Leoparden gibt es nur noch im Zoo

Wer heute in Rothenburg Leoparden sehen will, findet sie – es sind zwei Raubkatzen – nur noch in Toni’s Zoo. Die gepanzerten Leoparden sind nämlich bereits vor Jahren aus Rothenburg abgezogen und ins st. gallische Bronschhofen verlegt worden. 96 Stück sind dort stillgelegt und werden aus Effizienzgründen zentral an einem Ort in Schuss gehalten. «Die Stilllegungskosten für alle Panzer 87 Leopard belaufen sich pro Jahr auf rund 500 000 Franken», schreibt Jacqueline Stampfli-Bieri, stellvertretende Leiterin Kommunikation im Bundesamt für Rüstung, Armasuisse.

Von den 380 Leoparden, die in den 1980er-Jahren für 3,53 Milliarden Franken akquiriert wurden, sind es im Verlauf der Jahre immer weniger geworden. Nicht einmal mehr die Hälfte davon steht derzeit noch im Einsatz. Von den 172 noch benutzten Tanks […] sind mehr als 30 ihrer ursprünglichen Funktion enthoben. Diese «Mutanten» stehen heute zum Beispiel als Genie- oder Mienenräumpanzer im Armee-Einsatz. Von den Panzern sind bis dato 109 ins Ausland verkauft worden. Teils an die kanadische Armee, aber auch an die beiden deutschen Rüstungskonzerne Rheinmetall und Krauss-Maffai Wegmann.


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Jährlich riesige Mengen ausser Dienst: Um altes Armeematerial ist ein Streit entbrannt

Streitpunkt ist etwa das Mannsputzzeug. Laut den Veteranen wurden in den letzten Jahren «weit über 100’000 Mannsputzzeug liquidiert», zum Teil verbrannt. Gleichzeitig sei neues beschafft worden, das sich vom alten im Inhalt nur in einem Punkt unterscheidet: Es fehlen Knöpfe und Nadeln. «Vor einigen Jahren wurde das Mannsputzzeug durch das Reinigungsset 09 abgelöst», bestätigt Armeesprecher Daniel Reist. Und: «Dieses beinhaltet nach wie vor ein Näh-Set, bestehend aus Nadeln und Faden. Das Reinigungsset 09 beinhaltet jedoch keine Knöpfe mehr, weil bei der aktuellen Bekleidung der Armee weitgehend auf Knöpfe verzichtet wurde.»
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Korpskommandant Schellenberg: «Sistierung von Bodluv war ein Glücksfall»

Bemerkenswerte Zitate:

„Im Rückblick war die Sistierung [von BODLUV] politisch und inhaltlich ein Glücksfall.“

„Die Armeeausgaben haben in den letzten 20 Jahren real um bis zu 40 Prozent abgenommen, gemessen am Bundeshaushalt haben wir noch nie so wenig für die Armee ausgegeben. Das hat dazu geführt, dass wir taktisch und technisch veraltete Systeme nicht mehr ersetzen konnten und deren Nutzung einfach mit Werterhaltungsprogrammen verlängerten. Dieses Potenzial ist jetzt ausgereizt. Das hat auch der Bundesrat erkannt, der nun zu den 8 Milliarden für die Luftverteidigung auch noch 7 bis 8 Milliarden Franken für den Ersatz der anderen Systeme bereitstellen will. Wir werden aber niemals alles ersetzen können.“

„Die Alimentierung bleibt ein Problem. Um den Sollbestand von 100 000 Armeeangehörigen zu erfüllen, brauchen wir einen Effektivbestand von 140 000 Personen. Im Übergang zur WEA hatten wir gerade einmal 133 000, wovon etwa 29 000 gar nicht mehr weiterbildungspflichtig waren. Das ist äusserst knapp. Zudem haben die strukturellen Änderungen in der Organisation dazu geführt, dass einzelne Bataillone über-, andere aber unteralimentiert sind.“


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VBS informiert mit Bericht über seine Top-Projekte und deren Herausforderungen

In einem Bericht stellt das VBS seine wichtigsten Projekte vor. Die meisten betreffen die Armee-Infrastruktur. So erreichen laut dem VBS viele Kampfsysteme bis 2030 ihr Ablaufdatum und müssen ersetzt werden. Darunter der Kampfjet F/A-18. Das Problem sei, dass das Geld nicht reichen werde. Ab 2020 bekommt die Armee 5 Milliarden Franken pro Jahr, drei für den Betrieb und zwei für Investitionen. Da Kampfflugzeuge und andere Waffen jedoch teuer sind, werde es nicht möglich sein, das veraltete Material vor der Frist zu ersetzen.
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Schweizer Armee verteilt Kampfstiefel im Überfluss – Tausende bleiben unbenutzt

Zahlreiche Zivildienstleistende haben bei der Aushebung Kampfstiefel erhalten, die sie nie brauchen – weil sie zum Beispiel im Alters- oder Pflegeheim arbeiten. Manche verkaufen die Schuhe gar im Internet.
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Generation Turnschuh hat Mühe mit Kampfstiefeln

Die Jugendlichen von heute gehören zur Generation Turnschuh. Sie sind sich weder hohe Stiefel, die weit über den Knöchel reichen, noch robuste Schuhe mit harten Sohlen gewöhnt. Eine Tatsache, die im Militär zu Problemen führt. In der Rekrutenschule, wo die jungen Soldaten von Tag eins an Kampfstiefel tragen müssen, kommt es deswegen immer öfter zu Ausfällen.

Laut Armee gibt es keine Zahlen dazu, wie viele Rekruten Probleme mit den Füssen haben oder aufgrund des Schuhwerks Verletzungen erleiden. Aus Armeekreisen heisst es aber, die Rekruten sollen überdurchschnittlich oft entzündete Sehnen und Gelenke haben. Besonders betroffen sei die Achillessehne.
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Das Zelttuch 64 wird ausgemustert und durch ein mangelhaftes China-Modell ersetzt

Die Militärblache. Exakt 1,65 Meter mal 1,65 Meter gross, 32 Knopflöcher und 65 Aluminiumknöpfe. Trocken 1,25 Kilogramm schwer, nass das Doppelte. Das letzte Modell, das Zelttuch 64 im Tarnmuster, wurde 1964 eingeführt und wird seit den 90er-Jahren nicht mehr hergestellt. Doch in den Lagern der Pfadi, Cevi und Jubla werden sie noch immer zu grossen Aufenthaltszelten zusammengeknüpft. Sie sind Dächer über Lagerküchen, reissfestes Spielmaterial, und sogar zu Saunen kann man sie verwenden, wenn man aufpasst.

Doch in den letzten Jahren mussten immer mehr ausgemustert werden. Der Bestand schrumpfte von 330 000 Blachen im Jahr 2007 auf nur noch 200 000 im letzten Jahr. Lange waren sie unverwüstlich, jetzt sind sie doch langsam fadenscheinig. Die Jugendverbände fürchteten, bald ganz darauf verzichten zu müssen. «Ohne Blachen wären wir aufgeschmissen gewesen», sagt Pascal Prétôt, Ausbildungsverantwortlicher bei der Cevi. Zum Glück beschloss der Bund neue Blachen zu beschaffen und bewilligte eine Million Franken für eine erste Lieferung von 185 000 neuen Zelttüchern.
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Oesterreichs Bundesheer greift seine Reserven an

Hat die Regierung an der falschen Stelle gegeizt? Nicht zuletzt auch wegen der Terroranschläge in Paris und des anhaltenden russisch-ukrainischen Konflikts haben unlängst alle Fraktionen im Parlament Verteidigungsminister Gerald Klug (SPÖ) aufgefordert, die Sicherheitslage neu zu bewerten – und das Sparpaket für das Bundesheer zur Disposition gestellt. Derzeit arbeitet dazu der Generalstab „so rasch wie möglich“ eine Expertise aus, wie es aus Klugs Ressort heißt. Denn im Vorjahr wurde dem Bundesheer vom Finanzressort ein harter Sparkurs abverlangt, sodass man sich das Stilllegen von einem guten Dutzend Kasernen, die Auflösung ganzer Kompanien und Bataillone sowie die Reduktion schwerer Waffen verordnen musste.

Heeresintern gibt man längst zu, dass „wir Dinge verkaufen, die wir eigentlich brauchten, auch nicht zuletzt, um uns den Sprit leisten zu können„. Darunter fällt der Verkauf von Liegenschaften, die mitunter auch als Flüchtlingsunterkünfte dienen könnten, oder das Verscherbeln von 650 Pinzgauer-Geländewagen. Besonders pikant: Die „Bevorratung des Treibstoffs“ für die Republik wurde ebenfalls eingespart – also jene Tanks, die im Katastrophenfall monatelang den Sprit auch für Rettung und Feuerwehr garantieren sollten. Ein hoher Militär: „Die Kürzungen gehen mittlerweile an unsere strategische Reserve.“ 
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„Kampfkraft der Infanterie erfährt markante Steigerung“

Als grösste und polyvalenteste Truppengattung ist die Schweizer Infanterie vom Wandel des modernen Kriegsbildes besonders betroffen. Der Kommandant des Lehrverbandes Infanterie, Brigadier Lucas Caduff, berichtete im November auf Lilienberg aus erster Hand über die Herausforderungen für seine Truppengattung und den bedeutenden Modernisierungsschub, den diese derzeit durchläuft.
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Bundeswehr: „Man muss die Mangelwirtschaft wieder abschaffen“

Die Bundeswehr brauche in den nächsten Jahren einige Milliarden Euro, um dem Ziel der Vollausstattung wieder näherzukommen, sagte der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Hans-Peters Bartels, im DLF. Die derzeitige „Mangelwirtschaft kann kein Dauerzustand sein“ angesichts der veränderten Sicherheitslage. Die Bundeswehr „wird gebraucht für Sicherheit in Europa“, sagte Bartels.

Wie hoch schätzen Sie den Nachrüstungsbedarf, sag ich mal, um auf diese 100 Prozent zu kommen?

Bartels: Ich kann da keine Summe nennen, aber es werden Milliarden sein über die nächsten Jahre. Wir haben nach der letzten Bundeswehrreform diese Vorgabe, dass 70 Prozent des Großgeräts ausreichen sollen, also 70 Prozent der Panzer, 70 Prozent der Schützenpanzer, 70 Prozent der Artilleriesysteme. Zum Teil ist das Material inzwischen auch schon abgegeben, das heißt, es ist nicht mehr da, zum Teil ist es noch da. Da hat der Inspekteur des Heeres – sehr zu Recht -, der neue Inspekteur, als Erstes Weisung erteilt, jetzt nichts mehr abzugeben. Also nichts außer Dienst zu stellen, was man noch brauchen kann und vor allem nicht, bevor das Neue nicht da ist.


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Erinnerungen an die Armee 61

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