«Die Armee beleidigt die ganze Jugend»

Die Armee will die Abbruchrate senken und deshalb «mehr Rücksicht» auf junge Rekruten nehmen. Sie sollen sich besser erholen können, nicht mehr angebrüllt werden und nicht mehr vor sechs Uhr aufstehen müssen. Marschdistanzen werden in den ersten Wochen verkürzt und es soll stärker als früher jedem Einzelnen überlassen werden, wann er einen Marsch abbrechen will.

Willi Vollenweider, Präsident der Milizorganisation Gruppe Giardino, dagegen kritisiert das Konzept: «Damit tut die Armee alle junge Männer als Warmduscher ab. Sie beleidigt die ganze Jugend.» Dabei suchte diese doch das Abenteuer und ihre persönlichen Grenzen. «Die Rekruten werden sich enttäuscht von der Armee abwenden und in den Zivildienst wechseln», glaubt Vollenweider.
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Armee will Frauen verpflichten

Noch fallen sie auf: die vereinzelten jungen Frauen, die sich an den Orientierungstagen der Schweizer Armee über die Möglichkeiten informieren, die das Militär bietet. Doch schon bald könnte die Geschlechterverteilung an diesen Anlässen ausgeglichen sein. «Wir möchten, dass junge Frauen obligatorisch zu einem Informationstag aufgeboten werden können», sagte Korpskommandant Daniel Baumgartner, Chef Heer und Projektleiter Kommando Ausbildung, in einem Interview mit der NZZ. Diese Forderung ist spektakulärer, als es auf Anhieb klingt: Es wäre das erste Mal, dass sich Frauen in der Schweiz im Zusammenhang mit dem Militär mit einem Obligatorium konfrontiert sähen.
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Mehr Schlaf, weniger Drill: So sieht die RS der Zukunft aus

Um die Ausfallquote zu senken, hat die Armee das Konzept «Progress» entwickelt. Die Idee dahinter: Den Rekruten soll der Einstieg in das Soldatenleben so sanft wie möglich bereitet und die Belastung danach sukzessive gesteigert werden. Das neue Konzept wird seit mehreren Jahren in den Infanterieschulen von Colombier NE angewandt und soll nun schrittweise auf die ganze Armee ausgedehnt werden. Schulkommandant Luca Bottesi ist begeistert: «Wir wollen die jungen Männer gewinnen – und nicht ihren Willen brechen.» Von der früher in der Armee oft angewandten Doktrin, den Rekruten zu Beginn der RS möglichst scharf den Tarif durchzugeben, hält der Oberstleutnant nichts. «Den Rekruten von heute müssen Sie überzeugen und begeistern, anders geht es nicht», sagt Bottesi. Die Gesellschaft und mit ihr die Jugend habe sich gewandelt, «ob wir das wollen oder nicht».
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Die Schweizer Armee hat ein Rekrutierungsproblem

Herr Baumgartner, die allgemeine Wehrpflicht für Schweizer Männer ist Bestandteil unserer Verfassung. Trotzdem schaffen Sie es nicht mehr, die jährlich benötigten 18 000 Personen zu rekrutieren. Was läuft schief?

Wir haben zu viele Abgänge zwischen der Aushebung und dem Start der Rekrutenschule. Die Jugendlichen sind dann in einer entscheidenden Lebensphase, einige schaffen ihre Abschlussprüfungen nicht und verschieben die RS, andere bekommen gesundheitliche Probleme und rücken gar nie ein. Durch den Zivildienst gehen uns zudem jährlich 3000 Militärdiensttaugliche verloren.
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Bundeswehr plant fast 200’000 Soldaten für 2024

Die Bundeswehr soll in den nächsten sieben Jahren von derzeit rund 178.000 Soldatinnen und Soldaten auf fast 200.000 Soldaten wachsen. Der so genannte Zielumfang der deutschen Streitkräfte soll sich bis zum Jahr 2024 auf insgesamt 198.000 Soldaten und rund 61.400 zivile Stellen erhöhen; dafür soll es über die Planung des vergangenen Jahres hinaus zusätzlich 5.000 militärische Dienstposten, 500 weitere Reservistenstellen und 1.000 Haushaltsstellen für Zivilbeschäftigte geben.
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Finnland stockt seine Armee um 50’000 Mann auf

Aus Furcht vor einer Bedrohung durch Russland hat die finnische Regierung am Donnerstag angekündigt, dass die Truppen des Landes für den Konfliktfall von 230.000 auf 280.000 Soldaten aufgestockt werden. Damit solle die „Fähigkeit zur Verteidigung des gesamten nationalen Territoriums verbessert“ werden, hieß es in einem Regierungsbericht. Die Rede ist darin von der Absicht des Nachbarstaats Russland, seinen „Status als Großmacht zu festigen“.
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Alternativer Militärdienst wird immer beliebter

Der alternative Militärdienst wird unter jungen Schweizern immer populärer. Nahmen ihn im ersten Jahr seit seiner Einführung 40 Männer wahr, waren es 2016 immerhin schon 130 dienstwillige Personen – eine Verdreifachung der Zahlen, wie das SRF berichtet. Dennoch ist die Zahl, gemessen an 18’000 neu Aufgebotenen für die Rekrutenschule, sehr gering.

Der alternative Militärdienst ist eine Möglichkeit für Personen, die wegen einer Behinderung oder eines medizinischen Problems für dienstuntauglich erklärt wurden, aber keinen Wehrpflichtersatz zahlen wollen. Die Männer müssen unter 26 Jahre alt sein, dürfen niemanden gefährden und werden etwa in der Militärverwaltung oder in einem Armee-Logistikcenter eingesetzt, wie Mirco Baumann, Sprecher beim Verteidigungs-Departement, zum SRF sagt.
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Armee startet neue Offensive bei Frauen

Auf Instagram gingen Selfies von Schweizer Soldatinnen jüngst unter dem Hashtag #schweizerarmee viral. Selbst die britische Presse wurde auf unsere «hot female recruits» aufmerksam. Dem Hype zum Trotz: Frauen, die Dienst leisten, sind in der Schweiz immer noch eine absolute Minderheit: Zum Erhebungszeitpunkt im letzten März waren 1117 Frauen in der Armee eingeteilt – damit waren nur gerade 0,7 Prozent aller Armeeangehörigen weiblich. Das wollen die Sicherheitspolitiker des Nationalrats ändern. Vor Wochenfrist haben sie eine Motion eingereicht, die den Bundesrat beauftragen soll, alle jungen Frauen zu den Orientierungstagen der Armee einzuladen. Dadurch soll der Militärdienst «speziell auch für Frauen attraktiver» werden, wie es in der Mitteilung der Kommission heisst.
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Neues Anforderungsprofil soll mehr Soldaten bringen

Die Schweizer Armee steht vor einem massiven Umbau. Doch schon jetzt zeigt sich: Der neuen Armee fehlen Hunderte Soldaten pro Jahr. Woran liegt‘s? Wo muss die Politik den Hebel ansetzen? Die «Rundschau»-Reportage: Auf Tuchfühlung mit Schweizer Soldaten. Von der Rekrutierung bis zur Panzergrenadier RS.

Schattenboxen gegen «Zivis»

Um auch in Zukunft genügend und vor allem motivierte Soldaten, Unteroffiziere und Offiziere zu haben, muss die Armee ihre Hausaufgaben machen. Über die Hälfte der Personen, die in den Zivildienst abwandern, reichen ihr Gesuch während oder nach der Rekrutenschule ein. Das sollte zu denken geben. Es sind junge Menschen, die nicht nur aus Bequemlichkeit, wie ihnen gerne unterstellt wird, sondern oft aus Verdruss der Armee den Rücken kehren. Gewiss, der Militärdienst kann keine Wohlfühloase sein: Er ist physisch und psychisch anspruchsvoll und bringt Unangenehmes mit sich wie Nachtübungen, Märsche und Wachtdienste, schliesslich soll er die Soldaten auf den militärischen Ernstfall vorbereiten. Doch es gibt diverse Möglichkeiten, seine Attraktivität wieder zu steigern: ein höherer Sold, Steuererleichterungen, die Zertifizierungen militärischer Tätigkeiten, für das Studium anrechenbare ECTS-Punkte bei Kaderausbildungen – oder generell weniger Leerlauf in den Wiederholungskursen.
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