Verschrottung Spz 63/89: 2. Offener Brief an Bundesrat Maurer

Verschrottung Spz 63/89: 2. Offener Brief an Bundesrat Maurer

Sehr geehrter Herr Bundesrat Maurer
Die mit einem kleinen Beitrag in der NZZ sowie einem vertieften einseitigen Artikel in der „Neue Luzerner Zeitung“ vom 21. Januar 2012 geschilderten Tatsachen, veranlassen mich heute, als gedienter Offizier und Schweizer Bürger – ohne irgend einen Auftrag einer Miliz-Organisation oder einer Offiziers-Gesellschaft – Ihnen erneut direkt zu schreiben. Bundesrat André Chevallaz (sel.) hat mir seinerzeit in einem seiner Briefe mitgeteilt, dass es das Privileg der direkten Demokratie sei, als Offizier direkt dem Kriegs-Minister schreiben zu dürfen.
[…]
Vor geraumer Zeit haben Sie über die Medien mitgeteilt, dass z.B. Aufträge an Beratungs-Firmen neu durch Sie persönlich unterzeichnet werden. Ich gehe davon aus,  dass der Auftrag an die Firma Gotthard Schnyder AG, Emmen, Ihnen ebenfalls zur Unterschrift oder wenigstens zum Visum vorgelegt wurde.
Es wird argumentiert, dass die Spz 63/89 nicht zusammen mit dem Leopard II eingesetzt werden können. Diese Feststellung ist grundsätzlich falsch, denn in den verbliebenen wenigen Pz Bat ist der neue Spz 2000 eingeteilt. Hingegen fehlen – gemäss zuverlässiger Quelle – in 16 Bat die notwendigen Transportfahrzeuge. Das Pneufahrzeug DURO, ungepanzert und ohne Waffenturm, ist kein Ersatz für einen gepanzerten Transporter.
Die M113 wurden in anderen Armeen, z.B. Israel und Dänemark, renoviert, im Kampfwert gesteigert und sind unter anderem derzeit in Afghanistan im Einsatz. Sind wir zu vornehm oder zu arrogant, diesen bewährten Spz in unserer Armee weiter einzusetzen?
Ich ersuche Sie mit aller Höflichkeit die unsinnige Vernichtung  einsatzfähiger oder wieder einsatzmachbarer Raupenfahrzeuge, mittels Dekret, unverzüglich zu stoppen.
Es kann, sehr geehrter Herr Bundesrat Maurer, nicht angehen, dass Sie dem Beschluss der SP, die Armee abzubauen, Hand bieten. Alt SP-Nationalrätin Barbara Haering-Binder, intelligent wie gefährlich, hat dieses Konzept vor einigen Jahren vorbereitet und im Nationalrat sogar präsentiert. Ihre Nachfolger, insbesondere der frisch gewählte NR Cedric Wermuth (welcher nie Militärdienst geleistet hat) verfolgt die Umsetzung dieser fatalen SP-Doktrin „Umbau und Abbau der Armee“ konsequent und unerbittlich.
Mit Ihrem absolut unverständlichen Entscheid erneut brauchbares Armee-Material zu vernichten, unterstützen Sie das Unterfangen der linken und grünen Totengräber der Miliz Armee. Die Armeegegner freuen sich über Ihren für mich absolut nicht nachvollziehbaren Beschluss. Je weniger Material vorhanden sein wird, desto weniger kann die Armee ausgerüstet werden. Am Schluss bleibt Material für eine Berufsarmee. Auf dieses Ziel wird hingearbeitet: Daran arbeiten verschiedenen Kräfte, offen und verdeckt. –  Warum tragen Sie diesem Umstand nicht gebührend Rechnung?
Meinen Sie nicht auch, dass – falls die Verschrottung von schwerem Armee-Material, aktuell und primär jetzt Spz 63/89, nicht eingestellt wird – Sie viele unterstützende Kräfte innerhalb Miliz und Politik verlieren werden? Können Sie sich vorstellen, dass Frust und Enttäuschung innerhalb der engagierten Bürger- und Offiziers-Kreise dramatisch zunimmt?
Befallen Sie hie und da nicht Zweifel an den Absichten, der Urteilsfähigkeit und den Fähigkeiten Ihrer Entourage? HSO, welche mehrheitlich aus der Aera Ogi/Schmid/Keckeis/Baumann stammen, NATO- und EU-Turbos sind. Bestehen nicht erhebliche Zweifel, falsch beraten zu werden? Warum erhalten erfahrene und qualifizierte a D Offiziere, insbesondere HSO und Gst Of, nicht besser Gehör?
Vielleicht drängt sich wenigstens die Einberufung eines Hearing auf, wie dies seinerzeit in der Affäre der Behebung der Mängel Panzer 68 angeordnet wurde (Kommission Ständerat Sigmund Widmer). Leider haben Sie die Werthaltigkeits-Prüfung der Armee, durch VBS-externe und neutrale Kräfte durch zu führen, im letzten Jahr abgelehnt. Diese „Due Diligence“-Prüfung hätte wertvollste Erkenntnisse gebracht.
Ich verbleibe, sehr geehrter Herr Bundesrat Maurer, in Erwartung Ihrer Antwort,
mit vorzüglicher Hochachtung,
Willy P. Stelzer
Major d Pz Trp a D

 

Kommentare: 4

  1. Tischhauser Heinrich sagt:

    Willy P. Stelzer ist seit eh und je ein unermüdlicher Kämpfer für die Sache. Er fand den Dialog schon zu Zeiten Chevallaz’s und Dank argumentativer Stärke auch Gehör. In jener Ära – auch noch unter Delamuraz – sprach man ad personam von Magistraten. Die Zeit danach? Mit Fug und Recht waren die Nachfolger des EMD resp. VBS Bundesräte für die Verwaltung, aber nicht für gesellschaftspolitische Dimensionen. Letztendlich legitimierte der parteipolitische Freibrief den Aufstieg zum Bundesrat. Gesellschafts-,wirtschafts- und militärpolitische Qualifikationen und Voraussetzungen waren nie gefragt. Es reichte am Schluss sogar, Verbandssekretär gewesen zu sein. Das ist anständig, reicht aber nicht, die Schweiz strategisch auch für Generationen zu positionieren. So wird Willy P. Stelzer weiterhin gegen Windmühlen schreien, wir haben sie nicht mehr, die Magistraten. Wir haben aber brave Verwalter für einen Zeitabschnitt von vielleicht acht Jahren. Das war’s dann auch.

  2. Martin Frei sagt:

    Einmal mehr ein guter Brief über eine Schweinerei des VBS. Und einmal mehr mein Warten auf wirkliche Taten von Giardino. Da haben andere Organisationen für mich einfach mehr Pepp und erreichen mehr Publicity – von Occupy Paradeplatz über Green Peace bis zu den Verwirrten, die sich gegen die Castor-Atommülltransporte an Geleise ketten.
    Also: was will Giardino tatsächlich erreichen? Volle Papierkörbe? Oder Wirkung im Ziel?

    • Gruppe Giardino sagt:

      Guten Abend Herr Frei, Sie scheinen mit solchen Aktionen bereits Erfahrung zu haben. Gerne laden wir Sie ein, sich mit Ihrem Wissen einzubringen und solche Aktionen zu organisieren. Alle Vorstandsmitglieder kennen sich damit nicht aus und sind für Inputs dankbar.

  3. Willy P. Stelzer sagt:

    Was Giardino erreichen will, ist aus den Statuten ersichtlich. Die Absicht und Zielvervolgung ist kristall klar. Mehr erfahren Sie an der Generalversammlung am 3. März 2012, Bern. Haben Sie sich schon angemeldet?

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