GSoA frohlockt: Volksinitiative gegen die Wehrpflicht ist zustande gekommen

GSoA frohlockt: Volksinitiative gegen die Wehrpflicht ist zustande gekommen

Die eidgenössische Volksinitiative der GSoA „Ja zur Aufhebung der Wehrpflicht“ ist mit 106’995 Unterschriften zustande gekommen. Bis spätestens am 4. Januar 2013 wird das VBS in Zusammenarbeit mit anderen Departementen den Entwurf zu einer Botschaft an die eidg. Räte ausarbeiten.
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Kommentar:
Es ist scheinheilig, wenn die GSoA davon spricht, dass die Abschaffung der Wehrpflicht keine Berufsarmee zur Folge hat und auch die Armee an und für sich nicht tangiert wird. Die Wehrpflicht verschafft der Schweizer Milizarmee zu viel zivilem Know-how, welches anderen Armeen unterdessen fehlt. Es ist ausserdem höchst unsolidarisch, wenn sich nur noch die Freiwilligen für’s Vaterland opfern sollen! Dieser egoistischen Mentalität ist in aller Deutlichkeit eine Abfuhr zu erteilen!
Exemplarisch sei dabei auf Suad Sadok verwiesen, der selbst mit 35 Jahren noch Militärdienst geleistet hat: “[…] als Schweizer Mann gehört es eben dazu, dass man die Armee absolviert oder sich zumindest ausheben lässt. Ich war nur konsequent […]

 

Kommentare: 53

  1. Y. Blau sagt:

    Zitat: “Der Zwang zum Militärdienst ist einer freiheitlichen Gesellschaft nicht angemessen.”
    Zitat Bertram Russell:
    “Ever since the war began, I have felt that I could no longer go on being a pacifist; but I have hesitated to say so, because of the responsibility involved. If I were young enough to fight myself, I should do so, but it is more difficult to urge others. Now, however, I feel that I ought to announce that I have changed my mind.” (B. Russell, The New Statesman and Nation, 8th June 1940); aus David Blitz, Russell, Einstein and the Philosophy of Non-absolute Pacifism)

    • Gruppe Giardino sagt:

      Die Kernfrage bleibt: Was macht ein Volk, wenn es von aussen angegriffen wird?

    • Y. Blau sagt:

      Das obere Zitat ist von der GSoA Seite und das untere von Bertram Russell 1940, wo er sagt, dass er am Anfang des Krieges noch gezögert hat zu sagen, dass man sich wehren muss, dass er jetzt aber im Sommer 1940 nicht mehr zögert genau das zu sagen.
      Bertram Russell war ein Leben lang ein Pazifist, aber er war nicht immer auf dieselbe Weise Pazifist, weil er sich der Widersprüche bewusst war und aus den Widersprüchen heraus sein Auffassung von Pazifismus weiterentwickelt hat.
      Das obere Zitat blendet die Problematik aus, die in der These liegt, Zwang sei einer freiheitlichen Gesellschaft nicht angemessen und verschweigt die Widersprüche, die einem Pazifisten vom Format eines Bertram Russell bewusst waren. Das Tückische an der These des Zitats besteht darin, nicht auf die Erfahrung zurückzukommen.

  2. Alain Vincent sagt:

    Was macht es, wenn es von innen angegriffen wird?
    Was macht es, wenn die gesellschaftlichen Strukturen zerfallen und verkümmert sind?
    Was macht es, wenn sehr viele, vielleicht zu viele, in den eigenen Reihen die Schnauze voll haben?
    Was macht es, wenn es zu viele Minimalisten, Abzocker, Sozialschmarotzer in den eigenen Reihen hat?
    Was macht es, wenn nur noch Akademiker fürs Befehlen & keine Arbeiter fürs Arbeiten mehr da sind?
    Was macht es, wenn Land+Leute unserer grössten Export-Abnehmerländer (unsere Nachbarn) nicht mehr zahlen können?
    Däumchen drehen?
    Warten bis das Paradieschen kommt?

  3. Um was geht es denn hier eigentlich?
    Die Armee soll in Zukunft 5 Mia kosten, die Wehrpflicht aufrecht erhalten und der Bestand auf 100’000 Armeeangehörige gesetzt werden. Zu all dem sollen nun noch Kampfjets gekauft werden für 3,1 Mia Franken. Aber warum? Geht es uns nichtum Sicherheit?
    Ich möchte hier die Frage stellen: Ist es Sicherheit, wenn wir alle zur Kasse gebeten werden, weil der Öffntliche Verkehr weniger Geld des Bundes bekommt wegen überteuerter Armee? Ist es gerecht, dass wir die Sozialwerke zusammensparen müssen, wegen einiger weniger aus der Stahlhelmfration? Bedeutet Sicherheit, dass sich nur noch die reichen unter uns ein Studium leisten können?
    Nein ist es nicht. Eine verkleinerung der Armee tut not. Die Herausforderungen der Zukunf sind ziviler art.

    • Gruppe Giardino sagt:

      Da haben sich ein paar Fehler eingeschlichen:
      1) In den 5 Mia. sind die Flugzeuge für 3,1 Mia. bereit enthalten.
      2) Wenn wir zur Kasse gebeten werden, dann doch wegen der grossen Posten im Bundeshaushalt – und das sind (in wachsendem Ausmass) die Sozialleistungen. Wohin übertriebene Ansprüche und Versprechungen führen, können Sie in Griechenland selbst erkunden.
      3) Die Armee hat in den vergangenen Jahren nicht nur gespart, kontinuierlich weniger als das Budget ausgegeben und die Rüstungskredite nicht ausgeschöpft. Wie Sie hier sagen können, dass die Mittel wegen der Armee fehlen, ist ein Hirngespinst der gröberen Art.
      4) Sozialwerke “zusammensparen”? Bitte liefern Sie uns einen Beweis für diese Behauptung! Wir sind gespannt…
      5) Woher wissen Sie, dass die Herausforderungen der Zukunft ‘ziviler’ Art sind? Tragen Sie die Konsequenzen, wenn Sie falsch liegen sollten?
      Bitte schauen Sie wieder einmal wie sich die Realität präsentiert…

  4. Hans Ulrich Suter sagt:

    Wäre auch interessant gewesen zu beobachten, wie die Schlacht um England ausgegangen wäre, wenn die GRGBOA ( Gruppe Russell England ohne Armee ) 1938 die Initiative “Spitfires and Hurricanes No thanks” mit dem Argument: Für den Hoheitsdienst tun es die alten Doppeldecker noch lange. zur Abstimmung gebracht und gewonnen hätte.

  5. E. Haas sagt:

    @ Jonas Zürcher: Ich stimme Ihnen vollumfänglich zu
    @ Hans Ulrich Suter:
    1934 kürzte Grossbritannien sein Vtg-Budget noch (Kürzungen bei allen Teilstreitkräften), ab 1936 wurde verstärkt aufgerüstet, ab 1938 wurde gewaltig aufgerüstet (Anschluss Oesterreich, Münchner Abkommen, Spanischer Bürgerkrieg mit der Demonstration modernster überlegener deutscher Waffentechnik seit 1936), so dass bis im Sommer 1940 ca 1000 moderne Hurricane und Spitfire – Jagdflugzeuge, neben ein paar hundert alten Gladiator-Doppeldeckern und weiteren Jagdflugzeugen (Defiant), einsatzbereit waren gegen die Deutsche Luftwaffe die mit über 4000 Kampfflugzeugen (Jägern, Zerstörern, Stukas, Bombern) in der “Battle of Britain” (August bis Ende Oktober 1940) antrat und das Vereinigte Königreich an den Verhandlungstisch bomben, bzw eine Invasion vorbereiten wollte.
    Die Schweiz muss aber nun nicht mehr den 2en Weltkrieg vorbereiten, auch nicht den kalten Krieg, der ist seit 1989, seit 23 Jahren beendet, bitte um Kenntnisnahme…
    Die CH-Armeeführung und ihre Unterstützer kämpfen einen verlorenen Krieg wenn man – whatever it takes – an der “alten” Retro-Armee festhalten will.
    Im übrigen wette ich darauf, dass die beiden Begehren 1) permanenente Erhöhung des Vtg-Budgets auf 5 mrd Fr jährlich ab 2014 und 2) die Beschaffung der Kampfjets für 3.1 Mrd Fr im Parlament in der Herbstsession nicht durchkommen werden und eine Mehrheit des Parlamentes auf den ursprünglichen Bundesratsbeschluss zurückkommen wird (Rückkommensanträge zum KAP 2014, bzw September 2011), nämlich: eine Armee mit max 80’000 AdA (es reichen auch 60’000 AdA), DD-Anteil von mindestens 30% und eine Plafonierung der Vtg-Ausgaben auf maximal 4.4 Mrd Fr, sowie neue Kampfjets nach 2020, wenn die F-18 Flotte ersetzt werden muss.
    Der ursprüngliche BR-Beschluss zur Armee war vernünftig, politisch mehrheitsfähig und bezahlbar, das Ende September 2011 durchgedrückte Armeeaufrüstungsprogramm, das vom gestürzten SVP-Bundesratskandidaten B. Zuppiger derart überladen wurde, hat weder im Parlament noch in der Volksabstimmung eine Chance (und die EFD-Bundesrätin wird dafür sorgen, dass eine referendumsfähige Vorlage ins Parlament kommt, sie hat die Unterstütztung von 5 weiteren Bundesräten), das überladene Zuppiger-Armeeprogramm vom September 2011 wird ja bekanntlich bereits wieder in der NR-SIK im April 2012 auf die Traktandenliste kommen und wenn ich die neuesten Entscheide des neu gewählten Parlamentes beurteile (Streumunition, Heimwaffen-Abgabe, Munition, etc) wird die neue SIK-NR eine neue, andere und bessere Lagebeurteilung vornehmen und Entschlüsse fassen und das ist auch richtig so (mindestens dann das neugewählte Parlament (ohne 15 abgewählte Stahlhelm-Mitglieder aus verschiedenen rechten Parteien).
    Die EU ist zwar in der Euro-Krise, die Kriegsgefahr ist aber trotzdem minimim, nicht existent, kein EU-Staat hegt Kriegspläne gegen einen anderen und das bleibt auch so, ganz im Gegenteil, im Libyenkrieg haben die EU-Staaten zusammen mit der NATO (sowie Schweden) und ein paar arabischen Staaten eine erfolgreiche Joint-Combined-Operation durchgeführt. Sollte es je wieder einen Krieg geben in Europa, dann wäre es der letzte Krieg in Europa gewesen… Russland ist mit selber beschäftigt, hat eine unfähige und nicht angriffsfähige Armee (Georgien 2008, Tschetschenien 1994 – 2001), muss den riesigen leeren sibirischen Raum gegen Rot-China schützen, hat gewaltige Demographieprobleme (1991 = 151 Mio Einw, 2012 = 140 Mio Einw, 2030 = ca 120 Mio Einw). Die Schweiz als Mittelmacht mit einem BIP von über 550 Mrd Fr jährlich muss sich besser positionieren in der globablisierten Welt. Mir scheint, als habe die Schweiz ihre Rolle nach dem kalten Krieg, nach 1989, immer noch nicht gefunden, ganz im Gegensatz zu den anderen allianzfreien Staaten Europas (Schweden, Finnland, Oesterreich, Irland).

    • Fritz Kälin sagt:

      Herr Haas, dass Sie es offenbar zutiefst bedauern, dass die Schweiz ihre Aussenpolitik nicht wie andere, einst ‘neutrale’ Länder heute vermehrt mit Soldaten betreibt, sagt eigentlich schon alles. Und offenbar leben gerade Sie in der Überzeugung, dass auch in Zukunft allein von Staaten bzw. staatlichen Armeen eine sicherheitspolitische Bedrohung ausgehen könnte. Kriegsgefahr lässt sich nicht allein auf allfällig steigende Verteidigungsbudgets reduzieren.
      Die Gruppe Giardino hält nicht stur an der ‘alten’ Armee fest, was die Ausrüstung und Bestandesgrössen anbelangt. Sie wehrt sich aber entschieden dagegen, dass die neue Armee u.a.
      – kaum noch mobilisierbar ist,
      – eine Logistikbasis erhalten hat, die nicht einmal in Friedenszeiten funktioniert,
      – älteres Material vernichtet wird, für das KEIN moderner Ersatz beschafft wird,
      – dass bei der Grösse der Armee Redimensionierungen vorgenommen werden, die nicht auf die in einer Milizarmee zentrale Frage der Ablösung Rücksicht nehmen.
      Solche Forderungen haben eigentlich weniger mit ‘alte gegen neue Armee’ zu tun, sondern es handelt sich eigentlich um Selbstverständlichkeiten, die über den realen Wert einer jeden Armee entscheiden.
      Was Ihre Ausführungen über GB kurz vor seiner ‘finest hour’ anbelangt: Sie machen da eine nette Aufzählung von Flugzeugbeständen, weil Sie sich nicht eingestehen wollen, dass Hitler nicht von Waffen, sondern von Männern und Frauen aufgehalten wurde, die Ihre Bürgerrechte und die Freiheit ihrer Nachkommen höher gewichteten, als das eigene Überleben. Die Wehrpflicht existiert für genau solche Leute. Herr Haas hält das für nicht mehr zeitgemäss. Ob das Stimmvolk sich von Leuten mit seiner Gesinnung genauso gern überzeugen lässt, wie eine gewisse EFD-Bundesrätin und die Parlamentsmehrheit, das wird die Abstimmung zeigen.

    • E. Haas sagt:

      Herr Kälin, die Wehrpflicht wurde von vielen Staaten nur fallweise und dann bei tatsächlicher Kriegsgefahr angewendet.
      Grossbritannien:
      Die britischen Streitkräfte waren bis 1916 eine Freiwilligen-Armee (Bestand 1914 mit Reservisten ca 700’000 Mann, inklusive Kolonialtruppen), 1914 bis 1916 dienten 2.67 Mio als Kriegsfreiwillige, von 1916 bis 1919 folgten nochmals 2.77 Mio Kriegswehrpflichtige, danach wurde die Wehrpflicht wieder abgeschafft, Britannien hatte zwischen 1919 bis 1939 wieder eine All-Volunteer-Force mit einem Bestand von ca 900’000 Mann inklusive Reserven und Kolonialtruppen, die britische Wehrpflicht wurde im September 1939 wieder eingeführt, insgesamt wurden damit fast 6 Mio weitere Männer (und Frauen) ausgebildet und dienten in den britischen Streitkräften während des 2en Weltkrieges, bis 1963 wurde die Wehrpflicht aufrechterhalten, danach folgte wieder eine Freiwilligen-Armee, die im kalten Krieg ca 350’000 Berufssoldaten und ca 0.500 Mio freiwillige Reservisten (Territorial-Army, Homeguard) umfasste, bis 1990. Aktuell dienen ca 185’000 Berufssoldaten/-innen und ca 45’000 Reservisten (freiwillige Reserve / Miliz der Territorial-Army, Navy- und Air Force) in den britischen Streitkräften.
      Auch die U.S.A., Kanada, Australien, Neuseeland kannten die Wehrpflicht nur fallweise, in Zeiten tatsächlicher Bedrohungen.
      Bezogen auf die Schweiz reicht eine Armee mit maximal 60’000 AdA (Berufs- und Zeitmilitär, DD-Wehrpflicht, freiwillige Miliz/Reserve), wie das auch für Schweden, Oesterreich (beide allianzfrei) reicht, deren Truppenbestände sich auch ungefähr – plus minus – daran orientieren (auch die drei NATO-Staaten Norwegen, Dänemark und die Niederlande bewegen sich auf diesem Level).
      Eine 100’000er AdA-Retro-Armee braucht die Schweiz nicht mehr und die Fehlentscheide vom September 2011 werden dieses Jahr umgehend wieder korrigiert werden…

  6. Elmar Hutter sagt:

    Politische Konstellationen ändern sich schneller als Verteidigungs-Kapazitäten. Der Zusammenhalt der EU ist keineswegs gesichert. Der
    Mittelmeer-Raum kann sich in Kürze zu einem Hexenkessel entwickeln- was hoffentlich nicht eintritt. Europa kann in einem Nahostkonflikt
    in Mitleidenschaft geraten, da die Ausbreitung von Mittelstrecken-Raketen weiter voranschreitet. Der Schutz unseres Luftraumes, inbesonders durch eine moderne Boden-Luft-Verteidigung (Lenkwaffenabwehr), ist vordringlich geworden.

    • Y. Blau sagt:

      Sobald Lenkwaffen mit Hilfe von Satelliten zielgerichtet einsetzbar sind, spielen Distanzen eine untergeordnete Rolle.

    • E. Haas sagt:

      1) EU:
      Die EU wird nicht auseinanderbrechen, das wurde und wird von den Rechtskonservativen in der Schweiz seit den 1980er Jahren gepredigt, diese Sehnsuchtserwartungen werden aber nicht in Erfüllung gehen, weil die Lektionen und der Horror des 1en und 2en Weltkrieges verinnerlicht worden sind von den EU-Staaten, die EWG / EG / EU hat sich seit 1948 entwickelt, ist gewachsen und wird – trotz mehreren bereits überstandenen Krisen – nicht zerbrechen, sowenig wie die Schweiz befürchten muss, dass sie zum EU-Anschluss gezwungen sein wird, das kann die Schweiz selber entscheiden, der bilaterle Weg ist ja quasi bereits eine EU-Mitgliedschaft ohne Mitspracherecht, wenn die Schweiz das will, soll sie das bekommen (das sind wirtschaftliche Abhängigkeiten auf die die Schweiz null Einfluss hat).
      2) Ballistische Lenkwaffenabwehr:
      Die Schweiz kann sich eine moderne ballistische Lenkwaffen-Abwehr gar nicht leisten und braucht sie auch nicht, die Schweiz profitiert seit Jahrzehnten schon vom Schutz des NATO-Abwehrdispositivs, dem “Atom-Schirm” der NATO und der beiden EU-Staaten Frankreich und Grossbritannien, das ist heute der Fall und war bereits während des kalten Krieges eine Tatsache. In dieser Hinsicht ist die Schweiz – einmal mehr – eine Nutzniesserin der europäischen Intergrations- und Verteidigungspolitik (sicherheitspolitischer Trittbrettfahrer). Eine strategisch-operative, taugliche, Lenkwaffenabwehr-Einheit (Bspw Patriot / USA, Arrow / Israel) kostet pro komplettem Waffensystem ca 2 – 3 Mrd Fr (Patriot = 8 Abschussgeräte mit je 4 Raketen plus die ganze Elektronik, Zielverfolgungsradar, etc), hinzu kommt der taktische Flab-Eigenschutz (Waffensysteme wie Flabkanonen, Phalanx-Kanonen, Iron Dome, Stinger, etc). Technologisch in der Lage solche Systeme zu entwickeln und finanziell anzuschaffen sind die U.S.A., einzelne NATO/EU-Staaten, Israel, Taiwan, Singapur, Südkorea, Japan und die BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China.
      Die Raketenbedrohung mit unkonventionellen Waffen aus dem Iran (Persien) kann in ein paar Jahren (oder Monaten) zur Tatsache werden, primär bedroht aus dem Iran ist Israel (Grossraum Tel Aviv mit 3 Mio Einw), sind US-Allierte und US-Stützpunkte im Nahen und Mittleren Osten (Saudi-Arabien, Kuwait, V.A.E., Katar, Bahrain, Oman, etc).
      Falls Israel und die U.S.A. einen Präventivschlag gegen den Iran durchführen hat das sehr wohl globale Folgen für die Weltwirtschaft, für die
      Oelversorgung bzw -verknappung und einem begrenzten (un-)konventionellen Krieg im Nahen Osten. Mit einer iranischen Terrorwelle (Hizbollah, Islam-Terrorzellen) ist zu rechnen. Nichtsdestotrotz werden die NATO/EU-Staaten in volle Alarm- und höchste Einsatzbereitschaft versetzt (Berufs- und Wehrpflichtarmeen, die Reserve allenfalls teilweise mobilisiert), der Vtg-Fall ausgelöst, NATO/EU-Streitkräfte, Special Forces, Geheimdienste, und Polizei werden alles unternehmen um diese Terrorangriffe zu verhindern, die Lektionen seit “911” wurden gelernt.
      Da die Schweiz ja “neutral” ist hat das alles aber überhaupt nichts mit der CH-Armee zu tun, in diesem Szenario ist die CH-Armee eine Statistin, die Schweiz wird keine Mobilmachung durchführen wenn der Nahe Osten “hochgeht” (wie bereits 1990 / 1990 während der Operation “Desert Storm” im Irak und der Auflösung der UdSSR, als sich die baltischen Staaten von der Sowjetunion befreiten, wie auch beim Ausbruch des Jugoslawien-Bürgerkriegs, alles Ereignisse, die 1991 stattfanden, als ich in der Inf Offiziersschule war), weil die Bedrohung 3000 – 5000 km entfernt und diffus ist und die Schweiz voll vom Nachrichtenfluss der NATO/EU-Staaten abhängig ist (und dort zu relevanten sicherheitspolitischen Informationen kommen muss um handeln zu können). Dass für diesen diffusen Bedrohungsfall – tausende Km entfernt – die WK-Truppen mobilisiert und über Monate hinweg Objekte bewachen ist wenig wahrscheinlich und kaum notwendig und für die weiteren Konsequenzen dieses Nahost-Konfliktes, die Wirtschaftskrise und die Flüchtlingswelle, ist die 100’000er AdA-Retro-Armee auch nicht einsetzbar (wiederum ein transnationales Problem), allenfalls für die Folgen des Konflikts (UNO-Peacekeeping-Mission).
      3) Der Mittelmeer-Raum:
      Nordafrika ist ja bereits ein Hexenkessel, die Maghreb-Staaten und ihre Streitkräfte haben aber null Kapazitäten eine Bedrohung für die NATO/EU zu werden (diese werden für die Aufrechterhaltung der Ordnung und inneren Sicherheit in den eigenen Staaten benötigt), die “Bedrohungen” sind wirtschaftlicher und demographischer Art. Oder glaubt jemand, dass sich eine islamisch-arabische Invasionsarmee Richtung Europa in Marsch setzt um Europa zu erobern (durch die Türkei via Balkan Richtung Schweiz, oder mittels einer gigantischen amphibischen Operation in Südeuropa)??? Nein, das sind Kriegsthriller-Szenarien, Tom Clancy – Szenarien. Die wollen schon fast alle nach Europa, aber um hier ein besseres Leben in Freiheit und Wohlstand zu verbringen (als Vorbild für diese Staaten kann die Türkei genommen werden, Islam und funktionierende Wirtschaft plus eine diffuse Halbdemokratie, das ist eine Option für die arabisch-islamischen Staaten, nach wie vor weit weg von unseren Wertevorstellungen, aber immerhin wäre es für diese verarmten, überbevölkerten und rückständigen Islam-Staaten ein Fortschritt).
      Auch hier wird der Schutz für Europa und die Schweiz primär durch die NATO und EU-Staaten geleistet, wird dürfen einmal mehr profitieren, ein paar tausend Asylanten aus Tunesien bzw Nordafrika sind keine nationale Bedrohung für die Schweiz, gelöst muss das werden, selbstverständlich, aber auch hier gibt es keinen Auftrag für die 100’000er Retro-Armee. Konsequenterweise muss sich die Schweiz in der integralen EU-Sicherheitsarchitktur mit mehr Mitteln – personell und materiell – engagieren (und das sind Profis und nicht Amateure, bwz ein demotiviertes Reservisten-Miliz-Heer), das wäre ein angemessener Sicherheitsbeitrag in der heutigen Zeit und nicht Sehnsüchte pflegen nach den “guten alten Zeiten” (Bedrohung 2er Weltkrieg und kalter Krieg).

    • Y. Blau sagt:

      Ich finde das eine interessante und intelligente Analyse.
      Wir haben aber nun einmal eine Milizarmee, deren Bestände wir nur für eine beschränkte Zeit aufbiebten können. Um ein kontinuierliches Aufgebot über einen längeren Zeitraum über mehrere Monate zu gewährleisten, muss die Armee in personeller Hinsicht relativ gross sein, weil das die Voraussetzung dafür ist, dass eine Rotation von Personal möglich bleibt.
      So sehe ich das auf jeden Fall.

  7. Michaela Waldvogel sagt:

    @ E. Haas, Die EU wird nicht auseinanderbrechen … warum wird dann bereits im Hintergrund wieder die DM gedruckt? Ich bin ganz sicher dass es nicht mehr Jahre gehen wird, bis die EU Geschichte ist. Das gemeinsame Haus Europa wird zusammen brechen. Man muss blind sein, wenn man dies nicht erkennt. Die EU war zum vornherein zum Scheitern verurteilt. Und das Ende wird nicht ohne “rumpeln” über die Bühne gehen. Die Schweiz tut gut daran, wenn sie sich selber verteidigen kann und sich nicht auf andere Länder verlassen muss. Aber ich sehe im Moment sehr schwarz, wenn ich an den Zustand der Armee denke!!

  8. Fritz Kälin sagt:

    Erstaunlich, wie nahe Herr Haas und ich bei der Einschätzung der Bedrohungslage liegen. Seine Bewunderung für die ‘profesionellen’ Überkrieger (das wären genau die aus den Clancy-Romanen) als Antwort auf diese Bedrohungen teile ich jedoch nicht.
    Herr Haas postuliert, dass Reservisten ‘demotiviert’ seien. Dass in einer westlichen Zivilgesellschaft die allermeisten der Militärdienst in Friedenszeiten den Reiz verloren hat, den er z.B. im kaiserlichen Deutschland genossen hatte, ist ein natürliche und an sich begrüssenswerter Umstand. Daraus aber eine fehlende Einsatzbereitschaft des ‘einfachen’ Bürgers abzuleiten, wenn er seine Grundrechte (egal von wem) bedroht sieht, ist reine Einbildung. Inzwischen haben selbst die Araber gelernt, für ihre Rechte einzustehen. Wo sich die Staatsmacht ihnen aber mit ihrem Gewaltmonopol entgegenstellte, waren es in Lybien/ sind es in Syrien v.a. Deserteure aus der Armee, die für ihre Anliegen mehr als einen wirkungslosen Märtyrertod leisten können.
    In Europa haben wir es der Exekutive eigentlich schon lange abgewöhnt, ihr Gewaltmonopol auf Söldner und kriegerische Minderheiten aus territorialen und sozialen Randgesellschaften abzustützen. Offenbar feiern diese hierzulande bald ein comeback. Wieviel motivierter Berufs- und Zeitmilitärs westliche Werte am Hindukusch verteidigen, als es Bürgersoldaten (im echten Bedarfsfall) in Europa tun würden, darüber müssen wir uns hier kaum auslassen… Dass bei uns derzeit keine existenzielle militärische Bedrohung die Mobilmachung unserer Bürgersoldaten notwendig macht, muss uns nicht zwingen, diese durch Berufssoldaten für Kriege in Übersee zu ersetzen.
    Zur ‘Bedrohung’ durch die Einwanderung: man kann natürlich wie in Frankreich massenhaft Einwanderer in den Vorstädten zusammenpferchen, nicht integrieren und die innere Sicherheit im Land durch eine ständig grössere und militarisiertere Polizei gewährleisten, während man in den Herkunftsgebieten der Einwanderer mit Fremdenlegionären ‘die Lage stabilisiert’.
    Man könnte diese Einwanderer aber auch integrieren. Am Ende der gelungenen Integration steht die Einbürgerung. Wir hören oft von den kriminellen Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Es gibt aber auch viele +/- integrierte, die als AdA schon heute die demographisch gelichteten Reihen unserer Armee füllen und uns nicht bedrohen, sondern schützen.
    Die “100’000er Retro-Armee” ist nicht die Antwort auf die Unfähigkeit gewisser EJPD-Vorsteherinnen. Sie hätte aber durchaus einen mittel- bis langfristigen Aufgrag, wenn es um die Integration der vielen Einwanderer und Flüchtlinge geht, die nicht nur aus niederen, eigensüchtigen Motiven den Weg zu uns gefunden haben.
    Mit Berufsarmeen können Sie weder nachhaltige Entwicklungshilfe betreiben noch Einwanderung nach Europa (gewaltsam) verhindern. Mit der Wehrpflicht können sie die Einwanderung aber gesellschaftlich besser absorbieren, weil wehrfähige Gesellschaften weniger ängstlich und somit toleranter sind. Der gesellschaftliche Nutzen der Wehrpflicht entsteht erst ab einer ausreichend hohen Wehrgerechtigkeit.
    Darum wagen auch Sie, Herr Haas, den Sprung in die Moderne und denken Sie über eine Armee nach, die den Frieden bei uns bewahrt, statt sich weit entfernt in unnötige Kriege einzumischen. Für eine bewährte Solidarität unter Staatsbürgern in Uniform und für Solidarität gegenüber jenen, die sich bei uns diese Bürgerrechte verdient haben. Stellen Sie sich mit uns gegen eine Solidarität mit scheindemokratischen Büro(- statt Demo)kratien, welche mittelalterliche Stammesgesellschaften ins 21. Jhr. bomben. Zwischen Staaten gibt es nämlich (anders als zwischen Bürgern) keine Freundschaften, nur Interessen.

    • E. Haas sagt:

      Herr Kälin, es geht nicht um die Verherrlichung von „Ueberkriegern“, sondern um eine Armeekonzeption und Struktur die auf die effektiven Gefahren / Bedrohungen der heutigen Zeit ausgerichtet ist und die Uneinsichtigkeit der verantwortlichen politisch-militärischen Funktionsträger diesem Umstand Rechnung zu tragen und ihren staatspolitischen Auftrag wahrzunehmen.
      Fakt ist, die „versprochenen“ Zusatzgelder (Erhöhung Vtg-Budget auf 5 Mrd Fr und 3.1 Mrd Fr für Kampfjets) vom Herbst 2011 sind alles andere als gesichert, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit werden diese beiden angekündigten, im alten Parlament durchgedrückten Begehren durch das neue Parlament rückgängig gemacht werden und dann?
      Die CH-Armee als „Schule der Nation“ (Integration) hat ausgedient, die Integration der Secondos ist durchaus ein Aspekt den es zu würdigen gilt (ich machte damit gute Erfahrungen als Kp Kdt), ist aber nicht der Hauptzweck der CH-Armee. Andere Länder kennen diese Art der Integration auch nicht und zudem werden die weiblichen Angehörigen der Secondogeneration nicht berücksichtigt. In anderen – den allermeisten – Ländern Europas und des Westens erfolgt die Integration der zweiten und dritten Generation der ehemals eingewanderten ausländischen Einwohner auch nicht über die allgemeine Wehrpflicht.
      Integration ist kein staatspolitischer Auftrag für die Armee, ausgenommen in Israel, das innert 63 Jahren von 650’000 auf 5.900 Mio Juden anwuchs und zudem direkt innerhalb seines Territoriums und an seinen Grenzen militärisch und durch Terror bedroht ist und an der allgemeinen Wehrpflicht festhalten muss um sich im Nahen Osten behaupten zu können, eine DD-Wehrpflicht von 3 Jahrgängen verankert hat, ca 150’000 Soldaten/-innen, zudem weitere 500’000 WK-Miliz-Reservisten aufbieten kann, ca 40’000 Berufspersonal im Dienst hat und ein jährliches Vtg-Budget von ca 15 Mrd Fr ausweist (inklusive US-Militärhilfe). Was in Frankreich und einigen anderen Ländern bezüglich Integrations- und Ausländerpolitik falsch gelaufen ist (inklusive ihren ehemaligen Kolonialgebieten auf der ganzen Welt), ist verheerend, hat aber nichts mit dem CH-Armeebestand zu tun, es gibt auch positivere Beispiele der Integrationspolitik in anderen Ländern und ich meine damit die grosse Mehrheit der ausländischen Bevölkerung und nicht die extremistischen Elemente die teilweise von eigenen Glaubenskonvertiten zusätzlich radikalisiert werden um ihre neuen Heimatländer zu destabilisieren und um einen umfassenden antidemokratischen, religiös-politischen Umbau einzufordern. Soviel zum Thema Ausländerintegration durch die nationalen Streitkräfte, das ist kein Auftrag für die Armee.
      Bis zum Ende des kalten Krieges machte die allgemeine Wehrpflicht Sinn (die meisten NATO/EU-Staaten waren gleich organisiert, haben aber nun seit Jahren schon einen Streitrkräftesystemwechsel vollzogen), da sind wir uns einig. Fakt ist aber auch, dass die CH-Armee seit den 1990er Jahren viel zu viele Soldaten rekrutiert und das kostet auch viel zu viel bezogen auf den „Ertrag“ (Sicherheit kann effizienter „produziert“ werden). Werden nämlich die Lohnfortzahlungen (und dienstbedingten Absenzen) für die ca 6 Mio Diensttage (EO für RS-Diensttage / Kaderschulen / WK-Diensttage, etc) zusammengerechnet, ergeben sich Nebenkosten von ca 4 Mrd Fr, zusammen mit den ausgewiesenen Vtg-Kosten von ca 4.0 Mrd Fr (im VBS weiss man es ja nicht einmal selbst, im Herbst 2011 wurden x-verschiedene Zahlen herumgeboten, von 3.8 Mrd bis 4.2 Mrd Fr für die Verteidigung war zu lesen), sind das total ca 8 Mrd Fr, das entspricht 1.45 % des BIP von 550 Mrd Fr, diese „Nebenkosten“ trägt und belastet die Volkswirtschaft und für 1.45 % BIP-Ausgaben für die Armee darf man mehr erwarten als das permanente in den Medien dargestellte und tatsächliche Chaos und Durcheinander, demotivierten Miliz-AdA, Kadermangel, Stäben die nur noch zur Hälfte besetzt sind, permanenten Dienstverschiebungen, ca 50% der WK-Miliz muss ihre Dienste aus beruflichen oder anderen Gründen jährlich verschieben, 70% sind mit ihren Dienstleistungen im Rückstand, mit 34 Jahren werden sie dann – ob die Diensttage geleistet wurden oder nicht – sowieso aus der Armee entlassen… komplizierter, chaotischer und aufwändiger geht es kaum noch, das sind unhaltbare Zustände und diese Armeeorganisation ist Ausdruck der mentalen Rückstände aus dem 20en Jahrhundert.
      Die CH-Armeeführung hat es verpasst den Wandel der Zeit zu verstehen und die Armee so aufzustellen, dass Auftrag – Personal – Mittel – Akzeptanz im Einklang stehen, sie ist überfordert die Zeichen der Zeit zu lesen und den Epochenwechsel zu vollziehen.
      Das gegenwärtige Mengengerüst der CH-Armee (Bestände an Material, Waffen, Logistik) entspricht einem Armeebestand von ca 50’000 AdA (wohl eher bei 40’000 AdA), auf dem Papier sind aber 140’000 AdA eingeteilt (20’000 Rekr und 120’000 WK-Miliz) plus noch ca 80’000 Reservisten ohne WK-Pflicht. Gemäss dem Beschluss vom Herbst 2011 soll die Armee nun weiterhin ca 20’000 Rekr-AdA plus 100’000 WK-Miliz-AdA umfassen ab 2014, also 120’000 AdA (ohne Pseudo-Reserve). Nach wie vor ein viel zu hoher Armeebestand mit ausufernden Betriebskosten und zuwenig Investitionen und Erneuerungen (die 5 Mrd Fr – Budgeterhöhung bleibt illusorisch und wird scheitern), am Geld wird es sowieso fehlen um diesen 120’000 Armeebestand vollständig auszurüsten und man darf sich auch fragen, wozu die Schweiz eine vollausgerüstete 120’000 AdA-Armee eigentlich braucht und gegen wen?
      Die gegenwärtigen Auseinandersetzungen mit der EU und den U.S.A. betreffend Banken, Steuerhinterziehung und dergleichen kann jedenfalls nicht mit anderen als politischen Mitteln gelöst werden und die beiden „Opponenten“ haben auch keine militärischen Pläne gegen die Schweiz vorzugehen und falls ja, als denkbare aber völlig unrealistische Option, wäre die einfachste Lösung die Gesetze entsprechend anzupassen und durchzusetzen und die strafbaren (rechtsbürgerlichen) „Bankster“ (Banker und Gangster) auszuliefern, die darauf aus sind unsere Bevölkerung und Wirtschaft weiterhin rücksichtslos zu beschädigen und auszubeuten (oder diese kriminellen Elemente bei uns abzuurteilen), ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass sich Schweizer Soldaten dem Heldentod hingeben um diese kriminellen Abzocker zu schützen und zu verteidigen: Sterben für die „Bankster“? Niemals!
      Es ist die gleiche elitäre abgehobene Kaste, die über Jahrzehnte in Anspruch nahm uns vorzuschreiben was richtiges und falsches Denken war, wer ein guter und wer ein schlechter Eidgenosse und Schweizer sei, ein guter Bürger war vor allem jener der sich ausbeuten liess ohne dieses kriminelle Treiben zu hinterfragen. Soviel zur Militärdienstleistungsmotivation.
      Die klaffenden Lücken zwischen Personalbestand und Materialgerüst der CH-Armee zu schliessen (das Budget bleibt bei ca 4 Mrd Fr) bedeutet die Armee vernünftig zu verkleinern, die Wehrpflichtabschaffungs-Initiative ist ein guter Anfang um diese Diskussion aufzunehmen und zu neuen, tragfähigen und nachhaltigen Lösungen zu kommen, egal was sich dann auch durchsetzen wird an der Abstimmung (allenfalls mit Gegenvorschlag). Von den jährlich ca 30’0000 wehrpflichtig werdenden Männern braucht die Armee aktuell ca 20’000, die anderen 10’000 leisten dann Bevölkerungsschutz, Zivildienst oder sind effektiv dienstuntauglich.
      Vielleicht sieht ein Gegenvorschlag zur Wehrpflicht-Initiative vor, dass künftig Dienstwahlfreiheit ist, vielleicht leisten dann nur noch 5’000 – 10’000 Militärdienst (freiwillig oder durch das Los, wären zu definierende Kriterien), das Gros leistet Bevölkerungsschutz (inklusive Feuerwehr, Rettungsdienste) oder Zivildienst (Altersheime, soziale Einrichtungen, etc), wobei festzuschreiben wäre, dass die Armee Anspruch auf mindestens 5’000 neue Rekruten, maximal 10’000 neue Rekruten jährlich hat, diese leisten dann ihren Militärdienst als Durchdiener (6 Monate), wer Durchdiener war kann sich dann auch in der Freiwilligen-Miliz melden und weiterhin Dienst leisten, analog zu Schweden, Norwegen, Dänemark und teilweise Oesterreich, die dieses Dienstleistungsmodell auch kennen (und damit KMob-Bestände zwischen 50’000 – 80’000 Truppen mobilisieren können), mit Berufskadern und Zeitmilitär, DD-Wehrpflicht, einer freiwillige Reserve bzw „Heimwehr“ und diese jungen Männer und Frauen leisten motiviert und engagiert ihren Dienst als grundwehrdienstleistende Rekruten (mit angemessener Bezahlung) und können sich danach für ein paar Jahre als Zeitsoldaten in PSO-Einsätzen oder für andere Aufträge verwenden lassen. Für die Schweiz ergäbe das einen neuen Armeebestand von maximal 40’000 bis 60’000 AdA je nach Ausgestaltung, ein Bestand der den tatsächlichen Risiken und Bedrohungen entspricht und nicht den Auftrag hat einen klassisch-konventionellen Krieg in Europa zu führen (die damalige serbische Nationalisten-Armee, 1999 im Kosovo-Krieg, von Personalumfang und Stärke her mit der aktuellen CH-Armee vergleichbar, wurde in einem 2-monatigen NATO-Luftkrieg ausgebombt und zerstört ohne dass eine Landoffensive durchgeführt werden musste).
      Die Skepsis, dass sich nur „Rambos“ für den Militärdienst melden würden ist falsch, die Armeeführung und das Berufskader sind für Führung und Ausbildung verantwortlich und ich gehe davon aus, dass es in dieser Hinsicht in der Armee stimmt und sich die Armeeführung bewusst ist, dass die Armee das Spiegelbild einer multikulturellen und multidiversen Gesellschaft ist (trifft leider nicht in allen Bereichen und für alle Berufskader zu, da hat es auch überführte Rassisten, Bombenleger und Munitionsdiebstahl-Kdt auf der Lohnliste der Eidgenossenschaft). Trotz diesen allfälligen Bedenken betreffend einem Epochenwechsel in der Armeepolitik, einer solchen neuen CH-Armee, mit einem (freiwilligen) DD-Modell mit einer Freiwilligen-Miliz, ist sie keine Gefahr für die Demokratie, die angeblich bessere demokratische Kontrolle von Wehrpflichtarmeen ist ein Mythos. Oft wird argumentiert, dass Wehrpflicht-Armeen demokratisch besser kontrolliert seien als Freiwilligenarmeen. Die angelsächsischen Staaten bevorzugten seit jeher Freiwilligenarmeen und führten nur in Notlagen Mischformen von Freiwilligen- und Wehrpflichtarmeen ein. Die Geschichte zeigt, dass in Grossbritannien, Kanada, Australien, Neuseeland oder den USA nie die Gefahr einer demokratiefeindlichen Militärkaste bestand, die eine Machtübernahme im Staat anstrebte. In Chile (1973 – 1990), Argentinien (1976 – 1983), Brasilien (60er und 70er Jahre), Uruguay (1974), sowie andern lateinamerikanischen Staaten, der Türkei (verschiedene Putsche mit mehrjähriger Militärherrschaft) und Griechenland (1967–74) waren es stets Wehrpflichtarmeen, die sich an die Macht putschten und über Jahre hinweg die eigene Bevölkerung unterdrückten. In Frankreich versuchten rechtsextreme OAS-Generäle 1960 – 1962 mit Hilfe von wehrpflichtigen Truppen den gewählten Präsidenten (General) de Gaulle zu ermorden und wegzuputschen und die Grande Nation in einen Bürgerkrieg zu stürzen um ihre Pfründe und nationalistischen Gelüste zu befriedigen (Algerienkrieg). In Oesterreich 1934 (sozialpolitische Unruhen) und auch in der Schweiz war es eine Wehrpflichtarmee, die während des Generalstreiks 1918/19 und in Genf 1932 auf die eigene Bevölkerung schoss. Richtig ist vielmehr, dass es unabhängig vom Armeemodell zentral ist, wirksame Instrumente der demokratischen Kontrolle über die Streitkräfte durchzusetzen.

    • Y. Blau sagt:

      Ich habe mir das Wocheennde über die Münchner Sicherheitskonferenz im Internet angeschaut. In einer der Gesprächsrunden, wo es um “Smart Defence” ging, hat ein amerikanischer Teilnehmer darauf hingewiesen, dass die Vereinigten Staaten von ihren Alliierten erwarten endlich die Zielvorgabe von 1,5% BSP für ihre Wehrhaushalte aufzuwenden. Da gibt es offenbar eine Diskrepanz der Vorstellungen. Wir sind natürlich frei die Höhe unserer Ausgaben selber festzulegen. Die Frage ist aber halt schon, wenn man zu wenig ausgibt, nicht sich dem Verdacht aussetzt als Trittbrettfahrer von der Bürde seiner Nachbarn profitieren zu wollen. – Nach SIPRI waren wir 2009 auf 0,8% während wir 1988 auf 1,7% waren.

    • Fritz Kälin sagt:

      Herr Haas, Sie sind wenigstens gut informiert und machen sich ehrliche Sorgen und Gedanken um unsere Armee. Auch wenn ich (einfacher Soldat) Ihre Schlussfolgerung weiterhin nicht teile, wünschte ich mir mehr Offiziere, die selber zu denken vermögen.
      Unser Streitgespräch hat einen Kernstreitpunkt und ich möchte zur Problemanalyse einen Lösungsansatz beisteuern:
      Ich sage, wir haben nicht zu viele AdAs, sondern zu wenig Material und/oder die falschen Aufgaben für sie vorgesehen. “Material, Waffen, Logistik) entspricht einem Armeebestand von ca 50’000 AdA (wohl eher bei 40’000 AdA)” Daran wird die Politik tatsächlich nicht allzu viel ändern.
      Statt einer neuen grundlegenden Reform könnte man am Aufwuchskonzept der AXXI anknüpfen. Wie wäre es, wenn man mit dem vorhandenen Material die fünf jüngsten Jahrgänge ausrüsten würden und die AdAs z.B. ca. ab dem 25. Lebensjahr aus dem ‘zentralisierten Aufwuchskern’ in eine dezentralisierte ‘Landwehr’ überführt? Es bringt ja nichts, dass heute 21 und 29jährige mit denselben SPz im WK üben, aber im Ernstfall nur einer von beiden tatsächlich ein Fahrzeug hätte… Stattdessen hätte man eine zweigleisige (nicht zweiklassige) Armee mit
      a) einem kleinen, jungen (u26), modern ausgerüsteten und gut trainierten Aufwuchskern und
      b) eine fast nur mit pers Ausrüstung ausgestattete, aber flächendeckend und schnell verfügbare Fusstruppe (ü25)
      RS und die ersten 2,3 WKs der u25 wären glaubwürdig.
      Die WKs der ü25 wären viel kürzer und geographisch möglichst nahe am Wohnort.
      Jeder AdA bekommt damit Aufgaben zugewiesen, für die er auch tatsächlich ausgerüstet/ausgebildet ist. Bleibt genug Vorwarnzeit, wird Material für die älteren Jahrgänge eingekauft. Diejenigen, für die nicht rechtzeitig schweres (teueres) Gerät beschafft werden konnte, können wenigstens begrenzte Aufgaben wahrnehmen und so die Kerntruppe entlasten. (Die LW sei hier noch ausgeklammert)
      Zu einigen anderen Punkten:
      – Zur Integration: Die Armee wäre natürlich nur eines von diversen Integrationsmitteln, aber sie kann und soll ihren Beitrag leisten.
      – Wie ‘demokratiefeindlich’ eine Armee letztlich ist, hat wohl mehr mit Kultur, Geschichte und Intention eines Landes und seiner Offiziere als mit der Armeestruktur zu tun. Die Briten verordneten ihrer eigenen Erfahrung folgdend dem besiegten Deutschland 1919 eine 100’000 Mann Berufstruppe (Frankreich hatte eine 200’000 Mann Wehrpflichttruppe gefordert (wenn ich mich recht erinnere)). Solange Leute wie Herr Haas in unserer Milizarmee brevetiert werden, brauchen wir sicherlich keine Angst vor unserer eigenen Armee zu haben. Ob kritische Bürger aber auch ohne Wehrpflicht eine Offizierslaufbahn wählen, wage ich zu bezweifeln. Eine ‘zu grosse’ Armee kann bei der Kaderauswahl einfach wählerischer sein.

    • E. Haas sagt:

      Herr Kälin, das wäre die neue “Weissgeld-Strategie” für die CH-Armee, entspricht in etwa den Streitrkäftekonzeptionen der skandinavischen Länder Schweden (freiwilliger Wehrdienst mit jährlich 6000 neuen Rekruten, Zeitsoldaten, Berufskadern und einer Heimwehr, bzw dieser oben beschriebenen “Ueber 26 Jahre – Lokalverteidigung / Landwehr”, maximale KMob-Stärke ca 60’000 Truppen), Dänemark (analog Schweden) Norwegen (allgemeine Wehrpflicht, maximal werden ca 10’000 neue Rekruten jährlich eingezogen, die Hälfte von ca 20’000 dienstpflichtigen männlichen Norwegern, ebenfalls Zeitsoldaten, Berufskadern und einer freiwilligen Territorialverteidigung, maximale KMob-Stärke ca 80’000 Truppen), teilweise auch Finnlands, welches seine Wehrpflicht nach wie vor vollumfänglich durchsetzt und eine Gesamtstärke von ca 350’0000 Soldaten mobilisieren kann (sollen auf ca 250’000 gesenkt werden) und dies klar aufgrund der Kriegserfahrungen mit der Ex-UdSSR und der langen gemeinsamen Grenze mit Russland aufrechterhalten will und für Finnland ist Russland der potenzielle Hauptgegner (Finnland ist EU-Mitglied, aber kein NATO-Mitglied).
      Wobei zu unterscheiden ist, dass Finnland eine Zweikomponenten-Armee unterhält: Operative Kräfte und die Territorialverteidigung.
      Erstere sind modern ausgerüstet und werden von den jüngeren Jahrgängen gestellt, zweitere sind lokale Vtg-Einheiten über das ganze Land verteilt, mit primär Infanterie-Ausrüstung und (alter) Artillerie (gezogenen Kanonen, Minenwerfern).
      Die Schweiz im Zentrum Europas, umgeben von einem zwei-dreifachen EU/NATO-Gürtel, braucht aber nicht eine derart umfangreiche Gesamtverteidigungskonzeption (wie im kalten Krieg), eher ein Modell wie es Schweden, Dänemark und Norwegen adaptiert haben (oder allenfalls Irland).
      Finnland: ca 5.4 Mio Einw / Vtg-Ausgaben: ca 3.5 Mrd Fr / 1.3% BIP
      Finnland / Streitkräfteumfang 2011
      Personal:
      – Berufskader 9’000
      – Zivilangestellte 7’000
      – Durchdiener-Wehrpflichtige 26’000 (6 Mt Sdt / 9 Mt Uof / 12 Mt Of)
      Total aktive Truppen 35’000 AdA
      Gesamtstärke finnische Armee:
      – Operative Verbände 75’000 (Vollausgerüstete Kampfverbände)
      – Territoriale Miliz-Reserve 250’000 (Territorialverteidigung)
      – Grenzwachtruppen 3’500
      Die operativen Truppen bestehen aus aktiven DD-Wehrpflichtigen und ehemaligen die DD-Wehrpflicht erfüllten jungen Reservisten die nach erfolger DD-Wehrpflicht noch jeweils zwischen 40 bis 100 Tage eine Wiederholungskurspflicht in diesen operativen Verbänden erfüllen müssen (Soldaten leisten 40 Tage, Uof und Spezialisten 75 Tage, Offiziere und weitere Spezialistenfunktionen 100 Tage).
      Jährlich werden ca 25’000 Reservisten beübt, jeder Reservist der operativen Verbände erfüllt seine zusätzliche Reservisten-Dienstpflicht innerhalb von 10 Jahren nach Erfüllung der DD-Wehrpflicht.
      Die territoriale (lokale) Miliz-Reserve besteht aus Reservisten die ihre Dienstpflicht erfüllt haben und diesen Reservisten-Verbänden zugeteilt sind. Militärtrainings (Kurse) sind freiwillig, können aber auch von den Militärbehörden angeordnet werden wenn die Bedrohungslage Finnlands dies erfordert. Das Material für diese territorialen Verbände ist vorhanden, wird in Depots unterhalten, es handelt sich vor allem um älteres, robustes und einfacheres Militärgerät, das im KMob-Fall den mobilisierten Territorial-verbänden zugeführt würde.
      Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Finnland 35’000 aktive Truppen und ca 25’000 WK-Truppen jährlich im Dienst hat, plus ein paar tausend freiwillige Reserve-Miliz-Truppen die sich einer militärischen Weiterbildung unterziehen. Insgesamt also ca 60’000 AdA als sofort verfügbare Einsatz- und Bereitschaftstruppen. Das Gros der finnischen Streitkräfte wird erst stufenweise mobilisiert wenn es die Bedrohungslage erfordert (Russland als potenzieller Feind / Winterkrieg 1939-40 / Folgekrieg 1941-44 und daraus folgenden Terrirtorialverlusten).
      Auslandseinsätze (UNO, EU, NATO):
      Afghanistan, Kosovo, Militärbeobachter / total ca 800 für UNO-PSO eingesetzt / jährliche Kosten ca 100 Mio Euro; Finnland hat seine Obergrenze auf maximal 2000 AdA fest-gelegt die für Auslandseinsätze aufgeboten werden können, ab 2011 wird Finnland als EU-Mitglied Teile der EU – Nordic Battle Group alimentieren (ca 1-2 Inf Bat), bis heute leisteten über 44’000 Finnländer Auslandseinsätze mit ihrer Armee (seit den 1950er Jahren).

  9. Elmar Hutter sagt:

    Die Bedrohungslage kann sich innerhalb weniger Wochen völlig ändern. Sollte es zu einem neuen Krieg im Nahen Osten kommen, ergäbe sich ein gesteigertes Wettrüsten in der Nachbarschaft. Die Entwicklung ist jedenfalls nicht vorauszusehen. Dass sich die Schweiz auf den
    Schutz unserer Nachbarstaaten zur Erde und in der Luft verlassen kann, bleibt Wunschdenken. Die eingeleitenden Reformen in der Sicherheitspolitik zahlreicher Nachbarstaaten deuten eher darauf hin, dass viele NATO-Mitglieder in Zukunft nur mit Mühe den Schutz ihres eigenen Territoriums garantieren können (s. neueste Auflistung der ASMZ).

  10. Hans Ulrich Suter sagt:

    @Haas: Ich glaube es schon mal gesagt zu haben. Meiner Meinung nach ist ihre Einschätzung der englischen Luftwaffe und der englischen Politik völlig absurd. Die Defiants waren bekanntlich eine absolute Fehlentwicklung und gehörten wie der Gladiator (dieser wurde erfolgreich in Aegypten und Finnland eingesetzt) zu den den “modernen” Flugzeugen. Bis kurz vor Ausbruch hat die politisch entscheidende Schicht um Chamberlain (zumindestens offiziell) verkündet, dass es keinen Krieg gibt. In der Schweiz gibt es ähnliche Zitate von Bundesräten, das von Politikern ungeliebete Volk sah das allerdings schon früh ziemlich anders…. Die berühmte Schlacht um England wurde sehr knapp entschieden, aus verschiedenen Gründen, mein Lieblingsgrund ist der , dass die Deutsche Luftwaffe von einem Drogenabhängigen geführt wurde. Ausserdem hat man den Fehler gemacht nicht sofort eine Luftlandung durchzuführen, denn durch die pazifistische Grundhaltung Englands und der dadurch bedingten Vernachlässigung der Homeguard (da ist dann die 2. Analogie zur heutigen Schweiz) zwischen den Kriegen wäre diese sicher ein Erfolg gewesen. Ich hätte es ganz sicher versucht! Da können wir eigentlich schon von Glück reden. Aber auch die Schweiz hatte jetzt zweimal (vielleicht dreimal) extremes Glück, dies wird nicht vorhalten und die Welt ändert sich und die EU wird vielleicht nicht auseinanderbrechen, aber sie wird schon in ein paar Jahren völlig anders aussehen und ziemlich sicher nicht mehr so friedlich sein.

    • E. Haas sagt:

      Herr Suter, eine falsche Lagebeurteilung machten alle Staaten in den 1930er Jahren bezüglich dem Faschismus, bzw dem gefährlichsten Politiker, seinem Buch (“Mein Kampf”) und dann – als die NSDAP an der Macht war – der gefährlichsten Nation der damaligen Welt, Nazi-Deutschland (neben Italien und Japan). Und zum Glück widerstand das Vereinigte Königreich (GB), als einzige grosse westliche demokratische Nation, dem Ansturm der deutschen Kriegsmaschinerie, völlig auf sich alleine gestellt bis zum Juni 1941 (“Barbarossa”, deutscher Ueberfall auf die UdSSR), bzw Dezember 1941 (Kriegseintritt, bzw deutsche Kriegserklärung an die U.S.A.).
      Nennen Sie doch einmal welcher Staat wiederum diese Rolle in Europa einnehmen könnte in den nächsten 10 – 20 – 30 Jahren? Angesichts der französischen und britischen Atomwaffen und der Präsenz der US-Streitkräfte in Europa würde ein neuer (deutscher) Expansions- und Eroberungskrieg wohl rasch in einen Atomkrieg eskalieren… so unwahrscheinlich dieses Szenario auch sein mag. Die Gesamtlage ist doch überhaupt nicht mehr mit den Zuständen der damaligen (europäischen) Welt, vor 80 Jahren, zu vergleichen.
      Russland, China, die arabisch-islamischen Staaten, der Iran, Indien können Europa (NATO/EU) jedenfalls nicht militärisch erobern, haben weder ein Interesse daran, noch die Kapazitäten dazu, es bleibt einzig die tatsächliche Bedrohung durch ballistische Waffenträger (Raketen, Cruise Missiles) mit unkonventionellen Sprengköpfen und Terroristen-Angriffe (Islamistische Terrorgruppen, links- und rechtsextremistischer Terror).

    • Hans Ulrich Suter sagt:

      Sie können einfach alle Staaten aufzählen: Der Faschismus ist eine Idee nicht ein Staat, gewisse Grundzüge entdecke ich aber immer auch heute, v.a. bei linken Parteien (eben Nationalsozialisten…), er beinhaltet unter anderem den Jugendlichkeitswahn, den Gesundheitswahn, den Glauben an die Ueberlegenheit von Expertenwissen über demokratischen Entscheidungen, usw.. Der NaSo (Nationalsozialismus, wie JuSo…) sucht dann noch zusätzlich Schuldige (wie die Juden) für eine bestimmte Situation, auch das ist heute sehr beliebt, sogar die Karikatur des dicken jüdischen Bankers findet man heutzutage bei der ganzen “Finanzkriese”. Kurz und gut es ist ein politischer Trend der gefährlich ist nicht ein Staat. Tatsächlich wirkt die amerikanische “Gast”-armee (die aber laufend reduziert wird) beruhigend auf die europäischen Staaten, aber wie lange noch?
      Selbstverständlich könnten theoretisch andere Staaten Europa mit konventionellen militärischen Methoden Europa erobern und v.a. könnten sie glauben, dass das geht, wenn alle europäischen Staaten die ganze Zeit ausrufen, wir rüsten ab, es gibt keine Kriege mehr, wir sterben lieber kampflos als im Kampf, usw.
      Militärisch überlegen sind alle von Ihnen aufgezählten Länder, mit Ausnahme des Irans. Es gibt gewisse Zweifel an der Effektivität der Waffen in arabischen Armeen, aber das ist wahrscheinlich eine Mischung zwischen “wishful thinking” und rassistischer Arroganz.
      In der Schweiz, wie sie jetzt ist, wären kleinere militärische Aktionen schnell und ohne anzunehmende Gegenwehr problemlos durchzuführen und zwar solche die man in meiner Jugendzeit (1970-1990) abgewehrt hätte. Grosse militärische Aktionen waren nie abwehrbar, aber auch unwahrscheinlich. Dadurch dass eben diese Abwehr nicht mehr möglich ist (wenn sich das VBS und seine Geldgeber nicht endlich zusammenreissen) werden kleinere militärische Aktionen natürlich wahrscheinlicher unabhängig von den Entwicklungen der EU.
      Ich mache aber gerne darauf aufmerksam, dass aus der EU kürzlich kriegerische Töne wie Kavallerieangriff auf die Indianer in der Schweiz, oder Schandfleck in Europa der entfernt werden muss, kommen, also die Zukunft verheisst da nichts gutes, auch wenn viele europäische Politiker im Moment wohl vor “Kriegen” zurückschrecken, aber natürlich nicht vor “humanitären AKtionen” …
      Es gibt zudem die “soziologische” Theorie, dass der Staat, der “zuviele” junge männliche Erwachsene hat einen Krieg mit Sicherheit anfangen wird (Gründe wären dann evolutionsbiologischer Natur). Jetzt gehen Sie einfach hin, schauen die Staaten an und schon haben sie ein paar interessante Agressoren….Auch das eher eine einfache Uebung für den angehenden Strategen. Das ist dann eher eine Bedrohung für gesamt-Europa, also eine andere Konfliktlinie.
      Ach ja und die Vergleichbarkeit. Natürlich ist die Situation nicht identisch, das wäre dann doch zu albern, sondern es gibt Analogien. Die Analogien bestehen aber nicht nur mit den 30ern sondern v.a. auch zur Zeit vor dem grossen Krieg (1. WK), da sind es dann der Glaube an den Internationalismus und die wie dann gezeigt berechtigte Vermutung, dass ein moderner Krieg mit den neuen Sprengstoffen, Maschinengewehren und Kanonen eigentlich nicht mehr vernünftig zu machen ist und dass es daher keine Kriege mehr gibt. Im 1. WK hatte die Schweiz das unglaubliche Glück, dass sie ersten als vollständig verarmtes Land (was viele nicht mehr wissen) aus dem Fokus der europäischen Mächte verschwand und gleichzeitig der preussische Generalstab aus irgendeinem Grund immer im Norden durch Frankreich durch will, keine Ahnung ob das schon untersucht wurde, aber die Schweiz war damals nicht das Ziel. Uebrigens interessant, dass es auch damals “Modernisten” gab, die die Schweiz nur mit Maschinengewehren verteidigen wollten, weil alle anderen Waffen völlig veraltet waren.

    • E. Haas sagt:

      Herr Suter, Ihr Zitat: Selbstverständlich könnten theoretisch andere Staaten Europa mit konventionellen militärischen Methoden Europa erobern und v.a. könnten sie glauben, dass das geht, wenn alle europäischen Staaten die ganze Zeit ausrufen, wir rüsten ab, es gibt keine Kriege mehr, wir sterben lieber kampflos als im Kampf, usw.
      Militärisch überlegen sind alle von Ihnen aufgezählten Länder, mit Ausnahme des Irans.
      ***
      Wenn ein Land nicht kämpfen will und kann, klar, dann ist die Sache gelaufen.
      So wie das “Ancien Régime” 1798, das Tagssatzungs-Regime des alten Helvetiens, ein aristokratisch-feudalistisch-oligarchisches Herrschaftsystem das die Hälfte der damaligen helvetischen Bevölkerung unterdrückte, entrechtete und kolonialisierte und das dann innert kürzester Zeit von den französischen Revolutionsheeren weggefegt wurde, jeder Kanton für sich und die Imkompetenz der damaligen helvetischen Heerführer und das Versagen der Truppen mangels ausreichenden Können des Militärhandwerks, beschleunigte die totale Niederlage noch (die helvetische Aristokratie kämpfte vor allem für sich selbst und den aus dem einfachen Volk zusammengeplünderten Reichtum), und daraus entstand zu unserem Wohl dann, 50 Jahre später, am 12.09.1848, der neue vereinte liberale Bundesstaat Schweiz.
      Da kann man sich ja fragen, ob es sich lohnt für ein derart korruptes und verkommenes Regime zu kämpfen oder sich für die Revolution und eine neue Ordnung zu entscheiden, die Mehrheit entschied sich für die Freiheit, eine neue liberale Ordnung, ansonsten wäre dann noch ein paar alteingesessenen helvetischen Aristokraten und Patriziern noch in den Sinn gekommen eine Monarchie in Helvetien einzuführen, die damals auch noch en vogue war, zumindest bis 1793 (als in Frankreich der gestürzte König guillotiniert wurde).
      Etwas anders sieht es wohl im Europa des frühen 21en Jahrhunderts aus:
      EU/NATO können und wollen verteidigen und kämpfen, für Demokratie und Freiheit. Kein einziger EU/NATO-Staat hat in seiner Verfassung oder Militärdoktrin erwähnt, dass er sich kampflos ergeben werde, es geht um Konfliktprävention, aufrechterhalten glaubwürdiger militärischer Fähigkeiten und wenn es dann sein muss und nicht anders geht, um Kriegsführung.
      Nach der feindlichen militärischen Okkupation, nach einer militärischen Niederlage, beginnt sich der Widerstand zu organisieren, überall, auch wenn das besetzte und unterjochte Volk an und für sich friedlich ist und keine oder wenig Waffen im Umlauf hat (siehe Dänemark, Norwegen, Niederlande, Belgien im 2en Weltkrieg), erst recht das besetzte Polen, Frankreich, die UdSSR, Kriegernationen, oder in jüngerer Zeit in den unzähligen Kolonialkriegen und in Vietnam, Afghanistan, Irak, etc.
      Neue Grossmächte wie Indien haben wohl effektiv andere strategische und wirtschaftliche Interessen als sich mit der EU/NATO anzulegen und Krieg zu führen, 7000 km entfernt, Indien hat wohl noch andere Prioritäten: Konflikt um Kaschmir mit Pakistan, Vielvölkerstaat, Bevölkerungswachstum, multiethnische und religiöse Herausforderungen, Wirtschaftsentwicklung, Jobs, Nahrungsmittel, Rohstoffe, dasselbe gilt für Rot-China welches ähnliche Herausforderungen wie Indien hat und sein Hauptinteresse nach Taiwan und das südchinesische Meer ausgerichtet hat, zwar sind beides Nuklearstaaten, aber doch niemals eine reale Bedrohung für die EU/NATO (ausgenommen die Kernwaffen).
      Die Soziologie-These, dass ein Ueberschuss männlicher Jugendlicher zu bewaffneten Konflikten führen kann ist bekannt, führt aber nicht automatisch zu Kriegen, sonst würden ja Millionen von jungen Arabern Europa stürmen (eine Invasion mit Holzbooten), Israel überrennen und so weiter, dann wäre der Planet Erde schon heute in einem apokalyptischen Weltuntergangskrieg gefangen, niemand hat daran ein Interesse.
      Zudem widerspricht Ihrer These der militärisch schwachen und abgerüsteten, nicht kampffähigen, EU/NATO-Staaten der erfolgreiche Luftkriegs-Einsatz in Libyen von Februar bis August 2011, die früheren Kampfeinsätze in Ex-Jugoslawien (1991 – 1995 und 1999), das ganze dann noch mit der UNO koordinieren ist extrem schwer, zeigt aber, dass es geht, wenn alle am gleichen Strick ziehen (die Schweiz lässt sich dann jeweils aus den Medien informieren, bzw den Sieg melden, so wie der inkompetente Offizier im geschützen und komfortablen rückwärtigen Gefechtsstand, dass die Luft wieder rein ist um in den “befreiten” Staaten neue Geschäftsbeziehungen zu suchen, wo sie dann meist leer ausgeht).
      Die falsch verstandene “Ego-“Neutralität in der Form wie sie im 2en Weltkrieg appliziert wurde, damals war die Neutralität gegenüber den kriegführenden Nationen die beste Ueberlebensstrategie für die Schweiz sich schadlos zu halten, ist tempi passati und zeugt von wenig Verständnis und Solidarität für das westliche Lager nach dem kalten Krieg (zu dem wir unbestritten gehören, ein Aggressor macht da keinen Unterschied im 21en Jahrhundert). Hätten uns die EU-Staaten nicht in der Libyen-Geiselkrise 2009 – 2010 aus dem Schlamassel geholfen, wären die beiden CH-Geiseln nie mehr rausgekommen, bzw kaum lebend befreit worden nach dem Sturz des libyschen Diktators und zu einer Geiselbefreiung wäre die CH-Armee mangels der ganzen dafür notwendigen Ausrüstung, Logistik und Allierten überhaupt nie in der Lage gewesen (das wäre ja ein Fiasko sondergleichen geworden).
      Den ehemaligen BRD / SPD-Finanzminister Steinbrück und seine Kavallerie-Sprüche ernst zu nehmen, na ja, seine beabsichtigte Wirkung hat er damit ja erzielt. Sie wissen ja selber wie kriminell sich die CH-Bankster als Elefanten im Porzellanladen aufführen und auch unsere Wirtschaft beschädigen, einmal mehr. Affaire à suivre… Dieser Wirtschaftskonflikt kann nicht mit anderen als mit politischen Mitteln gelöst werden. Und die EU wird die Schweiz auch nie zu einem Beitritt zwingen, wenn wir als bilateraler EU-Partner nur zahlen und ausführen wollen ohne Mitsprache und Einflussnahme, na dann, ist so gewollt, dann soll es so sein.
      Die Zeiten haben sich eben geändert, die Schweiz kann nicht nur immer die hohle Hand machen, den Fünfer und das Weggli bekommen und dann noch Gratis-Trittbrettfahrer in der Sicherheitspolitik sein.
      Und das gilt auch für die künftige Armee-Organisation:
      Das ganze Argumentationsgebäude für die vollumfänglich und allgemeine durchgesetzte Wehrpflicht (und Wehrungerechtigkeit) ist so hohl und verlogen und wirklichkeitsfremd, dass ein entschlossener Minister es praktisch ohne nennenswerten Widerstand einreissen können wird. Wetten, dass das auch in der Schweiz ganz schnell so geht. Den jungen Männern ist es von Herzen zu wünschen, dass es eher heute als morgen passiert. Ein Massenheer und damit Wehrpflichtige machten Sinn, als das Kriegshandwerk noch einfach und primitiv war (1er und 2er Weltkrieg), bei der heutigen Technik und der entsprechenden Weiterentwicklung haben Amateure an der Waffe keine sicherheitsrelevante Bedeutung mehr. In jeder professionellen Armee stellen Wehrpflichtige eher ein Sicherheitsrisiko da. Ihre Ausbildung ist viel zu kurz, um wirklich Nutzen zu bringen. Die Einsicht, dass Sicherheit Profis bedarf und die Wehrpflicht weder militärisch noch sicherheitspolitisch Sinn macht und zudem volkswirtschaftlich extrem teuer ist, hat die Wehrpflicht fast überall auf der Welt zum Auslaufmodell gemacht. In entwickelten Staaten (in westlichen Staaten), zählt zudem das Argument, dass Gleichberechtigung mit der Wehrpflicht nicht zu haben ist, in der Realität nicht einmal Gleichbehandlung.

    • Hans Ulrich Suter sagt:

      @Haas: Es muss doch gar nicht in der Verfassung stehen. Die EU Staaten können sich im MOment nicht verteidigen, genausowenig wie die Schweiz. Das ist Fakt. Kompliziert wird die Sache dadurch, dass durch die NATO-Anbindung und faktische Kontrolle der NATO durch die USA einige Konflikte mit europäischer Beteiligung mehr(Iran, Lybien) oder weniger(Afghanistan) erfolgreich abgelaufen sind. Gerade der Jugoslawienkonflikt hat gezeigt, dass nichts passiert bis die Amerikaner etwas machen. Dasselbe im Lybienkonflikt, wo die amerikanische Navy zuerst die lybische Luftabwehr ausgeschaltet hat, damit nachher die Europäer auch ein bisschen rumfliegen könnnen….
      Selbstverständlich nehme ich Peer Steinbrück ernst, genauso wie das Helmut Schmidt tut. Es besteht eine nicht kleine Chance, dass er Nachfolger von Merkel wird. Aber auch wenn ich ihn nicht ernst nehmen würde, so wären seine “Sprüche” der Ausdruck einer gefährlichen Denkweise, die man nicht ignorieren darf. Aber was stimmt, ist, dass die Vorwarnzeit von Wochen auf Monate gestiegen ist (wie noch während des kalten Krieges) aber in Monatsfrist lässt sich keine Armee aufbauen.
      Uebrigens muss es für Sie als Profiarmee-Fan doch wirklich schlimm sein, wenn man aus dem Irak oder Afghanistan immer wieder von “Homeguard”-Einheiten hört, diese sind ja auch nicht wirklich professioneller als das die “alte” Schweizer Armee war.

    • E. Haas sagt:

      Ob Merkel oder Steinbrück BRD-Kanzler in den nächsten Bundestagswahlen wird ist noch offen, Steinbrück mag ja nicht gerade der sympathischste SPD-Politiker in der BRD sein, seine Sprüche sind aber als das zu nehmen was sie auch waren, Ausdruck seiner Frustration als BRD-Finanzminister und dass die Schweiz auf Salami- und Hinhaltetaktik, auf Zeit, spielt. Die scheinbaren “Kavallerie-Drohungen” sind kein Grund zur Aufregung (sicherheitspolitisch beurteilt). Leider handelt die Schweiz immer erst wenn es nicht mehr anders geht und alle wichtigen Verhandlungspartner “vertäubt” hat…
      Und ja klar, die Einsätze der freiwilligen Miliz/Reserve, also die Verwendung, neben den Profitruppen, der Territorial-Army-Verbände der britischen Armee und die freiwilligen Milizverbände (US-Nationalguard) der US-Streitkräfte verfolge ich auf den verschiedenen englischsprachigen TV-Stationen mit Interesse (BBC / ITV / Sky / CNN), das sind, im Unterschied zur zwangsverpflichteten CH-Reserve-Miliz-Armee reine Freiwilligenverbände, pure voluntary, entsprechend hoch sind die Motivation, das Leistungsvermögen und die Durchhaltefähigkeit dieser freiwilligen Milizen / Reservisten, vor allem werden diese Truppen mindestens 2 Monate lang “geschliffen” bevor sie in den “scharfen” Einsatz gehen (Einsatzvorbereitung und harte Trainings auf britischen, bzw amerikanischen Ausbildungszentren), und dann auf dem gleichen Ausbildungsstand wie die Profis sind und sie bewähren sich gut in diesen Kampfeinsätzen (diese freiwilligen Miliz-Angehörigen).
      Dasselbe gilt auch für die freiwilligen Zeitmilitär-Soldaten in der dänischen (und schwedischen Armee), die nach erfüllter freiwilliger Grundausbildung (4 – 8 Monate) ihren Dienst fortsetzen und im Rotationsverfahren Auslandseinsätze oder Ausbildungsdienst in Dänemark selber leisten. Ich kann Ihnen einen guten DVD-Dok-Film über die dänische Armee und ihren Afghanistan-Einsatz empfehlen: “Camp Armadillo” / 2009. Dänemark schaffte die Wehrpflicht 2009 ab, die “Wehrpflicht” ist freiwillig, man braucht jährlich ca 6000 neue Rekruten, die Nachfrage ist einiges grösser als das Platzangebot (Dänemark hat “nur” 5% Arbeitslosigkeit, es interessiert eben nicht nur solche mit “IQ 70” Dienst für ihr Land zu leisten, gefährliche Einsätze zu bestehen, etc ), ausgebildete Rekruten, bzw Soldaten können sich danach als Zeitsoldaten anstellen lassen und oder leisten weiterhin Dienst als freiwillige Milizen in der dänischen Heimwehr (lokale Verteidigungseinheiten über das ganze Land verteilt, an Freiwilligen mangelt es jedenfalls auch da nicht), Personal für PSO-Einsätze ca 1100, davon 750 in Afghanistan.
      Dänemark (EU-Staat / Nato-Mitglied):
      Bevölkerung ca 5.5 Mio Einw
      Fläche ca 43’000 Km2
      Vtg-Ausgaben ca 4 Mrd Fr (Personalkosten ca 50%)
      Totalstärke der Dänischen Armee (alle TSK) / 2011:
      – ca 4000 Offiziere
      – ca 5000 Unteroffiziere
      – ca 8000 Zeitsoldaten
      – ca 6000 “freiwillige Wehrpflichtige” (zwischen 4 – 8 Monate)
      Total ca 23’000 Soldaten
      Verwaltung / Logistik / etc: ca 5500 Zivilangestellte
      Heimwehr / freiwillige Miliz / lokale Territorial-Vtg:
      – ca 800 Zivilangestellte
      – ca 50’000 (Heer / Marine / Luftwaffe)
      (wird auf 30’000 reduziert)
      Das allianzfreie Schweden (EU-Mitglied) hat übrigens das dänische Streitkräfte-Modell übernommen, im Sommer 2010.

  11. Christian Fokas sagt:

    Mal etwas nicht direkt zum Thema, darüber wurde ja bereits einiges geschrieben. Lieber Herr Jonas Zürcher, Sie sind hier auf dieser Plattform frei Ihre Meinung zu äussern und begeben sich in gewissem Sinne in ein Haifischbecken. Dazu gebührt Ihnen Respekt. Dieser wird Ihnen, so denke ich, auch von allen anderen Beitragschreibenden entgegen gebracht. Man muss, kann und soll seine Meinung kundgeben können, nur wird es ab einem gewissen Grad an Sachkompetenz sehr schnell zum Drahtseilakt damit man nicht nur noch belächelt wird. Spannend ist aber, dass die Seite der Organisation zu der Sie Ihren Beitrag verlinken, gerade diese Möglichkeit zu freien Beträgen nicht bietet. Vielleicht noch zum Schluss dies, die Freiheit der Meinungsäusserung ist nur eine der vielen Freiheiten, die dem überwiegenden Grossteil der hier versammelten Mitglieder Motivation gibt, Dienst in unserer Milizarmee zu leisten.

  12. Andreas sagt:

    In Deutschland wurde die Wehrpflicht ja nun endlich ausgesetzt. Von einer verminderten Sicherheit kann seitdem nun wahrlich nicht die Rede sein. Allen Unkenrufen zum Trotz findet die Bundeswehr durchaus brauchbaren Nachwuchs in ausreichender Menge. Auch der Zivi findet reichlich Ersatz und wird nirgends wirklich vermisst. Vermisst wird die Wehrpflicht eigentlich nur von Leuten, die mit der Wehrpflicht ein bestimmtes Männerbild verfolgen, dass so gar nicht in unsere Zeit passt. Tatsächlich war die Wehrpflicht die mit Abstand schlimmste Diskriminierung, die es in Deutschland noch gab und die Wehrpflichtpraxis war an Ungerechtigkeiten kaum noch zu überbieten. Auch stand sie einer Modernisierung der Bundeswehr massiv im Wege, da sie per se auf billiges Menschenmaterial setze anstatt auf Qualität. Die Wehrpflichtaussetzung war daher die einzig richtige Entscheidung. Sie kam nur um Jahre zu spät. Auch die Schweiz wird nicht für immer und ewig an einer überholten Wehrform festhalten können, die vor allem ideologisch, aber nicht militärisch begründet ist.

    • Florian Fassbind sagt:

      Im Gegensatz zum noerdlichen Nachbarn verfuegt die Schweiz aber nicht ueber mehr als 80 Millionen Einwohnern…gerade mal weniger als ein Zehntel davon, um Ehrlich zu sein. Daher nehme ich schwer an, dass man daraus genuegend FREIWILLIGES und noch dazu qualifiziertes Personal schoepfen koennte…

    • E. Haas sagt:

      Die BRD hat 81 Mio Einw (davon ca 77 Mio Deutsche), die Bundeswehr, professionalisierte Armee, wird eine Stärke von 185’000 Berufs- und Zeitsoldaten (-innen) umfassen, bezogen auf die Schweiz (8 Mio Einw, davon ca 6 Mio Schweizer) wären das ca 15’000 Berufs- und Zeitsoldaten, wenn es denn eine Berufsarmee sein sollte. Irland mit 4.4 Mio Einw hat eine kleine Berufsarmee mit 10’000 Soldaten und einer Miliz-Reserve von 10’000 Soldaten (seit 1921, der Unabhängigkeit von Grossbritannien), während des 2en Weltkriegs war das Land auch neutral, vergrösserte aber die Miliz-Reserve um sie danach wieder abzubauen (nach 1945).

    • Fritz Kälin sagt:

      Herr Haas, solche einfachen Umrechnungen sind oberflächliche Augenwischerei und kein Land orientiert sich bei seiner Armeekonzeption einzig an derjenigen seiner Nachbarn sondern eine Armee ist die Antwort auf die eigenen Sicherheitsbedürnisse.
      Der Kleinstaat hat diverse Überlebensstrategien:
      a) Er kann entweder den potentiell (nicht zwingend real) gefährlichsten Nachbarn unterordnen – was für die CH EU- und NATO-Beitritt bedeuten würde, womit die Direkte Demokratie verloren ginge (und damit schon ziemlich alles, was sich wirklich zu verteidigen lohnt) und sie wäre gezwungen, an fremden Kriegen teilzunehmen. Für so eine Existenz wäre Herrn Haas Armeekonzeption in der Tat perfekt. Dann hätten wir die richtige Armee für den falschen Staat…
      b) Der Kleinstaat sucht sich einen grossen Bruder, der seinen potentiell gefährlichsten Nachbarn in Schach hält. Bislang waren die USA dieser wohlwollende Hegemon. (Dass unsere Banken, nachdem sie endlich aufgehört haben, Potentatengelder aus der Dritten Welt zu horten, ausgerechnet die Steuergelder des Leviathans der internationalen Staatenordnung zu hinterziehen begannen, ist in der Tat eine nicht zu überbietende Dummheit, wie sie sich ein Kleinstaat eben nicht leisten kann.) Dieser Hegemon verabschiedet sich langsam aus Europa – die Schweiz ist also mit ihren europäischen Nachbarn wieder allein. Wenn sie Option a) nicht wählt bleibt nur noch
      c) das Beste hoffen und sich auf das Schlimmste vorbereiten.
      Was ist dieses ‘Schlimmste’? Es gibt zwei Varianten, eine davon nicht allzu unwahrscheinlich:
      C 1. unwahrscheinliche Variante: das zwischenstaatliche Klima in Europa kühlt auf den Gefrierpunkt. Dann wäre das von den Nationalarmeen ausgehende Bedrohungspotenzial als Richtwert anzunehmen. Dieses Bedrohungspotential wäre für uns ähnlich erdrückend wie damals dasjenige durch die Rote Armee. Gegen derartige Gegner kann ein Kleinstaat konventionell-militärisch nicht gewinnen, aber er kann Zeit gewinnen. Mit welcher Armee gewinnt man Zeit gegen einen überlegenen Gegner? Eine kleine pseudo-moderne Armee wie sie z.B. Georgien unter amerikanischer Anleitung aufgebaut hat, war 2008 gegen die ‘völlig veraltete’ russische Armee nicht allzu viel wert. (Option a) lässt grüssen) Unabhängig davon, welche von beiden Kriegsparteien stärker im Unrecht war, für den georgischen Staat war das Kriegsergebnis unbefriedigend. Eine vergleichbare russische Streitmacht holte sich 13 Jahre zuvor gegen die tschetschenische ‘Armee’ eine blutige Nase. Wichtig: Das Eingreifen bzw. nicht-Eingreifen der Weltöffentlichkeit ist ein weiterer Faktor, der aber erst dann zugunsten des Schwächeren wirkt, wenn dieser selber eine substantielle Anstrengung (und Opfer) zu seiner Verteidigung aufbringt. Kein Schwein hätte den Lybiern geholfen, wenn sie ihren Widerstand nach einer Woche entmutigt aufgegeben hätten.
      Der Erfolg der Schweiz als Nation beruht zu einem wesentlichen Teil darauf, dass sie sich erst gar keine Feinde gemacht hat. Die Schweizer Armee wurde folglich nie dafür konzipiert, einen bestimmten Gegner zu besiegen. Sie sollte Zeit gewinnen und die eigene Haut möglichst teuer verkaufen. Ich habe in einem anderen Blogbeitrag ausgeführt, warum ‘Einstecken’ können für eine Armee nicht weniger wichtig ist als ‘austeilen können’.
      C 2. Variante: die innerstaatliche Ordnung und Sicherheit in Europa kollabiert. Als mittel- bis langfristige Folge der gegenwärtigen Entwicklung leider nicht unrealistisch.
      Diese Situation beinhaltet alle denkbaren Szenarien unterhalb der zwischenstaatlichen Kriegsschwelle, die unsere Blaulichtorganisationen überfordern würden. Hier gilt erst recht ‘Masse vor Klasse’. Grosse Bestandeszahlen erlauben mehr Durchhaltefähigkeit bzw. raschere Ablösung für den einzelnen Soldaten. Einmal mehr wäre die Schweiz der Flecken in Europa, wo es ‘am wenigsten schlimm’ zu und her ginge. Direkte Demokratie und Milizprinzip sorgen dafür, dass Verantwortung und Lasten in solchen Krisenzeiten auf möglichst viele Schultern verteilt sind.
      Was wollen wir sein? Einen Kleinstaat, der primär in vielseitig verwendbare Bürgersoldaten investiert, oder einer, der seine knappen Mittel lieber in überteuertes Kriegsgerät und überqualifizierte Berufskrieger investiert?

    • E. Haas sagt:

      Ihre Stabilität und Prosperität verdankt die Schweiz weitgehend der friedlichen und stetigen Entwicklung der 1948 gegründeten Montanunion, der darausfolgenden EWG / EG und nun der EU und ihrer Währungsunion (und der Euro und die Eurozone wird überleben, es gibt keine Alternative dazu). Was wäre aus der Schweiz geworden, wenn etwa während der Finanzkrise von 2008, während des Irakkriegs 1991 und 2003, beim Ausbruch des Jugoslawienkrieges 1991, dem Kosovokrieg 1999 oder am Ende des Kommunismus in Osteuropa 1989 – 1991 rundherum das generalisierte Chaos ausgebrochen wäre? Und ist die Schweiz wirklich glücklich mit ihrer (isolierten) Situation, wenn wir zum Beispiel an die Exportindustrie oder den Tourismus denken.
      Europa ist heute schon ein kleiner Kontinent und wird betreffend Demografie in Zukunft enorm an Gewicht verlieren. Anfang des letzten Jahrhunderts, 1900, waren wir Europäer (im Zentrum liegt die Schweiz), 20% der Weltbevölkerung, 2012 leben von 7 Mrd Menschen ca 500 Mio in Europa (ohne Russland), also ca 7%, am Ende des 21en Jahrhunderts werden in Europa nur noch 4% von insgesamt gegen 10 Mrd Menschen leben. Da hat Europa mit Klein- und Mittelstaaterei keine Chance mehr. Europa muss in jedem Fall stärker zusammenrücken, politisch, wirtschaftlich, militärisch.
      Wer alleine bleiben will, sich isoliert, hat in der Krise dann auch niemand der ihm helfen kann und will, wie in der Mitte der 1990er Jahre als die Schweiz weltweit mutterseelenallein im Kreuzfeuer der Holocaust-Gelder stand, aus einer kleinen Forderung von zuerst 60 Mio Fr bezahlten die CH-Banken (und damit die Schweiz) schlussendlich über 1.8 Mrd Fr vor 14 Jahren (1998), ein sehr teurer Befreiungsschlag. Hingegen wurden Schweden, Irland und Portugal, die ebenfalls in diese leidvolle Geschichte verwickelt waren, mit Samthandschuhen angefasst, diese drei EU-Staaten genossen die volle Protektion der EU-Gemeinschaft und die US-Sammelklagen konnten somit massiv reduziert werden.

    • E. Haas sagt:

      Stimme zu, die CH-Armee braucht – wie die CH-Banken – eine “Weissgeldstrategie” um aus dem blockierten Schlamassel zu kommen.

  13. Alain Vincent sagt:

    Zur EU:
    Die EU sollte ein Friedensprojekt sein und dabei sehr unterschiedliche Völker unter einem Dach vereinen. Wie gut das funktioniert offenbart sich ja stetig…
    – Demonstranten/Streik/Krawall in Griechenland
    – Jugend-Unruhen in Frankreich und England
    – Stuttgart 21
    – Religionskämpfe Irland
    – Separatismus Baskenland Spanien/Frankreich
    – Politische Unabhängigkeit Katalonien
    – Mentalitätsunterschied Nord-/Süd-Italien, inkl. Mafia/Korruption
    – Streithähne im Ostblock
    – usw.
    In einer Zeit wo durchschnittlich 50% der Ehen geschieden und Egoismus sowie Narzismus der nachfolgenden Generation in die Wiege gelegt werden, da gibt es tatsächlich Leute die glauben, ein so komplexes Gebilde wie eine Europäische Union könnte Bestand haben und könne nicht kaputt gehen. Das ist einfach nur lächerlich.
    Zum EURO:
    Der EURO ist nicht die Rettung sondern das Killerargument für die EU. Denn die Unterschiede der Völker, die sich auch in den wirtschaftlichen Leistungen manifestieren, werden unter den Tisch gekehrt und damit unterdrückt. Früher gab es einen Ausgleich über die Wechselkurse der Geldwährungen. Heute nicht mehr möglich, weil das geht nicht allein über die Preise der Produkte/Dienstleistungen.
    Beispiel: Griechenland geht es schlecht, die griechische Währung würde billig, dadurch würden viele Touristen nach Griechenland gehen und neues Geld bringen, aber dafür auch eine Gegenleistung bekommen (Mietauto, Hotel, Essen, Reiseführer,…). Heute wird ein deutscher Tourist in Griechenland fast geköpft weil die deutsche Bundeskanzlerin ist quasi Staatsfeind Nr. 1, da sie den Griechen die Sparübungen aufzwingt, nur damit die Währung Euro überlebt. Ausserdem kann man dort jetzt kaum Ferien machen wegen den wiederkehrenden Streiks.
    Beispiel: Eine 80 jährige Spanierin hatte eine Rente aus der staatl. Altersvorsorge, diese wurde nach Fixkurs von Peseta in Euro umgewandelt und ist heute gleich gross. Alle Produkte und Dienstleistungen sind aber die Hälfte wenn nicht das Doppelte teurer geworden seit der Einführung des Euro.
    Ich möchte mal sehen, wieviele Bewohner der EU-Länder tatsächlich Freude am Leben in der “ach so tollen EU” haben. Diese Freude ist nämlich begrenzt und sie fördert gewiss nicht den Rückhalt in der Bevölkerung.
    Das einzige was den fehlenden Rückhalt vorerst noch wett macht, ist z.B. in Deutschland das Arbeitslosengeld genannt Hartz 4. Diese Sozialsysteme sind eine Art Bestechungsgeld der Politiker an die verarschten Bürger. Glaubt jemand ernsthaft, diese vielen Arbeitslosen in unseren Nachbarländern hätten nicht schon ernsthafte politische Veränderungen bewirkt, wenn sie nichts mehr “zu fressen” gehabt hätten.
    Es hat mir noch niemand vorgerechnet, wieviele Leute mit wieviel Steuerabgaben wieviele Gratisbürger alimentieren können! Die Zahlen wären wahrscheinlich vermutlich erschreckend. Der EU-Schuldenberg ist nur ein Indiz dafür, dass ein echter Kollaps in irgend einer Form bevor steht.
    Die Milizarmee ist eiziger Garant für tatsächliche Sicherheit, weil jeder ist mitverantwortlich für die eigene Sicherheit; und ausserdem einziges Machtzeichen nach aussen für ein nicht nur auf dem Papier unabhängigen Land. Man nennt dies “Show of Force” (übrigens auch das Hauptwerkzeug in der militärischen Friedensförderung, z.B. Kosovo). Es geht darum zu zeigen, dass jemand aufpasst.
    Die GSoA ist unter diesem Sichtwinkel schlicht und einfach eine anarchistische Träumergruppe (leider politisch salonfähig geworden) und gehört in die Kategorie 1.Mai-Geplänkel.

    • E. Haas sagt:

      Ihre Aufzählung ist nicht abschliessend, es gäbe noch mehr Defizitpunkte der EU, bzw Europas zu benennen… Wie Sie Europa beschreiben könnte man meinen, dass demnächst eine riesige Auswanderungswelle anlaufen wird um diesen völlig zerrütteten und am Boden zerstörten Kontinent möglichst rasch zu verlassen… Wohl eher das Gegenteil, Millionen von Migranten wollen nach Europa (eine gesamteuropäische Herausforderung), von allen Kontinenten geht es Europa über alles gesehen am besten, er hat zwar die älteste Bevölkerung, die soziale Gerechtigkeit und der Lebensstandard sind global betrachtet aber am weitesten entwickelt. Sie müssen das “Big Picture” sehen und wie sich die Schweiz darin am besten positionieren kann. Die EU-Nationen haben vor Jahren den Lissabon-Vertrag (neue EU-Verfassung) abgelehnt, weil zu wenig sozial und zu neoliberal, dann kam die Finanzkrise (2008), ausgelöst durch den Bankster-Kapitalismus und die verantwortlichen EU-Regierungschefs und ihre Finanzminister werden – dieses Krisenmanagement ist halt ein harter Job – mittelfristig das ganze EU-Gefüge wieder stabilisieren müssen und können, bis dahin wird es noch einige harte Turbulenzen geben. Danach wird der Integrationskurs selbstverständlich weitergehen, Europa hat keine andere Wahl als sein Gewicht gemeinsam einzubringen, Klein- und Mittelstaaterei haben null Chancen gegen die Wirtschaftsgiganten in Nordamerika (USA), Süd- und Ostasien (Indien und China). Die Schweiz als EU-Passivmitglied hat ebenfalls ein extrem starkes Interesse daran, dass die EU wieder auf Kurs kommt und sich stabilisert, weil 70% der CH-Exporte in die EU gehen (ein Passivmitglied oder Sympathisant ist zwar dabei im Verein, aber ohne Abstimmungsrecht). Die gemeinsame Wirtschafts- und Sicherheitspolitik ist der beste Garant für die künftige Prosperität und Sicherheit Europas (und die Schweiz als Binnenland ist mittendrin).

  14. Andreas sagt:

    @Alain Vincent “Die Milizarmee ist einziger Garant für tatsächliche Sicherheit” Mit dieser Logik fragt man sich, warum es dann überhaupt so etwas wie eine Professionalisierung in praktisch allen Lebensbereichen gibt, wenn eine Amateurtruppe doch so toll und unbesiegbar ist :-). Ein Massenheer und damit Wehrpflichtige machten Sinn, als das Kriegshandwerk noch einfach und primitiv war. Bei der heutigen Technik und der entsprechenden Weiterentwicklung haben Amateure an der Waffe keine sicherheitsrelevante Bedeutung mehr. In jeder professionellen Armee stellen Wehrpflichtige eher ein Sicherheitsrisiko da. Ihre Ausbildung ist viel zu kurz, um wirklich Nutzen zu bringen. Die Einsicht, dass Sicherheit Profis bedarf und die Wehrpflicht weder militärisch noch sicherheitspolitisch noch Sinn macht und zudem volkswirtschaftlich extrem teuer ist, hat die Wehrpflicht fast überall auf der Welt zum Auslaufmodell gemacht. In entwickelten Statten zählt zudem das Argument, dass Gleichberechtigung mit der Wehrpflicht nicht zu haben ist, in der Realität nicht einmal Gleichbehandlung.
    Und was die EU und den Euro angeht, so lohnt es sich immer, Europa mal etwas historisch zu betrachten und damit meine ich nicht die letzten 20 Jahre. Natürlich gibt es Konstruktionsfehler und Verwerfungen, aber das Leben geht bekanntlich weiter und in der Regel ohne totale Katastrophen und ich kennen eigentlich keinen, der wirklich seine alte Währung zurück haben möchte und stattdessen nur Leute, die schimpfen, wenn sie im Urlaub tatsächlich noch mal Geld umtauschen müssen.
    Als Deutscher finde die Diskussion in der Schweiz ohnehin amüsant, da so oder ähnlich auch hier die Wehrpflicht immer wieder für absolut unverzichtbar erklärt wurde. Das ganze Argumentationsgebäude war irgendwann so hohl und verlogen und wirklichkeitsfremd, dass ein entschlossener Minister es praktisch ohne nennenswerten Widerstand einreißen konnte. Wetten, dass das auch irgendwann in der Schweiz ganz schnell so geht. Den jungen Männern ist es von Herzen zu wünschen, dass es eher heute als morgen passiert.

    • Gruppe Giardino sagt:

      Herr Almsick, Sie verwechseln da einige Dinge. Eine Milizarmee ist keine “Amateurtruppe” oder Idiotenarmee – ganz im Gegenteil! Dank des Know-hows der Miliz ist diese manch einer Berufsarmee überlegen, günstiger und v.a. auch schneller in der Lage, sich an die Lage anzupassen. Wie oft stellen wir fest, dass wir in der Truppe genau den Spezialisten haben, den wir benötigen. Das haben Sie in einer Berufsarmee nicht. Die Miliz bringt viel schneller moderne Technologien in die Armee. Wenn sie etwas lernen muss, geht das ebenfalls schnell.
      Auch “Wehrpflicht = Massenheer” ist falsch. Die Masse definiert sich dadurch, wie lange ein Jahrgang in der Armee eingeteilt bleibt.
      Die Miliz ist auch nicht teurer, weil man sie nur dann aufbietet, wenn man sie braucht. Eine Berufsarmee will 365 Tage im Jahr beschäftigt sein und bezahlt werden (inkl. alle Sozialabgaben und Versicherungen). Das geht natürlich, wenn man Deutschland am Hindukusch verteidigt und unbeschränkt Geld von der EZB und den Banken erhält…
      Vielleicht haben Sie in Deutschland andere Erfahrungen gemacht als wir hier in der Schweiz. Unsere Erfahrungen mit der Miliz sind jedoch auch heute noch sehr gut! Ob die Abschaffung der Wehrpflicht in Deutschland auch in einem Volksentscheid beschlossen würde, wage ich nun zu bezweifeln.

    • Andreas sagt:

      Werte Gruppe Giardino, die wahren Kosten einer Milizarmee oder Wehrpflichtigenarmee sind volkswirtschaftlicher Natur und berechnen sich aus der Wirtschaftsleistung, Kaufkraft etc., die jemand nicht erbringt, weil er bei der Armee ist. Die Höhe des Verteidigungsetats ist da der falsche Ansatz. In Deutschland bedeutete dienen und nichtdienen über das gesamte Leben betrachtet letztendlich einen Vorteil von durchschnittlich 80.000 Euro für den Nichtgedienten. Auch in der Schweiz merken die Männer langsam, welche Vorteile sich für Firmen ergeben, auf ausländische Bewerber zurückgreifen zu können, die immer zur Verfügung stehen.
      Außerdem ist es falsch über eine reine Berufsarmee zu diskutieren. Es geht um eine Freiwilligen- und Berufsarmee mit einem möglichst hohen Anteil an Zeitsoldaten. Anders als Wehrpflichtige können Freiwillige und Zeitsoldaten deutlich länger und besser ausgebildet werden und lernen anders als Wehrpflichtige die ganze Armee kennen und nicht nur einen kleinen Teil von ihr.
      In Umfragen für oder gegen die Wehrpflicht gab es in Deutschland in den letzten Jahren mehr oder weniger ein Patt. Auffallend war nur, dass es den Leuten eigentlich mehr um den Zivi ging und dass deutlich mehr Frauen als Männer die Wehrpflicht erhalten wollten. Wahrlich keine guten Argumente, um an ihr festzuhalten.

  15. Fritz Kälin sagt:

    @Werter Andreas – noch ist Deutschland historischer Leistungsausweis nicht derart, dass die Schweiz sich dieses Land ausgerechnet im sicherheitspolitisch Bereich zum Vorbild nehmen müsste. Ich möchte gern sehen wie ‘professionell’ diejenigen ausgebildet sind, welche ihre Landsleute in Uniform demnächst aus Afghanistan herausbomben…
    Zu Europa und EU als ‘Garant der Stabilität’: Der wirkliche Garant war und ist bislang das US Militär. Die Zeit bricht jedoch an, wo das angeblich reiche Europa für seine Sicherheit langsam selber aufkommen sollte. Die EU ist ja kein Teufelswerk, aber derzeit scheinen die Finanzmittel aber kaum für die eigene Währung zu reichen… Der ‘Sicherheitspuffer’ um die Schweiz herum ist also dick, aber porös.

    • Andreas sagt:

      Wieso Deutschland als Vorbild? Mein Land hat selber viel zu lange an der Wehrpflicht festgehalten. Schauen Sie sich mal in Europa und der Welt um, wer überhaupt noch eine Wehrpflichtarmee hat. Viele demokratische Staaten sind nicht mehr dabei.

  16. Alain Vincent sagt:

    @”Wie Sie Europa beschreiben könnte man meinen, dass demnächst eine riesige Auswanderungswelle anlaufen wird um diesen völlig zerrütteten und am Boden zerstörten Kontinent möglichst rasch zu verlassen… “:
    Nein eben nicht, das ist ja der historisch gewachsene Unterschied. Während gewisse Leute gen Europa pilgern in Hoffnung auf ein besseres Leben (lieber in aufgebaute Länder reinhocken als das eigene Land aufbauen helfen), werden die Europäer eben mehrheitlich nicht auswandern, sondern sich ihrem Unmut irgendwann Luft verschaffen. Wie, ist wieder eine andere Frage; aber, nachdem schon regelmässig “Verrohung der Sitten” etc. kritisiert werden, ist ja klar woher der Wind weht.
    @”Ein Massenheer und damit Wehrpflichtige machten Sinn, als das Kriegshandwerk noch einfach und primitiv war.”:
    Alles schon mal da gewesen.
    Der Geschichtsunterricht lehrt, dass die Geschichte in Wellen verläuft. Während die Technologien sich entwickeln bleiben die Grundbedürfnisse der Leute gleich (“Brot & Spiele”), denn der Geist des Menschen entwickelt sich nicht so schnell wie die Technik.
    Bereits bei den Römern wurde die Wehrpflicht abgeschafft und eine Söldnertruppe eingeführt. Rom ist trotzdem untergegangen, die Anpassung im Militärwesen war lediglich ein Symptom der dekadenten Gesellschaft.
    Glauben Sie also bloss nicht, es werde nie mehr eine Wehrpflicht geben nur weil unsere Generation so schlau ist diese abschaffen zu wollen.
    @”Bei der heutigen Technik und der entsprechenden Weiterentwicklung haben Amateure an der Waffe keine sicherheitsrelevante Bedeutung mehr. In jeder professionellen Armee stellen Wehrpflichtige eher ein Sicherheitsrisiko dar”:
    Beides ist eine Frage der Intelligenz & Sozialkompetenzen der eingesetzten Leute.
    Ihr Aussage lässt darauf schliessen, dass…
    – die Mehrheit der Leute trotz Bedienungsanleitungen zu blöd ist für das Benutzen der heutigen Waffen und Geräte.
    – die Mehrheit der Leute kein Pflichtbewusstein mehr hat (“keine Lust”-Mentalität; man kann ja alle Probleme mit Geld lösen, wenn doch nicht, shit happens).
    – die Mehrheit der Leute gemeingefährlich sind da ohne Bewusstsein für ihr Handeln (im Alltag: saufen bis Notarzt, rasen bis tot, iPhone bis 1000.- Rechnung, …).
    @”die wahren Kosten einer Milizarmee oder Wehrpflichtigenarmee sind volkswirtschaftlicher Natur “:
    Mit dem heutigen Wohlstand, der durchschnittlich höheren Rentabilität in den Unternehmungen als früher, usw. könnte man sogar eine 500’000-Nasen-Armee alimentieren. Wahrscheinlich wäre es sogar einfacher, weil mehr Leute Dienst machen würden und die berufliche Militärdienst-Abwesenheit verbreitet udn somit allgemein akzeptiert wäre; nicht eine “unangenehme” gesellschaftliche Randerscheinung wie es jetzt der Trend ist.
    übrigens,
    wenn sie mit anderen Nationen militärisch zusammenarbeiten, werden die Qualitäten der Schweizer Armee stets gelobt. Was meinen Sie woher dies kommt? Wohl kaum durch eine fachidiotische Berufsarmee mit Däumchen drehenden auf Einsatz wartenden Söldnern, welche das zivile (Berufs-)Leben nur noch vom hören sagen kennen.

    • E. Haas sagt:

      Das Ende des römischen Reichs:
      Das Ende Roms und die Mannschaftsstärke der CH-Armee im 21en Jahrhundert, was für ein absurder Verlgeich…
      Das britische Empire ging auch unter, die Faktoren waren aber völlig anders als jene die zum Untergang Roms führten und Grossbritannien schaffte diesen Ablösungsprozess ohne selber unterzugehen und hat sich nach dem Ende des British Empire nachdrücklich neu positioniert und ist eine wichtige globale Mittelmacht, bzw europäische Grossmacht (neben Frankreich und der BR Deutschland).
      Das einst mächtige und über mehrere Jahrhunderte dominierende römische Reich wurde zuerst in der Spätantike in ein West- und Oströmisches Reich geteilt, es ist faktisch unmöglich schlüssig zu begründen warum das weströmische Reich unterging. Dem Christentum etwa kann aber nicht die alleinige Schuld gegeben werden. Im Osten erwies sich das Christentum in gewissem Maße sogar als einigendes Band, ausserdem gelang es dem weströmischen Staat offenbar immer weniger, auf das zum Teil noch immer gewaltige Privatvermögen reicher Senatoren und Bürger zuzugreifen oder genügend Reichsbewohner zum Militärdienst anzuwerben, der Staat wurde von der Oberschicht ausgehöhlt bis seine Strukturen zusammenbrachen, nicht ganz unbekannt diese Entwicklung zur heutigen Zeit, sollten wir dort zuerst einmal Ordnung schaffen (Steuerflucht, Abzockerei, Bankster-Kultur, Entsolidarisierung, Ego-Gesellschaft, etc).
      Warum sollte man sich – dachte wohl der damalige römische Bürger – für die dekadente Abzocker-Oberschicht opfern müssen, für eine abgehobene Elite die nur noch Volk, Staat und Wirtschaft ausplündert und dies führte dann zu entsprechenden Systemmängeln in der Verwaltung und Armee, vor allem aber wurde der Westen (West-Rom) damit geschwächt und war ökonomisch und militärisch nicht mehr stark genug und die weströmische Armee war in der spätrömischen Epoche oft nicht mehr in der Lage die Grenzen effektiv zu schützen. Gründe waren eine gemessen an den gewachsenen Herausforderungen zu geringe Mannschaftsstärke sowie erhebliche Rüstungsfortschritte der Germanen und anderer Völker und Reiche (nebst der eigenen Wirtschaftsausplünderung und damit zusätzlichen Schwächung durch die dekadente weströmische Oberschicht).
      West-Rom hätte angesichts der Gefahren und Herausforderungen eine zahlenmässig viel stärkere Armee gebraucht (daraus abzuleiten die Schweiz brauche 1500 Jahre später deshalb auch eine bis an die Zähne bewaffnete Vollkasko-Versicherungs-Armee ist in unserem Fall nicht zielführend, zudem würde diese CH-Armee jährlich mindestens ca 10 – 15 Mrd Fr kosten und der Nutzen angesichts der heute existierenden ABC-Waffen wäre NULL).
      Seit dem Aufkommen des Sassanidenreichs im 3en Jahrhundert stand dem Imperium Romanum anders als zuvor permanent ein gefährlicher Rivale gegenüber, der die Anspannung aller Kräfte verlangte, als mit dem Auftreten der Hunnen und dem Beginn der spätantiken Völkerbewegungen der Druck auf die römische Nordgrenze stark zunahm, war zumindest das Westreich überfordert. Es wurde von der Wucht dieser Völkerwanderung (375−568) mit ganzer Härte getroffen, zumal dort weniger Truppen lagen als an Donau und Euphrat. Der Westen (West-Rom) verfügte wohl nicht über die Bevölkerungszahlen und die hohe Wirtschaftskraft des Ostreichs (welches in Teilen bis 1453 bestand), und seine Provinzen waren verwundbarer als die des Ostens.

    • E. Haas sagt:

      Die Realitäten sprechen für sich:
      Sie zitieren mich, Herr Vincent, und folgern daraus:
      ”Bei der heutigen Technik und der entsprechenden Weiterentwicklung haben Amateure an der Waffe keine sicherheitsrelevante Bedeutung mehr. In jeder professionellen Armee stellen Wehrpflichtige eher ein Sicherheitsrisiko dar”:
      Beides ist eine Frage der Intelligenz & Sozialkompetenzen der eingesetzten Leute. Ihr Aussage lässt darauf schliessen, dass…
      – die Mehrheit der Leute trotz Bedienungsanleitungen zu blöd ist für das Benutzen der heutigen Waffen und Geräte.
      – die Mehrheit der Leute kein Pflichtbewusstein mehr hat (“keine Lust”-Mentalität; man kann ja alle Probleme mit Geld lösen, wenn doch nicht, shit happens).
      – die Mehrheit der Leute gemeingefährlich sind da ohne Bewusstsein für ihr Handeln (im Alltag: saufen bis Notarzt, rasen bis tot, iPhone bis 1000.- Rechnung, …).
      Und:
      ”die wahren Kosten einer Milizarmee oder Wehrpflichtigenarmee sind volkswirtschaftlicher Natur “:
      Mit dem heutigen Wohlstand, der durchschnittlich höheren Rentabilität in den Unternehmungen als früher, usw. könnte man sogar eine 500’000-Nasen-Armee alimentieren. Wahrscheinlich wäre es sogar einfacher, weil mehr Leute Dienst machen würden und die berufliche Militärdienst-Abwesenheit verbreitet udn somit allgemein akzeptiert wäre; nicht eine “unangenehme” gesellschaftliche Randerscheinung wie es jetzt der Trend ist.
      Wenn dem so wäre, wie Sie schreiben, Herr Vincent, dass man sogar eine 500’000er Armee alimentieren könnte, warum leisten von 30’000 wehrpflichtigen Schweizern nur noch knapp 60% die Grundausbildung / RS (40% sind für den Militärdienst “ungeeignet”, bzw leisten Bevölkerungsschutz, Zivildienst oder haben sich auf dem blauen – medizinischen – Weg “abgemeldet”) und weniger als 50% leisten ihren Pflicht-Militärdienst vollumfänglich ab (Dienstverschiebungen der WK-pflichtigen AdA à gogo, damit kann kein vernünftiger WK mehr geplant und durchgeführt werden, ein Kommen und Gehen im Dienstbetrieb, ein administrativer “Overkill” für das WK-Miliz-Kader, Entlassung aus der Wehrpflicht, ob die Diensttage dann geleistet wurden oder nicht, mit 34 Jahren, das ist die denkbar schlechteste Armeeorganisation die es wohl gibt mit jährlichen Vtg-Gesamtkosten von über 8 Mrd Fr, wir müssen von den richtigen Zahlen sprechen und nicht bloss jenen die “offiziell” im Vtg-Etat der Schweiz im Bundesbudget ausgewiesen werden).
      Die Vorteile der Freiwilligenmiliz lassen sich folgendermassen zusammenfassen,
      sie führt zu einer sozioökonomisch breiten Abstützung der Armee:
      1) hochwertiges ziviles Know-how wird zu geringen Kosten in die Armee integriert
      2) Die Armee verfügt über motivierte, leistungsfähige, freiwillige Dienstleistende mit guter Altersdurchmischung
      3) Sie schafft eine stärkere Verwurzelung in der Gesellschaft als eine reine Berufsarmee (bester Mix ist Berufskader, freiwillige Wehrpflicht, Zeitsoldaten, freiwillige Miliz/Reserve)
      4) Sie ermöglicht einen flexiblen Ab- und Aufbau
      5) Sie ist volkswirtschaftlich günstiger als Wehrpflicht-Armeen
      6) Sie garantiert eine hohe Lernkurve und einen hohen Ausbildungsstand
      7) Der finanzielle Aufwand ist tragbar
      8) Sie ermöglicht auch die Rekrutierung von Freiwilligen für die klassischen Aufgaben des Bevölkerungsschutzes
      Zur Rekrutierung einer Freiwilligenmiliz müssen gezielte Anreize geschaffen werden:
      – Sinnvolle und politisch hoch akzeptierte Einsätze
      – Qualitativ hochwertige Ausbildung
      – Angemessene finanzielle Entschädigung
      Was in den nordischen Staaten Schweden (neutral), Dänemark, Norwegen, in Irland (neutral), in Oesterreich (neutral), den meisten anderen EU/NATO-Staaten und angelsächsichen Staaten (U.S.A. / CDN / UKGB / Australia / NZL)funktioniert, kann auch in der Schweiz funktionieren, den freiwilligen Reserven / Milizen / Nationalgarden / Heimwehren der Territorial-Verteidigung in diesen Ländern mangelt es jedenfalls nicht an Freiwilligen.

  17. Alain Vincent sagt:

    Diese Vorteile die sie nennen, kommen mir irgendwie bekannt vor, im Zusammenhang mit dem bisherigen System, wenigstens ungefähr bis Armee 95. Insofern sind dies für mich in erster Linie Gründe gegen eine Berufsarmee und für die Miliz, aber noch nicht für die Freiwilligkeit.
    Das Maximum an gutem Knowhow und Verwurzelung erhalten sie sicherlich bei der Rekrutierung quer durch die ganze Bevölkerung. Das bekommen Sie nur mit der obligatorischen Miliz.
    Den Kritikpunkten (Untaugliche, vorzeitige Austritte, Dienstende 34) kann ich sogar zustimmen;
    wegen solchen Zuständen gibt es ja die Gruppe Giardino.
    [
    Alle normal denkenden Leute wussten aber schon vor Einführung der Armee 21 (arme 21), dass das nicht funktionieren könnte. Es ist darum auch klar, dass die A XXI in erster Linie ein liberales Geschenk an die Linken ist (was diese “Bürgerlichen” nicht wahrhaben wollen), weil dieses System zur Selbstzerfleischung führt und eine zerrüttete Armee deren Abschaffern in die Arme spielt.
    ]
    Die Bevölkerungszahl wächst stetig und trotzdem sind immer mehr untauglich oder scheiden aus dem Dienst aus (wohlverstanden in einer kleineren Armee als früher die weniger Personal braucht).
    Also entweder ist die Militärversicherung granatenheikel geworden oder aber irgendwas ist in dieser Gesellschaft am verlottern.
    Unkenrufen zufolge ist es die sogenannte Volksverblödung.
    Gemäss BFU-Umfrage toben sich 700’000 Leute in der Schweiz in Fitnesscentern aus. Wenn man das Jungvolk dazuzählt das in der Lage ist, jedes Wochenende sich zu Tausenden vor Discotheken die Beine in den Bauch zu stehen… Da muss doch niemand mehr behaupten, es hätte zu wenig brauchbares Personal für eine Milizarmee. Ich weiss nicht ob ich langen oder heulen soll.
    Betr. volkswirtschaftliche Kostenwahrheit:
    Die gibt es in anderen Bereichen auch nicht! Nur bei der Armee wird das immer kritisiert, es ist langsam lächerlich…!!!
    – Wenn Sie rechnen, was heute ein Wohnunsvermieter für Scherereien mit gewisser Klientel bewältigen muss (Arbeitszeit, Koordinationsaufwand, Reparaturen), so müsste man das Prinzip der Wohnungsmiete sofort verbieten. Dann ist man erstaunt, dass ständig günstiger Wohnraum verloren geht… Kein Wunder, ist ja gar nicht finanzierbar.
    – Ein weiteres Beispiel sind die Migrationsämter und Einwohnerkontrollen, die ihre Verantwortung nicht wahrnehmen, so dass die Probleme von der Zivilgesellschaft prestiert werden müssen.
    – Der zunehmende Unfug im unübersichtlichen Sozialwesen – grösster Posten im Bundeshaushalt – lasse ich hier mal aussen vor.

    • E. Haas sagt:

      Zitat:
      “…oder aber irgendwas ist in dieser Gesellschaft am verlottern”
      Diese Eindruck teile ich überhaupt nicht, ansonsten die Schweiz kaum unter den reichsten und wettbewerbsfähigsten Staaten der Welt wäre mit einem BIP von über 550 Mrd Fr bei einer Bevölkerung von ca 8 Mio Menschen. Reisen bildet, wie “verlotterte Gesellschaften” oder failed States aussehen kann sich darüber in einigen Staaten Afrikas, Arabiens oder Asiens ein Bild darüber machen, sofern man den Mut hat dorthin zu reisen, bzw wer in arabischen Staaten wie Aegypten, Tunesien, Marokko Ferien macht und ausserhalb der Touristenzentren und Hotelburgen (Gated Communities) näher hinschaut sieht dann schon in aller Deutlichkeit wie schlecht es diesen Bevölkerungen dort geht und wie schlecht regiert diese Staaten sind, das wird sich mit Sicherheit auch nicht nach dem arabischen Frühling ändern und den paar zaghaften Reformen. Bei uns von verlotterter Gesellschaft zu reden schiesst völlig am Ziel vorbei.
      Es ist doch gut, wenn sich ca 700’000 in den Fitnesscenters austoben, regelmässig treiben ca 2 – 3 Mio SchweizerInnen Sport (mindestens einmal wöchentlich), zudem verzeichnen die offiziellen Laufsportanlässe auch jährlich über 250’000 TeilnehmerInnen 🙂 das ist wohl auch ein Beweis, dass es sich hier in der Schweiz um alles andere als um eine “verlotterte” Gesellschaft handelt, fitte, gesunde Menschen leben hier mit einer der höchsten Lebenserwartungen, na ja, 30% sind halt leider auch übergewichtig (und 27% rauchen, ca 300’000 kiffen regelmässig und ca 300’000 sind Alkoholiker), aber das ist nicht mal ein CH-Phänomen, das gibt es auch in allen anderen entwickelten Staaten und auch Schwellenländern, bzw völlig verarmten, failed States (und bei den Nahrungsmitteln müssen die ganze Werbe-Industrie und die krankhaften – global schädlichen – Auswüchse der Junkfood-Industrie korrigiert werden).
      Zitat:
      “…dass die A XXI in erster Linie ein liberales Geschenk an die Linken ist (was diese “Bürgerlichen” nicht wahrhaben wollen), weil dieses System zur Selbstzerfleischung führt und eine zerrüttete Armee deren Abschaffern in die Arme spielt.”
      Die Armee XXI (Bestand 120’000 AdA) war der richtige Entscheid zum falschen Zeitpunkt, sie hätte nämlich bereits 1995 eingeführt werden sollen und nicht erst 2003/04! Bis 1994 gabs die Armee 61, die Streitkräfte für den kalten Krieg mit umfassendem Gesamtverteidigungsauftrag mit entsprechenden Kosten und mit über 650’000 mobilisierbaren AdA, dann folgte eine mehr als nur zaghafte – letztlich gescheiterte weil miserable – Armeereform, die sogenannten Armee 95 mit 400’000 AdA und einem 2-jahres Rythmus der sich als Rohrkrepierer sondergleichen herausstellte, wie viel Dummheit erträgt die Schweizer Sicherheitspolitik und die Armee, diese halbbatzige Armeereform wurde bereits 1998 personell nach unten korrigiert, neuer Bestand 360’000 AdA, im Jahr 2000 wurde wieder auf den 1-jahres WK-Rythmus umgestellt und konsequenterweise wurde dann die Armeereform A XXI eingeleitet welche 2003/04 in Kraft trat, um Jahre zu spät (8 Jahre zu spät). Die Armee XXI war kein Geschenk der “Liberalen” an die Linken und Armeeabschaffer, wie kommen Sie nur darauf (?), das Problem war und ist eher, dass es extrem viele Traditionalisten (Armee 61 – Anhänger) in der Armeeführung gab und gibt, welche die Armee XXI von Anfang an mit (absichtlich (?)) schlechten Entscheidungen, Befehlsverweigerung, Obstruktion und eigentlich untolerierbarem unloyalem Verhalten sabotierten, die schwachen politischen Departements-Chefs (aus der SVP) und das skandalöse Personal an der Armeespitze und im Berufskader der CH-Armee (nicht nur der Ex-Armeechef R.N., es gab und gibt auch noch andere welches dieses Prädikat verdienen und Problemursache statt Teil der Lösung sind) verursachten weiteren irreparablen Schaden…
      Eine umfassende Gesamtverteidigungsarmee à la Armee 61 wie Sie sie einfordern, Herr Vincent, bzw die Gruppe Giardino, ist schlicht und ergreifend nicht zielführend für die Schweizer Sicherheitspolitik in der heutigen Zeit, dafür werden Sie einfach keine Mehrheiten finden.
      Die Armee ist in einer generellen Krise weil sie zu lange mit den richtigen Reformen zuwartete, immer in der Hoffnung und mit der Sehnsucht, dass sich wieder ein neues “klares Feindbild” ergeben wird um eine “Armee 61/95” zu rechtfertigen (vom Zerfall der EG/EU der von den rechtskonservativen “Superpatrioten” seit den 1980er Jahren beschworen wird, vom Wiederaufstieg Russlands als grosse neue aggressive expansionistische Supermacht – evil empire – bis hin zu arabischen Invasions-Armeen, vereinigtes arabisches Al-Kaida-Kalifat, millionenfachen Flüchtlingsströmen die Europa und insbesondere die Schweiz bedrohen bwz überfluten, etc, das sind alles völlig absurde Vorstellungen). Die (konservativen, primär SVP) Traditionalisten wollen ein Massenheer, eine grosse Armee, gleichzeitig wollen die Modernisten (primär FDP) eine Armee, die technologisch Top-Niveau hat (das war der Fehler – die zu hohen Ansprüche und Erwartungen – der Armee XXI). Beides ist aber nicht finanzierbar, auch wenn das Parlament mit dem 5-Milliarden-Entscheid im Herbst 2011 diesen Spagat versucht hat. In dieser blockierten Lage kommt der Initiative für die Aufhebung der Wehrpflicht eine besondere Bedeutung zu.
      Und die Kostenwahrheit ist nun wirklich nicht unwichtig bei den vielen Finanzierungsdiskussionen, einschneidenden Sparprogrammen, Defiziten, zentralen anderen Staatsausgaben, globaler Wettbewerbsfähigkeit, dass man sich in der Schweiz bewusst ist, dass die CH-Armee rund ca 8 Mrd Fr jährlich kostet: 1) der ausgewiesene offizielle Vtg-Etat von ca 4 Mrd Fr und 2) die volkswirtschaftlichen Nebenkosten für die Zwangs-Wehrpflicht und ihren Miliz-WK-Betrieb (dessen Nutzen mehr als nur fraglich ist) von weiteren 4 Mrd Fr, was total 1.45 % des BIP von ca 550 Mrd Fr ergibt. Zuviel Geld und Aufwand für ein ausgesprochen schwaches Rendement, Sicherheit kann effizienter produziert werden.
      Das ganze Argumentationsgebäude für die vollumfänglich und allgemeine durchgesetzte Wehrpflicht (und Wehrungerechtigkeit) ist so hohl und verlogen und wirklichkeitsfremd geworden, dass ein/e entschlossene/r neue/r Chef/in VBS, eine neue Departementschefin oder ein Departementschef der nicht aus der SVP kommt (warum nicht mal aus der SP, die hatte dieses Departement noch nie in der 164jährigen Geschichte des Schweizer Bundesstaats, die SVP sollte sich besser um ihr Kernthema, die Asylanten, kümmern), diesen Anachronismus praktisch ohne nennenswerten Widerstand einreissen können wird. Wetten, dass das auch in der Schweiz ganz schnell so geht. Den jungen Männern ist es von Herzen zu wünschen, dass es eher heute als morgen passiert. Ein Massenheer und damit Wehrpflichtige machten Sinn, als das Kriegshandwerk noch einfach und primitiv war (1er und 2er Weltkrieg), bei der heutigen Technik und der entsprechenden Weiterentwicklung haben Amateure an der Waffe keine sicherheitsrelevante Bedeutung mehr. In jeder professionellen Armee stellen Wehrpflichtige eher ein Sicherheitsrisiko da. Ihre Ausbildung ist viel zu kurz, um wirklich Nutzen zu bringen. Die Einsicht, dass Sicherheit Profis bedarf und die Wehrpflicht weder militärisch noch sicherheitspolitisch Sinn macht und zudem volkswirtschaftlich extrem teuer ist, hat die Wehrpflicht fast überall auf der Welt zum Auslaufmodell gemacht. In entwickelten Staaten (in westlichen Staaten), zählt zudem das Argument, dass Gleichberechtigung mit der Wehrpflicht nicht zu haben ist, in der Realität nicht einmal Gleichbehandlung.
      Was bei unserem ebenfalls allianzfreien Nachbarn Oesterreich (6-monatige Wehrpflicht / Durchdiener und freiwillige Miliz, neben Berufs- und Zeitsoldaten), in den nordischen Staaten Schweden (neutral), Dänemark, Norwegen, Irland (neutral), den meisten anderen EU/NATO-Staaten und angelsächsichen Staaten (U.S.A. / CDN / UKGB / Australia / NZL) funktioniert, kann auch in der Schweiz funktionieren, an Freiwilligen für den Militärdienst und die freiwilligen Reserven / Milizen / Nationalgarden / Heimwehren der Territorial-Verteidigung in diesen Ländern mangelt es jedenfalls nicht an motivierten Staatsbürgern, man hat es dann halt mit mündigen, kritischen Staatsbürgern zu tun die gefordert werden wollen und nicht mit “Militärsklaven”, die zwangsverpflichtet worden sind…

    • Y. Blau sagt:

      “In jeder professionellen Armee stellen Wehrpflichtige eher ein Sicherheitsrisiko da.”
      Das sollten Sie aber nicht ihren Soldaten und Soldatinnen sagen. Immerhin sind Sie Milizoffizier oder haben Milizsoldaten unter sich, die Ihnen vertrauen und denen Sie vertrauen müssen.

    • Alain Vincent sagt:

      Da haben Sie Recht. Es scheint heute aber üblich zu sein, dass die Milizoffiziere gerne Soldaten haben, die ihnen blind und blöd folgen. Intelligente Soldaten die auch mal ein Problem selber lösen, sind heute nicht mehr gefragt.

    • E. Haas sagt:

      Dieses Vertrauen hatte ich selbstverständlich, ich leistete bis 2003 Militärdienst und machte teilweise sehr gute Erfahrungen in der RS / Grund- und Verbandsausbildung (als Kp Kdt), das Gelauer und der amateurhafte WK-Betrieb definiert(e) sich vor allem über extrem hohen administrativen Aufwand für Milizkader, viel Leerlauf und wenig Ausbildungsrendement (eine selektive (freiwillige) Präsenz-DD-Wehrpflicht würde in jeder Hinsicht eine Leistungssteigerung bedeuten, verbunden mit einer freiwilligen Miliz, die selbstverständlich völlig anders als die WK-Armee organisiert werden muss). Jetzt mache ich nur noch (freiwillig) Waffenläufe (neben anderen Laufsportanlässen), der Nutzen und die Sinnvermittlung der allgemeinen Pseudo-Wehrpflicht (Wehrungerechtigkeit) darf aber nun tatsächlich in Frage gestellt werden, das hat sich überholt, es ist Zeit für einen Epochenwechsel und gehört durch eine selektive Wehrpflicht (freiwillig) ersetzt und die Armee muss kleiner und für die tatsächlichen Bedrohungen ausgerichtet werden, das vorhandene Materialmengengerüst reicht nur für eine Armee von ca 40’000 – 50’000 AdA, stimmt nicht mit dem Personalumfang und dem Auftrag überein. Die Absetzbewegungen von diesem Streitkräftemodell (allgemeine Wehrpflicht und jahrelange Wiederholungskurse) sind sattsam bekannt (mangelnde Sinnvermittlung, Umgehung der Wehrpflicht, Kadermangel und -flucht, mangelnde Akzeptanz in der Wirtschaft, die im globalisierten Wettbewerb, bzw im Binnenmarkt-Konkurrenzkampf/Wettbewerb stehenden KMU/Firmen/Grosskonzerne mit ihren Mitarbeiter-Absenzen wollen Entlastung, die hohen indirekten Volkswirtschaftskosten, mangelnde politische Akzeptanz und Unterstützung), die Ausrüstungslücken wie Fahrzeuge, mittlere Pzaw-Waffen, Flabmittel, Infanterie-Ausrüstungen, Führungsmittel, etc, diese Erneuerungen und Modernisierungen müssen im Rahmen des ordentlichen Vtg-Etats von ca 4 Mrd Fr bezahlt werden, da sich jetzt schon abzeichnet, dass die beantragten Etat-Erhöhungen um 800 Mio Fr vom Herbst 2011 (auf 5 Mrd Fr jährlich ab dem Jahr 2014), im Parlament und im Volk (Referendum) keine Chancen haben zu bestehen angesichts der angekündigten einschneidenden Sparprogrammen in allen anderen Departementen. In dem Sinn wäre der ursprünglich beantragte Gesamtbundesrats-Beschlusses zur weiteren Armee-Entwicklung vom Sommer 2011 (Armeebericht) mit einem Personalbestand von 60’000 bis 80’000 AdA, einem Vtg-Etat von 4.4 Mrd Fr und der Kampfjetbeschaffung nach dem Jahr 2020 politisch mehrheitsfähig und sicherheitspolitisch sinnvoll gewesen.

    • Andreas sagt:

      Das muss man auch keinem Wehrpflichtigen sagen, das weiß er auch so.

    • E. Haas sagt:

      Das Scheitern der im Herbst 2011 vom (alten) Parlament durchgedrückten Beschlüsse betreffend Vtg-Etaterhöhungen von 800 Mio Fr jährlich auf 5 Mrd Fr ab 2014 (ein Teil davon für die allgemeine militärische Aus- und Aufrüstung, ein Teil davon für die Kampfjetbeschaffung) scheint schon fast garantiert zu sein, wenn man die Parteien-Kräfteverhältnisse im (neuen) Nationalrat anschaut: ca 75 Befürworter (aus SVP / Teilen der FDP und Teilen der CVP und BDP) und ca 125 Gegner (SP / GPS / GLP / Teile der CVP, FDP, BDP und EVP).
      Aehnlich sieht es ungefähr auch im Ständerat aus.
      Als Vorspiel bzw Vorgefecht kann das sich nun abzeichnende Gripen-Debakel beobachtet werden:
      Die in den letzten Tagen entstandene Verwirrung wird dazu führen, dass die Akzeptanz für einen neuen Kampfjet weiter sinkt. Es gibt schon heute viele, die ein Interesse daran haben, dass der Kampfjetkauf nicht zustande kommt wenn Landwirtschaft, Verkehr, Bildung und Forschung wegen der neuen Kampfflugzeuge sparen müssen (Sparprogramm von über 725 Mio Fr wurde vor 2 Wochen präsentiert). In diesen breiten Kreisen gibt es nun viele weitere zusätzliche Gegner neuer Kampfjets und gegen die Aufstockung des Armeebudgets auf 5 Mrd Fr, das ursrpünglich vom Gesamtbundesrat im Sommer 2010 beschlossene Armeebudget von 4.4 Mrd Fr müsste auch für die Kampfjets reichen (und dieser Gesamtbundesrat, ausgenommen der Vtg-Minister, war klar für eine Kaufverschiebung nach 2020).
      Für die Armeekritiker ist die ganze Evaluationsgeschichte der letzten Tage eine Steilvorlage, auch wenn weder Maurer noch seine SVP eine Hightech-Armee wollen, die SVP will eine “bodenständige” Armee mit vielen Soldaten, die mit der Zivilgesellschaft eng verbunden ist (allgemeine Wehrpflicht, langjährige WK-Uebungen, hohe Betriebskosten, eine “Vollkasko-Armee”). Für die SVP (und die stockkonservativen Anhänger der ehemaligen Armee 61 welche das VBS nach wie vor dominieren und von allen Modernisten säuberten) ist die Armee ein patriotisch-ideologisches Projekt und nicht ein militärisch-praktisches und damit hat die von der SVP und ihrem Vtg-Minister favorisierte Retro-Armee sich in einer nicht zu verteidigenden “Maginotlinien-Stellung” blockiert: “Halten um jeden Preis”, der Gegner (die Kritiker der Retro-Armee) führen aber einen beweglichen Kampf… (und wie es mit der Maginotlinie ausging kann in den Geschichtsbüchern unter dem Kapitel “Frankreich 1940” nachgelesen werden).

    • E. Haas sagt:

      Das Scheitern zeichnete sich bereits gestern Nachmittag ab und ganz so einfach ist die Sachlage überhaupt nicht, wie sie von der VBS-Führung darzustellen versucht wird sonst hätte der Vtg-Minister kaum die komplette Armeespitze aufgeboten um den Kampfjet Gripen zu verteidigen und der Vtg-Minister muss sich vorwerfen lassen, dass er die vereinte “Anti-Gripen-Allianz” nicht Ernst nahm und zu lange gewähren liess. Er hatte wohl gehofft, der vermeintliche “courant normal” sei ungefährlich, diese eklatante Fehleinschätzung kann und wird zu einer Bruchlandung führen und die im Herbst 2011 beschlossene (versprochene) Vtg-Etat-Erhöhung war Schall und Rauch…
      Der SVP-Vtg-Minister und seine Prätorianergarde haben sich nun in einer kaum zu haltenden mentalen Festungs-Stellung verbunkert die von seinen Gegnern mittels beweglicher Kampfführung – auf allen politischen Ebenen, Medienkanälen und Social Media Plattformen – ausmanöveriert und “niedergekämpft” werden kann, Gegner, die in einer Joint Combined Operation kämpfen (getrennt marschieren, vereint schlagen) und das politische Schlachtfeld beherrschen werden (full spectrum dominance = Ueberlegenheit auf allen Ebenen).

  18. Alain Vincent sagt:

    Es gibt genug Beispiele die belegen, dass die Confoederatio Helvetica zu einer Banana Helvetica verkommt. Schon im Alltag ist kaum noch Schweizer Qualität zu finden wenn etwas gebaut wird oder sonst etwas “gechlütteret” wird. Wer das nicht einsieht, lebt im Elfenbeinturm oder war schon immer von Osterhasen umzingelt.
    Man könnte – um beim Militär zu bleiben – wieder mal die LBA als Beispiel nehmen, wo mehrere eingeschriebene Briefe ihre Empfänger nicht erreichen, weil der interne Pöstler alles unterschreiben darf und dann landet die Post w.d.t.w.

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