf. Die Armee war nun in Friedenszeiten in acht Divisionen bzw 16 Brigaden bzw 32 Regimenter eingeteilt. Nach einer verlängerten Rekrutenschule mit unterschiedlicher Dauer je nach Waffengattung fanden neu alle zwei Jahre Wiederholungskurse statt. Die Finanzierung der Armee war angesichts der neuen Bundesaufgaben zunächst problematisch und war erst ab 1878 durch die Einführung einer Militärpflichtersatzsteuer gesichert. Weitere Etappen der Modernisierung des Wehrwesens waren die Organisation des Landsturms 1886 und die Einteilung der Armee in vier Korps 1891.
    Aktivdienst 1914 – 1918:
    Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs traten 238’000 Mann und 50’000 Pferde unter General Ulrich Wille ihren Aktivdienst an, um allfälligen Umgehungsversuchen der Kriegführenden durch die Schweiz zu begegnen. Die Wehrmänner leisteten durchschnittlich 600 Tage Aktivdienst.
    Aktivdienst 1939 – 1945:
    Während des Zweiten Weltkriegs wurden 450’000 Wehrmänner, 250’000 Hilfsdienstpflichtige, 53’000 Pferde und 16’000 Motorfahrzeuge aufgeboten. Das Aufgebot reduzierte sich deutlich nach Bezug des Réduit 1940. Die Wehrmänner kamen auf durchschnittlich 800 Diensttage. Sie werden noch heute als „Aktivdienstgeneration“ bezeichnet. Durchschnittlich waren ca 30’000 Mann täglich über die ganze Periode vom 01.09.1939 bis 09.05.1945 im Aktivdienst.
    1945 – 1995:
    Der Bestand der Milizarmee stieg dabei durch die Verlängerung der Dienstzeit bis auf 880’000 Mann. Unter Einsatz beträchtlicher Finanzmittel wurde die Schweizer Armee während des Kalten Krieges mit modernsten Waffensystemen ausgerüstet.
    1995 – 2003:
    Die als Kompromiss zwischen Reformern und Bewahrern eingeführte “Armee 95” setzte als Grenze für die Wehrpflicht das 42e Altersjahr fest und reduzierte den Armeebestand auf 400’000 Mann. Durch eine Verkürzung der Dienstdauer lockerte sich der Griff der Armee auf die männliche Bevölkerung etwas. Zahlreiche Schwächen der Armee 95 sowie die fehlende politische Bereitschaft, weiterhin eine so grosse Armee zu finanzieren, führten Ende der 1990er Jahre zu einem weiteren Reformschritt, der nach heftigen Widerständen innerhalb der Armee und aus konservativen politischen Kreisen in der Armee XXI umgesetzt wurde (ab 2004).

  2. Willy Stucky sagt:

    Seit gut dreissig Jahren geht es einer Minderheit in der Schweiz um die Abschaffung der Schweiz. Diese Minderheit ist politisch, publizistisch und „wissenschaftlich“ ausserordentlich aktiv; d.h. sie nimmt die von unserer Verfassung garantierte Meinungsäusserungsfreiheit uneingeschränkt in Anspruch, versucht aber gleichzeitig, ihren politischen Gegnern die gleiche Freiheit mittels juristischer Tricks zu beschneiden.
    Dies wäre nur halb so schlimm, wenn es dieser Minderheit nicht gelungen wäre, sich weit über 50% des gesamten schweizerischen Bildungswesens unter den Nagel zu reissen, was zur Folge hat, dass mittlerweile bis zu zwei Generationen junger Schweizerinnen und Schweizer praktisch nach den Parteiprogrammen unserer linken Parteien unterrichtet wurden. Zwar wurden ihnen keine eigentlichen Lügen aufgetischt, aber gezielt Tatsachen unterschlagen und Visionen vermittelt, als wären es Tatsachen, und dies bis hinauf in unseren Universitäten, insbesondere in den geisteswissenschaftlichen Fächern. (Ganz übel sind in dieser Hinsicht z.B. die zürcherischen Mittelschulen, die ich von Innen sehr gut kenne.)
    Auf diese Weise ist es einer gar nicht so grossen linken Minderheit gelungen, zwei Generationen daran zu hindern, in Alternativen zu denken, d.h. überhaupt zu denken; denn wer zu einem angeblich allein selig machenden Geschichtsbild keine Alternativen mehr kennt, ist insofern denkunfähig, als er tatsachenblind geworden ist.
    Ich wage zu behaupten, dass nur unser duales Bildungssystem das Schlimmste verhindert hat: Kein Wunder also, dass die Linke seit Jahren versucht, die Mehrheit der jungen Schweizerinnen und Schweizer über die Gymnasien an die vielen „Hochschulen“ zu schicken!

  3. Hans Ulrich Suter sagt:

    @Haas
    Durch die Armeereformen 95 und 21 wurde die Dienstzeit der Betroffenen eben gerade nicht reduziert sondern erhöht (Fragen Sie mal einen höheren UO der die Umstellungszeit mitgemacht hat). Betrachten wir aber mal die Mehrheit, den gew. Soldaten: Die Diensttage für Soldaten wurden bei 300 Tagen belassen, aber müssen nun nicht mehr innerhalb 30 oder 35 jahren (zwischen 20-55 (50)) absolviert werden sondern im wesentlichen bevor der Soldat das 30. Altersjahr erreicht. Daher ist es für ausgehoben Soldaten ein Problem mit der Ausbildung/Arbeit zurechtzukommen. Nur ein Beispiel: In der Armee 61, war es Soldaten die Studenten waren (IMHO bis zum Grade Olt) möglich alle Dienstleistungen in den Semesterferien abzuhalten (es gab auch eine, wenn auch unfähige Organisationsstelle für die UNIs). Ich habe das selber getan, es ist also kein Hirngespinst. Dies ist, wie ja in den Zeitungen mit einem Blatmann-Interview kolportiert wurde heute nicht mehr möglich.
    Somit stimmt Ihre letzte These schon mal nicht, ich nehme an die Ausführungen vorher sind auch falsch, ich erlaube mir aber das jetzt einfach mal so in den Raum ztu stellen, beliebig viel Zeit für solche Recherchen habe ich nun wirklich nicht.

  4. Willy Stucky sagt:

    Herzlichen Dank, Herr Haas, für Ihren ausgezeichneten Geschichtsunterricht! Mich nimmt jetzt schon wunder, was nächstes Jahr, d.h. im Gedenkjahr zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges, wieder für Dreck konstruiert werden wird, mit dem das Handeln der Schweiz in der folgenden schweren Zeit diskreditiert werden kann. Ich vermute stark, dass in erster Linie von der entschlossenen militärischen Reaktion auf den Generalstreik gesprochen werden wird. Und natürlich kein Wort davon, dass eine beachtliche Mehrheit der Schweizer Männer gegen die Verwirklichung des realexistierenden Sozialismus war, dass der Generalstreik folglich der Versuch eines Staatsstreichs gewesen war.
    Deutschland ging nach der Niederlage einen anderen Weg – mit buchstäblich verheerenden Folgen, wie wir wissen: Dort konnte der Versuch eines Staatsstreichs nicht entschlossen verhindert, sondern sozusagen nur verschoben werden, woraufhin er später durch das irrationale Gebilde eines nationalen Sozialismus pseudo-legal durchgeführt werden konnte. Bei dieser Gelegenheit darf auch einmal erwähnt werden, dass Hitlers treueste Wählerschaft nicht etwas aus deutschen Männern, sondern aus deutschen Frauen bestand.
    Doch wie gesagt, von solchen Tatsachen ist im modernen Geschichtsunterricht nie die Rede. Es wird aber viel davon geredet, dass nach dem Ersten Weltkriege wehrpflichtige Schweizer Männer auf Schweizer Arbeiter geschossen hatten. Die halbe Wahrheit ist perfider als eine ganze Lüge, weil eine ganze Lüge entlarvt werden kann.

  5. Walter Häcki sagt:

    @haas
    Wenn ich ihren Text lese sollte ich ihren nahmen mit zwei schreiben. In jedem Satz merkt man, was sie wollen.
    Sie sollten aber auch wissen, dass gerade die gegenseitige Hilfeleistung der alten Orte wichtigste Grundlage für den Erfolg der Eidgenossenschaft war. Sie fehlte in keinem Bündnis, wie auch keine fremden Richter. Diese Hilfe wurde auch oft eingefordert. Schon im Bund von 1291 und wahrscheinlich schon vorher, ohne Truppen und eine art Militärordnung in den orten der Eidgenossen ging das nicht. Die Begriffe Auszug und Landwehr sind älter als der Bundesstaat.
    Natürlich gab es schon damals Solche, welche ihre Pflicht erfüllten, und solche, welche sich davor druckten
    Ohne Miliz fehlen uns auch heute die guten Leute. Zu welchen Sie sich zählen wollen ist ihre persönliche Sache.

  6. Robert Hänggi sagt:

    In Europa gibt es am meisten linke Frauen. Alles klar?!

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